Lent, Helmut

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Helmut Lent.jpg

Helmut Johannes Siegfried Lent (Lebensrune.png 13. Juni 1918 in Pyrehne, Kreis Landsberg/Warthe; Todesrune.png 7. Oktober 1944 in Paderborn) war ein deutscher Offizier der Wehrmacht, zuletzt Oberst (posthum), Jagdflieger und Kommodore des Nachtjagdgeschwaders 3. Brillantenträger Lent war, nach Heinz-Wolfgang Schnaufer, der zweiterfolgreichste Nachtjägerführer der Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg. Das Flieger-As errang 110 bestätigte Luftsiege, 102 bzw., je nach Quelle, 103 davon waren Nachtsiege, bei 507 Feindflügen.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Brillantenträger Helmut Lent.jpg
Lent im Fliegerschutzanzug beim Kartenspielen während der Alarmbereitschaft. Er hat, da die ansonsten gebräuchlichen Patronentaschen zu sperrig waren, die Munition der Signalpistol als Bandolier ums Bein gewickelt.

Helmut Lent war der Sohn eines Pfarrers aus dem Warthebruch. Im Februar 1933 trat er dem Jungvolk bei, wo er Jungzugführer (1. März 1933 – 1. April 1935) und Fähnleinführer (1. April 1935 – 9. November 1935) war. Er besuchte das Gymnasium und machte am 12. Dezember 1935 Abitur. Am 2. Febrauar 1936 begann sein Dienst beim Reichsarbeitsdienst, am 1. April 1936 trat er freiwillig der Luftwaffe als Fahnenjunker bei, um aktiver Offizier zu werden. Bereits vorher war er begeisterter Segelflieger.

Ausbildung zum Ritter der Lüfte

Seine militärische Ausbildung (Grundausbildung) begann am 6. April 1936 an der Luftkriegsschule 2 in Berlin-Gatow, seinen Eid legte er am 21. April ab. Am 7. August 1936 fing die Ausbildung zum Motorflieger an, seinen ersten Flug absolvierte er mit einer Heinkel He 72 Kadet D-EYZA, sein erster Alleinflug erfolgte am 15. September 1936 in einer Focke-Wulf Fw 44 „Stieglitz“. Am 1. April 1937 wurde er zum Fähnrich befördert, am 19. Oktober 1937 erhielt er seine A/B Fluglizenz, und 15. November 1937 wurde ihm das begehrte Flugzeugführerabzeichen verliehen. Am 1. Februar 1938 wurde Lent zum Oberfähnrich und am 1. März 1938 zum Leutnant befördert. Zu diesem Zeitpunkt – die Luftwaffe hatte diese Zeit und Ressourcen, Flieger geduldig und ausführlich auszubilden – hatte Lent schon 434 Flüge (112 Stunden und 48 Minuten) absolviert. Nach Gatow kam er zur Großen Kampffliegerschule nach Tutow. Am 1. Juli 1938 kam er zum Jagdgeschwader 132 „Richthofen“ (7. Staffel/III. Gruppe). Nach der Sicherung des Sudetenlandes wurde die III. Gruppe/JG 132 mit der Bf 108 „Taifun“ ausgestattet und am 1. November 1938 in II./JG 141 umbenannt, wobei Lent zur 6. Staffel kam. Am 1. Mai 1939 wurde aus der II./JG 141 die I. Gruppe/Zerstörergeschwader 76 (I./ZG 76), die auf dem Flugplatz in Ölmütz mit der Bf 110 umgerüstet wurde.

Zweiter Weltkrieg

Am 1. September flog Lent Begleitschutz für Heinkel He 111, und bereits am 2. September 1939 erzielte er beim Polenfeldzug mit seiner Bf 110 seinen ersten Luftsieg vor Lodsch gegen ein polnisches Jagdflugzeug PZL P.11. Sein Wunsch nach Versetzung zu einem Jagdgeschwader wurde jedoch vorerst nicht erfüllt, zu wertvoll war er für das eigene Geschwader. Bei der Luftschlacht über der Deutschen Bucht am 18. Dezember 1939, dem Jagdgeschwader 1 unterstellt, errang er zwei weitere Luftsiege gegen die Royal Air Force. Am 1. Juli 1940, nach der Schlacht um Narvik, wurde Lent zum Oberleutnant befördert. Beim Unternehmen „Adlerangriff“ erzielte er in kurzer Zeit drei Abschüsse, was seine Vorgesetzten auf ihn aufmerksam machte.

Sein 98. Feindflug am 15. August 1940, als 21 Bf 110 der I. Gruppe/ZG 76 mehrere He 111 des Kampfgeschwaders 26 (KG 26) nach Yorkshire und Newcastle / Raum Sunderland zum Schutz begleitete (die Gruppe verlor 7 Bf 110), sollte sein letzter Einsatz als Zerstörer sein.

Nachtjäger gegen Fliegende Festungen

V. l. n. r.: Hauptmann Egmont Prinz zur Lippe-Weißenfeld, Major Helmut Lent, Hermann Göring, Major Hajo Hermann und Hauptmann Manfred Meurer, August 1943

Inzwischen wurden für die neu aufgestellten Nachtjagdgeschwader (unter Wolfgang Falck) im Rahmen der Reichsluftverteidigung gute Flugzeugführer gesucht. Lent meldete sich freiwillig, kam zur Ausbildung nach Ingolstadt, wurde am 1. Oktober 1940 Staffelführer der neu aufgestellten 6./NJG 1 (Fliegerhorst Deelen) und vernichtete bereits beim ersten Nachteinsatz in der Nacht vom 11. auf den 12. Mai 1941 zwei viermotorige Wellington-IC-Bomber der RAF. Als die Royal Air Force versuchte, in Norwegen Nachschublager aus der Luft zu vernichten, zeichnete sich Lent mit 14 Abschüssen aus. Nach 21 Luftsiegen (davon sieben am Tag) erhielt er im August 1941 das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes, am 6. Juni 1942 nach 41 Abschüssen (davon 34 Nachtsiege) das Eichenlaub zum Ritterkreuz. Bis zur Verleihungszeremonie am 28. bzw. 29. Juni 1942 hatten sich seine Nachtsiege auf 39 erhöht.

Am 1. Januar 1942 wurde er zum Hauptmann, am 1. Januar 1943 zum Major befördert und am 1. August 1943 zum Geschwaderkommodore des Nachtjagdgeschwaders 3 (NJG 3) ernannt. Lent war der erste Flugzeugführer, der mit einem Lichtenstein-Radar (im Nachtjäger Dornier Do 215 B-5) einen Abschuß erzielte.

Seine überragenden Kampfeigenschaften bei Nacht machten ihn bei den britischen Truppen zu einem Begriff; sie kalkulierten bei ihren Angriffen mit Lents Einsatz und setzten verstärkten Jagdschutz ein. Am 3. August 1943 erhielt er die Schwerter für seine verwegenen Einsätze insbesondere gegen weit überlegene Feindverbände. Nachdem er bei einem Luftkampf drei britische Bomber vernichtet hatte, wurde er von einem feindlichen Nachtjäger über der Zuidersee getroffen. Lent selber wurde verwundet, schaffte aber mit schwer beschädigter Maschine die Notlandung.

Adolf Hitler zeigte sich von dem Mut des jungen Mannes so beeindruckt, daß er ihn mehrmals zu Gesprächen einlud. Danach bestimmte der damalige Reichskanzler Lent zum kommenden Inspekteur der Nachtjäger. Da die alliierten Bomberverbände zahlenmäßig weit überlegen waren, befürwortete Lent, jeden Angriff im rollenden Einsatz durch „persönlichen Schneid“ der Nachtjäger zu stören, um die Bomberverbände auseinanderzutreiben und dann zu vernichten.

Wehrmachtberichte

  • 20. November 1941: Oberleutnant Lent errang seinen 20. Nachtjagdsieg.
  • 28. Januar 1942: Bei der Abwehr eines Angriffs britischer Bomber auf das Reichsgebiet in der Nacht vom 27. Januar erzielte eine Nachtjagdstaffel unter Führung von Hauptmann Lent und Oberleutnant Prinz zu Lippe-Weißenfeld ihren 100. Abschuß.
  • 16. Mai 1942: Hauptmann Lent errang in der Nacht zum 16. Mai seinen 30. Nachtjagdsieg.
  • 21. Juni 1942: Oberleutnant zur Lippe Lippe-Weißenfeld errang in der letzten Nacht drei Luftsiege, Hauptmann Lent erzielte seinen 35. Nachtjagdabschuß.
  • 18. Juni 1944: Oberstleutnant Lent, Kommodore eines Nachtjagdgeschwaders, schoß in der Nacht vom 15. zum 16. Juni seinen 100. Gegner ab.
  • 11. Oktober 1944: Ergänzend zum Wehrmachtbericht wurde gemeldete: Geschwaderkommodore Oberstleutnant Helmut Lent, Inhaber der höchsten deutschen Tapferkeitsauszeichnung, fand den Fliegertod. Mit ihm verliert die Luftwaffe ihren erfolgreichsten Nachtjäger, der im Kampf gegen die nächtlichen Terrorangriffe der englischen Luftwaffe 102 Luftsiege errungen hat.
Staatsakt für Oberstleutnant Helmut Lent

Fliegertod

Helmut Lent starb auf tragische Weise. Er wollte am 5. Oktober 1944 seinen alten Freund, Eichenlaubträger Hans-Joachim Jabs, in der Nähe von Paderborn besuchen. Kurz vor der Landung fiel der Motor seiner Junkers Ju 88 G-6 aus, und die Maschine fiel wie ein Stein zu Boden. Alle Besatzungsmitglieder (Bordfunker Oberfeldwebel Walter Kubisch, Kriegsberichterstatter Leutnant Werner Kark auf dem Platz des Bordschützen und Oberleutnant Hermann Klöss als zweiter Bordfunker) konnten lebend geborgen werden; Kubisch und Klöss starben noch am selben Tag, Kark am nächsten Morgen und Lent am 7. Oktober 1944 in einem Lazarett. Er wurde nur 26 Jahre alt.

Oberbefehlshaber der Luftwaffe Hermann Göring hielt beim Staatsbegräbnis in der Reichskanzlei am 11. Oktober 1944 die Totenrede. Die Ehrenwache am Sarg bestand aus den Ritterkreuzträgern Oberstleutnant Günther Radusch, Oberstleutnant Hans-Joachim Jabs, Major Rudolf Schoenert, Hauptmann Heinz Strüning, Hauptmann Karl Hadeball und Hauptmann Paul Zorner. Lent und seine Besatzung wurden am 12. Oktober 1944 unter großer Anteilnahme der Stader Bevölkerung auf dem Garnisonsfriedhof in Stade in einem Gemeinschaftsgrab beigesetzt. Postum wurde Helmut Lent zum Oberst befördert.

Lents bescheidenes Auftreten machte auch auf Adolf Hitler großen Eindruck. Die alliierten Terrorangriffe auf deutsche Städte empörten ihn:

„Ich finde den Krieg schauderhaft. Aber wenn er schon sein muß, dann sollte er mit Fairness geführt werden. Angriffe auf Frauen und Kinder, Luftminen und Phosphor auf die friedliche Bevölkerung unserer Städte – das alles ist eine Schweinerei.“

Oberst Lent hinterließ Frau und Kinder, aber auch Eltern und vier ältere Geschwister, die Brüder Werner und Joachim sowie die Schwestern Käthe und Ursula.

Familie

Lent heiratete am 10. September 1941 seine Verlobte Elizabeth Petersen, bei der es sich angeblich um die Russin Helene „Lena“ Senokosnikova gehandelt haben soll. Aus der Ehe sind zwei Kinder entsprossen: die Töchter Christina (Lebensrune.png 6. Juni 1942) sowie die am Tag vor seinem Tode geborene Helma (Lebensrune.png 6. Oktober 1944), die er nie kennenlernen durfte.

Sonstiges

1964 wurde die Bundeswehrkaserne in Rotenburg (Wümme) nach ihm benannt. Im Rahmen der BRD-Umerziehung wurde sein Namen 2006 getilgt; die nach ihm benannte Lentstraße wurde ebenfalls umbenannt.

Sotheby’s, London, versteigerte am 18. Juli 1966 zahlreiche Orden Lents. Verkäuferin war die älteste Tochter Christina, die dringend einen chirurgischen Eingriff der Mutter zahlen mußte. Anonymer Käufer (£ 500) im Auftrag des Bundesministeriums der Verteidigung war Generalleutnant a. D. Adolf Galland. Das Ministerium vermachte die wertvollen Stücke dem Wehrgeschichtlichen Museum in Rastatt. Teile der Sammlung befinden sich heute (Stand: 2015) im Militärhistorischen Museum der Bundeswehr in Dresden.

Auszeichnungen (Auszug)

Beförderungen

Literatur

Verweise

Fußnoten

  1. Veit Scherzer: Die Ritterkreuzträger 1939–1945, Scherzers Militaer-Verlag, Ranis/Jena 2007, ISBN 978-3-938845-17-2, S. 502
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