Freikorps „Oberland“

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Die Oberlandler bei der Fahnenweihe in München, 1923; Schlachtruf und Bundesgruß war „Heil Deutschland! Heil Oberland!“

Das Freikorps „Oberland“ (auch Bund „Oberland“ oder Kameradschaft „Freikorps und Bund Oberland“) war ein zur Schwarzen Reichswehr zählender Wehrverband in der Anfangsphase der Weimarer Republik. Der daraus hervorgegangene Bund Oberland bildete ab 1921 den Kern der Sturmabteilung (SA) in Bayern.

Die alten Freikorpskämpfer sammelten sich nach 1945 um Ernst Horadam und begründeten 1951 die bis heute bestehende Traditionsgemeinschaft Kameradschaft „Freikorps und Bund Oberland“.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Vor dem Ersten Weltkrieg

Zum größten Teil rekrutierte sich dieses Freikorps aus nationalen Männern des süddeutschen Raumes, besonders des bayerischen Oberlandes. Entstanden war das Korps aus Kreisen der Münchner Thule-Gesellschaft. Diese war aus dem 1912 gegründeten Germanenorden hervorgegangen und hatte sich den Kampf gegen Internationalismus, Dekadenz, Marxismus, Kommunismus und vor allem gegen das Judentum auf ihre Fahnen geschrieben. Besonders widmete man sich der germanischen Rassenpflege und warnte vor wehrkraft- und volkszersetzenden Einflüssen in Regierungskreisen während des Ersten Weltkrieges, um die militärische Niederlage und in weiterer Folge den Niedergang des deutschen Volkes aufzuhalten. Doch die Warnungen verhallten ungehört, und der Zusammenbruch des Reiches folgte im November 1918.

Gegen die Räterepublik

In Bayern wurden bereits am 7. November 1918 von dem jüdischen USPD-Mann und Kaffeehausliteraten Kurt Eisner und dem Sozialdemokraten Erhard Auer der Freistaat Bayern und die Republik ausgerufen. Weiterhin erfolgte die Bildung eines provisorischen Nationalrates.

Im Zuge dieser kommunistsch-anarchistisch Entwicklung in Bayern kam der Thule-Gesellschaft als Speerspitze der nationalen Gegenbewegung bzw. der vernunftbegabten Kräfte eine besondere Bedeutung zu. Die meisten völkischen Vereinigungen, wie etwa die „Alldeutschen“ unter Führung von Julius Friedrich Lehmann, die Mitglieder des von Theodor Fritsch gegründeten „Hammerbundes“ und der „Deutsche Schulverein“ schlossen sich der Thule-Gesellschaft an. Als in der Folge die Radikalisierung der Massen immer weitere Fortschritte machte, die Straßenkämpfe und Demonstrationen zur traurigen Regelmäßigkeit wurden, fanden sich hier Männer wie z. B. Gottfried Feder, Hans Frank und Rudolf Heß zusammen, die mit Wort und Tat gegen die Usurpatoren ankämpften und deren weltanschauliche und ideologische Hintergründe aufhellten.

Häufige Gäste in der Thule-Gesellschaft waren der Dichter Dietrich Eckhart und der spätere führende Ideologe der NSDAP Alfred Rosenberg, die durch Ansprachen, Zeitungsartikel und Flugblätter dem Volke immer wieder aufzeigten, daß nur der Nationalismus eine vernünftige Regierungsform bilden würde.

Nach Anton Graf Arco auf Valleys Fememord an Kurt Eisner in München wurde am 7. April die Münchener Räterepublik ausgerufen, was die Flucht der „rechtmäßigen“ Regierung Hoffmann nach Bamberg zu Folge hatte. Rudolf Eglhofer begann, die „Rote Armee“ aufzustellen, welche die rote Schreckensherrschaft, ausgeübt durch die in Rußland geborenen Juden Eugen Leviné, Tobias Akselrod und den in Deutschland geborenen Juden Gustav Landauer, Erich Mühsam und Ernst Toller absicherte.

Der Kampfbund der Thule ergriff Gegenmaßnahmen und begann, auf Schleichwegen Waffen in die Stadt zu schmuggeln.

Oberleutnant Heinz Kurz befaßte sich mit der Werbung für das Freikorps des Obersten von Epp, der in Ohrdruf einen Selbstschutz organisierte. Ein Unternehmen, das jedoch bald sehr schwierig wurde, weil der nach Bamberg geflüchtete „Kriegsminister“ der Hoffmann-Regierung, Schneppenhorst, die Anwerbung unter Androhung hoher Gefängnisstrafen verboten hatte. Schneppenhorst versuchte sich damit bei den Räten anzubiedern, die ihm persönlich und weltanschaulich näherstanden, als der vom Marxismus so bitter gehaßte Soldat vaterländischer Prägung. Bei Bamberg richtete dieser „Kriegsminister“ sogar eine Grenzkontrolle ein, an der die Freiwilligen abgefangen und zurückgeschickt wurden.

Sie sammelten sich wieder in München. Hieraus entstand die Gefahr, daß die Roten auf die große Anzahl von Personen, die sich bei der Thulegesellschaft einfanden, aufmerksam wurden und die Pläne der Thule durchkreuzten. Man beschloß daher, diese Männer außerhalb Münchens, und zwar bei den Bauern in Eching, unterzubringen. Dort sollten sie bereitstehen und vorläufig die Gegend vor Bolschewisten schützen. Das Kommando übernahm Hauptmann Beppo Römer. Die Bewaffnung erfolgte, indem man den Rotgardisten die Gewehre abkaufte, die dann von zwei Studenten namens Witzgall und Stecher unter Lebensgefahr nach Eching gebracht wurden. Bald sollte es zum Einsatz dieser Freiwilligenschar kommen. Im April 1919 machte die Hoffmann-Regierung den Versuch, sich mit eigenen Kräften der Isarstadt zu bemächtigen. Das Unternehmen mißlang jedoch, weil die Hoffmann-Truppen, schlecht geführt und nicht genügend diszipliniert, zu lasch vorgingen und sich bei Dachau, einem Vorort Münchens, in einen Hinterhalt locken ließen. Die Roten hatten den Bamberger Kolonnen nämlich freien Rückzug zugesagt, schossen aber, unter Bruch dieses Versprechens, auf Befehl Ernst Tollers, mit Maschinengewehren plötzlich in die Abziehenden hinein.

Das daraufhin entstandene Gefecht hätte für die Hoffmann-Truppen einen fürchterlichen Ausgang nehmen müssen, wäre zuvor nicht jeder Freischärler aus der Echinger Gegend herbeigeeilt. Ebenfalls mit einem Schnellfeuergeschütz brachten sie den Beschuß der Roten zum Schweigen und deckten auf diese Weise den Rückzug der Bamberger. Jetzt mochten Hoffmann und Schneppenhorst eingesehen haben, daß ihre eigenen Kräfte nicht ausreichen, um den Widerstand der Bolschewisten zu brechen. Sie erteilen daher am 19. April 1919 der Thulegesellschaft offiziell die Genehmigung zur Aufstellung von Freikorps.

Gleich darauf wurde das fränkische Städtchen Eichstädt zum Sammelpunkt der neuen Formation bestimmt. In den folgenden Tagen strömten Arbeiter, Bauern, Studenten – kurz, Männer aus allen Volksschichten – dorthin. Ein Freikorps entstand, dessen Kern die Truppe aus der Echinger Gegend bildete. Die meisten hatten während des Ersten Weltkrieges im deutschen Alpenkorps gekämpft. Darum nahmen sie als Emblem das Edelweiß und nannten sich „Oberland!“

Eroberung Münchens

Zur selben Zeit herrschte im Hotel „Vier Jahreszeiten“ in München eine fieberhafte Tätigkeit. In den Räumen der Thule-Gesellschaft war das Hauptquartier der rätegegnerischen Organisationen. Kuriere kamen und gingen, Freiwillige wurden angenommen. In jeder kommunistischen Sektion saßen Leute des Kampfbundes als Schreiber und Schriftführer und sammelten Erkundigungen. Durch den von Leutnant Kraus eingerichteten Nachrichtendienst erfuhr man von den beabsichtigten Aktionen der Roten Armee und konnte mehr als einmal solche Angriffe unterbinden. Alle so eingegangenen Berichte wurden an die in Nordbayern stehenden Freikorps weitergegeben. Die Überbringer, ebenso die neu Angeworbenen, reisten, da die Räte die Abreise aller Männer über 16 Jahre zu verhindern versuchten, mit Freifahrtscheinen, die der Leutnant Rudolf Heß ausgab, als Münchener Eisenbahnbeamte. Zur gleichen Zeit sandten die Juden ihre Häscher nach den antisemitischen Verschwörern aus. Sieben Mitglieder der Thule-Gesellschaft wurden verhaftet, als Geiseln zurückgehalten und später erschossen. Nur mit Mühe gelang es Dietrich Eckhardt zu entkommen. Rudolf Heß war erst am Tage vorher zum Freikorps Regensburg hinzugestoßen.

Inzwischen hatte sich der Ring der Freikorps um München geschlossen. Das Chaos in der hungernden Stadt war auf dem Höhepunkt angelangt und der Mord an den Thulegeiseln die letzte Schreckenstat der Roten. Am 1. Mai begann unter heftigen Kämpfen die Besetzung Münchens. Das Freikorps „Oberland“ drang unter der Führung des Majors von Beth zwischen der Garde-Kavallerie-Schützendivision und dem Freikorps Epp aus Richtung des Maximillianem ein.

Schrittweise nur konnten die Befreier vorwärtskommen, denn aus allen Gebäuden und von allen Dächern herab wurde ein wütendes Feuer auf sie eröffnet, selbst Frauen nahmen am Kampf teil. Einzelne Häuser mußten von den Truppen gestürmt werden. Am nächsten Tag setzte nochmals ein hartnäckiges Gefecht im Bahnhofsviertel ein, an dem auch die Oberländer beteiligt waren. Dann flaute der Kampf ab. München war von der Blutherrschaft des Räteregimes befreit.

Ruhrkampf

Ein Jahr später hatten sich auch über der Ruhr wieder die bolschewistischen Wetterwolken zusammengezogen. Seit der Novemberrevolte hatte das Gebiet keine Ruhe gehabt. Zwei schwere Aufstände waren bereits im Frühjahr 1919 unter zahlreichen Opfern mühsam beendet worden. Vergeblich hatte der kommandierende General in Münster, Freiherr Oskar von Watter, auf ein scharfes Durchgreifen gegenüber den Unruhestiftern gedrängt und eine umfassende Entwaffnungsaktion gefordert. Die Regierung aber konnte sich nicht dazu entschließen, sie glaubte, mit vorsichtigem Verhandeln die Massen beruhigen zu können. Sie sah nicht, daß sie damit nur Öl ins Feuer goß, denn die rote Kommune wußte die Zeit zu nutzen. Planmäßig wurden Lebensmittelunruhen inszeniert, Wochenmärkte gestürmt, Geschäfte geplündert und Gefängnisse geöffnet.

In diesen Hexenkessel platzte am 13. März 1920 wie eine Bombe der Aufruf zum Generalstreik, den die sozialdemokratischen Mitglieder der Reichsregierung anläßlich des Kapp-Putsches vor ihrer Flucht aus Berlin erlassen hatten. Den Kommunisten und den in ihrem Fahrwasser segelnden unabhängigen Sozialdemokraten war nun der große Anlaß gegeben, die „Diktatur der Proletariats“ nach russischem Muster zu errichten. Es nützte nichts, daß am 16. März ein Widerruf der Generalstreik-Parole erfolgte, es war längst zu spät. Überall im Revier schlugen die Flammen des marxistischen Aufruhrs hoch.

Zu den Truppen, die zur Niederringung des Aufstandes herangezogen wurden, gehörte auch das Freikorps Oberland, das hier als erstes Bataillon der Bayerischen Schützenbrigade unter Führung des Obersten von Epp kämpfte. Die Oberländer, welche die Räteherrschaft aus eigener Anschauung bereits kannten, wußten nur zu gut, was auf dem Spiel stand, als sie in den letzten Märztagen in der Nähe von Hamm entladen wurden. Auf der Fahrt waren sie der von Stuttgart nach Berlin zurückkehren Regierung Ebert begegnet. Die eindeutigen Zurufe, welche diesem aus den Soldatenabteilen entgegenschallte, waren alles andere als begeisterte Huldigungen gewesen.

Bei Pelkum hatten die Roten Verschanzungen ausgehoben, von denen aus sie gegen Hamm vorstießen. Der Angriff auf Pelkum, den man auf Befehl des Obersten von Epp am 1. April 1920 unter gleichzeitiger Umzingelung von Norden und Süden ausführte, wurde durch einen Panzerwagen und zwei Flieger unterstützt. Die in den Waldungen versteckten Marxisten ließen sich verleiten, auf die Flieger ein wütendes Schnellfeuer zu eröffnen und verrieten dadurch ihren Standort. Jetzt war es der Artillerie möglich, auf das besetzte Gehölz zu schießen und den Roten erhebliche Verluste beizubringen. Um die Mittagszeit entwickelten sich die Kompanien gegen die Bahnlinie. Es kam zu einem sehr heftigen Gefecht, in dem die Oberländer schließlich die Roten Truppen aus dem Walde südlich des Hofes Brink verdrängten und sich über das freie Gelände an den Friedhof heranarbeiten konnten.

Das Panzerauto wäre hier beinahe in die Hände der Bolschewisten gefallen. Beim Vorgehen auf einem sandigen Wege kam es zum Stehen und kam nicht weiter. Ein Zufallstreffer durch die Schießscharte tötete den Soldaten, der das vordere Maschinengewehr bediente. Der Wagen stand hilflos da.

Schon stürmten 12 bis 15 Kommunisten jubelnd heran, um sich der sicheren Beute zu bemächtigen, da gelang es im letzten Augenblick dem Fahrer, den Wagen in Gang zu setzen und zu wenden, so daß das Maschinengewehr in Tätigkeit treten konnte. Nun war es um die Angreifer geschehen. Kaum 50 Meter vom Auto entfernt, wurden sie von dem Maschinengewehr niedergemäht.

Doch am Kirchhof, der mit seinen Hügeln und Grabsteinen vorzüglich zur Verteidigung geeignet war, kam es wieder zu schwerem Kampf. Hunderte von Aufrührern saßen hier und wehrten sich hartnäckig.

Aber auch die Oberländer kämpften mit der größten Erbitterung, besonders nachdem der bei ihnen zurecht beliebte Hauptmann Spatz aus München gefallen war. Indes, abends gegen 17.00 Uhr, war das Gefecht mit der Einnahme des Friedhofs entschieden. Die flüchtenden Roten gerieten jetzt in die wirksam werdende Umfassung und wurden beinah restlos vernichtet. Wie stark Moskau an dem Aufstand beteiligt war und aus welchen Kreisen sich die roten Truppen zum Teil rekrutierten, konnte anhand der Papiere festgestellt werden, die man bei den Toten vorfand. Unter 20 gefallenen Rotgardisten befanden sich allein 16 sowjetische Nationalitäten, und die übrigen waren vier bekannte Verbrecher, die sehr erhebliche Vorstrafen hinter sich hatten. Bei nicht wenigen wurden geraubte Gegenstände und große Geldsummen festgestellt.

Kampf um Oberschlesien

Hauptartikel: Kampf um Oberschlesien

Am 9. Mai 1921 rief das Freikorps Oberland seine Getreuen zu neuen Kampfhandlungen auf. Diesmal war der Schauplatz Oberschlesien. Zum dritten Mal seit der Beendigung des Ersten Weltkrieges war ein Aufstand ausgebrochen, um dieses an Bodenschätzen und Industrie reiche Land endgültig von Deutschland abzutrennen.

Zuvor hatte auf Verlangen der Siegerstaaten (Versailler Diktat) am 21. März 1921 eine Volksabstimmung stattgefunden, bei der 60 % des oberschlesischen Volkes ihre Treue zum Reich bekundeten. Eine Willenskundgebung, deren praktisches Wirksamwerden der Führer der polnischen Insurgenten, Wojciech Korfanty, im Verein mit der in Oberschlesien regierenden Interallierten Kommission unter dem französischen General Le Rond dadurch zu vereiteln suchte, daß er seine bis ins kleinste organisierte Aufständischenarmee mobilisierte, um Oberschlesien bis zur Oder zu besetzen, um damit die Welt vor eine vollendete Tatsache zu stellen. Ende April bereits fielen die ersten Horden über das verzweifelte Land her, sengend und mordend, alles vernichtend, was nicht auf ihre Fahne schwor. Das oberschlesische Deutschtum sollte ausgebrannt werden bis auf den letzten Keim. Als die Kunde von diesen Vorgängen nach Bayern kam, wankte die Leitung der Treueschar Oberland nicht einen Augenblick, den vergewaltigten deutschen Brüdern und Schwestern zu Hilfe zu kommen, ungeachtet aller Schwierigkeiten, allen Anfeindungen und Verboten der Regierung zum Trotz.

Wieder warben die Oberländer Freiwillige. Und der Zustrom, vor allem an noch sehr jungen deutschen Männern, war nicht gering. Die bayerische Stammformation, geführt von Major Horodam und seinem Stabschef Hauptmann Beppo Römer – der später leider versagte, als er sich mit Politik zu befassen begann –, mußte sich auf Schleichwegen gen Osten durchschlagen, da die weichliche und jedem Kampfe abholde Reichsregierung das Unternehmen zu sabotieren suchte. Doch als die Frühlingssonne des 11. Mai 1921 über den Waldhöhen Oberschlesiens unterging, marschierten die ersten Trupps der Oberländer in das Städtchen Neustadt ein. Im Gleichschritt dröhnten über das Pflaster die verhältnismäßig gut ausgerüsteten Kolonnen, in deren Gefolge sich sogar Ärzte und die hilfreiche Krankenschwester Pia befanden. Noch in der Nacht wurden eilig hergestellte Aufrufe in der weiteren Umgebung verbreitet, die zur Verteidigung des Landes, zum Eintritt in das Freikorps und vor allem zur Beschaffung von Waffen aufforderten.

In kurzer Zeit konnte die Truppe durch Neueinstellungen auf die Stärke von drei Bataillonen gebracht werden. Das I. Bataillon, nach dem tapferen Gotenkönig „Teja“ benannt, führte Hauptmann Oesterreicher, das II. Bataillons unterstand Hauptmann Ritter von Finsterlin, während Hauptmann Siebringhaus an die Spitze des III. Bataillon trat. Zum I. Bataillon gehörte die Kompanie von Diebitsch mit dem 60 Mann starken Tirolerzug unter Oberleutnant Drexler, einem Innsbrucker Korpsstudenten. Die Bewaffnung der Neueingestellten war zunächst völlig unzureichend. Nicht jeder Freiwillige besaß eine Schußwaffe. Oft mußten Messer und Knüppel als Ersatz dienen. Maschinengewehre, leichte Minenwerfer oder gar Geschütze fehlten zunächst gänzlich. Man holte sich diese schlicht später von den Aufständischen als Beutewaffen.

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Eine einheitliche Uniform gab es nicht. Alte, zerschlissene Felduniformen sah man kombiniert mit oberbayerischer Tracht oder städtischen Zivilanzügen vermischt. Über mancher Brust zog sich ein buntes Studentenband. Die Patronen waren in den Taschen verstaut, die Handgranaten hingen am Riemen oder an starken Bindfäden um den Leib. Als Gepäck wurde das notwendigste im Rucksack, oft sogar in einem Pappkarton mitgeführt. Das gemeinsame Erkennungszeichen aber blieb das Edelweiß am Kragen. So buntscheckig und unmilitärisch der äußere Anblick dieser Truppe nun auch sein mochte, so einheitlich war der Freikorpsgeist, der sie beseelte: uneigennützige Vaterlandsliebe und der ungestüme Drang, deutsches Land von Terror und Invasion zu befreien.

Dazu war es höchste Zeit geworden, denn die Insurgenten schickten sich bereits an, über die Oder zu gehen und den westlich des Flusses gelegenen Teil des Abstimmungsgebietes mit ihren Horden zu überschwemmen. Der Weg nach Mittelschlesien und Breslau hätte ihnen dann offengestanden. Aber die Freikorps und mit ihnen Oberland hielten vorläufig noch auf dem rechten Oderufer bei Ratibor und Krappitz die Wacht, allerdings schwer bedrängt von der anbrandenden Flut der Aufständischen.

Erst allmählich konnte die deutsche Linie verstärkt werden, nachdem sich der Selbstschutz unter Generalleutnant Hoefer, der selbst gebürtiger Oberschlesier war, gebildet hatte. Ihm wurden sämtliche Freikorps unterstellt. General von Hülsen befehligte den südlichen Abschnitt. Zunächst glaubte General Hoefer, angesichts des zahlenmäßig und technisch weit überlegenen Gegners und der ständigen Interventionen der Interallierten Kommission, unter deren Augen die Aufstellung des Selbstschutzes erfolgen mußte, auf Offensivverhandlungen verzichten zu müssen. Als jedoch das immer stärkere Andrängen der Insurgenten die Verteidigung der Oderlinie taktisch unmöglich zu machen schien, gab er Generalleutnant von Hülsen die Genehmigung, einen Entlastungsvorstoß von Krappitz aus nach Osten durchzuführen. Das Freikorps Oberland und die ihm zugeteilte Sturmabteilung Heins waren zum Gegenstoß gegen die unaufhörlichen Vorstöße der Insurgenten vorgesehen. In der Nacht vom 20. auf den 21. Mai erfolgte um 1.00 Uhr die Bereitstellung zum Angriff.

Alte Frontsoldaten, die oft diese Stunde erlebt, standen neben blutjungen Freiwilligen, die nie eine Kugel pfeifen gehört hatten. Alle wußten, daß die kommenden Stunden hart sein würden, denn der Feind verfügte massenhaft über Geschütze und schwere Maschinengewehre. Punkt 2.30 Uhr stürmten die Stoßtrupps des I. Oberland-Bataillons unter Hauptmann Oesterreicher gegen Strebinow, die des II. unter Hauptmann von Finsterlin und des III. Bataillons unter Hauptmann Siebringhaus gegen die Kalköfen von Gogolin und die Sturmabteilung Heinz, bei der Albert Leo Schlageter als Kompanieführer stand, gegen die Sprentschützer Höhlen vor. Heftiges Feuer empfing sie und die nachfolgenden Schützenlinien. Trotzdem wurde nach 15 Minuten das Dorf Strebinow, dessen Verteidigung Franzosen leiteten, genommen. Kurze Zeit danach erreichte das Bataillon Oesterreicher die Höhe 209 und das Dorf Sakrau. Auch die beiden anderen Bataillone erlangten nach verhältnismäßig kurzer Zeit die festgesetzten Angriffsziele. Die feindliche Feuerüberlegenheit wurde durch den ungeheuren Elan der Bayern wettgemacht, die dem Gegner im Nahkampf mit Kolben und Messern zusetzten.

Doch gegen die gewonnene Linie setzte bald ein starker Gegenstoß des Feindes vom Annaberg her ein. Aber im Feuer der Oberländer brachen die ersten Wellen zusammen, der Rest flutete in wilder Unordnung zurück. Diese Schlappe des Gegners wurde von den Deutschen sofort ausgenutzt. Beharrlich in ihrem Angriffsgeist, flossen sie in unaufhaltsamem Lauf bis an den Fuß des Annaberges vor. Die Orte Jeschona und Dombrowka wurden vom I. Oberland-Bataillon gestürmt, das II. Bataillon ging auf Oleschka vor, während Dallnie von der tapferen Sturmkompanie von Eicken genommen wurde, die sich dem Angriff freiwillig angeschlossen hatte. Niederellguth und Oberellguth besetzten das Bataillon Siebringhaus und die Abteilung Heinz, die nun bereits die Westspitze des Annaberges umfaßt hatte. Damit war die befohlene Linie erreicht.

Die Truppen jedoch drängten vorwärts. Vor ihnen lag der Schlüsselpunkt der gegnerischen Stellung, der förmlich zu einer Festung ausgebaute Annaberg. In einer Höhe von 400 m erhebt sich dieses Wahrzeichen Oberschlesiens aus den Oderniederungen. Seine Spitze krönt ein Kloster, dessen Türme weit ins Land schauen. Der Besitz dieses Berges, der dem Feind ein ähnliches Symbol bedeutet wie den Franzosen im Ersten Weltkrieg die Lorottohöhe, hatte mehr als nur militärische Bedeutung.

Major Horodam und sein Stabschef Römer entschlossen sich deshalb am 21. Mai 1921 – ohne Wissen der höheren Führung – zu dem Wagnis, den Berg zu nehmen. Der erste Schritt hierzu war die Einnahme des zäh verteidigten Oleschka, vor dem das Bataillon Finsterlin lag. Ob die Höhe 310 am Walde von Wyssoka, durch den das Bataillon Oesterreicher zum Angriff auf den Annaberg angesetzt werden sollte, vom Feinde besetzt war, wußte man nicht. Kavallerie zur Erkundung stand nicht zur Verfügung. Es blieb darum nur übrig, daß Major Horodam die Patrouille mit seinem Stabe selber ritt. Vier Reiter nur waren es, die ihn bei seinem raschen Galopp auf die Höhe begleiteten, und doch gelang es, die letzten Posten des Feindes zu vertreiben. Offiziere und Mannschaften konnten nun zwei Feldgeschütze, die bei Sakrau erobert worden waren, den steilen Berghang emporwuchten, um den Gegner mit vernichtendem Feuer alsbald in den Rücken zu fallen. Eine seitlich angefahrenen Batterie der Insurgenten mußte schleunigst das Feld räumen. Wenn man jetzt noch das Dorf Oleschka eroberte, waren die Haupthindernisse für die Erstellung des Annaberges beseitigt. Von nur acht Männern begleitet, unterzog sich Hauptmann von Finsterlin dieser Aufgabe und griff den Feind plötzlich in der Flanke an. Die überraschten Insurgenten glaubten sich einer stärkeren Abteilung gegenüber und gaben Oleschka auf.

So waren die letzten Vorbereitungen getroffen. Um 11.00 Uhr begann der Sturm auf Oberschlesiens heiligen Berg. Glutheiße Strahlen sandte die Sonne auf das sommerliche Land. Zwischen den Bäumen des riesigen Wyssoka-Forstes flimmerte die Luft, die bald erfüllt war vom Bersten der Zweige, vom Knacken des Unterholzes, vom Dröhnen der Schüsse des gegen den Annaberg hervortretenden Bataillons Oesterreicher. Auch von Norden und Westen her brandete Kampfeslärm auf. Die Kompanie von Eicken und die Sturmabteilung Heinz rückten aus diesen Richtungen vor. Verzweifelt wehrte sich der Gegner. Doch immer wieder brachen die Deutschen vor. Meter um Meter, weder den Tod nach Strapazen scheuend, gewann sie Boden, kämpften mit verbissener Wut, bis sie die Bergkuppe erreicht hatten und der Gegner in wilder Flucht die Stellung verließ. Um 12.10 Uhr erschallten Hurras vom Annaberg, und über dem Kloster ging die Schwarzweißrote Fahne hoch.

So war eine geradezu ungeheure militärische Leistung vollbracht worden. Noch nicht einmal 1.000 Mann hatten eine vielfache, bis an die Zähne bewaffnete Übermacht aus ihrer glänzend befestigten Feldschanze vertrieben, ohne selbst über mehr denn einige Maschinengewehre und zwei eroberte Feldgeschütze zu verfügen. Dabei hatten die Aufständischen über tausend Tote zu beklagen.

„Wir sind wieder wer.“ sagte einer der Oberländer nach dem Sturm. In diesen schlichten Worten drückte sich der ganze Stolz des Freikorps aus, das dem deutschen Volk in einer Zeit der Erniedrigung gezeigt hatte, wessen eine von Gemeinschaftsgeist erfüllte kleine Schar fähig war.

Den Verlust des Annaberges konnten die Insurgenten nicht leicht verschmerzen. Aufgestachelt und unterstützt von den Franzosen, wollten sie ihn mit allen Mitteln wieder nehmen. Am 23. Mai griff der Feind mit starken Kräften wiederum den Südabschnitt bei Leschitz an. Mit eiserner Ruhe ließen die Oberländer den Gegner so weit vorrücken, bis er seinen rechten Flügel entblößt hatte. Da stieß ihm das Bataillon Oesterreicher vernichtend in die Flanke. In kurzem Ansturm wurden Lichinia und Salesche genommen. Viele Tote und Gerät ließ der Feind zurück. Derweil hatte das II. Bataillon vor Olschowa den härtesten Kampf zu bestehen.

Mit lautem Hurra brachen die Oberländer aus ihrer Stellung hervor. Als sie vor den Ortsrand gekommen waren, schlug ihnen ein vernichtender Geschoßhagel entgegen. Ein Kompanieführer, Leutnant Lüdemann, wurde durch eine schwere Schußverletzung zu Boden geworfen. Ungeachtet der Verwundung feuerte er seine Getreuen zum Standhalten gegen den überlegenen Gegner an: „Kameraden, haltet die Stellung!“ beschwor er sie, bis ihn wieder eine Kugel traf. Mit letzter Kraft rief er seiner Kompanie nach: „Haltet dem Vaterland die Treue, wie ich sie gehalten habe bis zum Tode!“

Dann schoß ein Blutstrom aus seinem Munde. Wenige Augenblicke später starb er; gefallen für ein deutsches Oberschlesien.

Die Kompanie aber und mit ihr das ganze II. Bataillon der Oberländer harrte auch auf ihrem Posten aus. Immer mehr schmolz sie zusammen. Da schwenkten die Aufständischen plötzlich schwarzweißrote Fähnchen und gaben zu verstehen, daß sie heimattreue Oberschlesier seien. Als die Oberländer sich ihnen näherten, empfing sie auf 50 m ein heftiges Maschinengewehrfeuer. Sie warfen sich nieder, aber sie wichen nicht. Nun faßte der Kommandeur seine letzten Männer zusammen, Schreiber und Fahrer wurden mit den Gewehren der Verwundeten ausgerüstet, und mit Handgranaten dem Feinde entgegen. Nach zähem Nahkampf standen nur noch 67 Mann des Bataillons Finsterlin am Ortsrand vom Oschowa als Sieger da.

Noch aber hatten die Kämpfe ihr Ende nicht erreicht. Am 4. Juli fand der Sturm auf das Städtchen Slaventeitz statt. Wieder bluteten die Oberländer, selbstlos und treu bis zum letzten Mann. Die Geschütze waren in schweres Maschinengewehrfeuer geraten. Die gesamte Bedienung lag am Boden. Da bediente Leutnant Spahn sein Geschütz allein, ohne Unterlaß, Schuß auf Schuß in die heranwogende feindliche Welle feuernd. Vor ihm lagen die Freiwilligen Thoma und Müller, die Stellung gegen eine Abteilung von 60 Insurgenten verteidigend, bis auch sie tödlich getroffen zusammenbrachen.

Auf Kalinow aber ging das Oberland-Bataillon Siebringhaus vor, einen siebzehnjährigen Fahnenträger in seinen Reihen. Bei dem verlustreichem Nahkampf erhielt er Hals- und Brustschüsse zugleich. Als er niedersank und die Fahne seiner Hand entfiel, beugte sich der Bataillonskommandeur über ihn und hörte den Sterbenden die Worte sprechen:

„Sagen Sie meinem Vater, daß sein Sohn gefallen ist, er hat die Fahne getragen und sie nicht aus der Hand gegeben, solange er lebte.“

Nach dem 4. Juni flauten die Kämpfe ab. Das Freikorps Oberland wurde mit anderen Formationen aus Oberschlesien herausgezogen, nachdem zwischen Deutschland und Polen die Grenze festgelegt und von beiden Regierung anerkannt worden war. 52 Oberländer haben in Oberschlesien die Liebe zu Volk und Reich mit dem Tode besiegelt. Blieb auch der letzte Erfolg – die Befreiung von ganz Oberschlesien – versagt, so darf kein Zweifel darüber herrschen, daß ohne den Einsatz des Selbstschutzes und besonders der Oberländer das zu jener Zeit von den Polen besetzte Gebiet für Deutschland verloren gewesen wäre.

Ruhrbesetzung

Hauptartikel: Ruhrbesetzung

Wieder zwei Jahre später (1923) fanden sich Oberländer in der Abwehrfront an der Ruhr, da Frankreich dieses Gebiet mit eisernem Griff gepackt hatte. Mit der Ausplünderung der reichen Kohlenschätze sollte sogleich begonnen werden. Hier auf jede erdenkliche Art Widerstand zu leisten, war das Ziel der aktiven Kämpfer, darunter auch der Oberländer.

Eine der wichtigsten Transportwege für die Abfuhr der Kohle war der Rhein-Herne-Kanal. Um den Franzosen die Wegschaffung der im nördlichen Ruhrgebiet liegenden Kokslager unmöglich zu machen, hatte man in der Oberland-Abwehrzentrale beschlossen, den Kanal bei Henrichenburg zu sprengen. An dieser Stelle war der Kanal in ein Betonbett gefaßt und kreuzte die unter ihm fließende Emscher. Die Sprengung war ein Wagnis, um so schwieriger und gefährlicher, als daß in dem nur wenig entfernt liegenden Ausflugslokal „Wartburg“ ein feindliches Kommando lag, das die Strecke von Posten begehen ließ.

In der Nacht zum 7. April machte sich ein kleiner Trupp von vier Oberländern und zwei mit Sprengung vertrauten Steigern auf den Weg. 100 Kilo Dynamit hatte man bei sich. 50 Kilo sollten davon unter dem die Emscher überbrückenden Gewölbe eingesetzt und zwei weitere Ladungen von je 25 Kilo auf dem Boden des Kanalbettes zur Entzündung gebracht werden. Um den Sprengkegeln die größtmögliche Wirkung zu geben, wollte man die auf der Emscher anzubringende Ladung mittels eines Floßes bis unter die Mitte des Kanalgewölbes vortreiben. Stundenlang plagte sich der Trupp in der stetigen Furcht, von den französischen Posten gefaßt zu werden. Doch als die Morgendämmerung heraufzog, war es geglückt, Floß und Ladung an die richtige Stelle zu bringen. Die Zündschnüre wurden in Brand gesetzt. Um 5.23 Uhr – es war mittlerweile hell geworden – zerriß eine gewaltige Detonation die Morgenstille. Die Wasser des Kanals stürzen tosend in den Emscher und überfluteten weithin das Gelände.

Der Kanalspiegel begann zu sinken, die zahlreichen, mit geraubtem Koks beladenen Kähne verloren ihr Gleichgewicht und legten sich auf die Seite. Der Zweck war erreicht und für Monate war an dieser Stelle den gallischen Eindringlingen das Handwerk gelegt worden.

Als einer der Oberländer am Vormittag desselben Tages unter einer Menge von Neugierigen an die Stätte seines nächtlichen Wirkens pilgerte, sah er dort die Generalität der Ruhrarmee erregt gestikulierend beieinanderstehen. Einige Gesprächsfetzen fing er auf: „Ces salauds …“ (diese Schweinehunde), „Mais on les aura …“ (aber man wird sie kriegen). Man hat sie nicht erwischt, obwohl die Oberländer auch im weiteren Verlauf des Krieges treu ihre Pflicht getan haben.

Spaltung

Die bisherige rein militärische Form des Freikorps Oberland konnte in der folgenden Zeit nicht aufrechterhalten werden. Begründet lag diese Tatsache vor allem darin, daß die Verhältnisse im Reich ein politisches Soldatentum und damit auch eine andere Form gebieterisch erheischten, die dem wesentlich erweiterten Aufgabenkreis dienlich war. Diese Notwendigkeit von Anbeginn erkannt zu haben, bleibt das Verdienst Dr. Friedrich Webers, der sich nach Abschluß der oberschlesischen Kämpfe in der Zentrale des Freikorps durchzusetzen begann. Weniger klar in seinem politischen Blick erwies sich Hauptmann Römer, der viel zu einer später erfolgten Spaltung der Oberländer beigetragen hat. Ein Teil von ihnen befaßte sich schon lange mit nationalsozialistischem Gedankengut, darunter etwa 40 der heimkehrenden Annabergstürmer, die auf Veranlassung ihres Kameraden Josef Lack im Juli 1921 an einer Münchner Versammlung der NSDAP teilnahm. Hierbei kam durch Vermittlung Dietrich Eckarts, der einer der treibenden Kräfte zur Gründung des Freikorps gewesen war, auch Josef Lack zu Wort.

Er schilderte das schwere Ringen um das deutsche Erbe im Osten und führte berechtigt Klage über die wirtschaftliche Not der Heimgekehrten, besonders der Verwundeten. Da war es für die Münchner Parteigenossen einfach verständlich, daß sie sich der Oberschlesier-Kämpfer sofort annahmen. Diese traten noch am gleichen Abend der SA bei und gehörten seitdem zum Stamm des „Regiments München“, das unter Führung des Oberleutnants Brückner stand. Die übrigen Oberländer blieben zunächst um Hauptmann Römer geschart. Es entstand auf diese Weise der Bund „Oberland“, der bald unter manchen Erschütterung über die Grenzen Bayerns hinauswuchs. Eine Klärung der politischen Gesamthaltung des Bundes in Bezug auf Nationalsozialismus aber zeigte sich erst an, als man sich im Februar 1923 unter dem Einfluß des neuen Führers, Dr. Friedrich Weber, entschloß, mit der SA dem Bund „Reichsflagge“ und der Organisation „Niederbayern“ (später „Unterland“ genannt) zu einer „Arbeitsgemeinschaft der vaterländischen Kampfverbände“ zusammenzutreten. Damit war die Grundlage für den „Deutschen Kampfbund“ gegeben, der am 2. September 1923 anläßlich des Deutschen Tages in Nürnberg von Adolf Hitler geschaffen und fortan geführt wurde.

Straffe militärische Schulung, Disziplin und Tapferkeit blieben auch künftig die hervorragenden Eigenschaften der Oberländer, die sie nicht zuletzt am 8. und 9. November 1923 bewiesen haben. Mögen nach diesen Ereignissen bei dem allenthalben einsetzenden Wirrwarr im völkischen Lager auch einige Teile des Bundes gegen den Willen ihres Führers Dr. Weber, der mit Adolf Hitler die Festungshaft in Landsberg teilte, von der Bewegung abgesplittert sein, so bleibt im ganzen doch nur festzustellen, daß die Mehrzahl der Oberländer weiterhin zu den treuesten Gefolgsleute des Führers zählte.

Bereits 1930 kam es zu Differenzen innerhalb des Bundes, da die relativ starke österreichische Fraktion den austrofaschistischen Heimwehrführer Fürst Ernst Rüdiger von Starhemberg zum Bundesführer wählte. Dies veranlaßte über Dreiviertel der reichsdeutschen Gruppen, den Bund Oberland zu verlassen. Auch die Nationalrevolutionäre unter Führung von Sondermann, Drexel und Tröger traten geschlossen aus, unterstellten sich als „Oberlandkameradschaft“ geschlossen dem Nationalbolschewisten Ernst Niekisch und wandten sich gegen die dem Nationalsozialismus zugeneigte Gruppe um Dr. Weber.

Der ehemalige Stabschef des Freikorps und Planer des Sturms auf den Annaberg Josef Römer trat zum kommunistischen „Scheringerkreis“ über und wurde zum mit diktatorischen Vollmachten ausgestatteten Führer einer bereits 1920 gegründeten Geheimorganisation namens „Bund Oberland“. 1939/40 baute Römer mit alten Freikorpskameraden und ehemaligen Mitarbeitern des „Aufbruch-Arbeits-Kreises“ Widerstandsgruppen in München und Berlin auf. Mit seinen Leuten verbreitete er im Zweiten Weltkrieg Flugblätter, die das Volk zum Aufstand gegen die deutsche Regierung aufstachelte, bis er 1942 verhaftet und 1944 hingerichtet wurde.

Nachkriegszeit

Die Kameradschaft Freikorps und Bund Oberland besteht heute noch als Traditionsverband ehemaliger Freikorpsangehöriger, der von einigen Autoren als rechtsextreme Vereinigung beschrieben wird. In Schliersee fand bis einschließlich 2006 jährlich im Rahmen eines Gottesdienstes ein Totengedenken für die Gefallenen des Freikorps von 1921 statt. Nach Aussagen des Vorstandes der Landsmannschaft der Oberschlesier ist die Veranstaltung in der Vergangenheit regelmäßig vom Landesamt für Verfassungsschutz Bayern beobachtet worden.

Es erfolgte jedoch weder eine Aufnahme in den Bundes- noch in den Landesverfassungsschutzbericht, da nach Aussagen des Pressesprechers des Bayerischen Landesamtes für Verfassungsschutz gegenüber dem BR-Magazin „Der Zeitspiegel“ am 16. Mai 2007 weder die Veranstaltung noch der Traditionsverband „Kameradschaft Freikorps und Bund Oberland“ Beobachtungsobjekt seien. Zu den regelmäßig an der Veranstaltung teilnehmenden Organisationen gehörten die Landsmannschaft Schlesien, die Landsmannschaft der Oberschlesier und die Junge Landsmannschaft Ostpreußen. Des weiteren beteiligten sich Einzelpersonen aus unterschiedlichen nationalen Organisationen wie beispielsweise der NPD, der JN oder auch aus Studentenverbindungen wie der Burschenschaft Danubia.

Seit 2007 findet das Gedenken in einem sehr kleinen Rahmen statt. Im Jahr 2008 versuchten unterschiedliche nationale Jugend- und Nachwuchsorganisationen erfolglos an die Tradition der Annaberg-Gedenkfeiern anzuknüpfen.

Bekannte Mitglieder (Auswahl)

Das 1945 von den VS-Amerikanern geschleifte Denkmal des Freikorps Oberland am Weinberg in Schliersee für die in Oberschlesien Gefallenen
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Filmbeitrag

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Freikorpsgedenken in Schliersee 2007

Literatur

Verweise

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