Zenneck, Jonathan

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Hauptmann d. R. a. D. Geheimer Regierungsrat Prof. Dr. rer. nat. Dr.-Ing. E. h. Jonathan Zenneck, u. a. ordentlicher Professor der Experimentalphysik an der Technischen Hochschule in München sowie Vorstand des Physikalischen Institutes. Des weiteren war er u. a. ordentliches Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, korrespondierendes Mitglied der Göttinger Akademie, korrespondierendes Mitglied der Braunschweigischen Wissenschaftlichen Gesellschaft, Mitglied der Deutschen Akademie der Luftfahrtforschung, Ehrenmitglied sowie Ehrenpräsident des Deutschen Museums, Ehrenmitglied der Deutschen Physikalischen Gesellschaft, Ehrenmitglied der Deutschen Gesellschaft für technische Physik, Ehrenmitglied des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI), Ehrenmitglied des Verbands Deutscher Elektrotechniker (VDE), Mitglied des Senats der Lilienthal-Gesellschaft für Luftfahrtforschung und Mitglied des Vorstandes des Flugfunkforschungsinstitutes Oberpfaffenhofen. Rund 200 wissenschaftliche und geschichtliche Veröffentlichungen tragen seinen Namen. Er war auch über zwei Jahrzehnte Schriftleiter des führenden Fachorgans, der „Zeitschrift für Hochfrequenztechnik und Elektroakustik“, in der die meisten Arbeiten von ihm und seinen Schülern erschienen.

Jonathan Adolf Wilhelm Zenneck (Lebensrune.png 15. April 1871 in Ruppertshofen, Königreich Württemberg; Todesrune.png 8. April 1959 in Althegnenberg, Oberbayern) war ein deutscher Physiker (Hochfrequenztechnik, Ionosphärenforschung, Elektroakustik), Geschäftsführender Vorstand des Deutschen Museums von Meisterwerken der Naturwissenschaft und Technik in München und Hochschullehrer sowie Reserveoffizier der Marineinfanterie der Kaiserlichen Marine. Beigesetzt wurde der Funkpionier und Miterfinder der Kathodenstrahlröhre auf dem Bogenhausener Friedhof in München).

Werdegang

1905 an der Universität in Danzig; Zenneck hatte eine Anzahl wertvoller Patente über neue Dinge in der drahtlosen Telegraphie anmelden können, aber er tat dies ebensowenig wie Max Wien. Von Zenneck stammen z. B. die Erfindungen des Wellenmessers (1899), des Richtsendens mit Hilfe eines Reflektordrahtes (1900) und der Frequenzvervielfachung durch Organe nichtlinearer Charakteristik (1899).
Haupteingang des Internierten- und Kriegsgefangenenlagers Fort Oglethorpe
„Zenneck war in München ein vorbildlicher Institutsleiter, keineswegs ‚professorenhaft‘, vielmehr seinen Schulern ein väterlicher Freund und Helfer in wissenschaftlichem wie in persönlichem Sinne, und er war ihr bester Sportskamerad im Segeln, Bergwandern und Schilaufen. Sprichwörtlich bekannt wurde sein Lodenumhang, mit dem er alle Wetterzufalligkeiten (ohne Regenschirm) parierte.“[1]
Karikatur zum 65. Geburtstag
Zenneck wurde zu seinem 70. Geburtstag am 15. April 1941 von Karl-Otto Saur im Namen des Führers mit dem Kriegsverdienstkreuz II. Klasse ausgezeichnet. Er hatte nicht nur der Luftwaffe mit seinen Erforschung der höchsten Schichten einen großen Dienst erwiesen sondern hatte auch 1941 über die Erwärmung von Maschinengewehrläufen beim Schießen publiziert.
„Die Hauptthese der ‚Physikalischen Blatter‘, dieser ‚physikopolitischen Zeitschrift‘, wie sie Brüche nannte, war: Forschung tut not – im Frieden, im Krieg und erst recht im totalen Krieg. Immer wieder wurde in ihren Spalten betont, daß nicht nur die angewandte Forschung kriegsentscheidend sei, sondern auch die Grundlagenforschung. Die Kronzeugen für die Bedeutung der Wissenschaft waren die namhaften Gelehrten, die wie Liebig, Helmholtz, Siemens und Planck bereits vor Jahrzehnten für eine stärkere Forderung der Forschung plädiert hatten, oder die wie Jonathan Zenneck, Carl Ramsauer und Wolfgang Finkelnburg in den letzten Jahren damit hervorgetreten waren. Zu Wort kam auch der Engländer William Bragg und der Amerikaner Austin H. Clark. Alle diese Beitrage betonten die wichtige Rolle der Wissenschaft im Industriestaat, waren aber gänzlich ideologiefrei.“[2]
  • 1871 geboren als Schwabe, Sohn eines evangelischen Geistlichen von zahlreicher Familie.
  • Zenneck verbrachte seine Schulzeit zunächst in Crailsheim. Anschließend besuchte er ab 1885 die evangelisch-theologischen Seminare (Gymnasien) im Kloster Maulbronn und ab 1887 in Blaubeuren, wo er die Sprachen Latein, Französisch, Griechisch und Hebräisch erlernte.
    • Zenneck war keinesfalls als Physiker oder etwa gar Ingenieur aus­gebildet worden. Aus einer kinderreichen Pfarrersfamilie stammend, wurde er in den Seminaren zu Maulbronn und Blaubeuren erzogen. Sein Vater hegte die Hoffnung, er möge Pfarrer werden.
  • 1889 bis 1894 Studium, zunächst Theologie und dann Naturwissenschaften.
    • in Tübingen legte er das Staatsexamen für das höhere Lehramt in Mathematik, Physik und Zoologie ab
  • 1894 mit der Dissertation „Die Anlage der Zeichnung und deren physiologische Ursachen bei Ringelnatterembryonen“ wurde er im Fach Zoologie zum Dr. rer. nat. promoviert.
  • 1. Oktober 1894 Einjährig-Freiwilliger bei der Marineinfanterie der Kaiserlichen Marine in Kiel
    • anschließend zur Landwehr-Reserve übergetreten (u. a. Landwehrbezirke Danzig, Braunschweig und München), mehrere Reserveübungen
  • Oktober 1895 Assistent (1895 bis 1899 noch 2. Assistent) von Ferdinand Braun am Physikalischen Institut der Universität Straßburg
    • Hier nahm er mit der Durchführung von Reichweitenversuchen an der praktischen Erprobung des von Braun entwickelten neuen Senders teil. Mit diesem aus Kondensatorkreis und Funkenstrecke mit induktiv angekoppelter Antenne aufgebauten Sender gelang es, die bisher von Marconi mit seinem Sender erzielten Reichweiten zu übertreffen.
  • 1898 bis 1900 Jonathan Zenneck hatte im Auftrage von Professor Braun von der Universität Straßburg Versuche durchgeführt, um funktelegraphisch die Entfernung zu den Feuerschiffen in der Elbe und nach Helgoland zu überbrücken. Letzteres gelang ihm am 25. September 1900. Seither gilt Cuxhaven als die Wiege des deutschen Seefunks.
    • Braun begann seine bekannten Versuche über drahtlose Telegraphie im Jahre 1898 und betraute Zenneck mit deren Durchführung in Cuxhaven, auf den Feuerschiffen der Elbmündung und dem Dampfer „Silvana“, der hierfür zur Verfugung stand, und schließlich auf Helgoland. Manche Erlebnisse dabei in Wind und Wasser waren gefährlich genug, aber glücklicherweise hatte Zenneck vorher sein Militärjahr beim I. Seebataillon in Kiel abgedient und dort segeln gelernt.
  • 1901 Privatdozent am Physikalischen Institut der Universität Straßburg im Reichsland Elsaß-Lothringen
  • 1905 Ruf aus Danzig als außerordentlicher Professor am Physikalischen Institut der neu gegründeten Technischen Hochschule in Westpreußen
    • Nach Abschluß der Versuche 1900 hatte Zenneck die Wahl, in die Industrie überzuschwenken oder der Hochschulphysik treu zu bleiben. Er entschloß sich für das Letztere, was ihm 1905 den Ruf zum a. 0. Professor am Physikalischen Institut der eben gegründeten Technischen Hochschule Danzig einbrachte, und wo er Max Karl Werner Wien (1866–1938) als Instituts-Direktor antraf. Diese beiden Fachmänner der elektrischen Schwingungen und der drahtlosen Telegraphie wurden gute Freunde und sind es ihr Leben lang geblieben, haben auch manchen Rehbock und manchen Hasen auf der Jagd zusammen erlegt.
  • 1905 Das erste von Zenneck verfaßte Lehrbuch „Elektrische Schwingungen und drahtlose Telegraphie“ (Verlag F. Enke, Stuttgart 1905) ist die Bibel der damaligen Schwingungsphysiker geworden.
    • Ein zweites, mehr der Praxis gewidmetes, war das „Lehrbuch der drahtlosen Telegraphie“ (Verlag F. Enke, 5 Auflagen 1909 bis 1924). Besonders hervorzuheben ist auch eine theoretische Arbeit (1907 in „Annalen der Physik“ Nr. 28, auch 1908 in „Physikalische Zeitschrift“ Nr. 9),[3] in welcher Zenneck die Ausbreitung elektrischer Wellen über eine Erdoberflache beliebiger Leitfähigkeit und Dielektrizitatskonstante errechnet und zeigt, daß die Feldkonfiguration wesentlich anders verlauft, als es unter der Voraussetzung einer Erdoberflache mit unendlich großem Leitvermögen abgeleitet worden war.
  • 1906 Ordinarius an der Technischen Hochschule in Braunschweig
  • 1909 In diesem Jahr hatte Zenneck die Tochter eines Braunschweiger Kollegen geheiratet, und glücklicherweise war ihm ein vorbildliches Familienleben mit einer dreiköpfigen Nachkommenschaft beschieden. Der jüngere seiner beiden Sohne fie1 jedoch 1941 zu Anfang des Ostfeldzuges.
  • 1909[4] bis 1911 Physiker bei der BASF in Ludwigshafen am Rhein, wo er über die Herstellung von Stickoxyden in Lichtbogenöfen arbeitete
    • er übernahm nun doch Industriephysik, nicht drahtlose, sondern als erster Physiker in der gesamten chemischen Industrie bei der Badischen Anilin- und Sodafabrik Ludwigshafen, besonders in deren norwegischen Werken in Kristiansand und Notodden, die mit Lichtbogen bis zu 8 m Lange in ihren Synthese-Ofen arbeiteten.
  • 1911 Ordinarius an der TH Danzig
    • Lehrstuhl für Physik als Nachfolger des an die Universität Jena berufenen Max Wien.
  • 1913 Ordinarius und Direktor des Physikalischen Instituts an der TH München
    • Zenneck erhielt den großen Ruf nach Munchen, nahe seiner suddeutschen Heimat, nahe seinen geliebten Bergen, ihren Jagden (er war schon seit seiner Jugend ein leidenschaftlicher Jäger) und Fischwassern, der Ruf an eine große Technische Hochschule, an welcher er sich beruflich auswirken konnte.
  • 1914 Reaktiviert und mit dem I. Seebataillon als Kompanieführer an die Westfront kommandiert, wo die Marineinfanteristen erfolgreich ein Fort in Antwerpen stürmten. Wegen seiner Tapferkeit wurde er Ritter des Eisernen Kreuzes, II. Klasse.
  • Ende 1914 bis 1917 Während des Ersten Weltkriegs wurde er vom Auswärtigen Amt nach den Vereinigten Staaten entsendet, um als Gutachter der „Telefunken AG“ amerikanische Patent-Einsprüche abzuwehren, die gegen die einzige deutsche Funkverbindung in die Vereinigten Staaten erhoben worden waren.
    • Nach dem Abschneiden aller Kabel war die Funkversuchsstation Sayville bei New York die einzige Verbindung nach dem damals noch neutralen Amerika. Eine ausländische Industriegruppe (Prozeß Marconi Wireless Telegraph Company of the United States gegen die Atlantic-Communication Company) versuchte in den damals noch neutralen USA die Gegenstation von Nauen, die Telefunken-Großstation Sayville (auf Long Island), durch einen Patentprozeß still­zulegen. Um das zu verhindern, wurden Ferdinand Braun und Zenneck auf abenteuerlichen Wegen (es herrschte Blockade) nach New York gebracht. Braun und Zenneck erhielten den Auftrag, diese Station nicht nur technisch zu verbessern, sondern sie auch vor kalter Stillegung durch Klagen auf Patentverletzung zu schützen. Dort erkrankte Braun, der schon 65 Jahre alt war, schwer, und Zenneck vertrat allein als Sachverständiger die deutschen Interessen, und zwar mit soviel Fachkenntnis und Geschick, daß Sayville bis zum Eintritt der USA in den Krieg ungehindert arbeiten und reisen (z. B. nach Boston) konnte. Dann mußte Zenneck sich selbst gegen eine ungerechtfertigte Anklage wegen Spionage wehren und längere Zeit in einem Internierungslager verbringen. Die Station wurde beschlagnahmt. Im Gegensatz zu Zennecke, Reserveoffizier, durfte Braun während der Internierung privat wohnen. Insgesamt wurden 6.300 Deutsche und Deutschamerikaner verhaftet, davon 3.600 interniert.[5]
  • 1917 außerordentliches Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften; ab 1920, nach der Rückkehr in die Heimat, ordentliches Mitglied und Klassensekretar der Mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse
  • 6. April 1917 in den USA im Fort Oglethorpe[6] in Georgia interniert
    • Zenneck verstand es ausgezeichnet durch Beschäftigung, die auch bei bester Behandlung auftretende Stachel­drahtpsychose zu bannen. Er organisierte nicht nur eine Rettichzucht und Handballwettspiele, sondern hielt auch für junge deutsche Studenten Vorlesungen (schon Ende 1917 trafen die ersten deutschen kriegsgefangenen ein, bis 1920 waren es rund 4.000 Soldaten und internierte Zivilisten), an denen auch Bewacher mit Deutschkenntnissen teilnahmen. Er betreute auch Doktorarbeiten in dieser Zeit.
  • 1919 Entlassung aus der Internierung und Rückkehr in die Heimat; Einen Ruf an die Universität Würzburg[1] lehnte er ab.
  • 1919 bis 1939 Hochschullehrer und Direktor des Instituts für Experimentalphysik an der Technischen Hochschule München
    • Forschungsarbeiten und wissenschaftliche Veröffentlichungen aus dem Physikalischen Institut ab 1919
  • 1929 Mitglied der DNVP
  • 1930 Zenneck gründete zusammen mit seinem Schüler Georg Johann Ernst Goubau (1906–1980) am Herzogstand bei Kochel die erste deutsche Ionosphärenstation, in der er mit vielen seiner Schüler bemerkenswerte Forschungsresultate erzielte. Mit Unterstützung der Luftfahrtakademie wurde aus dem Unternehmen die Zentralstelle für Ionosphärenforschung mit einer Auswertestelle in München.
    • Nachdem Funkamateure Mitte der 1920er Jahre nachgewiesen hatten, daß sich Kurzwellen viel besser für den weltweiten Funkverkehr eignen als die Längstwellen, wurden die Anlagen der Funkstation am Herzogstand (seit 1920) nicht mehr für den Funkverkehr benötigt. Sie wurden ab 1930 dem Physikalischen Institut der Technischen Hochschule München für Forschungsarbeiten zur Verfügung gestellt. Unter der Leitung von Jonathan Zenneck entstand hier die erste deutsche Ionosphärenforschungs-Station. Zennecks Assistent Goubau nutzte außerhalb seiner Programmzeiten den Münchener Rundfunksender für die Sendung kurzer Zeichen (Impulse) auf Mittelwelle. Die Echosignale wurden zunächst in wenigen km Entfernung in Kochel, dann an der Station selbst registriert. Später wurden, insbesondere von Walter Dieminger Impuls-Sendungen mit eigenen Sendern durchgeführt, die auch in größeren Entfernungen empfangen wurden. Dafür wurden eigene Antennen errichtet; die Bergantenne wurde 1934 abgebaut. Kochel-Berlin war die erste Impuls-Fernverbindung, mit der Rudolf Eyfrig Aufschlüsse über die verschiedenen Ausbreitungswege der Kurzwellen zwischen Ionosphäre und Erde ermittelte. Eine Sende-Empfangs-Anlage mit variabler Frequenz wurde von Georg Goubau und Theo Netzer erstellt, ab 1937 in Betrieb genommen und bis 1946 durchlaufend betrieben. Die Ergebnisse vermittelten ein Bild der Dichte freier Elektronen in Abhängigkeit von der Höhe, das für die Vorhersage der Ausbreitungs-Bedingungen hilfreich wurde.
  • 1933 bis 1953 als Nachfolger Oskar von Millers Vorsitz im Vorstand des Deutschen Museums in München (Mitglied und Mitarbeiter von Millers seit 1930)
  • 1935 bis 1937 und Januar bis September 1940 Vorsitzender der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (1937 bis 1939 hatte Peter Debye das Amt des Vorsitzenden der DPG inne, ab 1940 Carl Wilhelm Ramsauer, zuvor Vorsitzender der „Physikalischen Gesellschaft zu Berlin“)
    • Im September des Jahres 1935 fand der „Elfte Deutsche Physikertag“ in Stuttgart im Stadtgartensaal und in der Technischen Hochschule statt. Diesmal gehörten neben der „Elektronen- und Ionenleitung fester Korper“ die „Ultrastrahlung und Kernphysik“ zu den Hauptthemen, und es gab dazu 17 Referate, u. a. von Walther Bothe, Rudolf Fleischmann, Hans Geiger, Wolfgang Gentner, Otto Haxel und Carl Friedrich von Weizsäcker. Aus London war sogar P. M. S. Blackett angereist. Auf der ordentlichen Geschäftsversammlung am 25. September nahmen 86 Mitglieder teil; Jonathan Zenneck wurde mit 80 Stimmen als Nachfolger für Karl Mey zum neuen Vorsitzenden gewählt.
    • Die nächste große Physikertagung fand am 1. und 2. September 1940 in Berlin statt und wurde gemeinsam von der Deutschen Physikalischen Gesellschaft und der Deutschen Gesellschaft fur Technische Physik veranstaltet. In seiner Eröffnungsansprache rühmte Zenneck den Fuhrer, der Deutschland wieder eine geachtete Stellung in der Welt verschafft habe: „Wir sind heute mehr als je durchdrungen von dem tiefsten Danke für unseren Fuhrer, wir sind alle beseelt von dem Vertrauen, daß er das Werk, das er begonnen, zu einem für uns alle glücklichen Ende fuhren wird.“ Die Wahl des Vorsitzenden erbrachte bei 93 Anwesenden 70 Stimmen fur Carl Ramsauer, den Direktor des AEG-Forschungslaboratoriums. Nach sorgfältigen Konsultationen holte sich Ramsauer als seinen Stellvertreter Wolfgang Finkelnburg, den Dozentenführer an der TH Darmstadt.
  • 22. Januar 1937 Vortrag auf der Festsitzung der Reichswirtschaftskammer[7] anläßlich des 60. Geburtstages des Reichsbankpräsidenten Hjalmar Schacht
  • 1937 Ordentliches Mitglied der Deutschen Akademie der Luftfahrtforschung
    • seit dem 1. März 1942 Ordentliches Mitglied auf Lebenszeit
  • 1938 bis 1946 Vizepräsident der „Union Radio-Scientifique Internationale“ (Generalversammlung: Venedig/Rom)
    • Zenneck war in den 1930er Jahren der erste Vertreter Deutschlands in der URSI und wurde 1938 zu einem der beiden Vizepräsidenten der URSI gewählt (mit G. Pession aus Italien). Er gehörte Anfang der 1950er Jahre zum Seniorenkreis der „Arbeitsgemeinschaft Ionosphäre“, der Vorläuferin des deutschen U.R.S.I.-Landesausschusses.
  • 1939 Korrespondierendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen
  • März 1939 an der TH München emeritiert worden. Jedoch blieb er geschäftsführender Vorstand des Deutschen Museums in München, ein Vorbild an Arbeitsfreude und Schaffenskraft.
    • Das Institut mit seinem großen Hörsaal wurde später durch den Bombenterror zum Trümmerhaufen. Was die Flammen übrig ließen, verrottete allmählich durch die Witterung oder fiel Dieben zum Opfer, das Deutsche Museum war so durch Bomben zugerichtet, daß mancher sagte: Hier ist nicht mehr zu helfen. Die Ionosphärenstation war ihrer Apparate beraubt.
  • 1941 Sohn Ernst Zenneck (Lebensrune.png 10. Dezember 1920 in München) war am 22. Juni 1941 als Leutnant beim Sturm auf die Zitadelle Brest-Litowsk gefallen. Er war stark, sportlich (wie sein Vater liebte er das Reiten, das Segeln, das Schilaufen und vieles mehr) und hochintelligent. Das Schicksal seines jüngsten, so innig geliebten Kindes traf ihn hart.
  • 1944: Korrespondierendes Mitglied der Braunschweigischen Wissenschaftlichen Gesellschaft
  • Oktober 1950 erneut Vorsitzender der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG)

Nachkriegszeit

Jonathan Zenneck (links) und der US-amerikanische Erfinder Lee de Forest (1873–1961) im Deutschen Museum am 3. September 1956 anläßlich dessen Besuch der Physikertagung in München (Jahrestagung des Verbandes Deutscher Physikalischer Gesellschaften).
„Be­sonders schmerzlich muß es ihm gewesen sein, daß er die Jagd, die er von Jugend auf leidenschaftlich liebte, nicht mehr ausüben konnte und er von seinem Landhäuschen in Althegnenberg auf sein schönes Revier blicken mußte, ohne daß er auch nur ein Häs­chen heimbringen konnte. Aber die Zeit hat nun doch manche Wunden vernarben lassen. Das Institut ist bis auf wenige dunkle Punkte nach 5 Jahren wieder aufgebaut, insbesondere ist der große Hörsaal ganz im alten Stil wieder im Gebrauch. Allen Schwarzsehern zum Trotz ging Zenneck mit eiserner Energie an den Wieder­aufbau des Deutschen Museums heran. Es war ihm klar, daß man zur Selbsthilfe greifen und neue Einnahmequellen erschließen mußte. So wurde ein Teil des Bibliotheksbaus an das wiedererrichtete Patentamt, der Kongreß-Saal für 6 Tage in der Woche an ein Kino vermietet. Aber nun ersteht Abteilung über Abteilung in alter Schönheit. […] So sind, wenn ZENNECK den großen Tag im Kreise seiner Familie, die aus Gattin, Sohn und Tochter mit Familien, insgesamt 6 Enkelkindern, besteht, feiert, alle guten Wünsche nicht nur seiner engeren Freunde, sondern einer ungeheuren Zahl von Schülern und Fachgenossen der ganzen Welt bei ihm. Möge er den Eintritt in die 10. Dekade ebenso frisch und tatenfroh begehen, wie den in die neunte!“ — Sonderabdruck aus „Zeitschrift für angewandte Physik“ zum 80. Geburtstag, 3. Band, 3./4. Heft, 1951[8]

Tod

Wie so viele große deutsche Physiker vor und nach ihm (z. B. Walter Dieminger) war auch Prof. Dr. Wolfgang Paul (1913–1993) ein Schüler (1932 bis 1934)[9] von Zenneck. Paul wurde 1989 Nobelpreisträger für Physik.

Jonathan Adolf Wilhelm Zenneck verstarb nach einem Krankenlager von nur wenigen Wochen am 8. April 1959 in Althegnenberg (Kreis Fürstenfeldbruck).

„Seine körperliche Widerstandsfähigkeit, die er sich bis ins hohe Alter bewahrte, war ebenso erstaunlich wie die Beweglichkeit seines Geistes. Auch jene Eigenschaft, die Tacitus an den germanischen Stämmen so bemerkenswert fand, daß sie nämlich Versprochenes zu halten pflegen, war bei ihm nicht verlorengegangen; auch in vorgeschrittenem Alter hielt er es noch mit seiner Würde vereinbar, Manuskripte pünktlich fertigzustellen. Zennecks Verdienste haben vielfache Anerkennung gefunden. Es läge sicher nicht in seinem Sinn, sie hier alle aufzuzählen. Als höchste Auszeichnung erhielt er das Großkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Sein Lebenswerk lebt in seinen Schülern, in seinen Kindern und Enkeln weiter. Alle, die ihn kannten, werden ihm immer dankbar sein für das Beispiel heiterer Pflichterfüllung, das er auch unter schweren Lebensbedingungen zugeben wußte.“[10]

Im Nachruf der Braunschweigischen Wissenschaftlichen Gesellschaft, vorgetragen in der Plenarsitzung am 11. November 1959, ist zu lesen:

„Am 8. April d. Js. verstarb in München kurz vor der Vollendung seines 88. Lebensjahres der Nestor der deutschen Hochfrequenztechnik Jonathan Zenneck, Geheimrat und em. o. Prof. der Experimentalphysik an der Techn. Hochschule in München, Ehrenpräsident des Deutschen Museums, unser korrespondierendes Mitglied seit Gründung der Gesellschaft. Ein reiches, menschlich und wissenschaftlich erfülltes Leben ist damit zu Ende gegangen. […] Zenneck tat das mit großer Selbständigkeit und der Energie, die ihn bei allen seinen Arbeiten kennzeichnete, und leistete so wichtige Pionierarbeit für die aufblühende Hochfrequenztechnik. Neben Marconi, Braun, Slaby, Arco, Max Wien gehört Zenneck zu den Männern, die das Fundament für das großartige Gebäude der heutigen Hochfrequenztechnik legten. Zenneck war ein ausgezeichneter Physiker und hervorragender Ingenieur zugleich. Das erkennt man besonders an seinem klassischen Buch ‚Elektromagnetische Schwingungen und drahtlose Telegraphie‘, das zuerst 1905 erschien, bei großer wissenschaftlicher Genauigkeit leicht verständlich geschrieben war und den Ingenieurstandpunkt weitgehend berücksichtigte. Das Buch. das oft neu aufgelegt und zuletzt von Zenneck gemeinsam mit Rukop bearbeitet wurde, war das erste Lehrbuch der Hochfrequenztechnik überhaupt, das Standartwerk und eine Quelle, aus dem die folgenden Generationen der Hochfrequenzphysiker und -Ingenieure über zwei Jahrzehnte lang die Grundlagen ihres Faches schöpften. […] Zenneck war nicht nur ein Forscher von internationalem Ruf, sondern auch ein hervorragender Lehrer. Seine Vorlesungen waren Kunstwerke, durch Klarheit und glänzende Experimentierkunst ausgezeichnet. Die Freunde und Kollegen, die Schüler, denen Zenneck ein leuchtendes :Beispiel als Mensch und Forscher war, werden ihn nicht vergessen, und wir in der Braunschweigischen Wissenschaftlichen Gesellschaft wollen seiner in Ehren gedenken. In die Geschichte der Hochfrequenztechnik aber wird sein Name a1s der eines Bahnbrechers und großen Meisters dieser Wissenschaft für immer eingehen.“[11]

Zitate

Kulturförderung durch Technik und Wissenschaft, 1935
  • „Und wenn vor dem jetzigen Krieg die Zahl der ausländischen Kollegen, die Mitglieder der Deutschen Physikalischen Gesellschaft waren, mehr als 20 % betrug […], so ist es Zeichen dafür, welches Ansehen unsere Gesellschaft und die deutsche Physik auch im Ausland genossen.“ — Prof. Dr. Zenneck, Eröffnungsrede der Physikertagung in Berlin, 1. September 1940

Beförderungen

Auszeichnungen und Ehrungen (Auswahl)

  • 1897: Zentenarmedaille
  • Landwehr-Dienstauszeichnung, II. (LD2) und I. Klasse (LD1)
    • I. Klasse im Oktober 1914
  • 1914: Eisernes Kreuz (1914), II. Klasse
  • 1916: König Ludwig-Kreuz[13]
  • 1926: Heinrich-Hertz-Medaille in Gold[14]
  • 1928: Ehrendoktor der Technischen Hochschule Dresden
  • 1928: Ehrenmedaille in Gold des Institute of Radio-Engineers (IRE Medal of Honor), New York
    • Die Ehrenmedaille ist die höchste Auszeichnung des Institute of Radio Engineers (IRE), welche im Bereich Informations- und Elektrotechnik für außergewöhnliche Arbeiten und Karrieren seit 1917 jährlich vergeben wird. Die Auszeichnung, inzwischen vom Institute of Electrical and Electronics Engineers (IEEE) verliehen, besteht aus einer Medaille (inzwischen nur noch aus Bronze), einem Zertifikat und einer Dotierung. Sie wird nur an einzelne, natürliche Personen vergeben.
  • 1932: Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft[15]
  • 1933: Gauß-Weber-Medaille der Göttinger Universität
  • 1934: Ehrenkreuz für Frontkämpfer
  • 1941: Kriegsverdienstkreuz (1939), II. Klasse
  • 1949: Goldene Ehrenmünze der Landeshauptstadt München
  • 1949: Grashof-Denkmünze des Vereins Deutscher Ingenieure
  • 1952: Großes Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland
  • 1952: Ehrenbürger von Ruppertshofen, die Grundschule in Ruppertshofen trägt den Namen „Zenneck-Schule“
  • Goldener Ring des Deutschen Museums[16]
  • 1956: Träger des Werner-von-Siemens-Rings
    • „Jonathan Zenneck wurde aus mehreren Gründen geehrt: Er leistete grundlegende Forschungsarbeit zur Funktechnik und förderte den physikalisch-technischen Nachwuchs. Darüber hinaus baute er das Deutsche Museum wieder auf und leitete es.“[17]
  • 1956: Aufstellung eines Zenneck-Gedenksteins an der Kugelbake in Cuxhaven, der inzwischen 85jährige Zenneck nahm an der Einweihung teil; durch Witterungseinflüsse zerstört.
    • mit der Inschrift: „Von dieser Stelle aus führte Jonathan Zenneck 1899–1900 seine ersten funktelegraphischen Versuche durch und schuf damit die Grundlagen für die Einführung eines deutschen Seefunkdienstes.“
  • 1957: Benennung der Jonathan Zenneck-Forschungsstation zur Ionosphärenbeobachtung – bei Tsumeb, Südwestafrika (heute Namibia) nach Zenneck
  • 1959: Zenneckbrücke in München (1924 von August Blössner gebaut)
  • 5. Dezember 1991: Jonathan-Zenneck-Weg, ein Weg rund um das Fort Kugelbake, ehemals ein Teil der Strandstraße
    • Es ist die nördlichste gewidmete Straße in Niedersachsen. Am nördlichsten Punkt des Weges befindet sich der Zenneck-Gedenkstein.
  • 1992: Aufstellung eines zweiten Zenneck-Gedenksteins an der Kugelbake in Cuxhaven durch den Elbe-Lotsen Helmut Bellmer
  • 2006: Aufstellung eines Gedenksteins nahe dem Walchensee-Kraftwerk, Kochel, Altjoch durch ehemalige Mitarbeiter

Schriften (Auswahl)

Über die täglichen Schwankungen im Zustand der F-Schicht / Vergleich des Zustandes der F2-Schicht an verschiedenen Orten / Die Berücksichtigung der Sonnentätigkeit bei Ionosphären-Vorhersagen / Die Ionisation der F2-Schicht in Beziehung zur Sonnentätigkeit von Jakob Oskar Brand, Rudolf Eyfrig und Jonathan Zenneck, in: „Schriften der Deutschen Akademie für Luftfahrtforschung“, Oldenbourg Verlag, München/Berlin 1943
Gedenkstein (2006)
  • Die Anlage der Zeichnung und deren physiologische Ursachen bei Ringelnatterembryonen, 1894
  • Die Zeichnung der Boiden, W. Engelmann, Leipzig 1898
  • Gravitation, 1901
  • Elektromagnetische Schwingungen und drahtlose Telegraphie, Stuttgart 1905
  • Leitfaden der drahtlosen Telegraphie, Verlag Ferdinand Enke, Stuttgart 1909
  • Die Verwertung des Luftstickstoffs mit Hilfe des elektrischen Flammenbogens. Vortrag gehalten am 23. September 1910 auf der 82. Versammlung Deutscher Naturforscher und Arzte in Königsberg i. Pr., S. Hirzel, Leipzig 1911
  • Lehrbuch der drahtlosen Telegraphie, Verlag Ferdinand Enke, Stuttgart 1913
    • zahlreiche Auflagen (1916 ergänzte Auflage, 1925 von Hans Rukop herausgegeben[18], zuletzt Reproduktion 2021[19]), auch Übersetzungen in Fremdsprachen
  • Elektronen- und Ionen-Ströme. Experimentalvortrag bei der Jahresversammlung des Verbandes Deutscher Elektrotechniker am 30. Mai 1922, J. Springer, Berlin 1922
  • Josef von Fraunhofer, VDI-Verlag, Berlin 1926
  • Heinrich Hertz, Rede bei der Heinrich Hertz-Feier der Universität Bonn am 19. November 1927, VDI-Verlag, Berlin 1929
  • Das Physikalische Institut der Technischen Hochschule München, 1929
  • Aus Physik und Technik – Vorträge und Aufsätze, Verlag Ferdinand Enke, Stuttgart 1930
  • Werner von Siemens und die Gründung der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt, VDI-Verlag, Berlin 1931
  • Oskar von Miller, Berlin 1934
  • Kulturförderung durch Technik und Wissenschaft, VDI-Verlag, Berlin 1935
  • Die Entwicklung der Funkentelegraphie, VDI-Verlag, Berlin 1936
  • Die Erforschung der höchsten Schichten der Atmosphäre mit Hilfe elektromagnetischer Wellen, Haus der Technik, Essen 1936
  • Wissenschaft und Volk, Festrede gehalten in der öffentlichen Sitzung der Bayerischen Akademie der Wissenschaften zur Feier des 178. Stiftungstages am 16. Juni 1937, Verlag der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, München 1938
  • Georg Simon Ohm, VDI-Verlag, Berlin 1939
  • Über die Erwärmung von Maschinengewehrläufen beim Schießen, mit Ernst Schmidt, Oldenbourg Verlag, München/Berlin 1941
  • Zum Gedächtnis an Hugo Bruckmann, VDI-Verlag, Berlin 1941
  • Werner Siemens und die Entstehung der Dynamomaschine, mit Friedrich Heintzenberg, in: „Abhandlungen und Berichte Deutsches Museum“, VDI-Verlag, Berlin 1941
  • Fortschritte der Hochfrequenztechnik, mit Fritz Vilbig und Maximilian Julius Otto Strutt, Akademische Verlagsgesellschaft, Frankfurt am Main 1941
  • Kurzbericht über die Bearbeitungen der Preisaufgabe 1940 der Lilienthal-Gesellschaft auf dem Gebiet des Funkwesens, Oldenbourg Verlag, München/Berlin 1942
  • Bücherei der Hochfrequenztechnik, mit Werner Kleen, Horst Rothe, Bruno Beckmann, J. W. Edwards, 1943
  • Zum 100. Geburtstag von Ferdinand Braun, Braunschweig 1950
  • Fünfzig Jahre Deutsches Museum München, Oldenbourg Verlag, München/Berlin 1953
  • Braun, Karl Ferdinand, in: Neue Deutsche Biographie (NDB), Band 2, Duncker & Humblot, Berlin 1955, S. 554 f.
  • Erinnerungen eines Physikers, München 1961
    • um 1948 niedergeschrieben (400 Seiten), von der Ehefrau posthum im Privatdruck herausgegeben

Zennecks Bewertung der US-Amerikaner (Auszug)

In Zennecks „Erinnerungen“ (1948/1961) gibt es ein Kapitel „Meine Eindrucke und Erfahrungen in den USA“, dessen analytische Schlußfolgerungen auch im 21. Jahrhundert von Interesse sein könnten:

„Besonders höflich war man gegen die Frauen. Hier ging man geradezu bis zur Förmlichkeit. Sobald in den Aufzug eine Frau hereinkam, nahmen alle darin befindlichen Männer ihre Hüte ab. Sprach man z. B. auf der Straße mit einer Dame, so behielt man den Hut abgenommen. Als allgemeiner Grundsatz galt: never contradict a lady! Ich weiß nicht, ob unsere Frauen es nicht vorziehen würden, wenn ihnen auch evtl. von Männern widersprochen würde, als Zeichen, daß das, was sie gesagt hatten, ernst genommen wird. Nach dem, was ich horte und in den Zeitungen las, waren auch die Gerichte und Behörden in der Regel bereit, Frauen besonders entgegenzukommen. Diejenigen unserer Mitinternierten, die vorzeitig aus dem Lager entlassen wurden, verdankten das – nach ihrer eigenen Aussage – ihren Frauen. Auch im eigenen Haus galt der Minnedienst. Der Mann mähte und sprengte am Abend den Rasen, besorgte im Winter die Zentralheizung, schob gegebenenfalls den Kinderwagen, half unter Umstanden beim Abwaschen des Geschirrs nach dem Essen. In manchen Familien, die ich kennenlernte, hatte er nicht viel zu sagen, sondern mußte das seiner Frau überlassen, die diese Aufgabe völlig selbständig bewältigte. Daß man mit der Höflichkeit gegen Frauen auch einmal zu weit gehen kann, habe ich einmal auf der Untergrundbahn (‚tubes‘) zwischen New York und Hoboken erfahren. In den vollbesetzten Wagen stieg eine junge Negerin, die auffallend hübsch war und einen sehr netten Eindruck machte, ein. Ich bot ihr meinen Platz an, bekam aber von den weißen Mitfahrern so böse und vorwurfsvolle Blicke zugeworfen, daß es mir beinahe unheimlich wurde. Danach schien mir die Gleichberechtigung der Rassen in USA, die in den Zeitungen und Zeitschriften immer so sehr betont wurde, doch nicht vollkommen durchgeführt worden zu sein. […] Wenn auch der Begriff der Kultur eines Landes nicht gerade sehr klar definiert ist, wird man doch auf alle Fälle die Wissenschaft dazu rechnen. Schon um 1915 waren die wissenschaftlichen Leistungen der Amerikaner jedenfalls von derselben Größenordnung wie diejenigen der Engländer oder Deutschen. Heute wird niemand bezweifeln können, daß sie die anderen Volker auf fast allen naturwissenschaftlichen und technischen Gebieten überholt haben. Dabei ist besonders zu betonen, daß man in USA fur die Wissenschaft größenordnungsmäßig höhere Mittel ausgesetzt hat als z. B. bei uns für die Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft, die alle Gebiete der Wissenschaft, nicht nur die Naturwissenschaften, zu betreuen hatte. Es geschieht in USA auch sehr viel, um die Ergebnisse der Wissenschaft möglichst weiten Kreisen des Volkes zuganglich zu machen. […] Zugeben mu6 ich allerdings, daß mir bei vielen sogenannten Gebildeten eine gewisse Interesselosigkeit gegenüber allen Fragen, die außerhalb ihres Berufes und außerhalb der Tagesereignisse lagen, aufgefallen ist. Es war nicht immer leicht, sich z. B. bei einer Gesellschaft mit Amerikanern längere Zeit zu unterhalten. Ich war deshalb sehr erstaunt, als ich einmal im Haus eines Deutsch-Amerikaners neben einem Amerikaner saß, der für alles Interesse hatte und auf den verschiedensten Gebieten vorzüglich unterrichtet war. Ich sagte das nachher dem Hausherrn. Er antwortete darauf, der ist aber auch acht Jahre lang an der Universität Freiburg i. B. gewesen. […] Damals ahnte man noch nicht, welche ungeheure Entwicklung der Physik in USA bevorstand. Zu den Gründen dafür gehört zweifellos die Tatsache, daß die Mittel, die dort der Wissenschaft zur Verfugung gestellt wurden, viel höher waren als z. B. bei uns. Ungefähr im Jahre 1938 waren z. B. in Deutschland für die Atomforschung ein Cyclotron vorhanden und zwei im Bau, wahrend aus der Literatur mehr als 30 in USA bekannt waren, darunter solche gigantischer Große.“

Literatur

Fußnoten

  1. JONATHAN ZENNECK 80 Jahre von Professor Dr. Hans Rukop (1883–1958)
  2. Armin Hermann: Die Deutsche Physikalische Gesellschaft 1899–1945, S. 102–103
  3. Annalen der Physik, Nr. 4, Vierte Folge, Band 28, 1909, S. 667
  4. Physik in der BASF, 1960, S. 20; „Zwischen der Physik und der Chemie haben sich in den letzten Jahren immer mehr Berührungspunkte ergeben. Diese beiden Disziplinen treffen sich nicht nur in der physikalischen Chemie, sondern vor allem in der modernen chemischen Technik. Es ist daher verständlich, daß in allen großen chemischen Werken neben Chemikern und Ingenieuren zahlreiche Physiker in den verschiedenen Zweigen der Produktion und der Forschung tätig sind. Sie befassen sich meist mit meß- und regeltechnischen Aufgaben, die sich bei der Automatisierung chemischer Betriebe ergeben, oder mit der Untersuchung chemischer Produkte durch physikalische Methoden. Häufig arbeiten Physiker als Berater und Helfer sowie als Betriebsleiter besonders an solchen Verfahren mit, die, wie z. B. Destillationsprozesse und andere Trennvorgänge, ohne Stoffumwandlung vor sich gehen. In der BASF hat auf diesen Gebieten die Zusammenarbeit der Physiker mit Chemikern und Ingenieuren eine alte Tradition. Sie begann in der Verfahrenstechnik mit Jonathan Zenneck, der 1909 als erster Physiker in unser Werk kam und über die Herstellung von Stickoxyden in Lichtbogenöfen arbeitete. Als Hochschullehrer wurde er später durch seine bahnbrechenden Arbeiten auf dem Gebiet der Hochfrequenztechnik allgemein bekannt.“
  5. Incarceration at Fort Oglethorpe during World War I
  6. Das Kriegsgefängnislager von Fort Oglethorpe bestand aus einem riesigen, etwas hügeligen Grundstück von ungefähr einem Quadratkilometer. Das gesamte Gebiet war von zwei Stacheldrahtzäunen umgeben, die ungefähr drei Meter hoch waren. Stativwachtürme befanden sich außerhalb des Stacheldrahtumfangs. Jeder Turm war mit einem Suchscheinwerfer, einem Telefon und einem Maschinengewehr ausgestattet. Das Lager war in zwei Teile geteilt. Lager A, das „Millionärslager“, beherbergte wohlhabende Internierte in Privatzimmern, die für ihr eigenes Essen bezahlten, und behielt auch Köche und Bedienstete, die von den Stewards und Seeleuten der deutschen handelsflotte rekrutiert worden waren. Lager B bestand aus etwa dreißig Kasernen, in denen die Mehrheit der 4.000 Gefangenen untergebracht war. Es wurde von einer riesigen Messehalle dominiert. Zu den Militärgefangenen gehörten Besatzungen des Reichspostdampfers und Hilfskreuzers „Prinz Eitel Friedrich“, der SMS „Kronprinz Wilhelm“ und des aus Großbritannien stammenden und von Deutschland als Prise beschlagnahmten Dampfschiffs „Appam“. Zu den zivilen Internierten gehörten Geschäftsleute, die von ihren amerikanischen Handelskonkurrenten angeprangert wurden, sowie Personen deutscher, tschechischer, polnischer und anderer Nationalitäten, die nach dem Spionagegesetz von 1917 wegen verschiedener Straftaten angeklagt waren. Prominente Gefangene waren Albrecht Graf von Montgelas, Dr. Karl Muck, Dirigent des Boston Symphony Orchestra, Dr. Ernst Kunwald, Dirigent des Cincinnati Symphony Orchestra, Professor Richard Benedict Goldschmidt, der Biologe Dr. Isaac Strauss und Professor Jonathan Zenneck. Dr. Karl Muck wurde beschuldigt, sich geweigert zu haben, „The Star-Spangled Banner“ in einem Konzert im Oktober 1917 aufzuführen. Theodore Roosevelt und andere US-Bürger waren wütend auf ihn. Trotz des Endes zukünftiger Konzerte mit der Nationalhymne wurde Muck später noch verhaftet. Dr. Kunwald wurde als „feindlicher Ausländer“ Österreichs verhaftet. Er wurde ein Jahr lang in Fort Oglethorpe festgehalten, bevor er in sein Heimatland ausgewiesen wurde. Diese Deportation war unter der Bedingung, daß er freigelassen wurde. Professor Goldschmidt wurde wegen seiner deutschen Staatsbürgerschaft verhaftet; Er wurde erst nach dem Krieg freigelassen. Dr. Isaac Strauss aus Straßburg war ein angeblicher deutscher Spion, der zu Beginn des Krieges festgenommen wurde. Er war Teil einer deutsch-jüdischen Spionageorganisation, so die hanebüchene Anklage. Professor Zenneck wurde verhaftet und zu unrecht beschuldigt, ein deutscher „Radiospion“ zu sein, vor dem sich die US-Regierung fürchtete. Gefangene wurden durch mehrere Kategorien getrennt. Erstens waren es diejenigen, die offen oder im Verdacht standen, deutsche Ansichten zu unterstützen. Diese Gefangenen wurden zur Rechtfertigung wegen Spionage, Sabotage oder germanophile Äußerungen festgenommen. Eine andere Gruppe waren „Prisoners of War“ oder Seeleute und Kaufleute in den USA, als der Erste Weltkrieg begann. Zuletzt wurde die Gruppe als „Unruhestifter“ bezeichnet. Dazu gehörten Radikale und Mitglieder der Industriearbeiter der Welt (IWW). Oft neigten diese verschiedenen Gruppen aufgrund von Loyalitätsfragen zu Konflikten. Dies traf insbesondere auf Kriegsgefangene und treue Anhänger des Krieges zu. Dies führte dazu, daß das Lager getrennt werden mußte. Die prominenten Internierten waren hauptsächlich in Fort Oglethorpe untergebracht, während der Rest unter anderen Gefängnissen aufgeteilt war. Die Internierten in Fort Oglethorpe hatten Vorteile gegenüber den anderen Gefangenen. Aufgrund ihres Reichtums könnten sie für eine bessere Unterkunft in einem anderen Gebäude bezahlen. Sie mußten keine Zwangsarbeit verrichten und konnten andere Gefangene einstellen, um dies für sie zu tun. Das tägliche Leben war streng geregelt. Das Signalhorn ertönte um 5:30 Uhr, der Appell fand um 6:30 Uhr statt, gefolgt vom Frühstück. Das Signalhorn ertönte erneut um zwölf Uhr mittags, während der Zeitraum von 13.00 bis 15.00 Uhr als Ruhezeit deklariert wurde. Ein weiterer Appell folgte um 5:30 Uhr und nach dem Abendessen konnten die Gefangenen ihre eigenen Aktivitäten ausüben. Andere Aktivitäten fanden ebenfalls statt. „Bewegtbilder“ (Kino) wurden zweimal wöchentlich zur Verfügung gestellt. Bildungsmöglichkeiten waren vorhanden. Den nicht wohlhabenden Gefangenen standen Abhilfemaßnahmen zur Verfügung. Die Kurse der Lager-Universität umfaßten Vorlesungen in Spanisch, Portugiesisch, Russisch, Chinesisch, Arabisch, Hebräisch, Malaiisch sowie Kurse in Biologie (Professor Goldschmidt), Physiologie (Dr. Isaac Strauss), Elektronik (Professor Zenneck) und Kunst (Graf Montgelas). Musikalische Ereignisse waren ein wichtiger Bestandteil des Lagerlebens. Bei einer denkwürdigen Gelegenheit dirigierte Dr. Karl Muck eine Aufführung von Beethovens Eroica-Symphonie. Weitere Aktivitäten waren Schach, Binokel (Kartenspiel), Fußball, Handball, Lesen, Schreinerarbeiten, Gehen und das Schreiben von Briefen und Karten an Familienmitglieder, an Kongreßmitglieder und an das Justizministerium. Gefangene durften ihre eigene Zeitung, den „Orgelsdorfer Eulenspiegel“, drucken. Es wurde jedoch oft verwendet, um Kommentare zum Gefängnis abzugeben. Gefangene durften auch im Gefängnisgarten Gemüse anbauen und es für ihre Lebensmittel verwenden. Nicht konservierte Lebensmittel von Familienmitgliedern und Freunden sowie Lebensmittel von der Gefängnisbörse könnten ebenfalls verwendet werden. Zu den Krankheiten gehörten Tuberkulose und Influenza. Tuberkulose-Patienten wurden in einem Zelt isoliert und auf eine als unangenehm bezeichnete Diät gesetzt. Die Influenzapandemie der Nachkriegszeit war „vielleicht die schrecklichste von allen; Tag- und Nachtkrankenwagen rasten durch das Lager; Tag und Nacht wurden Patienten nach Patienten ins Krankenhaus gebracht […] Mehr als die Hälfte der Insassen wurde krank.“ Die Gesamtzahl der Toten wird nicht angegeben. Die üblichen Fluchtversuche fanden statt, aber wie in den meisten Fällen wurden die meisten Flüchtlinge zurückgebracht. Es scheint, daß der einzige erfolgreiche Fluchtkünstler ein gewisser „Henckel“ war, der mehrere erfolglose Versuche unternahm, aber schließlich Erfolg hatte, „und somit wahrscheinlich der einzige echte Spion, den die Vereinigten Staaten in Oglethorpe interniert hatten, endgültig verschwunden war.“
  7. Deutsche Bergwerks-Zeitung (Düsseldorf), Ausgabe vom 27. Januar 1937
  8. Georg Joos: Jonathan Zenneck, achtzig Jahre alt, 1951
  9. Paul, Wolfgang, in: Göttinger Bibliotheksschriften 21
  10. Geheimrat Zenneck †, Zeitschrift „Funk-Technik“, 2. Maiheft 1959
  11. Leo Pungs: Jonathan Zenneck, Veröffentlicht in: „Abhandlungen der Braunschweigischen Wissenschaftlichen Gesellschaft“, Band 11, 1959, S.128–130 (archiviert)
  12. Rangliste der Kaiserlich-Deutschen Marine, 1914, S. 292
  13. Königlich Bayerische Technische Hochschule in München, Personalstand 1916/17, Seite 7
  14. Heinrich-Hertz-Medaille ausgegraben, 2000 (archiviert)
  15. Zenneck, Jonathan Adolf Wilhelm, Deutsche Akademie der Luftfahrtforschung, S. 121–122 (archiviert)
  16. Jonathan Zenneck 15.4.1871 bis 9.4.1959, DIE NATURWISSENSCHAFTEN, 1959 (archiviert)
  17. JONATHAN ZENNECK – Ringträger 1956
  18. Die Entwicklung und Fabrikation von Elektronenröhren, die Rukop von den Anfängen an gestaltet hatte, waren Gegenstand mehrerer Publikationen, u. a. schrieb er das Kapitel über Vakuumröhren in der 5. Auflage (1925) des „Lehrbuchs für drahtlose Telegraphie“ von Zenneck und behandelte die technische Anwendung von Glühelektroden in der 2. Auflage (1927) des „Handbuchs für Radiologie“ von Erich Marx.
  19. Lehrbuch der drahtlosen Telegraphie, 2021