Waffen- und Ingenieuroffiziere der Wehrmacht

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Waffen- und Ingenieuroffiziere der Wehrmacht gehörten gemeinsam mit den Sanitäts- und Veterinäroffizieren der Wehrmacht zu den Sonderlaufbahnen für Offiziere (Spezialoffizierkorps) der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg. Die Waffenoffiziere (Waffen-Offizier; W.Offz) der Kriegsmarine besaßen, wie jeder Seeoffizier an Bord, das Reifzeugnis, Heer und Luftwaffe dagegen forderten kein Abitur, allerdings fachliche Fähigkeiten. Die Ingenieuroffiziere (Ingenieur-Offizier; Ing.) waren ausgebildete akademische sowie technische Fachkräfte, der Nachwuchs bestand ausschließlich aus Abiturienten.

Offizieranwärter der Kriegsmarine mit dem Ärmelabzeichen (Zahnrad) der Marineingenieuroffiziere bzw. -fähnriche

Waffenoffiziere

Friedrich Fromm hatte schon vor dem Krieg, als er noch als Chef des Allgemeinen Heeresamtes war, erkannt, daß eine weitere Aufrüstung zu einer Inflation der Offizierbegriffe führen würde. Er schlug daher in einer Denkschrift vor, daß nur die Truppenführer als Truppenoffiziere bezeichnet werden sollten. Offiziere, die ihren Rang und ihre Stellung durch den Besuch einer Universität erreicht hatten – sogenannte Hochschuloffiziere – sollten in einem Hilfsoffizierkorps zusammengefaßt werden. Offiziere der bisherigen Zahlmeisterlaufbahnen und der Waffenoffiziere, die sich ja in erster Linie noch aus Unteroffizieren ergänzten, sollten als Verwaltungsoffiziere bezeichnet werden.

Mit der Übernahme des Heerespersonalamtes durch Rudolf Schmundt wurde die waffentechnische Ausbildung auf Hochschulen abgeschafft, die vorhandenen Offiziere, wie schon beschrieben, auf die Truppen- oder Kraftfahrparkoffiziere verteilt. Offizier sollte nur noch sein, wer eine Truppe direkt führt, alle anderen sollten Offiziere im Truppensonderdienst werden. Selbst der Begriff Offizier sollte dabei durch Leiter ersetzt werden. Das Korps selber bestand danach nur noch aus Truppenoffizieren und Offizieren der Sonderlaufbahnen. Nachwuchs von den Schulen sollte nur noch für Truppen-, Sanitäts- und Veterinäroffiziere gestellt werden. Alle anderen Korps sollten sich aus Unteroffizieren oder aus dienstuntauglichen Offizieren ergänzen. Das Ingenieuroffizierkorps sollte ganz im Truppen und Kraftparktruppe aufgehen. Sonderführer sollten ebenfalls Truppenoffiziere werden. Alle Heeresbeamten sollten entweder Truppenoffizier oder Offiziere der Sonderlaufbahnen sein.

Feuerwerksoffiziere

Truppenkennzeichen der Feuerwerker der Wehrmacht; Feuerwerker trugen zu ihrer Wehrmachtsuniform auf dem rechten Unterarm einen Stoffaufnäher in Uniformgrundfarbe, auf dem in Frakturschrift ein „F“ aufgestickt war.

Die im Kriege und Frieden bewährte frühere Offizierslaufbahn der Feuerwerksoffiziere mußte als Folge des Versailler Schandvertrages aufgelöst, sie wurde erst wieder am 1. Juli 1934 in der Schlußphase der Reichswehr neu gegründet.

„Die Offiziere des Waffendienstes (W) ergänzten sich ausschließlich aus langdienenden Angehörigen der Feuerwerkerlaufbahn aus dem Unteroffizierkorps. Grundlage war die Bewährung im Dienst und die Abschlußprüfung auf der Heeresfeuerwerkerschule. Die Ausbildung zum Offizieranwärter (W) setzte, bis zur Beförderung zum Offizier (W), einen Besuch der Heeresfeuerwerkerschule voraus, daran schloß sich ein achtzehnmonatiger Dienst bei den Heeres-Feldzeugdienststellen an. Danach folgte ein sechsmonatiger Offizieranwärter (W) – Lehrgang auf der Heeresfeuerwerkerschule, der durch die Offizierprüfung abgeschlossen wurde. Nach bestandener Prüfung erfolgte die Beförderung zum Oberfeuerwerker-Offizieranwärter (W) und die Versetzung zu einem Heereszeugamt im Standort einer Heeres-Feldzeugverwaltung. Hier konnte, je nach freien Stellen, die endgültige Beförderung zum Offizier (W) erfolgen.“

Zu den aktiven Waffenoffizieren-Offiziere (W) konnten Feuerwerker[1] übernommen werden, die den Offiziersberuf anstrebten, die Abschlußprüfung eines normalen Feuerwerker-Lehrganges auf der Heeres-Feuerwerkerschule abgelegt, sich mindestens zwei Monate in selbständiger Fachtätigkeit im Bereich des Feldheeres bewährt hatten und ihre Persönlichkeit, ihrer Veranlagung und ihrer Leistungen nach so hervortraten, daß sie die Gewähr boten, brauchbare aktive Offiziere (W) zu werden. Diese Feuerwerker wurden nach Verpflichtung zu unbegrenzter Dienstzeit in Offizieranwärter (W)-Lehrgängen an der Heeresfeuerwerkerschule zu Offizieren (W) herangebildet. Dieser Lehrgang dauerte ca. 12 Wochen. Der Kommandeur der Heeres-Feuerwerkerschule gab am Schluß des Lehrgangs ein Urteil über die Eignung der Teilnehmer zum Offizier (W) ab. Auf Grund dieses Urteils wurden die Teilnehmer in die Offizierlaufbahn (W) übernommen, zu Oberfeuerwerkern befördert und zu Offizieranwärtern (W) ernannt.

Schulterklappenauflage für einen Waffenoffizier der Wehrmacht

Heer

Die Offizieranwärter (W) wurden zu einem Heeres-Zeugamt versetzt und gleichzeitig zu Einheiten des Feldheeres kommandiert. Nach weiterer, mindestens zweimonatiger Bewährung und nach erfolgter Offizierwahl wurden sie vom Feldzeugmeister dem Oberbefehlshaber des Heeres und dem Heerespersonalamt zur Beförderung zum Leutnant (W) vorgeschlagen641. Das Offizierkorps der Waffenoffiziere umfaßte:

  • 1938 678 Offiziere
  • 1942 1.173 Offiziere
  • 1943 2.040 Offiziere

Vom Kriegsoffizier zum Waffenoffizier

„Da alle Kriegsoffiziere ab 1942 zu aktiven Offizieren werden sollten, erfolgte dieser Übertritt automatisch. Voraussetzung war nur noch die erfolgreiche Teilnahme an einem Lehrgang für Offizieranwärter der Waffentechnik mit anschließender Beförderung zum Leutnant (W). Neben Unteroffizieren und Kriegsoffizieren gab es auch aktive Feuerwerkersoldaten, die von ihren jeweiligen Regimentskommandeuren ohne weitere Voraussetzungen an einem Fahnenjunkerlehrgang (W) teilnehmen konnten. Erwiesen sie sich hier als tauglich, konnten sie zum Fahnenjunker (W) ernannt werden, später zum Oberfähnrich (W) und nach einem weiteren Lehrgang zum Leutnant (W) befördert werden mit Übertritt in das aktive Offizierkorps.“[2]

Artillerie

Die Artillerie hatte ihre wichtigste Schule in Jüterbog, und die Pioniertruppen verfügten über zwei Ausbildungsstätten in Berlin–Karlshorst und in Dessau–Roßlau. Eng mit der Ausbildung der Artilleristen verbunden war die Heeresfeuerwerkerschule in Berlin–Lichterfelde und die Heereswaffenmeisterschule in Berlin-Treptow. Diese dienten vor allem der Ausbildung der Sonderlaufbahnen der Waffenoffiziere, die sich speziell in den verschiedenen Munitionsarten und Sprengmittel auskennen mußten.

Luftwaffe

Das Offizierkorps der Luftwaffe setzte sich im Krieg zusammen aus: Truppenoffizieren aller Waffengattungen, also Flieger, Flugabwehr- (Fla) und Luftnachrichtentruppe sowie den Fallschirmjägern1, Sanitätsoffizieren, Waffenoffizieren, Ingenieuroffizieren11 und den Offizieren im Truppensonderdienst.

Neben diesen Truppenoffizieren gab es noch eine Anzahl von technischen Offizieren. Als erstes sei hier die Laufbahn der Waffenoffiziere (Offiziere (W)) genannt. Sie war ähnlich dem der Waffenoffiziere des Heeres und der Marine gestaltet; ihr Personal entstammte den ehemaligen Feuerwerkeroffizieren des Deutschen Heeres. Anfänglich setzten sich ihre Soldaten fast nur aus ehemaligen Unteroffizieren zusammen, denn diese Laufbahn war für Abiturienten mit Karriereambitionen wenig interessant. Erst mit dem Erlaß vom 17. Juli 19431211 traten auch Truppenoffiziere in diese Laufbahn ein, nachdem sie eine entsprechende waffentechnische Zusatzausbildung erhalten hatten.

Mit Vfg. vom 17.7.1943 (LV 43, Nr. 1414) wurde die Umwandlung der Laufbahn der Offiziere mit waffentechnischer Zusatzausbildung angeordnet. Die Laufbahn der Waffenoffiziere fiel mit Vfg. vom 31.3.1944 (LV 44, Nr. 480) weg. Die vorhandenen Waffenoffiziere wurden zu den Truppenoffizieren überführt.

Die Laufbahn der Offiziere (W) war ein Versuch der Luftwaffe, ein eigenes technisches Offizierkorps für den Waffenbereich zu schaffen ähnlich dem der Marinewaffenoffiziere. Geeignete Offiziere (W) wurden zu aktiven Truppenoffizieren der Flakartillerie ernannt oder bei entsprechender Ausbildung und entsprechenden Möglichkeiten zu Offizieren der Fliegertruppe befördert. Insgesamt umfaßte das Waffenoffizierkorps in allen Bereichen 193 Offiziere aller Dienstgrade.

Kriegsmarine

Die auf Vergrößerung zielende Kriegsmarine erhöhte nicht nur die Anzahl der Seeoffiziere, sondern vermehrte auch die Zahl der Offizierlaufbahnen. Neben den See-, Ingenieur- und Sanitätsoffizieren traten im Laufe der Zeit die Verwaltungsoffiziere, ab Juli 1934 die Waffenoffiziere, die Offiziere der Marineartillerie, und ab Februar 1939 die Offiziere der Marinenachrichtentechnik. Eine Sonderlaufbahn stellten die Musikmeister der Marine dar, die aber ebenfalls zum Marineoffizierkorps gezählt wurden. Ein Übertritt zu den Seeoffizieren war aber in Friedenszeiten nicht möglich.

Die alte Marineleitung war inzwischen durch das Oberkommando der Marine (OKM) abgelöst worden. Dazu gehörte unter anderem das Marinepersonalamt, das aus der Marineoffizierpersonalabteilung der Reichsmarine hervorgegangen war. Chef dieses Amtes war Konteradmiral Patzig. Ihm waren zwei Abteilungen und eine Gruppe unterstellt. Chef dieser Abteilungen wiederum waren Kapitän zur See Netzband und Kapitän zur See (Ing.) Kaufmann sowie Fregattenkapitän Flies. Aufgabe dieser Abteilungen war die Bearbeitung der Personalien der Seeoffiziere (I. Abteilung), der Ingenieuroffiziere (II. Abteilung) und der Ergänzungsoffiziere. Auch für die Sanitäts-, Verwaltungs-, und Waffenoffiziere wurden besondere Arbeitsgruppen eingerichtet.

Geschichte

Die Waffenoffizierlaufbahn wurde am 1. Juli 1934 durch Erlaß des Reichspräsidenten neu gegründet. Sie fußte auf den Bereichen Artillerie und Sperrwaffen. Sie hatte ihre Tradition in den Feuerwerker-, Minen- bzw. Torpedooffizieren der Kaiserlichen Marine. Daher bildeten die nach dem Ersten Weltkrieg teils entlassenen, teils als Beamte übernommenen früheren Offiziere und Oberfeldwebel den Stamm der Waffenoffiziere. Daneben wurden aber auch Offizieranwärter für diese Laufbahn neu eingestellt. Voraussetzung war das Zeugnis der Hochschulreife oder ein vergleichbares Abschlußzeugnis. Die erste eingestellte „Crew 35“ hatte 20 Kadetten des Marinewaffenwesens. Die späteren Einstellungen schwankten zwischen 36 Kadetten der Crew 36 und 37B sowie 35 Kadetten der Crew 37A. Die Crew 38 teilte sich in 27 Anwärter für die Artillerie-Waffen und 11 für die Sperrwaffen. Die Ausbildung entsprach derjenigen der Offizieranwärter für die See- und Ingenieurslaufbahn. Nach der Beförderung zum Leutnant (W) folgte ein zweiter Werkstättenlehrgang mit anschließender Ausbildung auf den Zeugämtern, an deren Schluß die Waffenoffizierprüfung stand.

Waffenoffiziere des Rohrwaffensektors wurden an Bord schwerer Einheiten in der Funktion des zweiten artillerietechnischen Offiziers eingesetzt. Erst im Laufe des Zweiten Weltkrieges übernahmen diese Offiziere (W) als Divisionsoffiziere der Mechanikerdivision und als erste artillerietechnische Offiziere Aufgaben der Truppenoffiziere.

Die Offiziere (W) der Marine konnten, im Unterschied zu ihren Kameraden im Heer, den Flaggoffizierrang erreichen, während dagegen in der Luftwaffe diese Verwendungsreihe sogar ganz abgeschafft wurde.

Ausbildungsablauf der Artillerie-Waffenoffiziere

Schulterklappen eines Leutnants (W) der Artillerie
  • 3 Monate militärische Grundausbildung
  • 2 Monate Werkstättenausbildung
    • Die Ingenieur- und Waffenoffizieranwärter gingen zu einer Werkstättenausbildung an Land, wobei auch technische Grundfertigkeiten wie Schmieden, Drehen, Schweißen, Bohren usw. erlernt werden mußten.
  • 3 Monate Schulschiff, während dieser Zeit Ernennung zum Kadetten (W)
  • 5 Monate Marineschule, abschließend mit der Waffenoffizierhauptprüfung. Während dieser Zeit Beförderung zum Fähnrich (W)
    • Marinewaffenoffiziere mit Vfg. vom 5.11.1934 mit einer Unterteilung in Sperrwaffen und Artilleriewaffen, später in Rohr- und Sperrwaffenoffizierlaufbahn differenziert
  • 4 Monate Sonderlehrgänge entsprechend der eingeschlagenen Laufbahn
  • 6 Monate Frontdienst in der Flotte, während dieser Zeit Beförderung zum Oberfähnrich (W)
  • Nach insgesamt etwa 2 Jahren Beförderung zum Leutnant (W)
  • Anschließend Berufsausbildung als Leutnant (W), die abgeschlossen wird mit der Waffenoffizierberufsprüfung

Anzahl (Auswahl)

1935 sah die Zahl der jungen Waffenoffiziere wie folgt aus:

  • Kapitänleutnante (W) 52
  • Oberleutnante und Leutnante (W) 44
  • Oberfähnriche und Fähnriche (W) 32
  • Seekadetten (W) 20
Crew 36

Die Crew 36 (3. April 1936 Eintritt in die Marine) setzte sich aus 367 Seeoffizier-, 66 Ingenieuroffizier-, 21 Sanitätsoffizier-, 36 Waffenoffizier- und 28 Verwaltungsoffizieranwärter zusammen.

Crew 40

Die Crew 40 (1. Oktober 1940 Eintritt in die Marine) setzte sich aus 607 Seeoffizier-, 149 Ingenieuroffizier-, 53 Sanitätsoffizier-, 68 Baubeamtenanwärter-, 75 Waffenoffizier- und 25 Verwaltungsoffizieranwärter zusammen.

Reserveoffiziere

Die Annahme, Einstellung und Ausbildung der Reserveoffizieranwärter aller Offizierlaufbahnen der Kriegsmarine erfolgten gemäß der Verfügung vom 23. Dezember 1942 in Zukunft gemeinsam und einheitlich mit denjenigen des aktiven Offiziernachwuchses. Die Reserveoffizieranwärter führten ab 20. März 1943 dieselben Dienstgradbezeichnungen und trugen vom nämlichen Zeitpunkt ab die gleiche Uniform wie der aktive Offiziernachwuchs, lediglich hinter dem Dienstgrad erschien noch der Zusatz d. Res. Nach einem Merkblatt des Oberkommandos der Kriegsmarine vom Frühjahr 1943 für die aktive- und die Reserveoffizierlaufbahn standen dem Offiziernachwuchs der Kriegsmarine folgende Verwendungsreihen offen:

  • 1. Seeoffizierslaufbahn
  • 2. Marine-Ingenieurlaufbahn
  • 3. Marine-Sanitätslaufbahn
  • 4. Marine-Waffenoffizierlaufbahn

Bestimmte technische Vorkenntnisse wurden in keiner Laufbahn gefordert; doch ratsam waren solche vor allem in der Ingenieurs- und Waffenoffizierslaufbahn.

Ingenieuroffiziere

Kapitän zur See (Ing.) Ernst Dorn (1884–1945), von Februar 1941 bis März 1945 Kommandeur der Kriegsschiff-Bau-Lehr-Abteilung für Unterseeboote Nord (6. Kriegsschiff-Bau-Lehr-Abteilung), anschließend bis zu seinem Ableben im April 1945 zur Verfügung des Höheren Kommandeurs der Kriegsschiffbaulehrabteilungen (Hans Voß).

Ingenieuroffiziere der Wehrmacht wurden nach Vorbild der Ingenieuroffiziere des Deutschen Heeres gegründet, allerdings gehörten nachweislich Ingenieuroffiziere zum Generalstab der Preußischen Armee schon im 18. Jahrhundert und später ebenfalls zum k. u. k. Armee. Ein bekannter früher deutscher Ingenieuroffizier war Joseph von Fallois (1768–1820), Kriegsbaumeister, Königlich-Preußischer Ingenieur-Major zu Magdeburg unter Friedrich II., Privatier in Zerbst, seit 1783 Russisch-Kaiserlicher Ingenieur-Major zu St. Petersburg, als Obristenleutnant in der Kaiserlich Russischen Armee, aber auch Ingenieuroffizier in sächsischen und k. k. Diensten.

Vorgeschichte des Ingenieurkorps

Pioniere galten in der frühen Neuzeit um 1500, besonders aber ab dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) als „Ingenieur- und Genietruppen“, die technische Erfindungen sofort in der militärischen Praxis „genial“ zu verwenden hatten. Oftmals standen an der Spitze der Einheiten technisch ausgebildete Personen, Ingenieure oder Baumeister.

Nach der verheerenden Niederlage von Jena und Auerstedt im Jahr 1806 hatten sich die preußischen Mineur- und Pontonierkompanien praktisch aufgelöst. Der große Pontonpark war in Magdeburg in französische Hände gefallen. Der Neuordnung des Ingenieurkorps und der Pioniere lag der von Gerhard von Scharnhorst bewirkte königliche Befehl vom 9. März 1809 an August Neidhardt von Gneisenau zugrunde, wonach „die Mineur- , Pionier- und Pontonierkorps ein zum Ingenieurkorps gehörendes neues Korps formieren sollten, welches man wohl Pionierkorps nennen müßte, und daß der König hierzu einen Organisationsplan erwarte.“ Von Gneisenau selbst konnte den Auftrag nicht mehr ausführen, da er mit anderen Aufgaben nach Schlesien abberufen wurde. Deshalb wurde durch Kabinettsorder die neue Organisation des Ingenieur-, Mineur-, Pontonier- und Sappeurkorps den Majors v. Rauch, Pullet, v. Grolman, v. Boyen und dem Kapitän Karl Friedrich Andreas von Leithold (1770–1819) übertragen. Aus den Namen der ersten Chefs des Ingenieurkorps - 1808/09 August Neidhardt von Gneisenau und 1810/13 Gerhard von Scharnhorst - kann gefolgert werden, welchen Wert die Armee den Pionieren zumaß.

Der Grundgedanke des Reorganisationsvorschlages war, das Ingenieurkorps zu einem Elitekorps zu machen, es auf gleiche Stufe mit dem Generalstab zustellen und beiden, dem Generalstab und dem Ingenieurkorps denselben Chef zu geben, weil die enge Zusammenarbeit beider eine Vorbedingung für den erfolgreichen Einsatz sei. Weitere Einzelheiten des Vorschlages wurden richtungweisend für die spätere Entwicklung, Führung und den Einsatz: „Im Frieden geben die Kompanien Detachements an die Festungen ab“, - damit wurde schon von höchster Spitze der unerwünschten späteren Kräftezersplitterung das Wort geredet. Weiterhin besagten die Bestimmungen, daß die Pioniere alljährlich mit der Artillerie gemeinschaftliche größere Übungen in ihren Dienstzweigen durchzuführen hätten, zu denen alle in die Festungen kommandierten Ingenieuroffiziere herangezogen werden sollten.

Zur Vermehrung des kleinen Ingenieuroffizier-Korps in der Befreiungskriege wurden zunächst Offiziere anderer Waffen herangezogen, sehr bald aber Personen aus entsprechenden Zivilstellungen, wie Baumeister, Berg- und Hüttenleute, Feldmesser und dergleichen. Sie wurden zu Volontäroffizieren im Ingenieurkorps ernannt und diesem „aggregiert“. Das Ingenieurkorps hatte im Kriege folgende Aufgaben zu erfüllen: Es stellte für die vier, zuletzt sechs preußischen Armeekorps je einen Stabsoffizier als technischen Berater ab, der Vorgesetzter der ihm unter - stellten Ingenieuroffiziere und Pionierkompanien war. Er erhielt ab 1815 den Titel: Kommandeur der Ingenieure und Pioniere. Sein Stab wurde von Fall zu Fall für Belagerungsarbeiten und den Ingenieurdienst in den besetzten Festungen verstärkt. Alle Offizierstellen der Pionierkompanien waren durch Ingenieuroffiziere zu besetzen. In den Kriegsberichten sind Ingenieure und Pioniere häufig mit Anerkennung genannt. Sie hatten wesentlichen Anteil an den Erfolgen des Armeekorps. Generalmajor Gustav von Rauch, Chef des Ingenieurkorps und Generalinspekteur der Festungen, erhielt das Eichenlaub zum Pour le Mérite. Bei Beendigung des Krieges standen 89 etatmäßige und 60 aggregierte Offiziere im Ingenieurdienst.[3]

Heer

Als letzte Laufbahn wurde kurz vor Kriegsbeginn am 21. April 1939 die Gruppe der Ingenieuroffiziere des Heeres geschaffen, wobei sicherlich die Ingenieuroffiziere der Kriegsmarine als Vorbild dienten. In diese Laufbahn sollten die Wehrmachtsbeamten des höheren technischen Dienstes überführt werden. Für den Aufbau und die Übernahme in das Ingenieuroffizierkorps bestimmte das Oberkommando des Heeres am 25. Juli 1939 folgendes:

  • 1. Fahnenjunker, die bereits ihren Dienst bei der Truppe, im Sanitäts- oder Veterinärkorps angetreten haben und die von ihnen gewählte Laufbahn auf eigenen Wunsch oder aus dienstlichen Gründen verlassen, werden als Fahnenjunker in die Offizier (Ing.) Laufbahn übernommen.
  • 2. Truppenoffiziere, Ergänzungsoffiziere und Offiziere (W), die Diplomingenieure sind, werden zu den Offizieren (Ing.) nicht überführt. Als Offiziere (Ing.) werden zunächst Wehrmachtsbeamte des höheren technischen Dienstes angestellt. Die Ingenieuroffizierlaufbahn ergänzte sich bis auf weiteres noch durch Neuanstellung von Diplomingenieuren aus der freien Wirtschaft, endgültig jedoch aus dem planmäßigen Nachwuchs.

Zu den Verordnungen über die Bildung der Ingenieuroffizierlaufbahn des Heeres vom 21. April 1939 erließ der Oberbefehlshaber des Heeres die folgenden Durchführungsbestimmungen sowie die notwendigen Rechts- und Verwaltungsvorschriften vom 4. August 1939 und ordnete schließlich sofortige Anwendung an:

  • 1. Die Truppeningenieure des Heeres in der Wehrmacht des höheren technischen Dienstes werden, soweit geeignet, als Offiziere (Ing.) angestellt. Truppeningenieure, die noch nicht Reserveoffizieranwärter sind, jedoch erst dann, wenn sie diese Bedingung erfüllt haben (bei Truppeningenieuren, die 1900 und früher geboren sind, wird von dieser Forderung abgesehen). Die Ernennung zum Reserveoffizieranwärter mußte spätestens bis zum 31. März 1940 erfolgt sein.
  • 2. Jeder als Offizier (Ing.) anzustellende Beamte hat einen Entlassungsantrag vorzulegen. Der Beamte wird aufgrund dieses Antrages zugleich mit der Anstellung als Offizier (Ing.) aus dem Beamtenverhältnis entlassen. Auf Antrag ist ihm die Erlaubnis zum Führen der Amtsbezeichnung mit dem Zusatz „a. D.“ zu erteilen.

Die weitere Ergänzung des Ingenieuroffizierkorps sollte durch Abiturienten erfolgen, die den Offizierberuf ergreifen wollten und neben der normalen Ausbildung auf eine technische Hochschule kommandiert werden sollten. Hier sollten sie ein Studium bis zum Abschluß des Diplom-Ingenieurs absolvieren, erst dann die weitere militärische Ausbildung und die Beförderungen Fähnrich, Oberfähnrich und schließlich Leutnant (Ing.) erhalten. Somit wären diese Soldaten erst viel später Offiziere geworden und gegenüber den Truppenoffizieren stark benachteiligt gewesen. Da von der politischen und militärischen Führung keine eindeutige Motivation für diese Ausbildung ausging, war der technische Bereich des Heeres, wie später auch bei der Luftwaffe, ein Stiefkind der Ausbildung.

Truppeningenieure

Die Truppeningenieure – Wehrmachtsbeamte des Heeres im höheren technischen Dienst – wurden, soweit geeignet, bis spätestens Januar 1941 als Offiziere (Ing.) übernommen. Sie erhielten dasjenige Grundgehalt der Besoldungsordnung C, das sich aus ihrem Grundgehalt als Beamter ergab. Die als Offiziere (Ing.) angestellten Truppenoffiziere – die vorher also nicht Wehrmachtsbeamte waren – bekamen den Dienstgrad, der sich aus dem für sie ermittelten Offiziergrundgehalt ergab.

Bewerbung und Ausbildung

Für die Ingenieuroffizierlaufbahn kamen nur Bewerber in Frage, die den Ingenieuroffizierberuf anstrebten. Sie mußten die Begabtenprüfung für das Studium technischer Wissenschaften bestanden haben; das dabei erworbene Zeugnis mußte zum Studium der technischen Wissenschaften berechtigen. Die Bewerber durften nicht älter als 21 Jahre sein. Ferner konnten sich ungediente Studenten deutscher Technischer Hochschulen der angegebenen Fachrichtungen melden, diese durften wie die Sanitätsoffizierbewerber nicht älter als 26 Jahre sein, wobei auch hier natürlich Ausnahmen gemacht wurden.

Am 1. Dezember 1939 in Berlin die Ingenieuroffizierakademie des Heeres gegründet und im Oktober des folgenden Jahres nach Vaihingen bei Stuttgart verlegt. Die voll geeigneten „Bewerber für die aktive Ingenieuroffizierlaufbahn des Heeres“ traten nach mindestens neunmonatiger Gesamtdienstzeit in die Ingenieuroffizier-Akademie und leisteten zunächst das für das Studium an der Technischen Hochschule vorgeschriebene sechs bis zwölfmonatige Praktikum. Dann begann das siebensemestrige Studium an der Technischen Hochschule. Das Studium der Soldaten der Ingenieurakademie entsprach dem der anderen Studierenden der Technischen Hochschule derselben Fachrichtungen. Die Belegung der in der Prüfungsordnung für Diplomingenieure geforderten Vorlesungen wurde verlangt. Die Prüfungen waren zu den vorgeschriebenen Zeiten abzulegen. Während des Studiums an der Technischen Hochschule wurden die Soldaten in der Ingenieuroffizier-Akademie untergebracht. Sie erhielten das Gehalt ihres Dienstgrades, mußten aber die Kosten ihres Studiums selber tragen.

Für die eigentliche Ausbildung wurden auch die Schulen, gerade die der Infanterie neu geregelt. So bestanden ab dem 10. Juni 1942 für die Anwärter des 10. Offizieranwärterlehrgangs der Infanterie folgende Schulen:

  • Schule I in Dresden mit zwei Lehrgruppen
  • Schule II in Wiener Neustadt mit zwei Lehrgruppen
  • Schule III in Potsdam mit einer Lehrgruppe
  • Schule IV in Ohrdruf (Thüringen) mit einer Lehrgruppe
  • Schule V in Döberitz (später Posen) mit zwei Lehrgruppen

Die Offizieranwärter der schnellen Truppen (später Panzertruppen genannt) wurden ausgebildet in:

  • Lehrgang für Schnelle Truppe I in Wünsdorf
  • Lehrgang für Schnelle Truppe II in Zossen
  • Lehrgang für Schnelle Truppe III in Krampnitz

Sämtliche Schulen des Heeres, auch die hier nicht genannten, wurden immer wieder verlegt oder erfuhren immer wieder neue Bezeichnungen.

Sonderfälle

Ingenieur-Offizier-Korps d. B. des Heeres

Ingenieuroffiziere d. B. (Wehrmachtbeamte des Beurlaubtenstandes) ergänzten sich ausschließlich aus Diplomingenieuren.

Offizierkorps der Kraftfahrparktruppe

Gemäß einer Verfügung des Oberkommandos des Heeres vom 14. Juli 1943 sollten beim Offizierkorps der Kraftfahrparktruppe (K), Sammelbegriff für alle Offiziere, deren Verwendung nicht mehr möglich, und für solche, deren Verwendung noch nicht entschieden war, alle Offiziere und Beamte eine Verwendung finden, die in Instandsetzungsdiensten oder als Ingenieuroffiziere eingesetzt waren. Dazu kamen aber auch Offiziere aus anderen Truppenteilen, die körperlich nicht mehr den Anstrengungen des Krieges gewachsen oder die Kriegsinvaliden waren. Auch technische Beamte des höheren und gehobenen Dienstes sowie die Schirrmeister des Heeres wurden in dieses Offizierkorps überführt. Voraussetzung waren neben der allgemeinen Forderung nach Bewährung, Organisationstalent und gute Fachkenntnisse. Die Gesamtdienstzeit sollte 18 Monaten betragen, der Kriegsverwendungszustand vorhanden sein. Bedingungen waren ein Höchstalter von 45 Jahren und der Besitz des Führerscheins für Kraftfahrzeuge. Im März 1944 soll das Korps eine ungesicherte Stärke von 1.756 Offizieren gehabt haben.

Besonders hart traf die neue Regelung das Ingenieuroffizierkorps des Heeres. Alle Ingenieuroffiziere vom Jahrgang 1908 und älter wurden in das Offizierkorps der Kraftfahrparktruppe überführt, alle Ingenieuroffiziere, die jünger als Jahrgang 1908 waren, mußten an die kämpfende Truppe abgegeben werden. Offiziere des Ingenieurwesens, die sich noch in der Ausbildung oder im Studium befanden, mußten diese bzw. dieses abbrechen und zur fechtenden Truppe einrücken. Nur solchen Offizieren und Offizieranwärtern, die noch nicht oder nicht mehr kriegsverwendungsfähig waren, wurde eine Weiterführung des Studiums erlaubt. Auch der Ingenieuroffiziernachwuchs wurde nicht mehr angenommen oder auf der Ingenieurakademie ausgebildet. Bewerber für diese Laufbahn mußten für die aktive Truppenoffizierlaufbahn namhaft gemacht werden. Der Rest des Ingenieuroffizierkorps wurde gleichfalls aufgelöst. Hiermit fand im Heer keine weitere technische Offizierausbildung mehr statt.

Anzahl

Für die Stärke des Ingenieuroffizierkorps gibt es nur eine gesicherte Zahl aus dem Jahre 1942, in der das Korps mit 610 Offizieren angegeben wird.

1943

Gemäß Verfügung OKH/Ag P 1/7 Abt. vom 18.1.1943 in HM 1943, S. 148, Nr. 212 wurden die Ingenieuroffiziere des Maschinenbaus zu den Waffenoffizieren überführt. Die Ingenieuroffiziere des Vermessungswesens zur Artillerie, die Ingenieuroffiziere der Chemie zur Nebeltruppe, die Ingenieuroffiziere des Bauwesens zu den Pionieren und die Ingenieuroffiziere der Fachrichtung Elektrotechnik zu den Nachrichtentruppen. Erlaubt war die Fortsetzung des Studiums, wenn die Diplomhauptprüfung noch im Herbst 1943 abzulegen war.

Das Ingenieuroffizierkorps sollte im Sommer 1943 ganz im Truppen und Kraftparktruppe aufgehen. Sonderführer sollten ebenfalls Truppenoffiziere werden. Alle Heeresbeamten sollten entweder Truppenoffizier oder Offiziere der Sonderlaufbahnen sein.

Luftwaffe

Schulterstücke und Kragenspiegel eines Flieger-Oberingenieurs der Luftwaffe

In der Luftwaffe kam es, ähnlich wie im Heer, nicht zu einer Bildung eines Ingenieuroffizierkorps, da man für dieses keine rechtlichen Grundlagen schaffen konnte. Der Versuch, durch ein Gesetz vom 18. Oktober 1935 dieses Korps trotzdem aufzubauen, zeigt nur die Probleme, welche die Luftwaffe mit diesem Korps hatte. Auf der einen Seite wünschte man sich den Offizieringenieur, während auf der anderen Seite man den Beamteningenieur bevorzugte. Dieser Widerspruch konnte bis Kriegsbeginn nicht aufgelöst werden.

Mit Verordnung vom 11. Mai 1940 wurde ein neuer Anlauf gestartet, um die Laufbahn für die Ingenieuroffiziere des Flugwesens zu schaffen. Diese Offiziere ergänzten sich aus Abiturienten, die als Fahnenjunker (Ing.) eingestellt wurden und bis zur Beförderung zum Leutnant (Ing.) die gleiche Ausbildung wie der Offiziernachwuchs der Fliegertruppe erhielt. Erst dann erhielten sie in Sonderlehrgängen ihre technische Vor- und Hauptausbildung. Nach Bestehen der Hauptprüfung wurden sie im technischen Dienst eingesetzt. Für hervorragend befähigte Ingenieuroffiziere war eine besondere fachliche Weiterbildung vorgesehen. So wurde schon im November 1935 eine Lufttechnische Akademie gegründet, die aber schon 1937 in die Luftkriegsakademie (Flugplatz Berlin-Gatow) eingegliedert wurde und damit ihre Selbständigkeit verlor. Da diese Ingenieur-Offiziere besonders im Generalstab der Luftwaffe keine Anerkennung fanden, gab es kaum Interessenten für diese Ausbildung, weshalb sie schließlich eingestellt wurde.

Neben den Waffenoffizieren verfügte die Luftwaffe als technisch orientierte Waffe über einen großen Anteil an zivilen Ingenieuren1220. Diese waren als Wehrmachtsbeamte in ein Ingenieurkorps der Luftwaffe zusammengefaßt worden1221 und sollten nun ebenfalls zu Offizieren befördert werden. Bevor diese Maßnahme aber wirksam wurde, erkannte die Luftwaffenführung, daß dies zu großen Schwierigkeiten mit dem eigentlichen Offizierkorps der Luftwaffe führen würde, und stellte deshalb diese Maßnahme bis zum Ende des Krieges zurück. Grundsätzlich aber sollten nur noch militärisch ausgebildete Ingenieure mit Offiziersrang in die Luftwaffe aufgenommen werden und die zivilen Ingenieure langsam verschwinden.

So konnten erst 1944 nur 28 Ingenieuroffizieranwärter eine Akademieausbildung beginnen. Von den 632 bereits zu Offizieren beförderten Anwärtern für das Ingenieuroffizierkorps waren schon 248 gefallen; 179 waren in die Truppenoffizierlaufbahn übernommen worden; 177 befanden sich im Frontfliegereinsatz und waren deshalb unentbehrlich. Rund 800 Fähnriche (Ing.) durchliefen Ende 1944 noch ihre militärische Ausbildung. Die damals vorhandenen 6.258 Ingenieure der Luftwaffe wurden nicht mehr ergänzt und waren kaum in der Lage den Anforderungen des modernen Krieges gerecht zu werden.

Während der Marineingenieur seine „Waffe“ und seine Männer nicht nur ausbildete und vorbereitete, sondern auch beim Einsatz führte, blieb den Ingenieuroffizieren der Luftwaffe eine reine Bodenverwendung beschieden.

Links ein Oberleutnant zur See (Ing.) im Gesellschaftsanzug

Kriegsmarine

Leitender Ingenieur von U 849 Kapitänleutnant (Ing.) Heinz-Walter Schulz, gefallen am 25. November 1943 im Südatlantik an der Seite seines Kommandanten Heinz-Otto Schultze

Langfristige Entwicklungen, wie etwa die des Marineingenieuroffizierkorps, konnten von Heer und Luftwaffe trotz mehrfacher Versuche nicht übernommen werden. Immer wieder gab es innovative Versuche einer der Teilstreitkräfte, für die Bewerber interessanter zu wirken, was dann, mit der entsprechenden Verzögerung, die beiden anderen zwang, ebenfalls diese neuen Wege zu beschreiten.

Die Geschichte des deutschen Marine-Ingenieurkorps geht auf die Neuordnung des Maschinenpersonals der Kaiserlichen Marine im Jahre 1900 zurück (A. K. O. vom 25. Juni 1900). Grundlage war die Idee einer Mischung von Seeoffizieren und Marineingenieuren. Die Integration von Technik und des technischen Maschinenpersonals ist allerdings vorerst schwergefallen. Die Gleichsetzung mit den Seeoffizieren wurde angestrebt, war aber bis 1918 noch nicht ganz abgeschlossen. Vehementer Gegner einer solchen Gleichsetzung war Alfred von Tirpitz, auch Reinhard Scheer war vorerst nicht angetan.

Erst in der Reichsmarine erfuhren Marine-Ingenieure volle Anerkennung. Die Marineingenieuroffiziere waren die verantwortlichen Leiter des Maschinenbetriebes an Bord und die militärischen Führer des Maschinenpersonals.

Die Ingenieuroffiziere (Ing.) der Marine konnten den Flaggoffizierrang erreichen, dennoch endete die Laufbahn im Rang des Vizeadmirals. 1938 gab es 83 Bewerber für die Laufbahn der Ingenieuroffiziere.

Vorbild Reichsmarine

Die angenommenen Bewerber wurden zum 1. April jeden Jahres zur II. Schiffsstammabteilung in Stralsund einberufen, wo nach marinefachärztlicher Untersuchung und Körperleistungsprüfung die Einstellung erfolgte. Die Offizierlaufbahn begann, wie die aller Rekruten, mit der infanteristischen Grundausbildung. Diese dauerte vier Monate, sie wurde in Stralsund oder Wilhelmshaven durchgeführt und endete mit der Beförderung zum Gefreiten O. A. Daran schloß sich für die zukünftigen Seeoffiziere und Sanitätsoffiziere eine fünfmonatige Kommandierung auf ein Segelschulschiff an. Die Ingenieuroffizieranwärter gingen auf die Marineschule nach Mürwik. Nach sechs Monaten erfolgte für alle die Beförderung zum Kadetten.

Im November des ersten Ausbildungsjahres bei der Reichsmarine kamen die Kadetten aller Laufbahnen – mit Ausnahme der Sanitätskadetten – zur weiteren Ausbildung für etwa neun Monate auf einen Schulkreuzer, wo sie nach fünf Monaten eine Zwischenprüfung (Tentamen) und nach Abschluß der Schulschiffreise, also im Juni des zweiten Ausbildungsjahres, eine Fähnrichsprüfung ablegten.

Nach der Beförderung zum Fähnrich begann der neunmonatige Offizierlehrgang an der Marineschule in Mürwik. Hier wurden sie in Navigation, Mechanik, Mathematik, Chemie, Elektrotechnik, Maschinenkunde, Artilleriewesen, Englisch, Dienstkenntnisse, praktischer Seemannschaft, Geschichte, Seetaktik sowie in verschiedenen Sportfächern unterrichtet. Der Lehrgang endete mit der Offizierhauptprüfung. Danach begannen für die Seeoffizieranwärter die praktischen Sonderlehrgänge in Torpedo-, Artillerie-, Infanteriedienst-, Sperr- und Nachrichtenwesen. Bei den Fähnrichen der Ingenieurlaufbahn folgten Werkstatt und Infanterielehrgänge mit der Ingenieuroffiziersprüfung.

Von den Sanitätsoffizieren abgesehen waren die See- und Ingenieuroffiziere vielfältig sowohl an Bord als auch an Land einsetzbar. Diese Politik der Offiziersausbildung stellte den Grundstock dar, auf dem die spätere Kriegsmarine aufbauen konnte und ohne den die Kriegsführung der Marine gar nicht denkbar gewesen wäre.

Ausbildung

Der Weg zum Marineingenieur war langwierig und zeitaufwendig1486. In der Reichsmarine dauerte die Ausbildung zum Offizier des Schiffsantriebes viereinhalb Jahre. Diese lange Ausbildungszeit wollte das Oberkommando der Kriegsmarine nicht kürzen, da die Stellung der Ingenieuroffiziere als eine sehr verantwortliche angesehen wurde. Daher geriet man bei den Ingenieuren schneller als etwa bei den Waffen- oder Verwaltungsoffizieren in einen personellen Engpaß, weil nun auch immer mehr schwimmende Einheiten zur Flotte stießen, die bemannt werden mußten.

Erst mußten die Offizieranwärter, wie schon erwähnt, eine mehrjährige Ausbildung durchlaufen, und zwar sowohl die seemännische als auch die militärische Grundausbildung sowie einen Werkstättenlehrgang. Dieser endete mit der Ernennung zum Kadetten des Marineingenieurwesens. Daran schloß sich die Fahrtzeit auf einem Schulkreuzer mit der Fähnrichprüfung an. Nach bestandener Prüfung erfolgte die Beförderung zum Fähnrich (Ing.). Schließlich ging es zurück auf die „Alma Mater“ der Marineoffiziere, zur Marineschule nach Flensburg/Mürwik. Auch hier fanden Schulungen mit Dienst in der Flotte und Werkstättenausbildung bis zur Ingenieuroffizierhauptprüfung statt. Während dieser Zeit erfolgte die Beförderung zum Oberfähnrich (Ing.) und nach Abschluß und Wahl die weitere Beförderung zum Leutnant (Ing.). Besonders fähige jüngere Ingenieuroffiziere wurden je nach Bedarf für ein mehrere Semester dauerndes Studium an die Technische Hochschule in Berlin-Charlottenburg kommandiert, das mit dem Diplom abschloß.

Zweiter Weltkrieg

Während des Zweiten Weltkrieges setzte sich das Offizierkorps der Kriegsmarine aus Offizieren mit folgenden Laufbahnen zusammen:

  • Seeoffiziere
  • Marineingenieuroffiziere (der Vorsatz „Marine“ wurde häufig weggelassen)
  • Marinesanitätsoffiziere
  • Sanitätsoffiziere des zahnärztlichen Dienstes
Anzahl Marineingenieuroffiziere

Marineingenieuroffiziere in den Jahren 1939, 1940, 1941, 1942 und 1944 (nach Dienstgrad ):

  • Kapitänleutnante (Ing.) 140, 178, 197, 222 und zuletzt 218 Ingenieuroffiziere
  • Oberleutnante (Ing.) 179, 128, 180, 435 und zuletzt 689 Ingenieuroffiziere
  • Leutnante (Ing.) 111, 192, 235, 453 und zuletzt 689 Ingenieuroffiziere

Ritterkreuzträger der Waffen- und Ingenieuroffiziere (Auswahl)

Träger des Ritterkreuzes des Kriegsverdienstkreuzes der Waffen- und Ingenieuroffiziere (Auswahl)

Siehe auch

Literatur

  • Kapitänleutnant (Ing.) Otto Welsch: Der Ingenieuroffizier in der Kriegsmarine, in: „Marinerundschau“, Heft 7, 1939, S. 662-665.
  • Konteradmiral (W) Friedrich Matthes: Der Artillerie-Waffenoffizier der Kriegsmarine – Geschichte, Einführung, Ausbildung und Aufgaben, in: „Marinerundschau“, Heft 4, 1940
  • Werner Bräckow: Die Geschichte des deutschen Marine-Ingenieur-Offizierkorps, Stalling (1974), ISBN 978-3797918543

Hauptquelle

Verweise

Fußnoten

  1. In der deutschen Wehrmacht wurden Feuerwerker der verschiedenen Dienstgrade im Heer vor allem in Stäben von Artillerie-, Infanterie- und Kavallerieregimentern eingesetzt, ferner bei der Organisation und dem Betreiben der Munitionsversorgung und des -nachschubes der kämpfenden Truppe. Kommandeur eines Munitionslagers war in der Regel mindestens ein Oberfeuerwerker oder Feuerwerkeroffizier. Bei der Kriegsmarine wurden sie auf Schiffen, in Werften und Munitionsdepots eingesetzt. Seit 1935 gab es auch bei der Luftwaffe Feuerwerker. Die Mannschaftsdienstgrade waren jetzt Feldwebeln oder Oberfeldwebeln gleichgestellt.
  2. Dirk Richhardt: Auswahl und Ausbildung junger Offiziere 1930–1945, S. 67
  3. Historische Geschichte der Pioniertruppe