Schultze-Rhonhof, Gerd

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Deutscher Offizier Schultze-Rhonhof in der Uniform der Bundeswehr

Gerd Schultze-Rhonhof (Lebensrune.png 26. Mai 1939 in Weimar) ist ein deutscher Generalmajor a. D. der Bundeswehr. Seit seinem Ausscheiden aus der Bundeswehr trat er als Publizist, Referent und Autor, der geschichtsrevisionistische Positionen vertritt, hervor.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Schultze-Rhonhof während einer Lesung

Schultze-Rhonhof wurde 1939 in Weimar geboren. 1947 floh seine Familie aus der Sowjetischen Besatzungszone nach Kassel. Er wuchs in Bonn auf und trat nach dem Abitur 1959 in Koblenz beim Panzerbataillon 144 der Panzerbrigade 14 in die Bundeswehr ein, um Berufssoldat zu werden.

Beim Militär stieg er bis zum Generalmajor auf, diente u. a. bei der NATO und im Bundesministerium der Verteidigung (BMVg). Zuletzt war er Territorialer Befehlshaber für Niedersachsen und Bremen.

Politisches Engagement

Er sorgte 1995 für Aufsehen, als er aus Protest gegen das „Soldaten-sind-Mörder-Urteil“ des Bundes„verfassungs“gerichts die Bundeswehr verließ. Die von Bischof Wolfgang Huber gestellte Forderung, Martin Hohmann aus der CDU-Bundestagsfraktion auszuschließen, beantwortete Schultze-Rhonhof mit seinem Austritt aus der evangelischen Kirche.

Wirken

Seit einigen Jahren beschäftigt sich Schultze-Rhonhof als Autor in kritischen Arbeiten mit der Vorgeschichte des von England 1939 entfesselten europäischen Krieges, der durch den Eintritt der VSA zum Weltkrieg wurde. Aufsehen erregte hierbei sein Buch „Der Krieg, der viele Väter hatte“.

„Das tschechisch-deutsche Drama“

Ein weiteres Werk von Schultze-Rhonhof ist „Das tschechisch-deutsche Drama“ (2008). Darin führt er den deutsch-tschechischen Konflikt auf das Nichteinhalten des Versprechens des späteren Kaisers des HRRDN und damaligen deutschen Königs Sigismund gegenüber Jan Hus zurück, ihm „freies Geleit“ zu gewähren. Der König gab ihm sein Wort, daß er dieses erhalten würde, wenn er auf dem Konzil zu Konstanz 1414 seine religiösen Ansichten vertreten würde. Statt dessen wurde Hus aber lebendig verbrannt, nachdem der König sein Wort gebrochen hatte und Hus der Ketzerei schuldig gesprochen worden war. Das Urteil wurde noch am selben Tag, dem 6. Juli 1415, vollstreckt. Laut Schultze-Rhonhof sind „die Deutschen“ den Tschechen als diejenigen in Erinnerung geblieben, die aus ihrer Sicht die Verantwortung für den Tod ihres Märtyrers Hus tragen.[1]

Nachdem er dann noch schildert, daß die Tschechen tausend Jahre lang unter deutscher Oberherrschaft standen und daß Böhmen und Mähren fast 500 Jahre lang Teil des Deutschen Reichs waren,[2] bis es 1806 unter dem Druck Napoleons I. unterging – man könnte noch hinzufügen, daß sie dann noch bis 1866 zum Deutschen Bund dazugehörten – erläutert er, daß die Sudetendeutschen sich von Anfang an als Bestandteil der 1918 ausgerufenen Republik Deutschösterreich betrachtet haben, was auf Gegenseitigkeit beruhte. Die Republik Deutschösterreich betrachtete sich wiederum als Bestandteil der Deutschen Republik, was im Reich selbst ebenfalls auf Gegenseitigkeit beruhte. Weiter führt Schultze-Rhonhof aus, daß das von Woodrow Wilson 1918 ausgerufene Selbstbestimmungsrecht der Völker seinerzeit nicht für Deutsche galt. In den Pariser Diktaten von Versailles und St.-Germain wurde Deutschösterreich verboten, den Zusatz „Deutsch“ in seinem Namen zu führen und sich an das Deutsche Reich anzuschließen bzw. diesem, es aufzunehmen. Im Diktat von St.-Germain wurden die Sudetendeutschen den Tschechen zugeschlagen, die den erklärten Volkswillen der Deutschen vorher bereits gewaltsam unterdrückt hatten.[3]

Nachdem er diese Vorgeschichte abgehandelt hat, kommt er auf die Sudetenkrise zu sprechen, die mit dem Abschluß des Münchener Abkommens beigelegt wurde. Diese Abschnitte seines Buches haben Schultze-Rhonhof und seinem Werk in den Systemmedien den Ruf eingebracht, „umstritten“ zu sein, weil er darin gegen die Politische Korrektheit verstößt, indem er die Mär widerlegt, daß Deutschland gegen das Münchener Abkommen verstoßen habe. Allenfalls hat es laut Schultze-Rhonhof die Konsultationsabkommen, die es mit den Westmächten abgeschlossen hatte, verletzt.[4] Dagegen könnte man allerdings einwenden, daß England und Frankreich selbst vorher gewöhnlich nie eine andere Großmacht oder gar die Einheimischen vorher gefragt haben, von einer Ausnahme im Falle Englands abgesehen, über die Douglas Reed berichtet, wenn sie irgendwo auf der Welt ein Gebiet in Besitz nahmen. Daß das Münchener Abkommen rechtmäßig war, belegt im übrigen auch die Tatsache, daß es unter Bundeskanzler Herbert Frahm im Rahmen der sogenannten Ostverträge ausdrücklich für ungültig erklärt wurde.

Vielmehr sei die Garantie, die für die Grenzen der Resttschechei von den vier am Münchener Abkommen beteiligten Großmächten abzugeben beabsichtigt worden sei, gar nicht zustandegekommen, durch die Unabhängigkeitserklärung der Slowakei vom Frühjahr 1939, die vorher schon nur noch durch einen Bindestrich mit der Tschechei verbunden war und zum Schluß nicht einmal mehr das sein wollte, da die Slowaken seit 1918 also von Beginn der Gründung dieses Kunststaates an ebenso von den Tschechen unterdrückt worden sind, wie die Angehörigen aller anderen Völkerschaften dort ebenfalls. Dies hat auch Neville Chamberlain Mitte März 1939 zunächst eingeräumt. Das Memelland ist sogar noch nach Errichtung des Protektorates Böhmen und Mähren über die Resttschechei zu Deutschland zurückgekehrt. Auf einen Wink hin, daß die „öffentliche Meinung“ in England diese Erklärung nicht als ausreichend betrachten würde, hielt Chamberlain eine Rede, in der er fragte, ob Deutschland nach diesem Schritt nun plane, die Welt zu beherrschen, was als lächerliche Vorstellung bezeichnet werden kann, wenn man sich das Ausmaß dieser Gebietserweiterung durch Deutschland vor Augen hält.

Schultze-Rhonhof kritisiert allerdings in seinem Buch auch Adolf Hitler, da dieser mit seiner Antwort auf Franklin Roosevelts Telegramm vom 20. April 1939, in der der VSA-Präsident von ihm Garantierklärungen für eine Reihe von Staaten verlangt hatte, dahingehend, daß Deutschland nicht beabsichtige, diese in Besitz zu nehmen, sich als Führer einer Mittelmacht nicht angemessen verhalten habe. Laut Schultze-Rhonhof hätte Hitler dieses Ansinnen lieber genauso wie Mussolini schriftlich ohne weiteres Aufsehen dadurch zu erregen und nicht öffentlich in einer polemischen Reichstagsrede, in der er Roosevelt vorführte, beantworten sollen. Letzteres hat der VSA-Präsident Hitler aber leichtgemacht, weil er z. B. Palästina in seiner Aufzählung von unabhängigen Staaten namentlich genannt hat. Palästina war aber seinerzeit nicht unabhängig, sondern ein englisches Mandatsgebiet, das es im Namen des Völkerbundes ausübte. Nach Schultze-Rhonhofs Ansicht wäre es klüger gewesen, diesen leicht zu erringenden Erfolg nicht wahrzunehmen.[5] Wenn er es jedoch für möglich hält, daß ein besseres Verhältnis Deutschlands zu Roosevelt möglich gewesen wäre, wenn diese polemische Antwort unterblieben wäre, so übersieht er die feindlichen Absichten gegen Deutschland, die bereits vorher schon bei Roosevelt bestanden hatten.

Festrede zur 50-Jahrfeier der Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger

Festrede zur 50-Jahrfeier der Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger am 16. Oktober 2004 in Hameln gehalten von Generalmajor a. D. Gerd Schultze-Rhonhof:

Quelle
Folgender Text ist eine Quellenwiedergabe. Unter Umständen können Rechtschreibfehler korrigiert oder kleinere inhaltliche Fehler kommentiert worden sein. Der Ursprung des Textes ist als Quellennachweis angegeben.
50 Jahre OdR, 2004 in der Stadthalle Hameln u. a. mit Reinhard Günzel (1944), Gerd Schultze-Rhonhof, Artur Becker-Neetz uvm.
Die Ostpreußische Landesvertretung hat bei ihrer letzten Sitzung in Bad Pyrmont den Ostpreußischen Kulturpreis an Generalmajor a. D. Gerd Schultze-Rhonhof verliehen, 2012

Meine sehr verehrten Damen,
verehrter Herr Dr. Gutmacher,
meine Herren Ritterkreuzträger,
meine Herren – liebe Kameraden!

Glückwunsch und Totengedenken

Wer zu einem 50. Geburtstag eingeladen wird und dann auch noch die Festrede halten darf, beginnt selbstverständlich mit einem herzlichen Glückwunsch. Ich sage diese Glückwunsch ohne jeden politischen oder historischen Vorbehalt, ohne jedes Bedenken – mit dem stolzen Gefühl, daß Sie ausgerechnet mich ausgewählt haben, Ihnen heute die Festrede zum Geburtstag zu halten. Ich fühle mich als Nachkriegssoldat sehr geehrt, daß ich vor den letzten noch Lebenden einer Elite der Wehrmacht und der Waffen-SS sprechen darf.

Sie, die Träger des Ritterkreuzes, waren nach Leistung, Erfolg und Haltung im Gefecht die Elite der Wehrmacht und der Waffen-SS. Das Gefühl, dies gewesen zu sein, darf Ihnen kein Neid, keine Schmähung und kein politisch-historischer Vorbehalt nehmen.

Ein Renaissance-Palast in Florenz bleibt ja auch eine architektonische und künstlerische Glanzleistung, auch wenn ihn ein schlimmer Gewaltherrscher hat erbauen lassen. Er bleibt eine Glanzleistung. Und so bleiben Ihre Taten während des Zweiten Weltkriegs militärische Glanzleistungen, auch wenn wir den Krieg heute bedauern und das damalige Regime heute ablehnen. Sie haben als Frontsoldaten Glanzleistungen vollbracht. Das kann Ihnen kein Neider, keine Schmähung und keine politisch-historische Interpretation nehmen. Lassen Sie sich Ihren Stolz und Ihre Ehre nicht ausreden.

Wenn Ihnen – den Ritterkreuzträgern – und mit Ihnen den ehemaligen Frontsoldaten heute vom eigenen Volk die Achtung verweigert wird, soll Sie das nicht betrüben. Die Nachgeborenen in Westdeutschland kennen weder Diktatur, noch alle Gründe, die zum Kriege führten, noch den Krieg selbst. Sie kennen nicht einmal Gefahr und Not. Hören Sie statt auf unsere Nachkriegskinder auf das, was Ihnen Ihre Gegner aus dem Kriege attestieren.

Der englische Unterstaatssekretär Sir Alexander Cardogan notierte am 18. Juni 1941:

„Die Deutschen sind prächtige Kämpfer, und ihr Generalstab besteht aus wahren Meistern der Kriegskunst.“

Der sowjetische Marschall Schukow – Eroberer von Berlin – schrieb in seinen Memoiren:

„Die Kampftüchtigkeit der deutschen Soldaten und Offiziere ... erreichte in allen Waffengattungen ... ein hohes Niveau. Der deutsche Soldat kannte seine Pflicht. ... Er war ausdauernd, selbstsicher und diszipliniert.“

General Eisenhower in einer Ehrenerklärung:

„Der deutsche Soldat hat für seine Heimat tapfer und anständig gekämpft.“

Der englische General Michael Reynolds über die ihm in der Invasionsfront gegenüberstehenden SS-Divisionen:

„Sie waren bemerkenswerte Soldaten; dergleichen werden wir niemals wiedersehen.“

Ich als deutscher Berufssoldat zitiere diese Urteile Ihrer einstigen Kriegsgegner mit einem gewissen Stolz, – so wie der Sohn stolz ist, wenn er etwas gutes über seinen Vater hört –. Ich empfinde diesen „Sohnes-Stolz“ für Ihre soldatischen Leistungen, auch wenn ich – wie Sie – den Krieg und seine Opfer bedaure und die Brutalitäten und Kriegsverbrechen, die von deutschen Soldaten – von polnischen Soldaten, von französischen, englischen, kanadischen, sowjetischen und amerikanischen Soldaten begangen worden sind, verurteile.

Nach dem Kriege und nach der Gefangenschaft kam ihre große Lebensleistung, der Wiederaufbau Deutschlands – und in Westdeutschland dazu das Wirtschaftswunder. Viele Ritterkreuzträger und Generalstabsoffiziere saßen nach dem Kriege an den Schalthebeln von Wirtschaft, Verwaltung und Politik und hatten dort am Wiederaufbau ihren maßgeblichen Anteil.

Als Ihre dritte Leistung sei der Wiederaufbau der Bundeswehr genannt. 800 Ritterkreuzträger gehörten zu der Hefe, aus der der Brotlaib Bundeswehr gebacken worden ist. Für diese Aufbauleistung sage ich den Ritterkreuzträgern, die den Aufbau unserer Bundeswehr geleistet haben, als Berufssoldat der Bundeswehr und als Leutnant von damals meinen Dank.

In meinen ersten Soldatenjahren waren meine ersten drei Bataillonskommandeure Ritterkreuzträger, dergleichen drei Hauptfeldwebel im Bataillon und mein zweiter und mein dritter Brigadekommandeur.

Letztgenannter, der General Guderian, ist leider vor 12 Tagen zu Grabe getragen worden. Ich möchte die Erwähnung des Generals Guderian, der mir als junger Truppenoffizier in Können, Haltung und Persönlichkeit ein Vorbild war – zum Anlaß nehmen, in dieser Festrede auch der gefallenen und verstorbenen Ritterkreuzträger zu gedenken. Um die, die wir kennen, zu trauern, ist uns ein Bedürfnis. Derer, die wir nicht persönlich kennen, zu gedenken, ist uns eine menschliche und soldatische Pflicht.

Tradition
Hutten-Medaille für Schultze-Rhonhof, 2014: „Nach den nachdenklichen Worten des kanadischen Historikers stand der Höhepunkt des GfP-Kongresses auf der Tagesordnung: die Verleihung der Ulrich-von-Hutten-Medaille für Verdienste um die Freiheit der Meinung und des Wortes. Der diesjährige Preisträger, der Publizist und Generalmajor a. D. Gerd Schultze-Rhonhof, bewies bereits während seiner aktiven Militärzeit den Mut zu unbequemen und politisch inkorrekten Meinungsbekundungen. Wider den Zeitgeist und die politische sowie militärische Führung kritisierte er vehement das Bundesverfassungsgericht, das die Äußerung ‚Soldaten sind Mörder‘ juristisch nicht beanstandete. Die mangelnde Rückendeckung nahm General Schultze-Rhonhof zum Anlaß, seinen Abschied zu nehmen und sich fortan der geschichtlichen Forschung zu widmen. Insbesondere der lange Weg zum Zweiten Weltkrieg sollte sein Steckenpferd werden, wobei die Auffindung bisher unbekannter Archivalien und Quellen eine dezidiert neue Sicht auf die Verantwortlichkeiten für den Ausbruch am zweiten großen Völkerringen im 20. Jahrhundert warf. In seinem in der deutschen Öffentlichkeit breit rezipierten (über 50.000mal verkauft!) und inzwischen in der siebten Auflage vorliegenden Hauptwerk ‚1939 – Der Krieg, der viele Vater hatte‘ unterzieht er das bundesdeutsche Geschichtsbild einer grundlegenden Revision und korrigiert den deutschen Schuldanteil stark nach unten. Die Vorgeschichte des Zweiten Weltkriegs ist auch Thema seines Buches ‚Das tschechisch-deutsche Drama 1918–1939‘ (2008), das das vorsätzliche Handeln der tschechoslowakischen Führung gegenüber der deutschen Minderheit in den Fokus rückt. Die Verleihung der Ulrich-von-Hutten-Medaille an Gerd Schultze-Rhonhof ist eine Würdigung seines publizistischen und historischen Schaffens, das stets nach geschichtlicher Wahrheit strebt und wider die vorherrschende, vergangenheitsbewältigende Geschichtsschreibung, die von dieser ins Feld geführte deutsche Haupt- oder gar Alleinschuld an den Weltkriegen faktenreich und quellengestützt relativiert. In der Laudatio auf Gerd Schultze-Rhonhof rühmte Oberstleutnant a. D. Alfred Zips das Lebenswerk des ehemaligen Bundeswehrgenerals und stellte den protestantisch grundierten Patriotismus dieses preußischen Offiziers par excellence heraus. Die Dankesworte Schultze-Rhonhofs waren denn auch in preußischer Manier auf das wesentliche konzentriert und vermittelten das Bild eines stets der Objektivität verpflichteten Geschichtsforschers, dem die historische Wahrheit zum Sinn seiner wissenschaftlichen Arbeit wurde.“

Ich bin als Offizier, vor allem als General der Bundeswehr, immer wieder von Kriegsteilnehmern gefragt worden, warum die Bundeswehr nicht die Traditionen ihrer ehemaligen Verbände weiterpflegen wollte. Da gab es zwei Ebenen. Auf der unteren Ebene haben viele Bundeswehr-Bataillone – zumindest im Heer – die Traditionen von Wehrmachtsregimentern und -Divisionen gepflegt. Auf der oberen Ebene gab es und gibt es die politische und ministerielle Entscheidung, daß die Wehrmacht keine Tradition für die Bundeswehr begründen soll.

Schon zur Anfangszeit der Bundeswehr und später erließ das Verteidigungsministerium immer wieder neue Traditionserlasse und versuchte, das Verhältnis der Bundeswehr zu ihrer Vorgängerarmee auf dem Verordnungsweg zu regeln. Es ist das Recht einer jeden Regierung, Einfluß auf den Geist zu nehmen, der in den Streitkräften des eigenen Volkes herrscht. Es ist zudem ihre Pflicht, Fehlentwicklungen in den Streitkräften zu unterbinden und, wenn es gar Verbrechen oder mittelbare Beteiligungen an solchen gegeben hat, wie im Fall der Wehrmacht, diese zu verurteilen und sich von ihnen zu distanzieren. So verstanden hat der Satz im jetzt geltenden Traditionserlaß: „Ein Unrechtsregime, wie das Dritte Reich, kann Tradition nicht begründen“ seinen Sinn.

Doch die Wehrmacht war nicht das Dritte Reich. Verbrechen, an denen einzelne Soldaten oder Formationen oder Dienststellen der Wehrmacht aktiv und mittelbar beteiligt waren, machen aus der „weißen Weste“ der Wehrmacht keine „schwarze Weste“. Sie machen schwarze Flecken. Die Wehrmacht hat abseits dieser schwarzen Flecken durchaus Impulse für das Wehrwesen unseres Landes gegeben, die die Bundeswehr übernommen hat. Auch das sind Teile unserer militärischen Tradition. Ich denke da zum Beispiel – was meine Truppengattung betrifft – an die Ausformung der Panzertruppe, wie wir sie heute kennen. Sie steckt voller Traditionen, die überwiegend aus der Wehrmacht stammen.

Tradieren heißt weitergeben. Man kann nur weitergeben, was man entweder selbst entwickelt hat oder was man von seinen Vätern geerbt hat. Zumindest bei letzterem ist unbestritten, daß uns die Wehrmacht vieles von der Reichswehr und von den Vorgängerarmeen durchgereicht hat, was diese an Erhaltenswürdigem und Entwicklungswertem zu ihrer Zeit geschaffen haben. Die Wurzeln der Bundeswehr von heute reichen durch die Wehrmacht hindurch weit in die vergangenen 350 Jahre deutsche Militärgeschichte hinein. In dieser langen Geschichte waren die kaum 10 Jahre Deutsche Wehrmacht nur ein sehr kurzes Kapitel. Doch weil diese Jahre denen der Bundeswehr am nächsten liegen, und weil die Bundeswehr von Soldaten aus der ehemaligen Wehrmacht aufgebaut worden ist, kommt der Frage, was die Bundeswehr aus der Wehrmacht geerbt hat, schon eine größere Rolle zu, als sie dem nur kurzen Zeitraum von knapp zehn Jahren eigentlich entspricht.

Auch die Wehrmacht war keine Neuschöpfung aus dem Nichts. Sie entstand 1935 durch Umbenennung aus der Reichswehr. Und diese war nach dem Ersten Weltkrieg aus den Resten ihrer deutschen Vorgängerarmeen entstanden; aus der bayerischen, der sächsischen, der preußischen usw. ... Bei genauerer Betrachtung kommt bei diesen Armeeumgestaltungen ein überraschend großes soldatisches Erbe aus den vergangenen 350 Jahren ans Tageslicht, welches das Gesicht der Bundeswehr noch heute prägt: preußische Tugenden in den Verhaltensweisen der Soldaten, wie Pflichtbewußtsein und Opferbereitschaft, die Anerkennung des Primats der Politik durch das Militär, taktische und operative Führungsprinzipien für das Gefecht, die typisch deutsche Führungsphilosophie der Auftragstaktik, viele Grundzüge des Wehrrechts, und zahlreiche militärische Errungenschaften deutscher Herkunft, wie die Institution des Generalstabsdienstes, des Reserveoffizierkorps und anderes mehr.

Wer sollte das alles an die Bundeswehr weitergereicht haben, wenn nicht die Wehrmacht. Diese Erbschaft ist Tradiertes. Sie ist die Tradition, die die Wehrmacht an uns, die Bundeswehr, weitergegeben hat. Die Bundeswehr hütet dieses Erbe als einen ihrer Schätze. Auf dieses von Ihnen weitergereichte Erbe können Sie stolz sein. Daß dahingegen keine Traditionslinien von verdienten Divisionen und Luftwaffengeschwadern der Wehrmacht zu entsprechenden Formationen der Bundeswehr gezogen worden sind, sollten Sie verschmerzen.

Also, in der Bundeswehr leben ganz handfeste Traditionen aus den vergangenen 350 Jahren deutscher Militärgeschichte weiter. Wer wollte denn auch die typisch deutsche Auftragstaktik abschaffen – die bei uns Tradition ist –, nur weil sie von der Wehrmacht an die Bundeswehr tradiert worden ist?

Der derzeit gültige Traditionserlaß hebt allerdings nicht auf dieses militärische Erbe ab. Seine Autoren wollten anderes in den Vordergrund des Soldatenbewußtseins stellen. Er hebt selektiv auf Scharnhorst und die preußischen Reformer, auf Graf Stauffenberg und den Widerstand und auf die eigene Bundeswehrgeschichte ab. Doch alles drei ist wie der Gang auf dünnem Eis. Es wird nicht lange tragen. Scharnhorst und die Reformer haben einen geschlagenen Staat und eine geschlagene Armee wieder aufgerichtet. Heute wird eine ungeschlagene Armee in immer neuen „Reformen“ scheibchenweise abgebaut. Graf Stauffenberg hat in einer Extremsituation unseres Staates vorbildhaft gehandelt. Doch in eine solche Situation werden uns unsere demokratischen Regierungen nicht noch einmal hinein manövrieren. So hängen die Vorbilder von Scharnhorst und Stauffenberg ein wenig „in der Luft“.

Und mit der Eigentradition des Bundeswehr wird es knapp. Ihre größte Leistung war der Aufbau. Der ist nun suspekt, weil er allein von Wehrmachtsoffizieren und -unteroffizieren geleistet worden ist. Die zweitgrößte Leistung war die Friedenssicherung für Deutschland über 4 Jahrzehnte. Diese „Tradition“ wird nun nicht fortgesetzt. Die Landesverteidigung ist offiziell für tot erklärt. Die drittgrößte Leistung waren die vielen Katastrophenhilfseinsätze über 40 Jahre. Sie sind nicht dokumentiert worden, weder statistisch, noch literarisch, auch nicht filmisch. Diese Einsätze leben also nur noch im Gedächtnis der damals beteiligten Soldaten weiter.

Die Leistungen der Bundeswehr zwischen Balkan und Afghanistan sind noch zu jung, um Tradition zu sein. Tradition muß „Leben atmen“ und belebend wirken. Der erste Satz im jüngsten Traditionserlaß „Tradition ist Überlieferung von Werten und Normen“ ist gut, doch er ist blutleerer „Geist“; ihm fehlen Leib und Seele. Soldaten brauchen heute und zu allen Zeiten Leistungsbereitschaft und Disziplin, die Fähigkeit, Opfer zu bringen und Härten zu ertragen usw. usw. Dies alles leistet und erbringt sich um so leichter, je stärker die eigenen inneren Antriebskräfte der Soldaten wirken. Sie zu wecken und zu stärken, ist der Sinn von Traditionen. Was sollte sonst der erste Satz im Traditionserlaß bedeuten, der Hinweis auf die Normen?

Eine Militärtradition, die Kraft und Leben spenden soll, baut auf die normative Kraft des Vorbilds. Und die fehlt den Traditionen der Bundeswehr. Die Zeitschriften der Bundeswehr z. B. beschäftigen sich viel häufiger mit wirklichen und erfundenen Fehlleistungen in der deutschen Militärgeschichte, als daß sie von Personen, Verbänden und Ereignissen berichten, in denen vorbildhaft der Kampf um Werte und die Verwirklichung der Normen – also der Soldatentugenden – deutlich werden. Die Bundeswehr hat offensichtlich Angst vor „deutschen Helden“.

Traditionen müssen Vorbilder lebendig werden lassen. Der Beispiele gibt es genug: von Schwadronchef Seydlitz bis zum Panzerunteroffizier mit Ritterkreuz, vom Gefecht bei Fehrbellin 1675 bis zu den Kämpfen in den Ardennen 1944 und von der Evakuierung des Klosters Monte Cassino im letzten Krieg bis zur Deichsicherung an der Oder vor zwei Jahren. Dabei wird man es nicht umgehen können, auch die Ritterkreuzträger der Wehrmacht mit einzubeziehen. Wie wäre es mit Nowotny und Mölders, zwei jungen, untadeligen Helden.

Wenn jemand über Tradition spricht, wirkt das meist so, als spräche er von gestern. Doch in Traditionen leben, ist etwas, das man heute tut. Traditionen sind Verpflichtungen und Orientierung. Traditionen, die klug gewählt sind, sind nicht Asche, sondern Glut. Sie führen nicht zur Lähmung, sondern sie setzen Energien frei.

Der Mangel an Traditionen dagegen ist so etwas wie der Mangel an verarbeiteten Erfahrungen. Klug gewählte Traditionen eines Volkes oder seiner Streitkräfte sind der Erfahrungsschatz aus der Geschichte, mit dem man weitergibt, was sich bewährt hat.

Der Mangel an Traditionen ist ein besonderes Problem der Bundesrepublik. Wenn das nicht so wäre, gäbe es doch diesen Erfahrungsschatz, der bei manchem unserer heutigen Probleme Lösungsmöglichkeiten zeigen könnte. Der Staat ist heute überschuldet. Das Volk ist überaltert. Der Geldumlauf in Deutschland trocknet aus. Die Arbeitslosigkeit bleibt auf Rekordniveau. Die hohe Politik verspricht alljährlich, daß es nun aufwärts geht, und sie wird damit auch alljährlich von den Fakten des nächsten Jahres widerlegt.

Da gibt es einen Bundeskanzler, der sich redlich Mühe gibt, das Steuer umzulegen. Da gibt es eine Opposition, die in jedem Erfolg des Kanzlers tendenziell vor allem eine eigene Schwächung sieht und die deshalb, wann immer möglich, bremst, statt daß sie hilft, die Probleme des deutschen Volks zu überwinden. Wenn in zwei Jahren der Kanzler und die Opposition ihre Rollen tauschen sollten, ist vorherzusehen, daß sie damit auch die Rollen von Steuermann und Bremser tauschen. Es wird – so fürchte ich – nichts besser werden. Das wirkt auf mich so, als ob Regierung und Opposition ohne weitgesteckte Orientierung wären. Die Kraft und Orientierung, die aus dem Dreigestirn von Tradition, Religion und Nation erwachsen könnten, sind bei uns in Deutschland offensichtlich momentan versiegt.

Es gibt, was die Tradition betrifft, offensichtlich keinen Rückgriff auf Bewährtes. Es gibt, was die Religion betrifft, offensichtlich keine Verankerung in Anstand und Moral. Und es gibt, was die Nation betrifft, offensichtlich keinen parteiübergreifenden am Gemeinwohl orientierten Patriotismus mehr.

Die „8.-Mai-Frage“

Ich will an dieser Stelle eine gedankliche Brücke von der Tradition zur offensichtlichen und allgemeinen heutigen Bewußtseinslage der Deutschen schlagen. Ich will zeigen, wohin man kommen kann, wenn man die Geschichte, statt sie nach positiven Lehren und positiven Traditionen abzusuchen, vor allem als Archiv für Negatives und für Horrorstories ausschlachtet.

Wir erleben seit 50 Jahren, also seit zwei Generationen, eine Geschichtsbetrachtung, die die Aufmerksamkeit des Publikums alleine auf das Dritte Reich lenkt. Drittes Reich, Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg sind die beherrschenden Geschichtsthemen in Schulen, Medien und Politik. Fernsehsendungen über die Staufer oder die Völkerwanderung z. B. gibt es auch. Doch sie haben alleine Unterhaltungswert wie z. B. Filme über Pharaonen oder das Aztekengold. Sie liefern keinen Beitrag zur Formung eines kollektiven Bewußtseins der Deutschen als Staatsvolk und Kulturnation.

Was dagegen ständig wirkt, sind Bücher, Zeitschriftenserien und Filme zu den Greuel und Verbrechen, die Deutsche in der Nazi-Diktatur und im Zweiten Weltkrieg an Regimegegnern, an Angehörigen der Minderheiten und an anderen Völkern in Europa begangen haben. Neuerdings sind sogar die als Kriegsverbrechen dargestellten Handlungen der Deutschen während des Hereroaufstandes von 1904 ein Medienthema. Nur, das was über 1904 so dargestellt wird, hat so nicht stattgefunden. Doch vieles, was über die Nationalsozialisten und die Untaten der Deutschen im Zweiten Weltkrieg geschrieben und gesendet wird, hat leider auch so stattgefunden. Aber auch vieles hat eben so nicht stattgefunden, oder es ist erst durch die Kriegsverbrechen von Soldaten anderer Staaten oder von deren Regierungen ausgelöst worden.

Und damit sind wir bei einer deutschen „Krankheit“, die uns heute lähmt und fesselt. Wir leiden unter der Wahnvorstellung, daß die Deutschen vor einem halben Jahrhundert alle nur denkbaren Verbrechen gegen die Menschlichkeit und gegen den Frieden der Welt begangen haben. Wir leiden unter dem Wahn, daß wir diese Verbrechen allein begangen haben, und andere Völker keine. Wir leiden unter dem Wahn, daß wir den Zweiten Weltkrieg im Alleingang verursacht haben. Viele von Ihnen werden wissen, daß ich gerade zum letzten Thema ein Buch geschrieben habe, „1939. Der Krieg, der viele Väter hatte“, in dem ich beschreibe, wie England, Frankreich, Polen, die USA, die Sowjetunion und weitere Staaten das Pulverfaß gefüllt und ihre Lunten ausgelegt haben, die Hitler dann am 1. September 1939 angezündet hat.

Zwei Historiker, Dr. Scheil und Dr. Post, haben zeitgleich mit mir die Entstehungsgeschichte des Zweiten Weltkriegs bearbeitet. Beide haben auch fast zur selben Zeit ihre Bücher auf den Markt gebracht. Und beide kommen – so wie ich – zu dem Ergebnis, daß der Zweite Weltkrieg viele Väter hatte; nicht nur die deutsche Reichsregierung. An den Quellen, die wir drei dazu erschlossen und zitiert haben, kommt kein Historiker vorbei. Auch andere Historiker müssen diese Quellen kennen.

Doch sie schweigen sich darüber aus. So ist und bleibt in das kollektive Gedächtnis des deutschen Volkes eingraviert, daß wir den Krieg allein verursacht haben. Der ehemalige Präsident des Bundes der Deutschen Industrie, Hans Olaf Henkel, hat in einem Interview für die HÖR ZU am 31. Mai 2003 in Bezug auf die deutsche Reform-Misere von heute gesagt: „Es ist der deutsche Schuldkomplex, der uns lähmt“. Und diesen Schuldkomplex pflegen Presse, Politiker und Pädagogen mit offensichtlich innerer Überzeugung ständig weiter.

Den neuesten Beleg dafür sehe ich in dem Antrag (vom 28.4.04) von 30 Abgeordneten des Deutschen Bundestages, der vorschlägt, der Bundestag solle den 8. Mai 2005 zum Tag der Befreiung erklären. Ich selbst sehe im 8. Mai zuerst den Tag der deutschen Niederlage von 1945 und erst danach – und weniger bedeutend – den Tag der Befreiung von einer ideologiegeprägten Diktatur. Er war Befreiung für die vom NS-Regime Gefangenen und Gequälten. Der 8. Mai ist also ein Tag mit zwei Gesichtern. Das eine ist die Niederlage, das andere die Befreiung der Opfer – und des ganzen Volkes von einer Ideologie. So hat das auch der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker in seiner bekannt gewordenen Rede zum 8. Mai vor 20 Jahren ausgedrückt.

Jetzt nur der Befreiung zu gedenken, blendet drei Viertel der Realität von 1920 bis 1945 aus. Die einseitige Betonung der Befreiung fördert eine Deutung von Geschichte, in der die Rollen von Befreiern und Befreiten eindeutig auf Sieger und Besiegte festgelegt sind. Das suggeriert, daß die Rollen von gut und böse genauso klar verteilt sind; damit die Rollen von Schuldigen und Schuldlosen am Kriegsausbruch, genauso wie die Rollen von Soldaten und Armeen, die Verbrechen im Krieg begangen haben und solchen, die das nicht taten.

Die Reduzierung der Rollen im vergangenen Kriege auf die der Befreier und die der Befreiten ist ein psychologischer, politischer Taschenspielertrick, wenn man nicht davon ausgeht, daß hier nur Unwissenheit am Werke ist. Wer die Geschichte von 1920 bis 1939 kennt, weiß, was sich damals in Europa an Kriegen abgespielt hat und an Rüstungswettläufen, an internationalen Vertragsbrüchen und Mißachtungen des Völkerbunds außerhalb des Deutschen Reichs. Wer die Kriegsgeschichte von 1939 bis 1945 kennt, weiß wie hoch die Schuldkonten aller beteiligten Armeen belastet worden sind. Er weiß, welche Brutalitäten und Kriegsvölkerrechtsverletzungen polnische Zivilisten, sowjetische Partisanen und Soldaten, amerikanische, britische und kanadische Soldaten, französische und serbische Partisanen – und deutsche Polizisten und Soldaten ihren Gegnern an der Front und in den rückwärtigen Gebieten zugefügt haben. Da paßt das Bild von Befreiern und Befreiten nicht. Die Kriegsursachen und Greuel im Kriege erlauben kein Schwarz-Weiß-Bild.

Das Geschichtsbild eines Volkes ist ein sehr wichtiger Teil seiner Selbstwahrnehmung. Aus der eintausendeinhundertjährigen Geschichte deutscher Staatlichkeit wird heute fast nur noch die Erinnerung an die zwölfeinhalb Jahre des Dritten Reiches wachgehalten. Diese Zeit verdrängt fast alle anderen Geschichtserinnerungen aus dem kollektiven Gedächtnis unseres Volkes. Es wirkt so, als gäbe es einen politischen Alleinvertretungsanspruch der Nazi-Jahre in der deutschen Publizistik und der Schulausbildung. Und diese Jahre werden dadurch zusätzlich belastet, daß man die Schuld am Kriege und die Schuld im Kriege allein den Deutschen zuschreibt. Die Mehrzahl aller Deutschen erlebt die eigene Vergangenheit auf diese Weise als überwiegend verbrecherisch belastet. Dies hat das deutsche Selbstwertgefühl in einer Radikalität zerstört, daß uns nur noch die Selbstverachtung geblieben ist. In einer solchen „nationalen Seelenlage“ können weder Solidaritätsgefühle miteinander, noch Opferbereitschaft füreinander, schon gar kein Patriotismus wachsen, auf dessen verbliebene Reste der Herr Bundeskanzler, die Frau Vorsitzende der größten Oppositionspartei und auch der Herr Wirtschaftsminister hoffen. Die Liebe zum eigenen Land und Volk ist abgestorben. Den Vorstellungen vom deutschen Volk, vom deutschen Staat und deutschen Land ist inzwischen jeder ideelle Wert entzogen.

Wen wundert es da, daß jährlich große Zahlen deutscher Leistungsträger auswandern, daß sich Bankhäuser und Industrieunternehmen nicht mehr für ihr „Mutterland“ engagieren, und daß sich unsere Zuwanderer in ihrer Mehrheit nicht mit dieser „verbrecherischen“ deutschen Identität belasten wollen und unter anderem auch deshalb große Integrationsschwierigkeiten haben. Wer will sich schon mit einem Gastvolk identifizieren, das sich selbst so wenig liebt und achtet. Wir stecken – wie man daran sieht – mit unserer Geschichtswahrnehmung in einer psychologischen Sackgasse. Politiker, Publizisten und Pädagogen sollten nicht verkennen, daß sie mit ihrer einseitigen Betonung der „Befreiung“ eine Deutung von Geschichte fördern, in der die Rollen von Befreiten und Befreiern und im Gefolge dessen von Schuldigen und Schuldlosen am Zweiten Weltkrieg eindeutig festgelegt sind. Je länger dieses simple aber nicht ganz richtige Bild vermittelt wird, desto kranker wird die deutsche „Seele“.

Wir sollten also den Unsinn von der Befreiung, der uns eingeredet werden wird, nicht glauben, auch wenn er journalistisch oder politisch oder kirchlich gut verpackt an uns herangetragen wird. Die „frohe Botschaft“ von der Befreiung ist – weil sie nur ein Bruchteil von der Wahrheit ist – im Ganzen eine Lüge.

Das Verschweigen unserer deutschen Niederlage unterschlägt den Opfergang und die Leiden Ihrer Generation. Er unterschlägt die Mitverantwortung der Sieger an der Entstehung des Krieges und ihre Greueltaten im Kriege. Es unterschlägt, was Sie als Ritterkreuzträger für unser Volk im Krieg gelitten und geleistet haben.

Ich verneige mich vor Ihrer Lebensleistung.


Siehe auch

Personen

Filmbeiträge

Vortrag von Schultze-Rhonhof zu seinem Buch:
„1939: Der Krieg, der viele Väter hatte“ und Vortrag vom 6. Mai 2006 in München: „Wollte Hitler den Krieg?“:


Auszeichnungen und Ehrungen (Auszug)

Werke

Literatur

Verweise

Fußnoten

  1. Das tschechisch-deutsche Drama 1918–1939, Olzog Verlag, München 2008, S. 28f.
  2. Das tschechisch-deutsche Drama 1918–1939, Olzog Verlag, München 2008, S. 17
  3. Das tschechisch-deutsche Drama 1918–1939, Olzog Verlag, München 2008, S. 46 ff.
  4. Das tschechisch-deutsche Drama 1918–1939, Olzog Verlag, München 2008, S. 348
  5. Das tschechisch-deutsche Drama 1918–1939, Olzog-Verlag, München 2008, S. 362
  6. Sieg ohne Frieden, Blaue Narzisse, 3. Juni 2014
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