Hitler-Jugend

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Hitler-Jugend
1926-1945
Leiter Kurt Gruber
Baldur von Schirach
Arthur Axmann

Die Hitlerjugend (abgekürzt HJ) war die Jugend- und Nachwuchsorganisation der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP). Sie wurde im Juli 1926 offiziell gegründet und vereinte nach der Machterübernahme der NSDAP alle Jugendverbände in sich. Die HJ war staatlicher, vielfach untergliederter Jugendverband mit bis zu 8,7 Millionen Mitgliedern. Das Lied der Hitlerjugend ist Vorwärts! Vorwärts! schmettern die hellen Fanfaren, das auch als Fahnenlied der Hitler-Jugend bezeichnet wurde. Nach seinem Refrain ist das Lied auch unter dem Namen Unsre Fahne flattert uns voran bekannt. Die Aufgaben der Hitlerjugend waren Schulung und Erziehung im Sinne des Nationalsozialismus, sowie Ertüchtigung, also eine körperliche paramilitärische Ausbildung, sowie polizeiliche und militärische Hilfsdienste im Zweiten Weltkrieg.

Die Hitlerjugend wurde mit allen ihren Unterorganisationen nach Kriegsende durch das Kontrollratsgesetz Nr.2 verboten und aufgelöst, ihr Vermögen beschlagnahmt. Sie ist mit ihren Symbolen in der BRD eine verfassungswidrige Organisation im Sinne der Paragraphen 86 und 86a StGB.

Inhaltsverzeichnis

[bearbeiten] Vorläufer

Den historischen Hintergrund der HJ bilden Konzepte zur „Jugendpflege“ im Kaiserreich, die allgemein „Wehrertüchtigung“ und nationale Erziehung der männlichen Jugend zwischen Volksschule und Kaserne vorsahen und seit 1888 in Staatsgesetzen eingeführt wurden. Seit 1916 sahen Pläne der dritten OHL eine allgemeine Dienstpflicht der Jugend zur Vorbereitung auf die Front vor, die der „Vaterländische Hilfsdienst“ großenteils erfüllte. Diese militaristischen Konzepte wurden nach der Novemberrevolution in Form zahlreicher „Wehrsportgruppen“ rechtsgerichteter Parteien und paramilitärischer Vereine weitergeführt. Militärische Disziplinierung war auch üblicher Bestandteil der Aktivitäten der meisten nicht parteigebundenen Jugendorganisationen.

Im März 1922 wurde der „Jugendbund der NSDAP“ als erste offizielle Jugendorganisation der Partei in München gegründet. Die Initiative dazu ging vom NSDAP-Mitglied Adolf Lenk aus. Der Jugendbund war untergliedert in „Jungmannschaften“ (14- bis 16-Jährige) und den „Jungsturm Adolf Hitler“ (16- bis 18-Jährige). Letzterer unterstand unmittelbar der SA und galt als deren Jugendabteilung. Anfangs trugen die Jugendlichen daher die gleiche Uniform wie SA-Angehörige. Folglich wurde der Jugendbund öffentlich und innerparteilich kaum als eigenständige Organisation wahrgenommen.

Nach dem Verbot der NSDAP 1923 löste sich der Jugendbund weitgehend auf und wurde danach nicht wieder gegründet. Nur verschiedene Einzelgruppen daraus wurden unter Decknamen weitergeführt und konkurrierten nach der Wiederzulassung der NSDAP um deren Anerkennung als Parteijugend: darunter die von Gerhard Roßbach gegründete „Schilljugend“. Kurt Gruber in Plauen im Vogtland gelang es 1926, einige dieser Gruppen zu vergrößern und zur „Großdeutschen Jugendbewegung“ (GDJB) zusammenzuschließen, die sich zunächst auf Sachsen beschränkte. Nach kurzem Machtkampf setzte sich Gruber gegen Roßbach durch und erreichte, dass die GDJB als Parteijugend anerkannt wurde.

[bearbeiten] Entwicklung bis 1933

Heimordnung der HJ-Heime
Heimordnung der HJ-Heime

Auf dem ersten Parteitag der neu gegründeten NSDAP im Juli 1926 in Weimar wurde die GDJB auf einer Sondertagung für Jugendfragen im Vereinslokal „Armbrust“ in „Hitlerjugend, Bund deutscher Arbeiterjugend“ umbenannt. Namensgeber war Hans Severus Ziegler, später stellvertretender Gauleiter in Thüringen; Julius Streicher schlug den Namen erfolgreich vor. Gruber wurde zum „Reichsführer“ der HJ ernannt und in die Reichsleitung der Partei berufen.

NS-Propagandaplakat zum Eintritt in die HJ
NS-Propagandaplakat zum Eintritt in die HJ

Die HJ war fortan die wichtigste Jugendorganisation der NSDAP, blieb aber bis 1932 der SA unterstellt. Mitglied konnte man frühestens mit 14 Jahren werden, mit 18 musste man der NSDAP bzw. ab 1927 der SA beitreten. Alle HJ-Führer mussten sich schriftlich von NSDAP-Ortsgruppenführern bestätigen lassen. Sie leisteten anfangs keine Jugendarbeit, sondern nahmen an Straßenkämpfen und Aufmärschen der NSDAP teil. Ab 1928 veranstaltete man Heimabende, Gruppenfahrten, Ausflüge usw. Ab 1929 entstanden HJ-Schülergruppen, die Adrian von Renteln im Nationalsozialistischen Schülerbund zusammenführte. Auch das Deutsche Jungvolk von 10- bis 14-Jährigen entstand damals. Die ebenfalls seit 1926 gebildeten „Schwesternschaften“ wurden 1930 in „Bund Deutscher Mädel“ umbenannt.

Im März 1931 trat Gruber vom Amt des Reichsführers der HJ zurück. Die HJ-Zentrale wurde von Plauen nach München verlegt. Der bislang selbständige Bund Deutsches Jungvolk wurde der HJ angegliedert: 15-Jährige mussten zur eigentlichen HJ, 18-Jährige weiterhin in die SA wechseln. Baldur von Schirach, der auf dem Gründungsparteitag nur als Melder fungiert hatte, führte seit 1929 den NSDStB. Er wurde im Oktober 1931 von Hitler zum Reichsjugendführer der NSDAP im Rang eines SA-Gruppenführers ernannt und führte nun auch die HJ und den NS-Schülerbund.

Im März 1932 hob Hitler die Eingliederung der HJ in die SA auf, da der SA ein staatliches Verbot drohte. Dennoch erfuhr die HJ am 13. April 1932 ein kurzzeitiges Verbot. Schirach gab später an, in diesen Monaten habe die HJ 35.000 Mitglieder dazugewonnen. Nach Aufhebung des SA- und HJ-Verbots übernahm er die Gesamtleitung der NS-Jugendarbeit, gliederte den NS-Schülerbund in die HJ ein und zentralisierte deren Strukturen. Ab September 1932 wurden auch HJ-Betriebszellen aufgebaut.

Beim Reichsjugendtag der HJ in Potsdam am 1. und 2. Oktober 1932 nahmen ca. 80.000 Jugendliche teil, die sieben Stunden lang in Kolonnen an Hitler vorbeimarschierten.

[bearbeiten] Zusammenfassung der Jugendverbände

Die jüngsten Trommler der Nation auf dem Parteitag der Freiheit 1935
Die jüngsten Trommler der Nation auf dem Parteitag der Freiheit 1935

Zum Jahresbeginn 1933 hatte die HJ 108.000 Mitglieder. Seit Hitlers Amtsantritt am 30. Januar 1933 lief eine gewaltige Werbekampagne, um die Jugendlichen zum Eintritt in die HJ zu bewegen. Geworben wurde mit Fahrten und Zeltlagern. Die Reiter-, Motor-, Flieger-, Marine-, Nachrichten-HJ und weitere Sonderformationen sprachen die technisch begabten und sportlichen Jugendlichen an; für künstlerisch Talentierte gab es Fanfarenzüge und Theaterspielscharen. Feiern wie zur Sommersonnenwende oder zum Gedenken an die „Märtyrer der Bewegung“ versprachen Gemeinschaftserlebnisse.

Am 5. April 1933 besetzte die HJ unter Schirach die Geschäftsstelle des Reichsausschusses deutscher Jugendverbände. Daraufhin ernannte Hitler ihn am 17. Juni zum „Jugendführer des Deutschen Reiches“. Schirach führte den Reichsausschuss noch bis zum 22. Juli 1933 fort und berief die entmachteten Verbandsführer in einen „Jugendrat“. Einige hatten zwar gegen die Besetzung protestiert, ließen sich aber nun auf Schirachs Berufung ein, darunter Erich Stange für den Reichsverband der evangelischen Jungmännerbünde und die Vertreter des Katholischen Jungmännerverbands.

Ende 1933 wurde die Unsterbliche Gefolgschaft der Hitlerjugend gegründet, um die HJ-Mitglieder zu ehren, die für die Bewegung ihr Leben gelassen hatten.

Nach dem Verbot aller politischen Parteien außer der NSDAP im Juli 1933 forderte Schirach auch die Gleichschaltung der Jugendverbände: Wie die NSDAP nunmehr die einzige Partei ist, so muß die HJ die einzige Jugendorganisation sein. Durch Verbot, Auflösung, Selbstauflösung, Übertritt und Übernahme anderer Jugendverbände – unter den ersten der Großdeutsche Bund – wuchs die HJ bis 1935 auf knapp vier Millionen Mitglieder an. Das Amt des Reichsjugendführers wurde zu

einer „Obersten Reichsbehörde“, in der staatliche Jugendpolitik und HJ-Leitung vereint waren. Schirach führte es bis 1940, ihm folgte Arthur Axmann. Wer der HJ nicht beitrat, zählte als Außenseiter. Beamte des Deutschen Reiches wurden verpflichtet, ihre Kinder in die HJ zu schicken.

Dem Versuch einer Eingliederung der evangelischen Jugendverbände kamen diese großenteils durch ihre Selbstauflösung zuvor. Die missglückte Gleichschaltung der evangelischen Jugend verschärfte in einigen Landeskirchen den Kirchenkampf innerhalb der Deutschen Evangelischen Kirche.

[bearbeiten] Ideologische Ausrichtung

Der nationalsozialistische Staat verstand sich als die Verkörperung des „jungen“ Deutschland und sah in der Jugend den wichtigsten Träger einer politisch-soldatischen Zukunftsgestaltung….

In Massenveranstaltungen verkündete Hitler seine Erziehungsziele propagandistisch-bildhaft. So forderte er in seiner Rede vom 14. September 1935 vor 50.000 HJ-Jungen, sie sollten „flink wie die Windhunde, zäh wie Leder, hart wie Kruppstahl“ werden:

Es wird nichts im Völkerleben geschenkt; alles muß erkämpft und erobert werden. […] Ihr müßt lernen, hart zu sein, Entbehrungen auf euch zu nehmen, ohne jemals zusammenzubrechen.

[bearbeiten] Leitwort

Titelblatt der HJ-Zeitschrift "Der Pimpf"
Titelblatt der HJ-Zeitschrift "Der Pimpf"

Im Jahre 1939, für das das HJ-Leitwort Jahr der Gesundheitspflicht galt, wurden folgende zehn Gebote für die Hitler-Jugend verkündet, die der Kantschen Pflichtenlehre entnommen sein können:

  1. Dein Körper gehört deiner Nation, denn ihr verdankst du dein Dasein, du bist ihr für deinen Körper verantwortlich.
  2. Du mußt dich stets sauber halten und deinen Körper pflegen und üben. Licht, Luft und Wasser helfen dir dabei.
  3. Pflege deine Zähne. Auf ein kräftiges, gesundes Gebiß kannst du stolz sein.
  4. Iß reichlich rohes Obst, rohe Salate und Gemüse, nachdem du sie gründlich mit sauberem Wasser gereinigt hast. Im Obst sind wertvolle Nährstoffe enthalten, die beim Kochen verloren gehen.
  5. Trink flüssiges Obst! Laß den Kaffee den Kaffeetanten, du hast ihn nicht nötig.
  6. Meide Alkohol und Nikotin, sie sind Gifte und hemmen dein Wachstum und deine Arbeitskraft.
  7. Treibe Leibesübungen! Sie machen dich gesund und widerstandsfähig.
  8. Du mußt jede Nacht mindestens neun Stunden schlafen.
  9. Übe dich in der ersten Hilfe bei Unglücksfällen. Du kannst dadurch der Lebensretter deiner Kameraden werden.
  10. Über all deinem Handeln steht das Wort: Du hast die Pflicht, gesund zu sein!

Ein wichtiger erzieherischer Film für die Hitlerjugend war Film Hitlerjunge Quex nach der Biographie von Herbert Norkus. In diesem Film wurde auch erstmals das von Baldur von Schirach getextete Kampflied Vorwärts! Vorwärts! schmettern die hellen Fanfaren (Unsre Fahne flattert uns voran) der Öffentlichkeit präsentiert.

[bearbeiten] Durchsetzung der Dienstpflicht

Der von Hitler am 17. Juni 1933 zum „Jugendführer des Deutschen Reiches“ ernannte Baldur von Schirach führte im selben Jahr einen „Staatsjugendtag“ ein, an dem für alle Mitglieder von Jungvolk und Jungmädeln für den HJ-Dienst eine Befreiung vom Schulunterricht bestand. So wurden als Nebenfolge die Nichtmitglieder angereizt und sozial unter Druck gesetzt, ebenfalls in die HJ einzutreten.

Am 1. Dezember 1936 wurde das „Gesetz über die Hitler-Jugend“ erlassen. Damit wurde die HJ für alle deutschen Jugendlichen ab dem 10. Lebensjahr zur einzigen Erziehungsinstitution neben Familie und Schule. Sie wuchs bis 1938 auf sieben Millionen Jugendliche. Der Staatsjugendtag wurde wieder aufgehoben, weil eine nur noch fünftägige Schulwoche Nachteile mit sich brachte. Der Schulunterricht am Samstag wurde stattdessen auf vier Schulstunden begrenzt. Nun wurden immer mehr Dienstpflichten für HJ-Angehörige eingeführt, darunter ein „Landjahr“, ein „Arbeitsjahr“ und ein „Pflichtjahr für Mädchen“ im Alter wehrpflichtiger Männer.

Mit Erlass der zweiten Durchführungsverordnung zum HJ-Gesetz wurde am 25. März 1939 die „Jugenddienstpflicht“ eingeführt: Nun konnte die Mitgliedschaft in der HJ auch gegen den Willen der Eltern polizeilich erzwungen werden. Damit waren schon die zehnjährigen Jugendlichen zum Eintritt in das „Jungvolk“ gezwungen. Fortan wurden nochmals 1,7 Millionen Jugendliche zusätzlich in der HJ erfasst.

[bearbeiten] Gliederung

Die ursprünglich der SA angegliederte Hitlerjugend geriet nach dem Röhm-Putsch 1934 zunehmend unter den Einfluss der SS. Manche 17-jährigen Hitlerjungen wurden bereits der SS-Eliteeinheit “Leibstandarte Adolf Hitler“ zugeführt.

Neben der Gliederung nach Alter und Region gab es eine Vielzahl von HJ-Sonderorganisationen, um die Jugendlichen hinsichtlich ihrer Talente und Interessen zu erfassen. Den Sinn des umfassenden Organisationswesens sprach Hitler 1938 in einer Rede in Reichenberg (Sudetenland) unter dem Jubel der angetretenen und ihm im Kollektivrausch verfallenen Jugendlichen unverblümt aus: „Diese Jugend, die lernt ja nichts anderes als deutsch denken, deutsch handeln. Und, wenn hier dieser Knabe, dieses Mädchen mit ihren zehn Jahren in unsere Organisation hineinkommen, und dort nun so oft zum erstenmal überhaupt eine frische Luft bekommen und fühlen, dann kommen sie vier Jahre später vom Jungvolk in die Hitler-Jugend. Und dort behalten wir sie wieder vier Jahre, und dann geben wir sie erst recht nicht zurück in die Hände unserer alten Klassen- und Standeserzeuger (Lachen), sondern dann nehmen wir sie sofort in die Partei, oder in die Arbeitsfront, in die SA, in die SS, in das NSKK undsoweiter. […] Und sie werden nicht mehr frei ihr ganzes Leben! (Heil-Rufe)“

[bearbeiten] Altersgliederung und Regionalstruktur

Bereits im Juli 1933 gab Schirach entsprechende Bestimmungen für die „HJ-Gliederungen“ heraus:

  • Das Deutsche Jungvolk (DJ) umfasste nun die 10- bis 14-jährigen Jungen, genannt Pimpfe,
  • der Jungmädelbund (JM) umfasste die 10- bis 14-jährigen Mädchen,
  • die eigentliche Hitlerjugend umfasste die 14- bis 18-jährigen Jungen,
  • der Bund Deutscher Mädel (BDM) die 14- bis 18-jährigen Mädchen. Später wurde der BDM auf 17 Jahre Höchstalter begrenzt, ihm folgte
  • das BDM-Werk Glaube und Schönheit für 17- bis 21-jährige Mädchen.

Die Strukturen der vier Hauptgliederungen trugen zwar unterschiedliche Bezeichnungen, waren aber gleich aufgebaut. Unterhalb der Reichsjugendführung wurde das Reichsgebiet in – je nach Zeitstellung – zwischen 20 und 42 Gebiete (bei DJ und eigentlicher HJ) oder Obergaue (bei JM und BDM) aufgeteilt, die ihrerseits immer feiner untergliedert waren, bis hin zu den nach Wohnorten organisierten Kleingruppen aus je zehn Mitgliedern, die als Jungenschaft (DJ), Kameradschaft (eigentliche HJ), Jungmädelschaft (JM) oder Mädelschaft (BDM) bezeichnet wurden.


Deutsches Jungvolk Hitlerjugend Jungmädel Bund Deutscher Mädel
Gebiet Obergau
Bann Untergau
Jungstamm Stamm Jungmädelring Mädelring
Fähnlein Gefolgschaft Jungmädelgruppe Mädelgruppe
Jungzug Schar Jungmädelschar Mädelschar
Jungenschaft Kameradschaft Jungmädelschaft Mädelschaft


Unterhalb der Ebene Jungstamm/Stamm/… umfassten die Gliederungen der HJ jeweils vier Einheiten der nächstniedrigeren Ebene, oberhalb war der Umfang von geografischen Gegebenheiten abhängig, ein Bann bzw. Untergau bestand aus vier bis sechs Jungstämmen/Stämmen/…, die Gebiete bzw. Obergaue aus etwa 20 Bannen oder Untergauen. Ein Jungstamm/Stamm/… umfasste durchschnittlich etwa 600 Mitglieder, ein Bann oder Untergau zwischen 2400 und 3600 Mitglieder.

Das Deutsche Reich war 1934 insgesamt in fünf Obergebiete und 19 Gebiete bzw. Obergaue unterteilt, 1938 kam mit dem Anschluss Österreichs ein sechstes Obergebiet dazu. Bis 1942 stieg die Zahl der Gebiete bzw. Obergaue auf insgesamt 42, dazu kamen vier Befehlsstellen in den besetzten Staaten (Reichsprotektorat Böhmen und Mähren, Generalgouvernement, Niederlande, Osten für Ost- und Südosteuropa). Im Reichsgebiet orientierten sich die Grenzen der Gebiete an der Gaueinteilung der NSDAP.

[bearbeiten] Sonderformationen

In den Folgejahren wurden Sonderausbildungen in einigen Sonderformationen eingerichtet, die für Jugendliche bestimmter Begabungen oder Interessengebiete attraktiv waren:

  • die Flieger-HJ
  • die Motor-HJ
  • die Marine-HJ
  • die Nachrichten-HJ
  • die Reiter-HJ
  • die HJ-Bergfahrtengruppen
  • der HJ-Streifendienst einschließlich der HJ-Feuerwehrscharen
  • die HJ-Feldschere
  • die BDM-Gesundheitsdienstmädel
  • die Gebirgsjäger-HJ
  • der HJ-Landdienst

Die meisten dieser Sondereinheiten waren den Bannführern unterstellt, wurden aber je nach örtlichen Gegebenheiten auch als Sonderscharen, -gefolgschaften und -stämme eingerichtet. Mit der Vermittlung von Fachkenntnissen vor allem in technischen und militärischen Bereichen gingen die HJ-Aktivitäten über die gewöhnliche Jugendarbeit weit hinaus.

Im BDM gab es gemäß dem nationalsozialistischen Frauenbild anfangs nur „Spieleinheiten“ und „Gesundheitsdienstscharen“ als Sondereinheiten. Im Krieg kamen Fernmeldedienste, Haushaltsführung und Sanitätsdienste hinzu. So ausgebildete Einheiten wurden gezielt zusammengefasst und in Notfällen eingesetzt, wobei die Mädchen von ihrer Schul- oder Berufsausbildung freigestellt wurden.

[bearbeiten] Die HJ im Zweiten Weltkrieg

Vereidigung der Hitlerjugend 1942: (mp3)

Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs ordnete Schirach an, dass „alle Arbeit allein der Kriegführung zu dienen“ habe. Mit dem Einzug aller wehrfähigen Männer verlor auch die HJ viele Leitungskräfte. Die nachrückenden HJ-Führer waren oft nicht älter als ihre Untergebenen. Damit geriet die hierarchische Gliederung und Disziplin unter den übrigen Verbänden in eine Krise. Darauf reagierte die NS-Regierung am 9. Mai 1940 mit einer „Polizeiverordnung“ „Zum Schutz der Jugend“, die die Bestimmungen und Vorschriften zur HJ vermehrte und verschärfte. Auch der HJ-Streifendienst sollte polizeiliche Aufgaben übernehmen. Unter dem Etikett der „Selbstführung“ wurden noch bestehende Einrichtungen für die Nachwuchssicherung aufgelöst.

Die Einführung der Dienstpflicht veränderte die Aufgaben von HJ-Jugendlichen zunächst kaum. Sie ersetzten in den ersten Kriegsjahren vor allem die Arbeitskräfte von zum Wehrdienst eingezogenen Männern und leisteten z.B. Ernteeinsätze, Sammelaktionen, Boten- und Kurierdienste, halfen bei der Postzustellung, beim Roten Kreuz und bei Behörden. Jungen blieben bis zum 16. Lebensjahr, Mädchen bis zum 18. Lebensjahr von Dienstverpflichtungen an auswärtigen Orten befreit und behielten Urlaubsrecht.

Seit 1940 vermehrten sich die alliierten Bombenangriffe auf deutsche Städte. Nun wurden Angehörige der HJ verstärkt mit Aufgaben des Luftschutzes betraut. Schon 15-jährige HJ-Führer wurden auch als Führungskräfte bei der Kinderlandverschickung (KLV) verpflichtet. Sie leiteten dort zusammen mit einem Lehrer Lager für Kinder und Jugendliche auf dem Land und waren dabei für die unterrichtsfreie Zeit zuständig.

[bearbeiten] Einsatz in besetzten Gebieten

In den von Deutschen besetzten Gebieten erhielten HJ-Gruppen Polizeiaufgaben, die denen der SS ähnelten. Zudem wurden nach einer Idee von Reichsjugendführer Axmann, Schirachs Nachfolger, Eliteeinheiten von 16- bis 18-jährigen Hitlerjungen aufgestellt: so im Juli 1943 eine Panzergrenadierdivision mit dem Namen „Hitlerjugend“, die unter SS-Brigadeführer Kurt Meyer im Oktober 1943 in die 12. SS-Panzer-Division „Hitlerjugend“ überführt wurde. Sie wurde im Juni 1944 an der Westfront gegen die Invasion der Alliierten eingesetzt und dort nach heftigen Kämpfen nahezu vollständig aufgerieben.

[bearbeiten] Einsatz in der Kriegsendphase

Durch sogenannte „Wehrertüchtigungslager“ wurde versucht, etwa 20.000 Jugendliche als Freiwillige für den Kampf um den deutschen Endsieg zu mobilisieren.

1943 scheiterten Versuche der Reichsjugendführung, die Dienstabläufe der als Flak- oder Marinehelfer dienstverpflichteten Schüler nach dem Vorbild des HJ-Dienstes zu gestalten; die Flakhelfer blieben aber formal Mitglieder der HJ, dies blieb durch den Zusatz in der amtlichen Bezeichnung „Luftwaffenhelfer (HJ)“ und durch die als Teil der Uniform vorgeschrieben HJ-Armbinde erkennbar.

HJ-Angehörige wurden schließlich auch im Volkssturm eingesetzt und für den Werwolf angeworben.

[bearbeiten] Literatur

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[bearbeiten] Video

[bearbeiten] Schriften

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