Baur, Hans

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SS-Oberführer (seit dem 9. September 1934) Hans Baur, der „Flugkapitän des Führers“

Johann „Hans“ Peter Baur (Lebensrune.png 19. Juni 1897 in Ampfing; Todesrune.png 17. Februar 1993 in Herrsching)[1] war ein deutscher Jagdflieger der Fliegertruppe des Kaisers, Vizefeldwebel der Bayerischen Armee, Freikorpskämpfer (Freikorps „von Epp“), Flugkapitän der Lufthansa, SS-Gruppenführer, Adolf Hitlers Chefpilot bzw. Flugkapitän, SS-Gruppenführer und Generalleutnant der Waffen-SS und der Polizei sowie Führer der Flugstaffel „Reichsregierung“ (Leiter der Deutschen Regierungsflugstaffel).

Hans Baur als Flugkapitän der Lufthansa

Leben

SS-Oberführer Hans Baur
Reichsadler im Eichenlaubkranz: Die von Hans Baur entworfene Staffelkennung der F.d.F.
Johann „Hans“ Peter Baur.jpg

Schule und Lehre

Hans Baur wurde am 19. Juni 1897 im oberbayerischen Ampfing geboren, sein Vater war Postsekretär. Nach fünf Jahren Volksschule und drei Jahren Realschule machte er die Mittlere Reife und absolvierte danach eine kaufmännische Lehre – anschließend meldete er sich freiwillig zur Bayerischen Armee im Deutschen Heer.

Erster Weltkrieg

Während des Ersten Weltkrieges, von Ende November 1915 bis Januar 1916, ging er zur Fliegertruppe, erhielt eine Ausbildung in der Flieger-Ersatzabteilung Schleißheim und wurde im Anschluß bis März 1916 bei der Feld-Fliegerabteilungen 1 b eingesetzt. Dann war Baur bis Kriegsende als Flugzeugführer und Artillerieflieger bei der Fliegerabteilung (Artillerie) 295 b an der Westfront. Hier gelangen dem Flieger-As neun Luftsiege gegen französische Flieger, sein Beobachter war Georg Ritter von Hengl. Später erinnerte er sich in seinem Buch:

„An einen Luftkampf erinnere ich mich noch besonders deutlich. Am 17. Juli 1918 wurden wir im Frontabschnitt vor Reims und Epernay beim Einschießen plötzlich von fünfzehn Feindmaschinen überfallen. Dieser ungleiche Kampf schien uns aber doch zu gewagt, und wir suchten zunächst das Weite, indem wir durch die Wolken flogen. Die Maschinen drehten dann auch wieder ab, und wir setzten unser Einschießen fort. Kurze Zeit darauf tauchten sechs Spads, das waren französische Jagdmaschinen, auf. Wir wurden in heftige Luftkämpfe verwickelt. Die MGs bellten, es war ein Mordsspektakel. Vier Maschinen konnten mein Beobachter und ich zum Absturz bringen. Das war ein Erfolg, wie er sonst praktisch nicht vorgekommen ist. Die restlichen zwei Jäger ergriffen die Flucht, weil sie glauben mochten, es mit dem Teufel zu tun zu haben.“

Auszeichnungen

Vizefeldwebel Baur wurde u. a. mit dem EK II und I, dem Bayerischen Verdienstkreuz mit Krone und Schwertern und der Bayerischen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet.

Lufthansa und Chefpilot des Führers

Nach dem Krieg, seinem Dienst bei der Fliegerabteilung des Freikorps „von Epp“ ab Mai 1919 und seinem endgültigen Ausscheiden aus der Reichswehr am 15. April 1922 (am 26. Oktober 1921 hatte er seinen zivilen Flugzeugführerschein mit der Zulassungs-Nr. 454 erworben) wurde er Flugzeugführer der ersten deutschen Luftpostlinie, die eine Verbindung zwischen München und Weimar herstellte, 1922 beflog er die Strecke München-Konstanz, wurde 1923 Junkersflieger und gehörte von 1926 an der Deutschen Lufthansa an, die ihn nach 500.000 Flugkilometern zum Flugkapitän ernannte. Im Dienste der Deutschen Lufthansa beflog er jahrelang die Strecke München–Mailand–Rom.

Seit 1921 Mitglied der NSDAP, wurde Baur im März 1932 Chefpilot („Ständiger Flugkapitän und Chefpilot des Führers“) Adolf Hitlers, den er früher schon mehrfach mit der „Führer-Ju“ („Immelmann II“) bei Wahlreisen geflogen hatte. 1933 wurde er „Luftmillionär“ der Deutschen Lufthansa. Nach dem 30. Januar 1933 wurde Flugkapitän Baur von der Deutschen Lufthansa Hitler zur persönlichen Dienstleistung zur Verfügung gestellt.

Regierungsflugdienst

Im Februar 1933 beauftragte Adolf Hitler Baur, einen „Regierungsflugdienst“ in Tempelhof mit vorerst zwei Ju 52/3m einzurichten, 1934 waren es schon vier Ju 52 (offiziell als Flugbereitschaft „RLM bezeichnet, umgangssprachlich jedoch schon jetzt als „Regierungsstaffel“ bekannt), daraus wurde dann später die Bezeichnung Flugstaffel „Reichsregierung“.

Bis 31. Dezember 1936 verfügte die Regierungsstaffel über 13 Ju 52, zwei für den Führer, drei zur Verfügung von Hermann Göring und das Reichsluftfahrtministerium, die restlichen sieben waren für Rudolf Heß, Heinrich Himmler (mit Flugkapitän Karl Schnäbele), Reichsaußenminister Joachim von Ribbentrop und weitere Reichsminister. Der Regierungsflugdienst der Lufthansa legte 1938 erstmals mehr als 1 Mio. km zurück.

Die Regierungsstaffel unterstand von 1933 bis 1945 der Reichskanzlei und nicht der Luftwaffe, das fliegende Personal und höhere Führer stammten von der Lufthansa, trugen die Uniform der SS und erhielten einen SS-Ehrenrang, später auch einen Dienstgrad der Schutzpolizei.

Schon 1934, noch bevor er dem Stab des Reichsführers-SS unterstellt wurde, wurde Baur ebenfalls Major der Schutzpolizei, er war ebenfalls Mitglied von Lebensborn e. V.

Fliegerstaffel des Führers (F.d.F.)

Spätestens bei Ausbruch des Zweiten Weltkrieges hatte die Führermaschine („Immelmann III“; D-2600), die nun eine auf Vorschlag von Baur im September 1939 eingeführte Fw 200 V3 war, Jagdschutz und wurde jeweils von zwei bis sechs Jagdflugzeuge begleitet. Nun war er offiziell „Chefpilot im Führerhauptquartier und im Stab des Reichsführers-SS“ und Chef der „Fliegerstaffel des Führers“ (FdF).

Zweiter Weltkrieg

Am 31. Januar 1944 wurde Baur SS-Brigadeführer und Generalmajor der Polizei, am 24. Februar 1945 SS-Gruppenführer und Generalleutnant der Waffen-SS. Beim Ausbruch aus der Reichskanzlei 1945 geriet er, der inzwischen den Rang eines Generalleutnants bekleidete, schwer verwundet in sowjetische Gefangenschaft. Einige Wochen später wurde ihm in russischer Gefangenschaft ein Unterschenkel amputiert.

Nachkriegszeit

Im Jahre 1946 wurde er von Rußland für eine Woche nach Berlin gebracht, um über Hitlers Tod auszusagen. In Moskau wurde er zu 25 Jahren Zwangsarbeit „verurteilt“. So kehrte er erst nach 10 Jahren und 5 Monaten in Kriegsgefangenschaft im Oktober 1955 im Zuge der allgemeinen Entlassungsaktion in die West-BRD zurück.

Nach seiner Rückkehr trat er als Vortragsredner auf und brachte 1956 seine Erinnerungen „Ich flog Mächtige der Erde“ heraus. Das starke Interesse, das man ihm entgegenbrachte, galt vor allem der Tatsache, daß man in ihm einen Kronzeugen für den Tod Hitlers zu finden glaubte.

Baur bestätigte zwar den Tod Hitlers, konnte ihn jedoch nicht als Augenzeuge bekunden. Hitler habe sich von ihm verabschiedet mit der Erklärung, daß er sich nunmehr das Leben nehmen wolle, nachdem die Lage hoffnungslos geworden sei. Hitlers letzter Auftrag an ihn sei gewesen, den Reichsleiter Martin Bormann per Flugzeug in Sicherheit zu bringen.[2]

„Ich bin der festen Überzeugung, daß die Russen die Leiche Adolf Hitlers und der Eva Braun konserviert und irgendwo aufgehoben haben.“ — Hans Baur in einer Versammlung der Würzburger Hilfsgemeinschaft auf Gegenseitigkeit der Soldaten der ehemaligen Waffen-SS im Frühjahr 1959

Baur pflegte bis zuletzt eine enge Freundschaft zu seinen alten Weggefährten, darunter Johanna Wolf, Gerda Christian-Dranowski (Todesrune.png 14. April 1997 in Düsseldorf), Christa Schroeder, Gertrud „Traudl“ Junge und Otto Günsche.

Tod

Generalleutnant a. D. Hans Baur verstarb 1993 und ruht mit allen drei Ehefrauen in einem Familiengrab auf dem Westfriedhof in München.

Familie

Hans Baur war dreimal verheiratet: Er ehelichte Elfriede „Frieda“ 1923 (Tochter Ingeborg). Elfriede (Lebensrune.png 1901) starb 1935 an Krebs. Späterer heiratete er mit Adolf Hitler als Trauzeuge Maria (Lebensrune.png 1907, zwei Töchter), die jedoch 1953 als er in sowjetischer Kriegsgefangenschaft war verstarb. Seine dritte und letzte Frau war Cresentia „Centa“ (Lebensrune.png 1907), die ihn überleben sollte.

Mitgliedschaften

Beförderungen

Bildergalerie

Auszeichnungen (Auszug)

Flugkapitän Hans Baur im Gala-Frack für Flugkapitäne der Luft Hansa in vollem Ordensschmuck; Ausschnitt eines großen Ölgemäldes von Heinz Hölzer, um 1936. Direkt unter dem Eisernen Kreuz, I. Klasse trägt Baur das kaiserliche Fliegerabzeichen statt das zu erwartende königlich bayerische. Ob er im „Großen Krieg“ beide verleihen bekam, ist unbekannt.

Kaiserreich

Zivile Auszeichnungen

  • Lufthansa Flugzeugführerabzeichen
  • Silberbronzeadler für den 100. Alpenflug
  • Lewald-Preis im März 1932
  • Lufthansa goldene Ehrennadel für 1.000.000 Flugkilometer im September 1933

Drittes Reich

Werke

Siehe auch

Literatur

  • C. G. Sweeting: Hitler’s personal pilot. The life and times of Hans Baur, Brassey, Dulles, Va. 2000, ISBN 1-57488-288-0

Verweise

Fußnoten

  1. Angabe auf Fliegeralbum.de
  2. Internationales Biographisches Archiv 47/1955