Croneiß, Theodor

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Theodor „Theo“ Jakob Croneiß.jpg

Theodor „Theo“ Jakob Croneiß (Lebensrune.png 18. Dezember 1894 in Schweinfurt; Todesrune.png 7. November 1942 in München) war ein deutscher Offizier der Bayerischen Armee, des Deutschen Heeres, der Freikorps (Einwohnerwehr Bayerns), der Reichswehr, der SA, der SS sowie der Wehrmacht, Jagdflieger, Luftfahrtfunktionär, Direktor der Landesgruppe Bayern (X) des DLV, Reichsamtsleiter und später Oberbereichsleiter der NSDAP sowie ab 1938 Vorsitzender des Aufsichtsrates der Messerschmitt Flugzeugwerke AG.

Leben

Theodor Croneiß war der jüngere Sohn des Gymnasiallehrers Carl Croneiß und seine Ehefrau Margarete, geborene Wiesinger. Sein älterer Bruder war der spätere Reichstagsabgeordnete Carl Croneiß. Seine ersten Lebensjahre verbrachte Croneiß in Schweinfurt, wo der Vater als Lehrer beschäftigt war. Nach dem Tod des Vaters 1903 siedelte die Mutter mit den Söhnen nach Nürnberg über. In Nürnberg besuchte Croneiß ein Realgymnasium. Nach dem Abitur begann er ein Praktikum bei den Süddeutschen Eisenwerken.

Erster Weltkrieg

Beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs meldete Croneiß sich freiwillig beim Königlich Bayerischen 1. Chevaulegers-Regiment „Kaiser Nikolaus von Rußland“. Ende 1914 meldete sich der begeisterte Segelflieger Croneiß zur Fliegertruppe. Anschließend wurde er in Döberitz und auf dem Flugplatz Freiburg zum Flugzeugbeobachter und dann in der Schweriner Fokkerschule zum Jagdflieger ausgebildet. 1915 wurde Croneiß als Flugzeugführer an den Kriegsschauplatz in den Dardanellen kommandiert, wo er im Fokker-Kampfflugzeug von Ungarn aus über den hohen Balkan im Alleinflug reiste. Hierbei handelte es sich um den ersten Langstreckenflug mit einem Fluggerät dieser Type, was zu einer entsprechenden Vermarktung durch die Kriegspropaganda führte.

In den folgenden knapp drei Jahren kämpfte Croneiß als Jagdflieger der Feld-Flieger-Abteilung (FA 6), gemeinsam mit Hans-Joachim Buddecke, Emil Meinecke und andere, im vorderen Orient. Mit fünf Luftsiege[1] war er auf diesem Kriegsschauplatz der deutsche Flugzeugführer mit den meisten Abschüssen. Bei Kriegsende hatte er den Rang eines osmanischen Oberleutnants erreicht. Wichtiger aber noch war, daß er während des Krieges umfangreiche Kontakte zur Flugzeugindustrie geknüpft hatte: Mit Anthony Fokker hatte er bereits vor seiner Abreise nach der Türkei vereinbart, dereinst nach dem Krieg dessen Absatzinteressen in Vorderasien zu vertreten und in den weiteren Jahren auch Arrangements mit weiteren Unternehmen getroffen, ihre Repräsentanz in diesem Gebiet zu übernehmen. Die deutsche Kriegsniederlage machte diese Pläne zwar zunichte, dennoch war, mit Albert Fischer „der Bezug zur Flugzeugindustrie […] hergestellt und er sollte nie mehr verloren gehen.“

Messerschmitt

Mitte September 1925 suchte Willy Messerschmitt dringend einen Geldgeber, um das Leichtflugzeug Messerschmitt M 17 mit einem Motor ausstatten zu können. Croneiß, Jagdflieger im Ersten Weltkrieg und der ältere Bruder von Carl Croneiß, Messerschmitts Testpilot, war Chef der „Sportflug GmbH für Mittelfranken und Oberpfalz“, einer Tarnfirma der Reichswehr, die zivile und militärische Flugzeugführer ausbildete mit 180 Flüge täglich. Croneiß, der nach einem Absturz am 2. Mai 1925 bei einem Schau- und Kunstfliegen (das Steuer war ausgefallen) auf dem Flugplatz in Bayreuth inzwischen wieder genesen war, bemerkte in einem Gasthaus, wie Messerschmitt mit einem interessierten Finanzier verhandelte. Messerschmitt ging dabei so weit, daß er bereit war, auf alle seine Patentrechte zu verzichten. Während einer Gesprächspause überreichte ihm Theo Croneiß einen Scheck in Höhe von 4.000 Reichsmark und bewahrte ihn somit vor einer Aufgabe seiner unternehmerischen Selbständigkeit. Croneiß sollte Messerschmitts erster und einziger Freund bleiben. Später wurde er Direktor in den Regensburger Messerschmitt-Werken. Mit dem Motorflugzeug M 17, geflogen von Carl Croneiß, gewann Messerschmitt im Herbst 1925 einen Preis von 10.000 Reichsmark beim Internationalen Flugtag auf dem Flugplatz Schleißheim (Erster Preis für Geschwindigkeit und Höhe), schon im Frühling hatte die M 17 beim „Oberfrankenflug“ in Bamberg geglänzt und verschiedene Preise für Leistung gewonnen. Zwischen Messerschmitt und Theo Croneiß entstand eine lebenslange Freundschaft und ein Treueverhältnis, daß vielen Konkurrenten in der deutschen Luftfahrtindustrie ein Dorn im Auge war.

Milch und Croneiß

Persönlicher und geschäftlicher Rivale war der „deutschnationale“ Erhard Milch, den der „nationalsozialistische“ Croneiß 1933 vergeblich als „Halbjude“ denunzierte. Milch hatte Croneiß, der Vorsitzender der Bayerischen Flugzeugwerke war, am 8. Juni 1933 Hilfe bei der Rettung der Gesellschaft verweigert. Milch war großer Kritiker von Willy Messerschmitt, während Croneiß fest an seinen Freund glaubte. Milch stand der Luft Hansa vor (als Leiter der Abteilungen Technik und Flugbetrieb), als mehrere der eingeführten Verkehrsflugzeuge Messerschmitt M20b abstürzten, es gab bei der Besatzung und Passagieren Tote, insbesondere verkraftete er den Tod seines Freundes Hans Hackmack nicht und war ab dann vom Skeptiker zum Feind Messerschmitts geworden, und somit verhielt er sich auch zunehmend feindlich gegenüber Messerschmitts Betriebsführer Croneiß, der sich wohl mit den Anschuldigungen rächen wollte.

1934, im Gegenzug, wurde die „Verkehrsflug AG“ (die Croneiß 1926 als „Nordbayerische Verkehrsflug GmbH“ gründete) jedoch auf Betreiben des Luftfahrtministers Hermann Göring und seines Staatssekretärs Erhard Milch, der zugleich zum Vorstand der Lufthansa gehörte, liquidiert, da das Modell für das Luftverkehrswesen im Deutschen Reich, das diesen beiden vorschwebte, nur eine einzige Fluggesellschaft vorsah, wobei sie sich für die Lufthansa entschieden. 1937 wurde die Liquidation der Verkehrsflug endgültig vollzogen.

Aus der Luftfahrtpolitik mußte Croneiß sich im Juli 1934 auf Druck von Göring und Milch zurückziehen. Statt dessen konzentrierte er sich fortan auf seine Tätigkeit in der Luftfahrtindustrie, in der er bis zu seinem Tod eine führende Rolle spielte: Bereits seit Oktober 1933 amtierte er als Aufsichtsratsvorsitzender der Bayerischen Flugzeugwerke. 1936 gründete Croneiß dann die Bayerischen Flugzeugwerke Regensburg GmbH, die er ab 1937 als Betriebsführer leitete und die 1941 in Messerschmitt Regensburg GmbH umbenannt wurden. Im April 1942 wurde er schließlich Vorstandsvorsitzender des Gesamtunternehmens, der Messerschmitt AG und zusätzlich Betriebsleiter des Werkes Augsburg.

Rudolf Heß

Messerschmitt und Croneiß überließen Rudolf Heß für seinen Friedensflug eine Bf 110:

„[...] Nachdem klar wurde, daß der Herzog von Hamilton den Brief Haushofers nicht erhalten hatte oder es nicht wagte, ihn zu beantworten, wuchs in Heß ein abenteuerlicher Plan: Er wollte den Herzog in England aufsuchen, um ihm die Dinge vorzutragen. Rudolf Heß ging dabei ganz systematisch vor. Er wandte sich zuerst an General-Luftzeugmeister Ernst Udet und bat um Flugerlaubnis. Da Udet genau wußte, daß Hitler zu Kriegsbeginn für seine engeren Mitarbeiter Flugverbot verhängt hatte, verlangte er von Heß Hitlers schriftliche Einwilligung. Das wollte Heß aber keinesfalls riskieren. Er trat nun an Professor Messerschmitt und dessen technischen Direktor, Theo Croneiss, heran. Messerschmitt überließ Heß auf dem Augsburger Flugplatz eine Me 110. Heß erreichte sogar einen Umbau der für zwei Piloten konstruierten Maschine auf einen Einsitzer. Der freiwerdende Platz wurde mit zwei Sonderbenzintanks mit je 700 Liter Fassung umgebaut. Folgt man nun den Ausführungen von Hitlers langjährigem Flugkapitän Hans Baur, dann hat Heß mit dieser Maschine rund 30 Sonderflüge von Augsburg aus unternommen. Heß war, wie bekannt, als Kampfflieger im Ersten Weltkrieg eingesetzt und hat in den 30er Jahren mehrmals mit Erfolg an dem Deutschlandflug teilgenommen. [...]“[2]

Tod

Theo Croneiß ist am 7. November 1942, nach längerer schwerer Krankheit und wenige Tage nach der Entlassung aus der Klinik, im Hotel „Vier Jahreszeiten" in München im Beisein seiner Ehefrau Mia an einer Embolie verstorben.[3] Nach seinem Ableben gab es für SS-Brigadeführer und Major d. R. Croneiß eine Feierstunde bei der Messerschmitt GmbH Regensburg. Der Sarg wurde am 10. November 1942 mit der Reichsbahn nach Regensburg überführt. Anschließend Überführung vom Bahnhof auf der Lafette eines Artilleriegeschützes in das Flugzeugwerk. Am Werkseingang erfolgte die Übergabe des Sarges an den Betrieb. Dort erfolgte die Aufbahrung im Sitzungssaal der Betriebsführung.

Zur dort stattfindenden Trauerfeier der Betriebsangehörigen sprachen Rechtsanwalt Merkel als bisheriger Stellvertreter von Theo Croneiß als Vorsitzender des Aufsichtsrates und als kommissarisch eingesetzter Betriebsführer des Werkes Regensburg sowie ein Angehöriger der Betriebsgemeinschaft. Anschließend wurde der Sarg in die Lehrlingswerkshalle überführt zur Trauerfeier am folgenden 11. November. Für die NSDAP sprach Gauleiter Wächtler dem Parteigenossen und SS-Kameraden für seine Treue und seine Leistungen als Wehrwirtschaftsführer den Dank der Partei aus. Er überbrachte den Dank des Führers der DAF (Deutsche Arbeitsfront) Robert Ley, wobei er die Verleihung der „Goldenen Fahne“ der DAF an das MTT Flugzeugwerk Regensburg, den größten NS-Musterbetrieb Deutschlands, erwähnte. Er überbrachte im Namen des Reichsministers für Bewaffnung, Albert Speer, das Kriegsverdienstkreuz I. Klasse.

Im Anschluß an diese Trauerfeier wurde der Sarg auf einer pferdebespannten Geschützlafette des Artillerieregiment 10, Regensburg, in einer Trauerparade durch die Stadt zum Evangelischen Zentralfriedhof verbracht, wo er die Ehre eines Parteibegräbnisses erhielt, u. a. mit Familie Croneiß, Fritz Wächtler (1891-1945, Gauleiter der Bayerischen Ostmark), Wolfgang Weigert, Dr. Benno Martin (1893-1975, SS-Obergruppenführer u. General der Polizei), Otto Schottenheim (1890-1980, Arzt und Oberbürgermeister von Regensburg), Prof. Willy Messerschmitt und Konrad Merkel. Croneiß hinterließ Gattin Mia, Sohn Gernot (Lebensrune.png 23. Oktober 1919) und Sohn Helgi (Lebensrune.png 4. Februar 1921).

Familie

Folgende Familienangehörigen nahmen an der Trauerfeier und der Beisetzung teil:

  • Die Ehefrau Mia Croneiß, geb. Machwirth (sie heirateten am 15. November 1917),
  • der jüngere Sohn Helgi Croneiß, damals Leutnant in einer Panzerjäger-Abteilung der Wehrmacht (mit schwerer Verwundung),
  • Sieglinde Senfft, die Verlobte und spätere Ehefrau des älteren Sohnes Gernot Croneiß sowie
  • Carl Croneiß, der ältere Bruder des Verstorbenen, damals Gruppenführer des NSFK (Nationalsozialistisches Fliegerkorps).

Der Sohn Gernot Croneiß erhielt erst am Tags der Beisetzung die Nachricht dem Tod seines Vaters. Er war damals als Oberleutnant der Wehrmacht Batterieführer in Stalingrad und traf erst nach 9-tägiger Bahnfahrt in der Heimat ein.

Beförderungen und Mitgliedschaften (Auswahl)

Oberleutnant Croneiß der deutschen Militärmission als Offizier der Osmanischen Armee im Auftrag des Deutschen Kaiserreiches; FA 6, Fokker-Kampfstaffel „Tschanak-Kale“ (Çanakkale), später in der Darnadellen-Staffel

Auszeichnungen und Ehrungen (Auszug)

Willy Messerschmitt und Theo Croneiß (hier schon sichtlich erkrankt) bei der Übergabe einer Me 323

Weitere

  • Plakette Oberfrankenflug am 2. u. 3. Mai 1925
  • Plakette Sachsenflug 1927
  • Plakette Ostpreußenflug 1929
  • Medaille Internationaler Kongreß der Flugnavigation Den Haag, 1930
  • Plakette Deutschlandflug 1931
  • Plakette 1. NS-Flugwoche Fürth Pfingsten 1933
  • Plakette Eröffnung des Nürnberger Flughafens am 20. August 1933
  • Medaille Europarundflüge (1929, 1930, 1932, 1934, 1936)
  • Medaille Deutschlandflug (Nr. 6723) 1938
  • Plakette Mitteldeutscher Rundflug 15. u. 16. Juli 1939
  • Medaille Sport u. Wehrkämpfe Bayerische Ostmark, SA-Gruppe 1939
  • Plakette „Sportappell der Betriebe“ 1939

Schriften (Auswahl)

  • Im Fokker-Kampfflugzeug von Ungarn über den hohen Balkan nach der Türkei (gewidmet seiner Schwester Gretl und seinem Kamerad Anthony Fokker)
  • Auf Dardanellen-Wache

Literatur

  • Wächter an den Dardanellen 1915-1918. Theo Croneiß, vom Kriegsfreiwilligen zum Dardanellen-Wächter im Ersten Weltkrieg
  • Albert Fischer: Luftverkehr zwischen Markt und Macht (1919-1937): Lufthansa, Verkehrsflug und der Kampf ums Monopol, Franz Steiner Verlag (2003), ISBN 978-3515082778
  • Ernst Kredel: Deutsche Verkehrsflug Aktiengesellschaft Nürnberg-Fürth (Musterbetriebe Deutscher Wirtschaft, Bd. 29: Der deutsche Luftverkehr), Berlin 1931
  • Heinz-Joachim Neubauer: Anfänge des Messerschmitt-Flugzeugbaus, in: OHM, Barbara u.a.: „Fliegen, nur fliegen!“ – Der erste Nürnberg-Fürther Flughafen auf der Atzenhofer Heide, Roth 1995, S. 57-59.
  • Barbara Ohm: Nordbayerische Verkehrsflug GmbH, in: DIES. u.a.: „Fliegen, nur fliegen!“ – Der erste Nürnberg-Fürther Flughafen auf der Atzenhofer Heide, Roth 1995, S. 51-56.
  • Peter Schmoll: Die Messerschmitt-Werke im Zweiten Weltkrieg. Die Flugzeugproduktion der Messerschmitt GmbH Regensburg von 1938 bis 1945 (MZ-Zeitgeschichte), 2004
  • Erich Stockhorst: Croneiss, Theo, in: „DERS: Fünftausend Köpfe. Wer war was im Dritten Reich“, Kiel 1998, S. 95.

Verweise

Fußnoten

  1. Hans Werner Neulen: Adler und Halbmond. Das Deutsch-Türkische Bündnis, 1914–1918, S. 163.
  2. Das Ostpreußenblatt, Mai 1973, Seite 20
  3. Vereinzelte Quellen geben an, er wäre auf seinem Gut Schrammlhof bei Regensburg verstorben.
  4. Gestiftet wurde diese Erinnerungsmünze durch König Ludwig III. 1918 und war als Weihnachtsgabe gedacht. Erhalten sollten diese Medaille alle Truppenteile deren Inhaber er war. Gleichzeitig sollte es eine nachträgliche Erinnerungsmünze sein an seine Goldene Hochzeit am 20. Februar 1918. Verliehen zwischen 1921 und 1935.