Vorgeschichte des Zweiten Weltkrieges

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Zur Vorgeschichte des Zweiten Weltkrieges in Europa gehören die Machtkonstellationen, die internationale Politik und die Ereignisse nach dem Ende des Ersten Weltkriegs (1919) bis 1939 bzw. für anfangs am Krieg nicht beteiligte Länder bis zu ihrem Kriegseintritt.

Dazu gehören insbesondere

Historiker wie Uri Milstein, Sergej Kowaljow und andere haben in jüngeren Forschungsarbeiten herausgestellt, daß die Schuld am Kriegsausbruch nicht bei Deutschland liegt, sondern bei Polen, England und der Sowjetunion zu suchen ist.

Inhaltsverzeichnis

Kommunistische Expansion

Ohne Beispiel war in der Vorzeit des Zweiten Weltkrieges die Geschwindigkeit der territorialen Ausbreitung der kommunistischen Herrschaft gewesen. Diese totalitäre Ideologie stellte eine globale Bedrohung für ein freiheitliches Miteinander der Menschheit dar. Nach dem Kriege wurde auch von offizieller amerikanischer Seite die Notwendigkeit einer Eindämmung des kommunistischen Anspruches auf Weltherrschaft durch Weltrevolution erkannt. Insofern kann der Zweite Weltkrieg auch als Versuch verstanden werden, das Zentrum der Komintern (Kommunistische Internationale) in Moskau an einer Fortsetzung seiner Expansionspolitik zu hindern und ist somit als einer von vielen Abwehrkämpfen gegenüber dem Bolschewismus zu verstehen. Die Vorgeschichte des Krieges in Europa begann bereits mit dem sowjet-bolschewistischen Überfall auf Finnland.

Der Weg in den Krieg

Der renommierte israelische Militärhistoriker Uri Milstein brachte es in der „Deutschen Militär Zeitschrift“ (Nr.72/09 S.44ff) mit den Worten auf den Punkt: „Der deutsche Reichskanzler hatte Ende der 1930er Jahre keinerlei Interesse an einem Weltkrieg, ja nicht einmal an einem Krieg gegen Polen.“ Nach ständigen Übergriffen auf Volksdeutsche durch polnische Freischärler war es in der Nacht vom 31. August zum 1. September 1939 auch zu Angriffen durch die reguläre polnische Armee gekommen, u. a. der Artilleriebeschuß der oberschlesischen Stadt Beuthen. Insofern war Deutschland am 1. September 1939 aus Notwehr gezwungen, den deutsch-polnischen Krieg einzuleiten, schon allein um das deutsche Volk in den betreffenden Grenzbereichen vor weiteren Gewaltübergriffen zu schützen. Dies nahmen England und Frankreich zum willkommenen Anlaß, dem Deutschen Reich am 3. September 1939 den Krieg zu erklären, womit diese lokale militärische Auseinandersetzung zu einem europäischen Krieg hochstilisiert wurde. Zum Weltkrieg entartete der europäische Krieg am 12. September 1941 durch die Anweisung von Franklin D. Roosevelt an die amerikanische Marine, jegliches deutsches Kriegsschiff zu versenken; dazu schrieb der VS-amerikanische Marineminister lakonisch, die Nation sei in den Krieg eingetreten, wisse es nur nicht (→ Method short of war).

Friedrich Lenz legte rückblickend dar, wodurch die Ereignisse einen anderen Verlauf hätten nehmen können:

„Wenn es 1939 wirklich nur um die Erhaltung des Weltfriedens gegangen wäre, so hätte dieser durch folgende Erklärung aller gegen Hitler eingestellten Mächte in zehn Minuten gesichert sein können: ‚Nachdem durch etwa hundert Erklärungen alliierter, neutraler und deutscher Politiker festgestellt ist, daß die bisherige Regelung der Besitzverhältnisse in Danzig und im Korridor mit den Grundsätzen der Gerechtigkeit und des Minderheitenprinzips nicht zu vereinbaren ist, haben wir zur Erhaltung des Weltfriedens die polnische Regierung gebeten, die als korrekt und tragbar erscheinenden deutschen Vorschläge vom 29. August 1939 anzunehmen und ferner beschlossen, eine Konferenz anzuberäumen, auf der die noch ausstehende Regelung der Kolonialfrage in einem für alle Beteiligten gerechten Sinne erreicht werden soll. Wir laden Deutschland zu dieser Konferenz ein. Wir verlangen aber gleichfalls von der deutschen Regierung im Interesse des Weltfriedens, daß sie nach Beseitigung dieser beiden Streitpunkte die feierliche Erklärung abgibt, daß sie keinerlei Forderungen mehr an andere Nationen zu stellen gewillt ist, welche geeignet wären, deren Souveränität zu beeinträchtigen. Sollte dies seitens der deutschen Regierung in Zukunft doch in irgendeiner Form versucht werden, so werden sich die unterzeichneten Nationen im Interesse des Weltfriedens genötigt sehen, gemeinsame Schritte hiergegen, notfalls in kriegerischer Form, einzuleiten.‘ Hitler hätte ohne Bedenken angenommen und der Weltfrieden wäre gerettet gewesen. – Aber ging es nur um den Weltfrieden? Nun, das konnten nur Phantasten glauben, zu denen die Mehrzahl der Verschwörer gehörte. Es ging um etwas ganz anderes! Ich will es jedem Begriffstutzigen an einem einzigen Beispiel erläutern: Man stelle sich vor, wir hätten Frieden behalten und das Volkswagenwerk in Fallersleben wäre fertig geworden, desgleichen das dazugehörige Buna- und Hydrierwerk. Und der Volkswagen wäre für 1.100 RM und nicht wie heute für 5.000 DM verkauft worden. Wieviel mehr hätten wir exportiert als heute? Und was wäre geworden, wenn Hitler, was bei der zum ersten Male zusammengefaßten Wirtschaftsmacht Deutschlands durchaus im Bereich des Möglichen gelegen wäre, dieses gelungene Experiment verzehnfacht und auch bei anderen wesentlichen Exporterzeugnissen zur Anwendung gebracht hatte? Das Abendland hätte andere Auffassungen bekommen von Deutschlands Leistungsfähigkeit, Unternehmungsgeist und Erfindergabe, wie jene lächerlichen Miesmacher in Deutschland, welche wie Herr Goerdeler von dem Augenblick an, wo er nicht mehr Preiskommissar war, einen wirtschaftlichen Zusammenbruch nach dem anderen prophezeiten, der aber nie eintrat, auch nicht in den schlimmsten Situationen des ganzen Krieges. Um was es ging, wird man nun wohl begreifen. Den Kampf konnten unsere Gegner erst wagen, als sie ihre Rüstung aufgeholt, noch einige Verbündete geworben hatten und vor allem die Gewißheit besaßen, daß der Deutsche – wie schon oft in der Geschichte – wieder einmal soweit war, sich selbst in seiner eigenen Zwietracht zu zerfleischen. Sie wußten genau, daß der Deutsche dies gründlich machen würde – und es ist gründlich geschehen. Damit wir aber nach dem Zusammenbruch nicht aus der Übung und zum Erwachen kamen, haben sie uns noch einige Läuse in den Pelz gesetzt, die da heißen: Entnazifizierung, Vierteilung, Föderalismus, Parteienstreit und Verfassungsentwürfe. Nun haben wir mindestens für die nächsten 50 Jahre mit der ‚Entlausung‘ Arbeit. Aber auch unsere Gegner haben sich durch ihre ‚Zusammenarbeit‘ mit dem Bären einen ganzen Pelz voll Läuse geholt und nun sollen wir auch da bei der Entlausung mithelfen. Das dürfte vorläufig etwas zu viel sein. Fassen wir noch einmal unsere Erkenntnisse zusammen: 1. War der Weltkrieg notwendig? – Darauf gibt es nur eine Antwort: Nein! 2. Konnte er im August 1939 dadurch vermieden werden, daß Hitler auf Kosten seines und Deutschlands Prestige auf die zufriedenstellende Regelung der Korridorfrage verzichtete? Ja – aber nur vorläufig! 3. Konnte der Krieg für die Dauer vermieden werden? – Einerseits nein, weil der Deutschland zur Verfügung stehende Raum in Anbetracht der immer mehr zunehmenden Bevölkerung zu klein und die Konkurrenz der deutschen Exportindustrie zu groß war, andererseits ja, wenn die übrige Welt Deutschland die Gebiete des Korridors, einen entsprechenden Anteil an den Kolonien und gerechte Vereinbarungen bezüglich der Rohstoff- und Absatzmärkte gegeben hätte. 4. Wie konnte der Krieg in jedem Fall vermieden werden? – Dadurch, daß der von Deutschland in der militärischen Machtansammlung errungene Vorsprung immer so stark gewesen wäre, daß es niemand wagen konnte, Deutschland anzugreifen. Dazu waren aber zwei Voraussetzungen notwendig: einmal, daß nur das Staatsoberhaupt unter Mithilfe seines Außenministers die Außenpolitik betrieb, andererseits, daß ‚jeder sein Höchstes hingab, daß nicht die Rüstung einen Sprung aufwies und nicht an der germanischen Kraft – wie bisher – ein ekler Wurm nagte‘. 5. Ohne Kenntnis von diesem ‚eklen Wurm‘ hätte England 1939 keinen Krieg erklärt. Die Völker hätten sich auch mit einer gewaltsam erzwungenen Lösung der Korridorfrage zufrieden gegeben. 6. Die gesamteuropäische Wehrkraft wäre als Schutzwall gegen den Bolschewismus erhalten geblieben. Dieser wäre durch die Kraft der im Nationalsozialismus enthaltenen antibolschewistischen Tendenzen auf sein damaliges Gebiet beschränkt geblieben und im Laufe der Zeit an dieser Beschränkung zugrunde gegangen, da er nur von der Ausbreitung, das heißt von neuen Futterplätzen leben kann – die ihm ja seit Teheran und Jalta reichlich gewährt wurden. 7. Europa wäre unter der Führung Deutschlands aufgeblüht und hätte sich mit voller Kraft zum Nutzen aller seiner Völker der Erschließung Afrikas widmen können. Seit sieben Jahren sind sie nun tot – Hitler, Mussolini und der Antikominternpakt, die Kriegsverbrecher, Friedensfeinde, Störenfriede usw. Und keine Macht der Welt konnte jene Männer, die sich in Potsdam lächelnd die Hand reichten und sich über ihr gelungenes Werk freuten, hindern, Frieden zu schließen, die Wunden des Krieges zu heilen und ein besseres Europa aufzubauen.“[1]

Der Polenfeldzug als vorgeschobener Grund zur Entfesselung des Weltkrieges

Deutsch-Polnische Annäherung ab 1934

Auf die Nichtangriffserklärung vom 26. Januar 1934 folgte eine vorübergehende deutsch-polnische Annäherung. So kam es in der Folgezeit auf Geheiß der politischen Führung zu einem regen Kulturaustausch im Bereich Theater, Film, Musik und Ausstellungsprojekten. Institutionen wie die Polnisch-Deutsche Gesellschaft in Warschau und die Deutsch-Polnische Gesellschaft in Berlin unterstützten den Austausch. Karina Pryt vertritt die These, daß diese Verständigungskampagne nicht als „Täuschungsmanöver“ Hitlers verstanden werden darf. Beide Seiten erwarteten von den u. a. kulturpolitischen Maßnahmen konkrete Resultate. Das nationalsozialistische Deutschland hoffte dabei darauf, Polen als Partner eines Bündnisses insbesondere zur Wegbereitung der zielgerichteten Thematisierung deutsch-polnischer Meinungsverschiedenheiten zu gewinnen; zudem versprach sich die deutsche Seite von den bilateralen Vereinbarungen eine Minderung einer potentiellen Bedrohung durch die Sowjetunion. Für Polen bestand der Anreiz des Kulturaustausches darin, sich als eine dem westeuropäischen Kulturkreis zugehörige Nation präsentieren zu können und sein Existenzrecht als eigener Staat zu unterstreichen.[2]

Adolf Hitler erklärte vor dem Deutschen Reichstag am 20. Februar 1938:

„Es erfüllt uns im fünften Jahr nach der ersten großen außenpolitischen Abmachung des Reiches mit aufrichtiger Befriedigung, feststellen zu können, daß gerade in unserem Verhältnis zu dem Staat, mit dem wir vielleicht die größten Gegensätze hatten, nicht nur eine Entspannung eingetreten ist, sondern im Laufe dieser Jahre eine immer freundschaftlichere Annäherung. Das damals von vielen angezweifelte Werk hat unterdes seine Probe bestanden, und ich darf wohl sagen, daß, seit der Völkerbund seine fortgesetzten Störungsversuche in Danzig endlich aufgab und durch einen neuen Kommissar auch einen Mann von persönlichem Format abstellte, gerade dieser gefährlichste Platz für den europäischen Frieden seine bedrohliche Bedeutung vollkommen verlor. Der polnische Staat respektiert die nationalen Verhältnisse in diesem Staat, und diese Stadt und Deutschland respektieren die polnischen Rechte. So gelang es, den Weg für eine Verständigung zu ebnen, die von Danzig ausgehend, heute trotz des Versuchs mancher Störenfriede das Verhältnis zwischen Deutschland und Polen endgültig zu entgiften und in ein aufrichtig freundschaftliches Zusammenarbeiten zu verwandeln vermochte. Deutschland wird jedenfalls, gestützt auf seine Freundschaften, nichts unversucht lassen, um jenes Gut zu retten, das die Voraussetzung für jene Arbeiten auch in der Zukunft abgibt, die uns vorschweben: den Frieden.“

Da man das Bündnis noch enger schmieden wollte, unterbreitete Ribbentrop am 24. Oktober 1938 dem polnischen Botschafter in Berlin, Lipski, folgende Vorschläge: Polen sollte in die Rückkehr des deutschbesiedelten Danzigs einwilligen, Deutschland erlaube im Gegenzug den Bau einer exterritorialen Autobahn und Bahnlinie durch Pommerellen, räume dem polnischen Staat in Danzig wirtschaftliche und bahntechnische Vergünstigungen ein und garantiere die polnischen Grenzen. Der polnische Außenminister Jozef Beck lehnte sofort ab, dennoch bemühte sich Hitler weiterhin darum, Beck für seine Vorschläge zu gewinnen.[3] Im Januar 1939 bemühten sich Hitler und Ribbentrop bei zwei weiteren erfolglosen Gesprächen mit Beck um eine Verständigung. Weder die Gespräche Becks mit Hitler (5. Januar) und Ribbentrop (6. Januar 1939) in Berchtesgaden, noch der Besuch Ribbentrops Ende Januar 1939 brachten Fortschritte.

Auf dem Obersalzberg betonte Hitler, daß er fortgesetzt darauf hinarbeite, die mit Polen durch das Abkommen von 1934 begonnene Politik aufrechtzuerhalten. Eine Bedrohung sah er in Rußland. Aus diesen Gründen sei ein starkes Polen für Deutschland eine Notwendigkeit. Deutschland brauche im Osten ein starkes Polen, jede polnische Division an der russischen Grenze sei ebensoviel wert wie eine deutsche.[4] Diese Offerte verdeutlichte zugleich, wie sehr Hitler die politischen Bestrebungen Becks verkannte. Becks Außenpolitik war nicht von Freundschaft zu Hitler bestimmt, sondern vom Wunsch, die unwirklich gewordene Großmachtstellung Polens mit allen Mitteln zu sichern. Fiel Danzig – dies war die Logik Becks – so fiel auch Polens Großmachtstellung.[5]

Moskau am 24. August 1939: In der Mitte stehend der deutsche Außenminister Joachim Ribbentrop, vor ihm sitzend sein sowjetischer Amtskollege Wjatscheslaw Molotow, rechts neben Ribbentrop Stalin

Verschärfung deutsch-polnischer Spannungen

Das Gebiet der „Freien Stadt Danzig“

Am 24. Oktober 1938 trafen der polnische Botschafter Józef Lipski (1894–1958) und Reichsminister des Äußeren Joachim von Ribbentrop (1893–1946) im Grand Hotel in Berchtesgaden zusammen, ursprünglich um die Situation in der Karpatoukraine zu besprechen. Bei dieser Gelegenheit unterbreitete Ribbentrop erstmals ein Acht-Punkte-Programm zu einer „Gesamtlösung“ zwischen den beiden Staaten:[6]

  1. Der Freistaat Danzig kehrt zum Deutschen Reich zurück.
  2. Durch den Korridor wird eine exterritoriale, Deutschland gehörende Reichsautobahn und eine ebenso exterritoriale mehrgleisige Eisenbahn gebaut.
  3. Polen behält im Danziger Gebiet ebenfalls eine exterritoriale Straße oder Autobahn und Eisenbahn und einen Freihafen.
  4. Polen erhält eine Absatzgarantie für seine Waren im Danziger Gebiet.
  5. Die beiden Nationen erkennen ihre gemeinsamen Grenzen (Garantie) oder die beiderseitigen Territorien an.
  6. Der deutsch-polnische Vertrag wird von 10 auf 25 Jahre verlängert.
  7. Polen tritt dem Antikomintern-Vertrag bei.
  8. Die beiden Länder fügen ihrem Vertrag eine Konsultationsklausel bei.

Gleichzeitig lud er den polnischen Außenminister Józef Beck (1894–1944) für November zu einem Besuch ein. Beck kam nicht nach Berlin, sondern beauftragte statt dessen Lipski mit der Ablehnung der deutschen Vorschläge. Dieser traf am 19. November in Berlin ein. Die polnische Antwort ließ die Vorschläge bezüglich der exterritorialen Verbindungen und der gemeinsamen Politik unberücksichtigt, betonte hingegen, daß eine „Eingliederung der Freien Stadt [Danzig] in das Reich unfehlbar zu einem Konflikt führen müsse“.

Am 5. und 6. Januar 1939 kam Außenminister Beck schließlich nach Berchtesgaden und München, wo er sich mit Hitler und Ribbentrop traf. Er wollte über die angesprochenen Grenzgarantien und die Verlängerung des Nichtangriffspaktes verhandeln, wiederholte jedoch die Ablehnung einer Statusänderung der Freien Stadt Danzig und erbat Zeit, um die Angelegenheit zu überdenken. Er kam jedoch zu der Ansicht, daß die deutschen Forderungen eine ernste Bedrohung darstellen konnten. So kam es am 8. Januar 1939 im Warschauer Schloß zu einem geheimen Treffen zwischen Marschall Rydz-Śmigły, Staatspräsident Mościcki und Oberst Beck, in welchem die polnische Führung ihre künftige Haltung beschloß: Eine „schwankende Haltung“ könne das Land die Unabhängigkeit kosten und es zu einem deutschen Vasallenstaat machen. Deshalb sei eine feste Linie unabdingbar.

Bei einem Besuch Ribbentrops in Warschau am 26. Januar schnitt der Außenminister die Danzig-Frage erneut an. Der polnische Außenminister lehnte jedoch gemäß dem Beschluß vom 8. Januar kategorisch ab.

Am 14. März 1939 schloß das Dritte Reich einen Schutzvertrag mit der Slowakei und löste sie von der Rest-Tschechei, die am Tag darauf von deutschen Truppen besetzt wurde. Die Besetzung der Tschechei löste heftige Reaktionen in den europäischen Staaten aus. Bereits am 21. März trafen sich die Vertreter Großbritanniens und Frankreichs, um Absprachen bezüglich einer gemeinsamen Politik zu treffen. Das Ergebnis war die englisch-französische Garantieerklärung vom 31. März 1939.

In einem Volksaufstand verlangte die deutsche Bevölkerung im abgetrennten Memelland am 16. März den Anschluß an das Deutsche Reich.

Am 17. März verkündete der britische Premierminister Neville Chamberlain in einer Rede in Birmingham das Ende der sogenannten Appeasement-Politik.

Deutschland verlegte am 21. März als Reaktion auf die Volksaufstände die drei in Ostpreußen stationierten Wehrmachtsdivisionen nach Norden an die Grenze zum Memelland. Litauen schloß am 22. März mit Deutschland einen Übergabevertrag und trat das Memelland wieder ab. Im Gegnezug erhielt Litauen eine Freihandelszone und freies Wegerecht für 99 Jahre.

Am 21. März ersuchte von Ribbentrop Botschafter Lipski, nach Warschau zu fahren und seiner Regierung die offizielle deutsche Bitte um neue Verhandlungen zu übermitteln, der vierte Versuch von deutscher Seite, das Danzig-Problem auf dem Verhandlungsweg zu lösen.[7]

Das polnische Begehren um einen Schutzvertrag erhielt von der britischen Regierung eine Zusage. Mit dieser Sicherheit konnte Polen die deutschen Forderungen nun kategorisch abweisen. Allerdings ging sie dabei von der falschen Annahme aus, daß Hitler nur neun Divisionen gegen Polen mobilisieren könnte.

Rydz-Śmigły ließ mit der Begründung, Deutschland wolle Danzig annektieren, einen Teil der polnischen Streitkräfte mobilisieren, rief drei Reservistenjahrgänge und Tausende von Spezialisten in die Kasernen, erhöhte die Truppenstärke der Armee um über 330.000 Soldaten und ließ Kampfverbände in Richtung Danzig und Pomerellen aufmarschieren. Erst im Juni wurde die Teilmobilmachung wieder aufgehoben.[8] Diese Drohgebärde als Antwort auf ein Verhandlungsersuchen widersprach dem Geist des deutsch-polnischen Vertrages, in dem die zwei Vertragsparteien zur Lösung ihrer Streitigkeiten vereinbart hatten: „Unter keinen Umständen werden sie jedoch zum Zweck der Austragung solcher Streitfragen zur Anwendung von Gewalt schreiten.“

Am 26. März 1939 überbrachte Lipski schließlich die endgültige und weiterhin ablehnende polnische Antwort in Form eines Memorandums. Es ging über einige Verkehrserleichterung zwischen dem Reich und Ostpreußen nicht hinaus. Lipski erklärte, daß „er die unangenehme Pflicht habe, darauf hinzuweisen, daß jegliche weitere Verfolgung dieser deutschen Pläne, insbesondere soweit sie die Rückkehr Danzigs zum Reich beträfen, den Krieg mit Polen bedeuten“.[9] Am 10. August drohte das polnische Außenministerium in diesem Zusammenhang dem Deutschen Reich erstmals offen mit einem Angriff,[10] indem man der deutschen Regierung mitteilte, jeden weiteren Brief in Sachen Danzig als Angriffsakt zu betrachten und entsprechend zu reagieren.[11]

Auch Hermann Göring schaltete sich in die Verhandlungen ein. Wie bereits Anfang August entsandte er inoffiziell einen Vertrauten, den schwedischen Geschäftsmann Birger Dahlerus (1891–1957), am 25. August nach London, um der britischen Regierung die deutsche Verständigungsbereitschaft zuzusichern. Birger Dahlerus setzte seine Bemühungen fort und sprach am 26. August beim britischen Außenminister Lord Halifax (1881–1959) vor. Dieser übergab ihm einen Brief an Göring, in dem er Großbritanniens Wunsch nach einer diplomatischen Lösung betonte. Göring unterrichtete Hitler vom Inhalt des Briefes und dieser entsandte Dahlerus am 27. August noch einmal nach London. Von den beteiligten Diplomaten wurde diese Entwicklung als Entspannung aufgefaßt. Hitler stellte einen weiteren Vermittlungsvorschlag in der Danzigfrage zusammen, und wiederum schickte Göring Dahlerus nach London.

Grenzzwischenfälle aus deutscher Sicht

In den Tagen vor dem Kriegsausbruch gab es immer wieder Meldungen über tödliche Angriffe auf Volkdeutsche seitens Polen.[12]

Friedensangebot nach dem Einmarsch in Polen

Fritz Hesse wurde als Mitarbeiter der Deutschen Botschaft am Abend des 2. September 1939 im Auftrag von Hitler zum englischen Premier Chamberlain geschickt, um den sofortigen Rückzug der in Polen eingerückten deutschen Truppen anzubieten. Auch von Schadenersatz für die beim Angriff entstandenen Verwüstungen sei die Rede gewesen, wenn im Gegenzug bloß Danzig zu Deutschland käme. Polnisches Staatsterritorium wolle man nicht. Die englische Regierung habe das abgelehnt, da die Kriegserklärung beschlossene Sache sei und sich politisch nicht mehr aufhalten lasse.[13]

Siehe auch

Literatur

Verweise

Fußnoten

  1. Der ekle Wurm der deutschen Zwietracht (1952) S. 78/79
  2. Karina Pryt: Befohlene Freundschaft. Die deutsch-polnischen Kulturbeziehungen 1934–1939, Osnabrück 2010
  3. Der Spiegel 24/1962
  4. Walther Hofer: Die Entfesselung des Zweiten Weltkrieges, S. 79
  5. Der Spiegel 24/1962
  6. Akten zur Deutschen Auswärtigen Politik, Serie D, Band V, Baden-Baden, 1956/57, Dokument 81
  7. Abgedruckt in: Weißbuch des Auswärtigen Amtes (1939 Nr.2): Dokumente zur Vorgeschichte des Krieges, Archiv-Verlag, 1995 (Nachdruck der Ausgabe von 1939), Nr. 203
  8. Abgedruckt in: Weißbuch des Auswärtigen Amtes (1939 Nr.2): Dokumente zur Vorgeschichte des Krieges, Archiv-Verlag, 1995 (Nachdruck der Ausgabe von 1939), Nr. 208
  9. Internationaler Militärgerichtshof Nürnberg. Der Prozeß gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Gerichtshof, Amtlicher Wortlaut in deutscher Sprache, Nürnberg 1947, Band XLI, Dokument 208; siehe auch: Auswärtiges Amt 1939/1940/1941, Dokumente zur Vorgeschichte des Krieges, Weißbuch der Deutschen Regierung, Heymanns-Verlag, Berlin, 1939 Nr. 2, Dokument 208
  10. Stefan Scheil: Polen 1939. Kriegskalkül, Vorbereitung, Vollzug. S. 26, 2. Auflage, Verlag Antaios, Schnellroda 2013, ISBN 978-3-944422-37-4
  11. Vgl. Weißbuch der polnischen Regierung, Dok. 86, 10. August 1939, S. 129
  12. Walther Hofer: Die Entfesselung des Zweiten Weltkrieges, S. 95–100
  13. Fritz Hesse, Spiel um Deutschland, 1953
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