Festung Dünkirchen

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Küstenverteidiging I (Abschnitt Seefront); Operation „Astonia“ (10. bis 12. September 1944) war der Deckname für die alliierte Eroberung von Le Havre, Operation „Wellhit“ (17. bis 22. September 1944) für Boulogne und Operation „Undergo“ (25. September bis 1. Oktober 1944) für Calais. Noch bis zum 15. September 1944 war auch die Eroberung von Dünkirchen durch die 500.000 Mann starke 1. kanadische Armee (später gemeinsam mit der 2. britischen Armee) geplant. Dann aber wurde die Entscheidung getroffen, Dünkirchen zu umgehen (die Einnahme von Ostende nordwestlich von Brüssel als Nachschubhafen hatte Dünkirchen für den Feind teilweise als entbehrlich gemacht), dabei einzukesseln und in Richtung des von Briten besetzten Antwerpen vorzustoßen (zur Einnahme des Gebiets nördlich von Antwerpen und Sicherung des Zugangs nach Nord-Beveland), was schließlich zur blutigen Schlacht an der Scheldemündung (2. Oktober und dem 8. November 1944) gegen die deutsche 15. Armee (230.000 Mann) unter General der Infanterie Gustav Adolf von Zangen führte.

Die Festung Dünkirchen, ab Herbst 1944 auch Kessel von Dünkirchen, bezeichnet die Atlantik-Festung in und um der Stadt Dünkirchen von 1942 bis 1945. Trotz der Übermacht der feindlichen Invasion an Männern und Material, trotz des hohen Blutzolles, des Hungers[1] und der gravierenden Munitionsknappheit blieb die deutsche Festung standhaft bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges und kapitulierte erst am 9. Mai 1945 unter Vizeadmiral Friedrich Frisius. Militärhistorisch wird zuweilen auch die vom französischen Heer und dem Britischen Expeditionskorps zur Abwehr des deutschen Westfeldzuges 1940 befestigte Stadt als „Festung Dünkirchen“ bezeichnet, die als Voraussetzung für das gelingen der Operation „Dynamo“ diente.

Küstenverteidiging II

Geschichte

Küstenverteidiging III
Küstenverteidiging IV
Küstenverteidiging V
Verantwortungsbereich Oberbefehlshabers West, Juni 1942
Feldpostbriefe schreiben und Schach spielen in der spärlichen Freizeit der Verteidigungstruppen; Feldpost aus der Heimat war selten, deutsche U-Boote brachte sie in den Hafen. Am 26. Oktober 1944 hatte die Luftwaffe erstmalig versucht, Post über das eingekesselte Dünkirchen abzuwerfen. Im Schutz der Dunkelheit flogen drei Maschinen die Stadt an, aber alle wurden von dem 109. britischen schweren Flak-Regiment abgeschossen. Danach wurde der Versuch eingestellt.
Auch die Schwestern des DRK leisteten Heldenhaftes in Dünkirchen.
Kapitänleutnant Kurt Schümann, Festungs-Nachrichen-Kommandant der Festung Dünkirchen.
Stempel der Festungs-Kommandatur Dünkirchen, Marine-Artillerie-Hauptgefreiter Adolf Stöppler (Festungs-Versorgungs-Kompanie/Ölraffinerie); vom 9. Mai 1945 bis August 1948 in westalliierter Kriegsgefangenschaft.
Propaganda-Wurfblatt des Feindes; die Moral der Deutschen litt an einigen Stellen erheblich. Wochenlang lagen manche Einheiten in den Stellungen der Hauptkampflinie am Rande des äußeren Festungsgürtels. Nässe, Kälte und Verpflegungsmangel blieben nicht ohne Folgen. Es gab, wenngleich nur in kleinen Zahlen, Fahnenflüchtige. Es zeigte sich hier, wie an allen Fronten: Wenn die Deserteure zum Feind überliefen, waren vielfach die eigenen Kameraden die ersten Opfer ihrer Tat, weil sie deren Stellungen, Bunker, Schützengräben und Stoßtruppziele verrieten. Im Wehrstammbuch des Admiralstabsoffiziers Fregattenkapitän z. V. Hans-Ewald Niemer (1889–1954) befand sich bei der Kapitulation eine Liste mit den Namen von 70 in Abwesenheit wegen Fahnenflucht zum Tode verurteilten Soldaten vom 7. Mai 1945. Wie viele es insgesamt waren, konnte nicht ermittelt werden. Mindestens ein Fall eines aufgespürten Deserteurs ist bekannt, der in Dünkirchen von einem Feldgericht ordnungsgemäß verurteilt und öffentlich gehenkt wurde. Auch vereinzelte Suizide soll es im Kessel von Dünkirchen gegeben haben.

Festungsbereich Dünkirchen

Die Belagerung von Dünkirchen aus Sicht der Invasoren (Karte)
Der Feind vor den Toren Dünkirchens
Frisius-Bericht (Auszug)
Zahlen und Verpflegungsreichweite
Kampfschulabzeichen (Dünkirchen) von Hauptmann, später Major Türke, Kommandeur der Divisionskampfschule der 226. Infanterie-Division.
HKL-Abzeichen
Stoßtruppabzeichen
Fernspähtruppabzeichen

Aufgrund der strategischen Wichtigkeit der seit dem Sommer 1940 von der Wehrmacht besetzten französischen Hafenstadt wurde diese im Frühling 1942 zum „Festungsbereich“ erklärt. Festungskommandant wurde Oberst Schöpke, Kommandeur des Infanterie-Regiments 575 der 304. Infanterie-Division (zum Abschnitt der Division gehörte die Heeres-Küstenartillerie-Abteilung 827, Hafenkommandant Dünkirchen, Flakuntergruppe Dünkirchen, Flughafenbereich Saint-Omer, OT Frontführung De Panne und Kreiskommandantur Dünkirchen). Ebenfalls von strategischer Wichtigkeit waren der Festungsbereich Scheldemünding, der Hafen Ostende (Stützpunktgruppe), der Hafen Calais sowie Stadt und Hafen Boulogne. Das übergeordnete Höhere Kommando z. b. V. XXXVII erließ im Dezember 1942 für Dünkirchen eine Dringlichkeitsstufe und forderte den schnellen Ausbau der äußeren Festungslinie. Ebenso forderte das Höhere Kommando (am 25. Mai 1942 in Generalkommando LXXXII. Armeekorps umbenannt) den Einsatz eines ständigen Festungskommandanten statt nur eines Regimentskommandeurs, der im Verteidigungsfall seine Truppen anführen sollte.

Verteidigungstruppen (4. Mai 1942)

  • Divisionseigene Truppen
    • Stab Infanterie-Regiment 575 Coudekerque-Branche
    • Stabskompanie Infanterie-Regiment 575 Coudekerque-Branche
    • III. Bataillon/Infanterie-Regiment 575 Rosendaël
    • Stab II. Abteilung/Artillerie-Regiment 304 Coudekerque-Branche
  • Küstenartillerie
    • Stab Heeres-Küstenartillerie-Abteilung 827 Malo-les-Bains
    • 3 Batterie/Heeres-Küstenartillerie-Abteilung 827 Fort-Mardyck
    • Eisenbahn-Artillerie-Batterie E696 Sankt-Pol
    • Marineküsten-Batterie Malo-Terminus Malo-les-Bains
    • Marineküsten-Batterie Sankt-Pol Sankt-Pol
  • Luftwaffe
    • Stab Reserve-Flak-Abteilung 253 Petite-Synthe
    • 1. Batterie/Reserve-Flak-Abteilung 253 Mardyck
    • 2. Batterie/Reserve-Flak-Abteilung 253 Malo-Terminus
    • 3. Batterie/Reserve-Flak-Abteilung 253 Hafen
    • 4. Batterie/Reserve-Flak-Abteilung 253 Hafen
    • 5. Batterie/Reserve-Flak-Abteilung 253 Le Clipon (II. Zug)
    • 2. Batterie/Reserve-Flak-Abteilung 501
    • 1. Batterie/leichte Reserve-Flak-Abteilung 993 Hafen
    • 13. Kompanie/III. Bataillon/Scheinwerfer-Regiment 4 Petite-Synthe
  • Kriegsmarine
    • Stab Hafenkommandant Dünkirchen Hafen
    • Hafendienst (Teile) Hafen
    • Marineversorgungsstelle (Teile) Hafen
    • Marinebauaufsicht Hafen
    • Hafenüberwachungsstelle (Teile) Hafen
    • Hafenschutzgruppe (Teile) Hafen
    • Marinenachrichtenoffizier Hafen
    • Sicherheits- und Hilfsdienst 15 (motorisiert) Hafen
    • 2., 3. und 4. Kompanie/4. Flottillen-Stammabteilung Hafen
    • Sperrbrecher 162 und 168 Hafen
    • 11 Marinenachrichtentrupp z. b. V. 618 Hafen
    • I/technische Abteilung IX (Teile) Hafen
    • Feldgendarmerietrupp D428 Hafen
    • reichsdeutsche Zivilkräfte Hafen
  • sonstige dem Infanterie-Regiment 575 unterstellte Einheiten
    • Festungspionier-Abschnittsgruppe III/12 Festungsbereich
    • Organisation Todt Festungsbereich
    • 2 Kompanie/Landesschützen-Bataillon 327 Festungsbereich
    • verfügbare Teile der Reichsbahn Festungsbereich
    • Feldschaltabteilung Festungsbereich
    • reichsdeutsche Zivilkräfte Festungsbereich
  • Divisionsreserven außerhalb des Festungsbereiches
    • Reservebataillon/Infanterie-Regiment 575 Socx
    • Reservebataillon/Infanterie-Regiment 574 Bourbourg
    • Panzerjäger-Abteilung 304 Wormhoudt
    • Pionier-Bataillon 304 Bergues
    • 5. Batterie/Artillerieregiment 304
    • 3. schwere and 2. leichte Flakkampftruppen (FlakUGr)
    • 1. Kompanie/4. Flottillen-Stammabteilung Ypern

Verteidigungsbereich

Am 8. Juli 1942 wurde aus dem Festungsbereich „Verteidigungsbereich“; Dünkirchen, Calais, Boulogne und Le Havre wurden dem Armeeoberkommando 15 (AOK 15) unterstellt, das mit dem Schutz der kontinentalen Küste des Ärmelkanals als Teil des Atlantikwalls beauftragt war. Vom 18. bis zum 28. November 1942 verlegte man die 182. Infanterie-Division in den Raum Dünkirchen, wo sie die 304. Infanterie-Division im Küstenschutz bis zum 25. November 1942 ablöste. Gleichzeitig wurde der Division das Grenadier-Regiment 677 als drittes Regiment und die I. Abteilung/Artillerie-Regiment 332 mit zwei Batterien zugeführt. Am 23. Dezember 1942 wurde damit begonnen, für die Grenadier-Regimenter jeweils ein III. Bataillon aufzustellen.

Am 1. März 1943 wurde die Division schließlich in 282. Infanterie-Division umbenannt. Ab dem 15. April 1943 verlegte die Division nach Osten, als Ersatz wurde die Luftwaffen-Feld-Division 18 (LXXXII. Armee-Korps/15. Armee/Heeresgruppe D) unter Generalmajor Wolfgang Erdmann aus dem Raum Rochefort in den Raum Dünkirchen verlegt. Der Küstenverteidigingsunterabschnitt (KVUA) Dünkirchen unterstand dem Luftwaffen-Jäger-Regiment 35 unter Oberst Karl Drewes (1895–1958; zuletzt Generalmajor), der Küstenverteidigingsunterabschnitt Gravelines unterstand dagegen dem Luftwaffen-Jäger-Regiment 36 unter Oberst Fritz Reinshagen (bis August 1943) bzw. Oberst Hugo Kempchen (1897–1963).

Festung 1944

Schon am 19. Januar 1944 hatte Adolf Hitler entschieden, daß Dünkirchen Festung (Fester Platz) werden sollte. Am 5. Februar 1944 erfolgte der entsprechende Befehl. Die 18. Luftwaffen-Feld-Division wurde mit der Hauptlast der Verteidigung beauftragt, unterstützt von der II. Festungs-Stammabteilung LXXXII, zwei Gruppen des Landesschützen-Bataillons, Einheiten des Hafenkommandanten Dünkirchen, Artillerie der Kriegsmarine und Flak der Luftwaffe. Das Gebiet des Festungsbereiches Dünkirchen stimmte mit dem Gebiet des Verteidigungsbereiches Dünkirchen überein, bis auf die Stützpunkte „Edelweiß“ und „V10“, die außerhalb des inneren Festungsgürtels lagen.

Mit der Führung der Festungskommandantur wurde vorübergehend Oberst Schmidt, Kommandeur des Jäger-Regiments 35/Feld-Division 18 (L), beauftragt, sein Stellvertreter war Fregattenkapitän Carl/Karl Schneider (1941 als Korvettenkapitän noch Seekommandant Dünkirchen). Oberst Hugo Ewringmann (1897–1985), am 8. Februar 1944 vom 8. Divisionsführerlehrgang zum Generalstab der Heeresgruppe D zur Verwendung als Festungskommandant kommandiert, wurde am 15. Februar 1944 offiziell zum Kommandant der Festung Dünkirchen ernannt. Am 20. Mai 1944 wurde Oberst Christian Heinrich Otto Wittstatt (1897–1954) Kommandant der Festung Dünkirchen, Ewringmann wurde zum Generalstab der Heeresgruppe Südukraine zur Verwendung als Divisionsführer kommandiert.

Aufgrund der Invasion in der Normandie wurden große Teile der Kampftruppen aus Dünkirchen ab- und an die Invasionsfront gezogen, so auch Feld-Division 18 (L). Zurück blieb eine schwache Sicherheitsbesatzung. Am 14. August 1944 bezog die 226. Infanterie-Division unter Generalleutnant Wolfgang von Kluge Stellung in Dünkirchen. Ab Mitte August wurde die 17. Luftwaffen-Feld-Division von der 226. Infanterie-Division im Raum Le Havre abgelöst. Motorisierte Teile der 226. ID (Teile des Grenadier-Regiments 1040, Panzerjäger-Kompanie und die I. Abteilung/Artillerie-Regiment 226) erreichten Le Havre am 19. August 1944. Der Rest der Division befand sich auf dem Anmarsch per Bahntransport, darunter das Füsilier-Bataillon 226. Die Masse der 226. ID erreichte Le Havre am 23. August 1944.

Die 226. ID trat ab 29. August 1944 den Rückzug nach Norden an, aber unter Zurücklassung des Grenadier-Regiments 1041 und des Füsilier-Bataillons 226 in der Festung Le Havre. Der weitere Rückzugsweg der Division trotz Stockungen und der zahlreichen Jagdbomberangriffe: Londinières am 30. August, Gamaches am 31. August und Abbeville zwischen dem 1. und 2. September 1944. Im Kriegstagebuch des LXVII. Armeekorps vom 5. September 1944 ist zu lesen:

„245. ID und 226. ID kämpfen sich unter Abwehr zahlreicher Feindangriffe hinter den Kanal (Canal de Calais à Saint Omer) zurück. 226. ID setzt sich abends unter Belassung starker Nachtruppen in den bisherigen Stellungen nach Dünkirchen ab und scheidet somit aus dem Korpsverband aus.“

Während manche militärhistorische Quellen berichten, von Kluge wurde schon am 6. Juli 1944 aufgrund seines Dienstgrades zum Festungskommandant ernannt, geben andere an, Oberst Wittstatt blieb Festungskommandant, mußte sich aber von Kluge unterstellen. So kam es zu einer zweigleisigen Kommandoführung, was der Verteidigung der Festung abträglich war. Die Stadt Dünkirchen, die immer mehr sich zurück kämpfende deutsche Einheiten aufgenommen hatte, galt seit dem 15. September 1944 als durch kanadische (2. kanadische Infanterie-Division; 4th South Saskatchewan Brigade vom 16. bis 26. September 1944; 2. kanadisches schweres Flak-Regiment ab dem 30. September 1944), britische (154. britische Highland Infanterie-Brigade vom 26. September bis 6. Oktober 1944; 109th Heavy Anti-Aircraft Regiment, Royal Artillery; 125th Light Anti Aircraft Regiment, Royal Artillery) und tschechoslowakische Truppen (tschechoslowakische selbständige gepanzerte Brigade; zwischen dem 6. und 9. Oktober 1944 um Dünkirchen Stellung bezogen) sowie Befestigungstruppen (u. a. 7. britisches königliches Panzer-Regiment; zwei Bataillone des 51. französischen Infanterie-Regiments aus dem gebildeten FFI) eingeschlossen. Voraussetzung hierfür war die Einnahme der Hafenstadt Ostende, die ab Ende September 1944 für Nachschubzwecke in Betrieb genommen worden war:

„Die Bevölkerung von Ostende war auf Anweisung der Kriegskommandantur Brügge (4.8.1944) bis Ende August evakuiert worden. Am 1.9.1944 betraten die Alliierten erstmals belgischen Boden und rückten schnell auf Brüssel vor. Antwerpen, rund 70 km östlich von Ostende gelegen, fiel den Alliierten bereits am 4.9.1944 in die Hände. Damit waren für die wenigen, in den Küstenorten verbliebenen Deutschen fast alle Fluchtwege abgeschnitten. In der Nacht vom 6. auf den 7. September verbrannten die Deutschen eilig das Lebensmitteldepot, das die Kriegsmarine in Ostende zurückgelassen hatte. Teile des Hafens wurden zerstört, aber als die Alliierten am 8.9.1944 in die Stadt einrückten, hatten alle Deutschen sie bereits verlassen. […] Überhaupt boten die Deutschen kaum nennenswerten Widerstand entlang der Küste zwischen De Panne und Zeebrugge.“

Konteradmiral Friedrich Frisius, Seekommandant im Abschnitt Pas de Calais mit Sitz in Boulogne, mußte schon am 3. September 1944 wegen der bevorstehenden Einnahme seinen Sitz nach Dünkirchen verlegen. Frisius ging nicht gern nach Dünkirchen, da er nicht wußte, welche Stellung er, der Seemann, zwischen Festungskommandant und Divisionskommandeur einnehmen sollte. Das überlegte man sich auch in Berlin; denn kaum hatte sich der Admiral in seinem neuen Hauptquartier im Kasino von Malo-les-Bains eingerichtet, als das Oberkommando der Wehrmacht ihn fragte, ob er den Oberbefehl über die Festung übernehmen wolle, so wie es Vizeadmiral Ernst Schirlitz gerade in La Rochelle getan hatte. Die Aussicht war wirklich nicht sehr reizvoll, und es bedurfte mehrerer Mahnschreiben, ehe Frisius am 15. September antwortete, er nehme unter der Bedingung an, daß ihm das Kommando mit eindeutig festgelegter alleiniger Befehlsbefugnis übertragen werde. Das bedeutete die Abberufung des Generalleutnants von Kluge und des Obersten Wittstatt. Weiter verlangte Frisius eine Reorganisation der Verteidigung und die Versorgung der Festung mit allen verfügbaren Mitteln.

Auch die Kanadier wußten nicht genau, ob Generalleutnant von Kluge oder Oberst Wittstatt Kommandant der Festung war. Von einem Major, der am 14. September 1944 in kanadische Kriegsgefangenschaft geriet, erfuhren sie, daß von Kluge zwar auf das Kommando bestand, aber Oberst Wittstatt nicht weichen wollte. General Charles Foulkes (1903–1969) schrieb dem „Oberbefehlshaber der Festung Dünkirchen“ (The Commander in Chief of the Dunkerque garrison) am 17. September 1944, er soll bedingungslos kapitulieren oder die Konsequenzen fürchten. Am 18. September 1944 eröffneten alle Batterien der Kanadier das gewaltige Feuer auf die Festung, die Deutschen erwiderten das Feuer ebenso gewaltig. Kurz darauf erschien die schriftliche Ablehnung aus der Festung, die von „Wolfgang von Kluge“ unterschrieben war. Somit stellten die Kanadier für sich fest, daß von Kluge Kommandant war.

In der Nacht vom 18. auf den 19. September 1944 verließen dann von Kluge, nach seiner Ablösung, sein Stabschef und zahlreiche Verwundete des Feuerüberfalls auf einigen Schnellbooten die Hafenstadt. Oberst Wittstatt, am 1. Dezember 1944 zum Generalmajor befördert, wurde dann doch Chef des Stabes unter Frisius, Fregattenkapitän Schneider (zuletzt Kapitän zur See z. V.; DKiS am 21.4.1945) blieb Hafenkommandant. Admiralstabsoffizier war der 55jährige Korvettenkapitän z. V. bzw. ab dem 1. Januar 1945 Fregattenkapitän z. V. Hans-Ewald Niemer (Lebensrune.png 23. August 1889 in Lauenburg; Todesrune.png 24. Juni 1954; U-Boot-As des Ersten Weltkrieges), den Frisius von der Seekommandantantur Pas de Calais mitgebracht hatte.

Verteidigungsfront

  • Festungskern (mit den Instandsetzungswerkstätten)
    • Stadtgebiet Dünkirchen
    • Innerer Hafen
  • Äußerer Festungsgürtel
    • Abschnitt Seefront
    • Abschnitt Ölraffinerie (Saint-Pol-sur-Mer)
    • Abschnitt West
    • Abschnitt Süd
    • Abschnitt Ost

Sicherheitsbesatzung (11. Juni 1944)

Die Sicherheitsbesatzung mit einer Gesamtstärke von 2.200 Mann bestand aus:[2]

  • Festungsstammtruppen
    • Festungsstammabteilung LXXXII (drei Kompanien)
  • Sonstige Heerestruppen
    • zwei Infanteriekompanien (5. und 6./Jäger-Regiment 48)
      • als Ersatz für die nach Ghyvelde verlegte 4. Kompanie/Jäger-Regiment 35
  • Teile der Kriegsmarine
    • Marinehafenkompanie
    • Marineküstenbatterie Sankt-Pol
    • Strandbatterie Römer (vier Hafensperrgeschütze)
  • Teile der Luftwaffe
    • Flakabteilung (eine schwere und zwei leichte Batterien)

Festungsbesatzung 1944/45

Truppenteile

Die Heeresgruppen stammten vorwiegend aus der 226. und der 49. Infanterie-Division, aber auch aus der 346., 711. und 97. Infanterie-Division sowie aus den Festungs-Bataillone 26 und 1046. Dem Artillerie-Führer Oberstleutnant Krause unterstanden das Artillerie-Regiment 226 und die Heeres-Küstenartillerie-Abteilung 1244. Die Truppenteile der Kriegsmarine bestanden vorwiegend aus der Marine-Artillerie-Abteilung 204, der 2. Räumboots-Flottille, der 35. Minensuch-Flottille sowie der 18. Marine-Kraftfahr-Abteilung. Die Truppenteile der Luftwaffe, die dem Flakkommandeur Oberstleutnant der Reserve Karl Karsten (Kommandeur der leichten Flak-Abteilung 765) unterstanden, bildeten sich vorwiegend aus der schweren Flak-Abteilung 252 sowie den leichten Flak-Abteilungen 415 und 765.

Zahlen
Soldaten

Festungskommandant Frisius unterstanden im September 1944 rund 12.000 Mann. Bei der Kapitulation am 9. Mai 1945 verfügte er noch über 354 Offiziere, 10.884 Unteroffiziere und Mannschaften sowie 750 Zivilisten (zumeist Franzosen), darunter:

  • Heer
    • 279 Offiziere
    • 1.603 Unteroffiziere
    • 6.190 Mannschaften
  • Kriegsmarine
    • 42 Offiziere
    • 346 Unteroffiziere
    • 1.355 Mannschaften
  • Luftwaffe
    • 18 Offiziere
    • 144 Unteroffiziere
    • 519 Mannschaften
  • Waffen-SS
    • wenngleich es möglich ist, daß vereinzelte versprengte SS-Angehörige in Dünkirchen landeten, bleibt die einzelne tschechische Propaganda-Meldung (die von zahlreichen Quellen wie Wikipedia ohne Recherche oder gar Beleg übernommen wurde), eine 2.000 Mann starke SS-Kampfgruppe „Reinecke“ hätte sich in Dünkirchen befunden, ohne Beweis. Die lückenlos geführten Dokumente der Festungs-Kommandantur zeigen keine Waffen-SS-Einheiten in Dünkirchen auf. Es gab eine Bataillons-Kampfgruppe „Reinecke“ des Heeres mit fünf Kompanien.
Waffen

Kampfgruppen Dünkirchen

Die Verteidigung wurde vornehmlich in fünf Kampfgruppen, 21 Kampfgruppen-Bataillone, 5 Artillerie-Kampfgruppen, einer Flak-Kampfgruppe und einer Kampfschule aufgeteilt.

Kampfgruppen (Regimentsgröße)
  • Kampfgruppe „Nettelbeck“ (Festungskern) unter Kapitän zur See Carl/Karl Schneider
    • Ia Hauptmann Sprossmann
  • Kampfgruppe „Gneisenau“ unter Major Kunz
  • Kampfgruppe „Scharnhorst“ unter Oberstleutnant Lorenzen, dann Oberst Dr. Pusch
  • Kampfgruppe „Ludendorff“ unter Oberst Bonas (Kampfgruppen-Bataillone des Grenadier-Regiments 1040)
  • Kampfgruppe „Ziethen“
Kampfgruppen-Bataillone
  • Sturmtruppe Dietl, Leutnant Reissmuller, Leutnant Förste, dann Oberleutannt Schmidt
    • Stoßkompanie Holz
  • Kampfgruppen-Bataillon Neumann (Major), dann Drobeck/Drobak mit 4 Kompanien
    • Kompanie Schlöge
  • Kampfgruppen-Bataillon Ziethen mit 5 Kompanien vom I. Bataillon/Grenadier-Regiment 1040
  • Kampfgruppen-Bataillon Ried(e)l mit 5 Kompanien, drei vom Sicherungs-Regiment 5 und zwei vom II. Bataillon/Grenadier-Regiment 1040
  • Kampfgruppen-Bataillon oder Standarte Rommel von Hauptmann Metz mit mehreren Kompanien verschiedener Einheiten
  • Kampfgruppen-Bataillon Steiner (Hauptmann Steiner) mit 2 Kompanien der Festungs-Stammtruppe LXXXII
  • Kampfgruppen-Bataillon Korn mit 4 Kompanien des II. Bataillons/Grenadier-Regiments 1042
    • Kompanie Petzold
  • Kampfgruppen-Bataillon David (Hauptmann) mit 4 Kompanien des I. Bataillons/Grenadier-Regiment 1042
  • Kampfgruppen-Bataillon Bunde mit 3 Kompanien hauptsächlich aus Artillerie-Einheiten
  • Kampfgruppen-Bataillon Reincke (Hauptmann) mit 5 Kompanien
  • Kampfgruppen-Bataillon Haupt (Major) mit mehreren Kompanien des I. Bataillons/Festungs-Stammtruppe LXXXI (als Reserve)
    • Kompanie Esser
  • Kampfgruppen-Bataillon Holleschek (Fregattenkapitän Holleschek)
  • Kampfgruppen-Bataillon Henniger (Major Hans Henniger)
  • Kampfgruppen-Bataillon Binnig
  • Kampfgruppen-Bataillon Schell (Hauptmann)
  • Kampfgruppen-Bataillon Weizäcker (Hauptmann)
  • Kampfgruppen-Bataillon Schulz
  • Kampfgruppen-Bataillon Bril (Hauptmann)
  • Kampfgruppen-Bataillon Walter (Major)
  • Kampfgruppen-Bataillon Bunde (Major) im Abschnitt Ost
  • Kampfgruppen-Bataillon Türke (Hauptmann)
    • Kommandeur der Kampfschule
  • Kampfgruppen-Bataillon Wolf
  • Kampfgruppen-Bataillon Eckert
  • Artillerie-Abteilung Burat (ehem. I./Artillerie-Regiment 226)
  • Artillerie-Abteilung Meubach (ehem. II./Artillerie-Regiment 226)
  • Artillerie-Abteilung Reinisch (ehem. III./Artillerie-Regiment 226)
  • Kompanie Rauls (Ölraffinerie)
  • Kompanie Leine

Unternehmen

Von der Festung aus erfolgten immer wieder Späh- und Stoßtruppaufträge sowie Unternehmen. Die Spähunternehmen erfolgten oft nachts und tief in das feindliche Hinterland hinein. Die Stoßtruppunternehmen hielten die Männer scharf, aber vor allem zeigten sie dem sich nähernden Feind, daß dies nicht ohne Konsequenzen blieb. Immer wieder wurden kleine Ansammlungen angegriffen und Panzer sowie Artillerie-Batterien zerstört. Straßen vor den eigenen Linien wurden gesprengt, um die Bewegungen der feindlichen Panzer zu erschweren. Auch kleine deutsche U-Boote liefen gelegentlich ein und aus, die unter den gefährlichsten Umständen die Fühlung zum Reichsgebiet aufrechterhielten. Die mitgeführte Feldpost war wichtig für die nachlassende Moral. Manche Unternehmen erhielten einen Namen, andere eine Nummer, so z. B. das „Unternehmen 111“. Auch Fernspähunternehmen sowohl an der Küstenfront als tief hinter der feindlichen HKL fanden statt.

Die Deutschen hatten natürlich verfolgt, wie kanadische Stellungen ab dem 6. Oktober 1944 von neuen Truppen besetzt wurden, auch wenn zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt war, daß es sich um Tschechen handelte. Am Vormittag des 9. Oktober 1944 war der Austausch abgeschlossen. Am Abend des 9. Oktober 1944 planten die Deutschen ein Stoßtruppunternehmen nach Loon-Plage, um festzustellen, welche Truppen nun dort Stellung bezogen hatten. Loon-Plage liegt direkt am Ausgang des Ärmelkanals in die Nordsee; hier liegt ein Teil des Großen Seehafens von Dünkirchen. Loon-Plage wird umgeben von den Nachbargemeinden Dünkirchen im Nordosten, Grande-Synthe und Spycker im Osten, Brouckerque im Südosten, Craywick im Süden, Saint-Georges-sur-l’Aa im Südwesten sowie Gravelines im Westen. 20 bis 30 deutsche Haudegen meldeten sich freiwillig. Sie stießen schnell vor, überrannten die tschechischen Wachen, erbeuten einen Panzer und steckten zwei weitere in Brand. Nach dem erfolgreichen Unternehmen kehrten sie ohne Verluste zurück. Am 10. Oktober 1944 verlangten die Tschechen Vergeltung, sieben Panzer und die schwere kanadische Flak eröffneten das Feuer auf deutsche Stellung. Nach 2.000 Schuß wurde der Feuerüberfall eingestellt.

In der Nacht vom 19. auf den 20. Oktober 1944 machten sich zwei deutsche Infanterie-Kompanien zu einer Stoßgruppe bereit, erneut anzugreifen. Mit Maschinenpistolen, Gewehre, Handgranaten, Panzerfäuste und Minen bewaffnet, wurde das Ziel drei Kilometer östlich von Loon-Plage erreicht. Eine dritte Kompanie, mit einem mitgeführten 8,8-cm-Raketenwerfer 43, blieb als Reserve zurück, um den Rückweg zu sichern. Die Kanadier meldeten später acht Gefallene, acht Vermißte, acht Verwundete und zahlreiche Soldaten, die in deutsche Gefangenschaft geraten waren. Ebenso wurden zwei FFI-Franzosen getötet, 17 weitere galten als vermißt. Die britischen Kanadier, die wenig für die französischen Freiwilligen übrig hatten, gingen davon aus, daß diese geflüchtet waren.

Am 28. Oktober 1944 griffen die Tschechen in Regimentsgröße einen kleinen deutschen Außenposten an. Zwei Tschechen fielen und 17 wurden verwundet, allerdings gerieten ein deutscher Offizier und 27 Unteroffiziere und Mannschaften in feindliche Gefangenschaft. Am 5. November 1944 griff das 2. tschechische gepanzerte Regiment erneut an, welches 60 Mann Verluste erlitt; auch der deutsche Blutzoll war hoch, zugleich gerieten 160 Mann in Gefangenschaft. Kurz darauf setzte die deutsche Infanterie zum Gegenstoß an. Am 6. November 1944 wurde eine siebenstündige Waffenruhe vereinbart, um die Toten und Verwundeten zu bergen.

Ebenfalls waren die Informationen aus Dünkirchen wichtig für das OKM und das OKW, denn täglich wurde der Schiffsverkehr auf Ostkurs beobachtet, notiert und als Feindlage zum Marineoberkommando (MOK) West gefunkt. Es wurden dem MOK aber auch die täglichen feindlichen Feuer- und Artillerieüberfälle (hauptsächlich auf den Ostabschnitt) gemeldet. Das MOK wiederum bereitete Versorgungsunternehmen vor, so zum Beispiel die Übernahme eines Schiffes des Reichssicherheitshauptamtes am 3. Januar 1945 mit 24 Tonnen Ladung, darunter 14 Tonnen Butter.

Am 9. Januar 1945 meldete die leichte Flak von Dünkirchen stolz den Abschuß einer Boeing B-17 der USAAF. In der Stadt waren zahlreiche alliierte Kriegsgefangene untergebracht, an diesem Tag kamen neue mit dem Fallschirm abgesprungene Terrorflieger hinzu. Am 20. Januar 1945 meldete die Festung Dünkirchen dem MOK, welches für den Nachschub für die Westfestungen zuständig war, daß die Verpflegung maximal bis 15. März 1945 reichen würde. Vor Dünkirchen fanden auch erfolgreiche Schnellbooteinsätze statt, so zum Beispiel am 23. Januar 1945, als die 9. Schnellboot-Flottille einen Dampfer versenken und vier weitere Feindschiffe durch Torpedotreffer beschädigen konnte.

Das größte Stoßtruppunternehmen erhielt den Decknamen „Blücher“ und fand am 5. April 1945 statt. Der Festungsausfall hat die Kanadier und Tschechen überrascht. Die feindliche Stellungen waren in den letzten Tagen immer näher gerückt. Vizeadmiral Frisius wußte: Nun war die Zeit gekommen, dem Vordringen Einhalt zu gebieten. Das großangelegte Unternehmen war derart erfolgreich, daß die Tschechen, die in unmittelbarer Nähe lagen, zuerst kopflos flüchteten und erst 25 km hinter der eigenen Linie zum Halt kamen. Die Briten befahlen nun die Sprengung aller Brücken über dem Kanal. In den nächsten Tagen griffen die Kanadier, Briten und Tschechen die neuen deutschen Stellungen an und wurden dabei von ihrer Luftwaffe gedeckt. Dennoch hielten die Deutschen das rückeroberte Gebiet und verteidigten dieses erbittert. Die Stellungen blieben bis zur Kapitulation in deutscher Hand.

Bekannte Waffenruhen

  • 3. Oktober 1944 Verhandlungen zwecks einer Waffenruhe fanden statt, die Artillerie auf beiden Seiten ruhte von 7 bis 13.45 Uhr. Um 15.30 Uhr schwiegen die Waffen erneut, die ausgehandelte Waffenruhe begann um 18 Uhr, die bis 6 Uhr morgens anhalten sollte. Diese wurde um 36 Stunden verlängert; anschließend sollten die Deutschen sechs weitere Stunden erhalten, um die von den Deutschen entminte Evakuierungsstraße erneut zu verminen. Beide Seiten einigten sich, jedwede Feindlichkeit bis 6 Uhr am 6. Oktober 1944 einzustellen, keine neuen Stellungen zu besetzen und, seitens der Belagerer, Aufklärungsflüge oder Jagdbomberangriffe einzustellen. Dennoch brach der Feind für kurze Zeit um 10.00 Uhr am 4. Oktober 1944 die Waffenruhe, als schlagartig Feuerüberfalle auf den gesamten äußeren Festungsbereich niederprasselten. Deutsche Artillerie bekämpfte die Batterien und Ansammlungen, kurz darauf ging die Evakuierung weiter. Die Kanadier schätzten 17.500 Zivilisten, die Deutschen führten dagegen genaue Listen: 62.500 Franzosen wurden evakuiert, 750 Zivilisten (darunter mehrere Liebschaften von deutschen Soldaten), die für die Wehrmacht arbeiteten (und die Rache der Mordbanden der Résistance befürchteten), blieben zurück. Jeweils um 18 Uhr sollte Nachtruhe einkehren, aber der Vorgang wurde, nach dem Stocken durch den Zusammenbruch einer Brücke, beiderseits bis 22 Uhr verlängert. Ein schwerer Schlag für die deutschen Verteidiger war der Abzug des gesamten französischen Krankenhauspersonals, das sich so liebevoll um deutsche und kriegsgefangene Verwundete gekümmert hatte. Auch wurde dem Personal von Vizeadmiral Frisius erlaubt, die zivilen Krankenwagen mitzunehmen. Nun blieb nur noch das kleine deutsche Lazarett mit den großen Materialsorgen zurück; dies sollte sich später rächen. In der Endphase des Kampfes gab es keine Medikamente mehr, nicht einmal Verbandszeug. Viele deutsche Verwundete gingen elendig zugrunde, wie auch kanadische Quellen berichten, aber auch verwundete Kriegsgefangene. Viele Bauern führten vollgeladene Wagen und ihr gesamtes Viehzeug mit. Rund 8.000 Evakuierte wurden mit dem Zug in den Raum Lille gebracht, die anderen verteilten sich zu Fuß. Angehörige des französischen FFI nahmen stichprobenartig Sicherheitskontrollen der 218 LKWs und den Zügen vor, die Masse der Zivilisten ließen sie jedoch unbehelligt ziehen. 80 deutsche Schwerverwundete wurden liegend evakuiert, an ihrer Seite 80 verwundete Kriegsgefangene. Die Kanadier hatten darauf bestanden, nur so viele deutsche Verwundete zu übernehmen, wie kanadische Verwundete mitgegeben werden. Während des Vorganges gab es nur einen Toten, ein alter Mann erlitt einen Herzinfarkt oder Schlaganfall. Ebenso zwei Geburten von den Kanadiern verzeichnet.
  • 6. November 1944 Nach den schweren Kämpfen vom 5. November 1944 wurde eine Waffenruhe von 12 bis 19 Uhr vereinbart, um die Toten und Verwundeten zu bergen.
  • 26. März 1945 Waffenruhe zwischen 9.30 und 16.30 Uhr zur Übernahme von Rote-Kreuz-Sendungen für die Kriegsgefangenen, die sich in der Festung befanden. Eine Gegenbitte der Deutschen, schwerverwundete deutsche Soldaten evakuieren zu lassen, lehnten die Kanadier brüsk ab.
  • April 1945 Es kam zu einem Gefangenenaustausch, die Kanadier berichteten von den Zuständen in der Festung, vom Elend der Kranken und Verwundeten, egal, ob Deutsche oder Kriegsgefangene.

Kapitulation

Ende April 1945 unterstanden dem Kommando des Generals Alois Liška der tschechoslowakischen selbständigen gepanzerten Brigade der völkerrechtswidrigen „Tschechoslowakischen Exilarmee“ 6.200 tschechoslowakische, 4.400 kanadische sowie britische und 3.200 französische Soldaten, zudem 306 Panzer sowie Flak und Artillerie mit unbegrenztem Material- und Munitionsnachschub. Vor allem stand die Royal Air Force den Belagerungstruppen zur Verfügung, welche die absolute Lufthoheit im Kampfgebiet errungen hatte. Noch am 5. Mai 1945, als Reichspräsident Karl Dönitz schon mit den Briten verhandelte, gab es einen schweren Feuerüberfall der Belagerer auf Dünkirchen. Erst im Laufe des 6. Mai 1945 wurden die Feindseligkeiten eingestellt.

Vizeadmiral Friedrich Frisius kapitulierte nach Rücksprache mit der Regierung Dönitz am 9. Mai 1945 um 9.20 Uhr. An diesem Tag kapitulieren auch die noch von deutschen Truppen gehaltenen Stützpunkte in Frankreich – Lorient (Übergabe 10. Mai 1945), La Rochelle, St. Nazaire (Übergabe 11. Mai 1945) – und auf den Kanalinseln. Die offizielle Übergabe von Dünkirchen erfolgte am 11. Mai 1945. Die meisten Offiziere wurden an diesem Tag im Gefängnis von Dünkirchen eingesperrt, um später mit Zug (über La Rochelle) und Schiffen in das Kriegsgefangenenlager auf der Insel Île de Rhé an der französischen Westküste verbracht zu werden. Die Unteroffiziere und Mannschaften hatten es da deutlich schwerer. Sie mußten einen 60-km-Gewaltmarsch in den südöstlich gelegenen Raum Brüssel bewältigen.

In den französischen Kriegsgefangenenlagern Saint-Martin-de-Ré und Mulsanne sur Sarthe (Offiziersgefangenenlager 401 in Nordwest-Frankreich) gab es für die ausgehungerten deutschen Offiziere anfänglich nur Gras zu essen, bis 1947 mußten sie als Zwangsarbeiter arbeiten. Trotz der Genfer Konvention, deren Artikel 32 es untersagte, Kriegsgefangene bei gesundheitsschädlichen oder gefährlichen Arbeiten einzusetzen, wurden zehntausende Deutsche zum Minenräumen eingesetzt. Viele starben. Die, die überlebten, kehrten ausgemergelt und krank in die Heimat zurück.

Siehe auch

Verweise

Fußnoten

  1. Lauch, ein gelegentlicher Hase und mit Granaten erbeutete Fische gehörten zu den Hauptrationen der Verpflegung zum Schluß
  2. Festungsbereich Dünkirchen