Roon, Albrecht Graf von

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Generalfeldmarschall Dr. h. c. Albrecht Graf von Roon

Albrecht Theodor Emil von Roon, seit 1871 Graf von Roon (Lebensrune.png 30. April 1803 in Pleushagen bei Kolberg, Kreis Köslin, Pommern; Todesrune.png 23. Februar 1879 in Berlin), war ein deutscher Offizier der Preußischen Armee, zuletzt Generalfeldmarschall, preußischer Kriegs- und Marineminister sowie als Politiker ein Mitarbeiter Fürst von Bismarcks in der Zeit der Reichsgründung von 1871.

Leben und Wirken

Albrecht Graf von Roon, um 1860
Kriegsrat in Versailles, Sitz des Königlichen Großen Hauptquartiers im Deutsch-Französischem Krieg; von links: Generalleutnant Leonhard von Blumenthal, General der Infanterie Kronprinz Friedrich Wilhelm von Preußen, Generalleutnant Theophil von Podbielski, Kriegsherr Wilhelm I., Deutscher Kaiser sowie König von Preußen, General der Infanterie Helmuth Karl Bernhard Graf von Moltke (Chef des Großen Generalstabs), General der Infanterie Albrecht von Roon und Generalleutnant Otto von Bismarck, Bundeskanzler des Norddeutschen Bundes.
Standbild „Albrecht Graf von Roon“ im Berliner Tiergarten
Denkmal für Otto von Bismarck, Graf von Roon und Graf von Moltke in Hohenlockstedt

Albrecht Theodor Emil von Roon wurde am 30. April 1803 als Sohn eines Offiziers und Gutsbesitzers in Pleushagen bei Kolberg geboren. Er lebte nach dem Tode des Vaters seit 1811 in Stettin, besuchte ab 1814 die Schule in Berlin und kam 1816 in die Kadettenanstalt der Preußischen Armee in Kulm und 1819 in die Hauptkadettenanstalt in Berlin. Ab dem 9. Januar 1821 war er Sekondleutnant im 14. Infanterie-Regiment (3. Pommersches). 1824 bis 1827 besuchte er die Allgemeine Kriegsschule in Berlin und Universitätsveranstaltungen des Geografen Carl Ritter sowie des Historikers Friedrich von Raumer. 1833 arbeitete er als Geograf für das topographische Büro des Großen Generalstabs, in den er 1836 im Rang eines Hauptmanns eintrat. Im selben Jahr heiratete er Anna Rogge, die ältere Schwester von Bernhard Rogge. Seine als Schüler Ritters veröffentlichten Arbeiten hatten den Ruf von Standardwerken. In den Jahren 1846 bis 1848 unterrichtete Roon den Prinzen Friedrich Karl und begleitete ihn während des Studiums in Bonn und auf mehreren Reisen in Deutschland, Frankreich und Italien.

Im Sommer 1849 diente von Roon als Chef des Generalstabs des Ersten der beiden von Preußen zur Niederschlagung der Revolution in der Pfalz und in Baden aufgestellten Armeekorps unter Generalleutnant Moritz von Hirschfeld. Während des Feldzugs machte er die Bekanntschaft des Prinzen Wilhelm von Preußen, zu dessen ideellem Kreis er von nun an gehörte. Von Roon wurde an wechselnden Stellen im Generalstab und im Truppendienst eingesetzt. Im Jahr 1851 folgte die Beförderung zum Oberst, 1856 die Ernennung zum Generalmajor und 1858 die zum Kommandeur der 14. Division, immer verbunden mit Versetzungen in verschiedene Regionen der preußischen Monarchie.

Auf Anregung des Prinzen Wilhelm hatte von Roon, zurückgezogen in Kolberg, im Sommer 1858 eine Denkschrift zu Fragen der Modernisierung des preußischen Kriegswesens verfasst. Sie fiel ganz im Sinne Bismarcks und des Prinzen im heraufziehenden preußischen Verfassungskonflikt aus. Von Roon wurde daraufhin 1859, nach dem Beginn der Regentschaft Wilhelms, in die Kommission zur Reorganisation des Heeres berufen und im Dezember 1859 zum Kriegsminister (und 1861 zum Marineminister) ernannt. Als fraktionsloser Abgeordneter im preußischen Abgeordnetenhaus, dem er in den Jahren 1859 bis 1860 und 1863 bis 1870 angehörte, verteidigte Roon die Heeresreform gegen die Mehrheit kompromisslos und rhetorisch gewandt.[1]

Als Wilhelm, inzwischen König von Preußen, im Kampf um die Heeresreform aufgeben wollte, sandte Roon an Otto von Bismarck am 18. September 1862 ein denkwürdiges Telegramm mit dem Satz: „Periculum in mora. Dépêchez-vous!“ („Gefahr im Verzug! Beeilen Sie sich!“). Das Telegramm veranlaßte von Bismarck, von seinem Pariser Botschafterposten nach Berlin zurückzukehren, wo der König ihn zum Ministerpräsidenten ernannte.

An von Bismarcks Seite führte von Roon anschließend gegen eine starke liberale Opposition die Modernisierung des Heeres durch. In der deutschen Öffentlichkeit stieg Roons Ansehen wie das von Bismarcks und von Moltkes, als sich seit 1864 in den Kriegen gegen Dänemark und dem Kaisertum Österreich Erfolge in der Lösung der Deutschen Frage durch Blut und Eisen bemerkbar gemacht hatten. Der Preußische Landtag bewilligte ihnen Dotationen.

1866 wurde er zum General der Infanterie befördert. Der König von Preußen und Deutscher Kaiser, Wilhelm I., erhob von Roon am 16. Juni 1871 für seine Verdienste um die siegreichen Einigungskriege und dem erfolgreichen Deutsch-Französischen Krieg in den Grafenstand. 1873 wurde er Generalfeldmarschall und war vom 1. Januar bis 9. November 1873 Chef des preußischen Staatsministeriums. Nach ihm wurde das Ostpreußische Füsilier-Regiment Nr. 33 benannt.

Gravon Roon hatte 1868 das Schloß Gütergotz bei Potsdam erworben, es verschönert und den Park neu angelegt.[2] Nach seinem Abschied verkaufte er das Anwesen und zog sich auf das Schloß Neuhof bei Coburg in Franken zurück.[3] In Niederschlesien kaufte er das Schloß Krobnitz. Dort, unweit von Görlitz, verbrachte Generalfeldmarschall a. D. von Roon seine letzten Lebensjahre und fand in der Familiengruft seine letzte Ruhe.[4]

Chronologische Übersicht

  • Geboren in Pleushagen bei Kolberg in Pommern
  • 1816 Eintritt in das Kadettenkorps in Kulm, ab 1819 in Berlin
  • 9. Januar 1821 Sekondelieutenant
  • 1824 Allgemeine Kriegsschule in Berlin
  • 1828 Erzieher im Kadettenhaus in Berlin
  • 20. Juli 1831 Premierlieutenant
  • 1833 als Geograph für den Großen Generalstab in Berlin tätig
  • 1836 Hauptmann (Capitain) beim Großen Generalstab
  • 1840 bis 1842 wegen schwerer Krankheit arbeitsunfähig
  • 12. April 1842 Major, zudem wieder als Lehrer an der Kriegsschule
  • 1842 Lehrer und seit 1846 militärischer Berater des Prinzen Friedrich Karl von Preußen, den er auch zum Studium in Bonn begleitete
  • 1848 Chef des Generalstabes des VIII. Armee-Korps in Koblenz
  • 1849 Chef des Generalstabes des I. Armee-Korps unter dem Kronprinzen und späteren Kaiser Wilhelm, das maßgeblich für die Niederschlagung der Revolution von 1848 in der Rheinpfalz war
  • 26. September 1850 Oberstleutnant
  • 26. Dezember 1850 Kommandeur des 33. Infanterie-Regiments (1. Reserve Regiment) in Cöln
    • am 4. Juli 1860 in Ostpreußisches Füsilier-Regiment Nr. 33 und am 27. Januar 1889 in Füsilier-Regiment „Graf Roon“ (Ostpreußisches) Nr. 33 umbenannt
  • 2. Dezember 1851 Oberst
  • 15. Februar 1856 Generalmajor
  • 26. Juni 1856 Kommandeur der 20. Infanterie-Brigade, die der 10. Division in Posen unterstellt war
  • 6. November 1858 bis 19. Januar 1860 Kommandeur der 14. Division in Düsseldorf
  • 31. Mai 1859 Generalleutnant
    • wurde vom Regenten beauftragt, eine umfassende Reform der Preußischen Armee zu entwerfen; der Entwurf fand die Zustimmung Wilhelms und Bismarcks, so daß er am 5. Dezember 1859 zum Kriegsminister ernannt wurde
  • 1859 bis 1860 und erneut 1863 bis 1870 Abgeordneter im preußischen Parlament
  • 1862 Ministerpräsident; i. d. F. Durchführung der Modernisierung des Heeres; hierdurch wurden v. a. unter Helmuth von Moltke ab 1864 militärische Siege bei den Reichseinigungskriegen erreicht
  • 8. Juni 1866 General der Infanterie
  • 1867 Flottengründungsplan dem Reichstag vorgelegt; führte zur Gründung der Norddeutschen Bundesmarine
  • 18. Juni 1871 am Tage des Einzuges der Truppen in Berlin wurde er in den erblichen Grafenstand erhoben und am Jahrestage der Schlacht von Sedan schenkte der König ihm zwei eroberte Geschütze
  • 1. Januar 1873 Generalfeldmarschall unter Belassung in seinem bisherigen Dienstverhältnisse
    • an diesem Tag übernahm er zur Entlastung Otto von Bismarcks auch das Amt des preußischen Ministerpräsidenten; Generalleutnant Georg von Kameke vertrat ihn als Kriegsminister.
  • 9. Dezember 1873 mit der Pension zur Disposition gestellt

Verdienste

Zu seinem Wirken heißt es:

Moltke hatte das preußische Heer und dessen Offiziersstab unübertrefflich geschult und dann zu weltgeschichtlichen Siegen geführt. Doch vorher hat Albrecht von Roon als preußischer Kriegsminister den Heeren die äußere Form gegeben. Heere sind lebendige Körper, empfindlich gegen jede Vernachlässigung, am tiefsten aber von der Gefahr des Erstarrens bedroht. Wenn nicht ein blickscharfer Wächter unaufhörlich die Geschmeidigkeit, Schlagkraft, Gewandtheit des Willens und der Entschlüsse prüft; wenn nicht soldatisches Denken in regster Lebendigkeit immer der Zeit vorauseilt, erhebt sogleich die Drohung ihr Haupt, daß dieses Heer aus Starrheit, Gemächlichkeit, mangelnder Rüstung versagen könnte. Auch die Heere, die Scharnhorst, geschult, mußten sich wandeln: Albrecht von Roon hat die Wandlung vollzogen und als großer Organisator das preußische Heer auf den Stand der verwandelten Zeit gebracht. Als er sich dabei mit üblen parlamentarischen Störern herumschlagen mußte, hat er dem König als unerbittlichem Kampfgenossen Otto von Bismarck empfohlen. Um nichts geringer wiegt diese Tat als die Heereserneuerung selber.[5]
Albrecht Graf von Roon III.jpg

Familie

Albrecht war der Sohn von Heinrich Friedrich von Roon (Lebensrune.png 17. Oktober 1768 in Berlin; Todesrune.png 15. Oktober 1808 in Pleushagen), preußischer Sekondeleutnant a. D., herzoglich-braunschweigischer Kammerjunker sowie Herr auf Pleushagen, und dessen Ehefrau Johanna Constantia Ulrike Albertine, geborene von Borke, verwitwete Schmied von Schmiedeseck (Lebensrune.png August 1773 in Schwochow; Todesrune.png 4. Oktober 1823 in Friedensburg).

Ehe

Von Roon verheiratete sich 1836 in Groß Tinz bei Liegnitz mit Anna Maria Bertha Charlotte Dorothea Rogge (1818–1885). Sie war die Tochter des preußischen Militärpfarrers Wilhelm Rogge (1790–1870) und dessen Ehefrau Auguste Wolfram. Sein Schwager Bernhard Rogge (1831–1919), Vater von Maximilian Rogge, war Hofprediger und wurde 1906 Ehrenbürger von Potsdam. Das Ehepaar von Roon hatte, je nach Quelle, bis zu 12 Kinder, darunter Kinder:

  • Albrecht Johannes Waldemar (1837–1919), Generalleutnant und Politiker ∞ Magdalena von Blanckenburg (1845–1915), Tochter des Moritz von Blanckenburg (1815–1888)
  • Albrecht Gotthilf Bernhard (1838–1870), Hauptmann, erlag am 3. September 1870 im Lazarett La Moncelle einer Verwundung in der Schlacht von Sedan
  • Arnold Traugott Albrecht (1840–1906), General der Infanterie ∞ Helene von Langenbeck (1848–1907), Tochter des Bernhard von Langenbeck (1810–1887)
  • Elisabeth (1842–1908) ∞ Heinrich von Brauchitsch (1831–1916)
  • Hedwig (1843–1927) ∞ Eugen von Wißmann (1841–1912), preußischer Rittmeister
  • Albrecht Heinrich Wilhelm (1844–1890), Major ∞ Emmy (Wally) Karoline Helene Amalie von Zeschau (Lebensrune.png 1857), Tochter des Hugo Balthasar von Zeschau (Lebensrune.png 1826)
  • Josua (1852–1859)

Auszeichnungen und Ehrungen (Auszug)

Generalfeldmarschall Albrecht Theodor Emil Graf von Roon.jpg
Albrecht Graf von Roon, Büste.jpg

Ehrungen

Werke

  • Grundzüge der Erd-, Völker- und Staatenkunde, 1832, 1839-1844 erweitert auf 3 Bände
  • Die Anfangsgründe der Erd-, Völker- und Staatenkunde, Berlin 1834
  • Militärische Länderbeschreibung von Europa, Berlin 1837
  • Die iberische Halbinsel, 1837
  • Das Kriegstheater zwischen Ebro und Pyrenäen, Berlin 1839

Literatur

  • Otto Liermann: Graf Albrecht v. Roon, Kriegsminister und Feldmarschall - ein Bild seines Lebens und Wirkens (PDF-Datei)
  • Kriegsminister von Roon als Redner: Politisch und militärisch erläutert (1895); (PDF-Dateien):
  • Roon, Albrecht Theodor Emil, Count von: Denkwürdigkeiten aus dem Leben des Generalfeldmarschalls Kriegsministers Grafen von Roon - Sammlung von Briefen, Schriftstücken und Erinnerungen (1905); (PDF-Dateien):
  • Erich Marcks: „Zum Gedächtnisse Roons“ in: „Hohenzollern-Jahrbuch. Forschungen und Abbildungen zur Geschichte der Hohenzollern in Brandenburg-Preussen“, 1903 (PDF-Datei)
  • Erich Marcks: Albrecht von Roon, in: Willy Andreas / Wilhelm von Scholz (Hg.): Die Großen Deutschen. Neue Deutsche Biographie. Propyläen Verlag, Berlin, 4 Bde. 1935–1937, 1 Ergänzungsbd. 1943; Dritter Band, S. 424–441
  • Hans Frentz: Der Kriegsminister: Albrecht von Roon, in: Ernst Adolf Dreyer / Heinz W. Siska (Hg.): Kämpfer, Künder, Tatzeugen. Gestalter deutscher Größe. 3 Bde., Zinnen-Verlag, München–Wien–Leipzig 1942, Bd. I, S. 277–295

Verweise

Fußnoten

  1. Mann, Bernhard (Bearb.) : Biographisches Handbuch für das Preußische Abgeordnetenhaus. 1867–1918. Mitarbeit von Martin Doerry, Cornelia Rauh und Thomas Kühne. Düsseldorf : Droste Verlag, 1988, S. 327 (Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien : Bd. 3)
  2. Schloß Gütergotz in der Sammlung Duncker: www.zlb.de – Digitale Sammlung (PDF; 343 kB)
  3. Auf Schloss Neuhof befindet sich gegenwärtig eine sozialtherapeutische Einrichtung für Suchtkranke, siehe www.schlossneuhof.de – Historie
  4. Finden Sie ein Stück Preußen in Sachsen
  5. Karl Richard Ganzer: Das deutsche Führergesicht, 200 Bildnisse deutscher Kämpfer und Wegsucher aus zwei Jahrtausenden , 1937 Lehmanns-Verlag München