Germania (SS)

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Ärmelraute der Germanischen SS für Mannschaften und Unteroffiziere (Unterführer)

Die Bezeichnung Germania war bei der SS und Waffen-SS der Name einer Standarte bzw. eines Regiments sowie die Bezeichnung einer Sammelbewegung ausländischer Freiwilliger germanischer Abstammung der Schutzstaffel im Freiheitskampf gegen den Bolschewismus in Europa während des Zweiten Weltkrieges. Erster Ritterkreuzträger der Germanischen SS war Gerardes Mooyman.

Hans-Jörg Hartmann von der SS-Standarte „Germania“/VT

Standarte und Regiment

Kampfgruppenführer SS-Gruppenführer und Generalleutnant der Waffen-SS Herbert Otto Gille besucht unweit des „Festen Platzes Kowel“ den Gefechtsstand von SS-Sturmbannführer Franz Hack, Kommandeur des III. (schweren) Bataillons des SS-Panzergrenadier-Regiments 9 „Germania“, März/April 1944. Es sollte die letzte erfolgreiche Kesselschlacht der Wehrmacht werden.[1]

Standarte

  • SS-Standarte „Germania“ der Verfügungstruppe
    • SS-Standarte 3 „Germania“ (vor dem 14. Dezember 1934; bis dann trug die SS-Standarte „Deutschland“ die Nr. 2)
    • 2. SS-Standarte „Germania“

Regiment

  • SS-Division „Wiking“ (vom 1. bis 20. Dezember 1940 hieß sie vorübergehend SS-Division (mot.) „Germania“)
    • SS-Regiment „Germania“/SS-Division (mot.) „Wiking“
    • SS-Panzergrenadier-Regiment „Germania“/SS-Panzergrenadier-Division „Wiking“
    • SS-Panzer-Grenadier-Regiment 9 „Germania“/5. SS-Panzer-Division „Wiking“

Germanische SS

Angetretene Männer des Finnischen Freiwilligen-Bataillons der Waffen-SS
Hauptquartier des Schalburg-Korps in Kopenhagen, Dänemark 1943
Von links: Thorvald Thronsen (Stabschef des Hird), Arthur Quist (Frewilligen-Legion Norwegen), Jonas Lie (Polizeipräsident), Carl Haakon Langlie (Quislings Adjutant), Karl Leib (Germanische Leitstelle) und Vidkun Quisling (Nasjonal Samling).

Leitstelle der Germanischen SS

„Die Leitstelle der Germanischen SS wurde 1941 durch Heinrich Himmler geschaffen und Gottlob Berger unterstellt. Dienststellenleiter war Karl Leib [Anm.: Schwiegersohn von Gottlob Berger] und hatte ihren Sitz in Oslo. Bis zum Jahr 1943 war sie unter der Anschrift Drammensveien 99 und danach unter Colbjørnsens gate 1 erreichbar. Sie gab die Zeitschriften ‚Germansk Budstikke‘ und ‚SS-Heftet‘ heraus. Dr. Hans Schwalm leitete im Rahmen der ‚Leitstelle der Germanischen SS‘ eine Sektion des nationalsozialistischen Ahnenerbes. Aufgabe der Leitstelle war die Betreuung, organisatorische Verwaltung und Aus- und Fortbildung jener NS-ähnlicher Organisationen, die von Heinrich Himmler in seiner Eigenschaft als Reichsführer-SS in die Allgemeine SS aufgenommen wurden. So wurden beispielsweise Mitglieder der Germanischen SS in Nederland als Mitglieder der Allgemeinen SS über die ‚Leitstelle‘ verwaltet und von dieser der Waffen-SS für eine Dienstverpflichtung überlassen. Die ‚Leitstelle der Germanischen SS‘ vertrieb in den germanischsprachigen Ländern Niederlande, Belgien, Dänemark und Norwegen Rekrutierungsbüros der Waffen-SS.“[2]

1942 erfolgte der Ausbau der Germanischen Freiwilligen-Leitstelle zur Zentralstelle für die germanische Arbeit der Parteigliederungen (SSHA VI). Hierzu gehörte die Zusammenarbeit und die Abgrenzung der Zuständigkeiten in den Bereichen Germanische Leitstelle und SS-Sport zwischen dem SS-Hauptamt und dem Reichssicherheitshauptamtes. Ebenso wurde die Zusammenarbeit mit der Reichspost zur Erleichterung der Auslands- und Inlandsarbeit der SS intensiviert. Willy Damson, Leiter des Hauptamtes II des Reichsschatzmeisters der NSDAP, erhielt die Bevollmächtigung zur Vertretung des Reichsschatzmeisters in dessen Zuständigkeiten hinsichtlich der Germanischen Freiwilligen-Leitstelle. Im Sommer 1942 erhielten die Höhere SS- und Polizeiführer in den germanischen Ländern die Dienstaufsicht über die Arbeit der Dienststellen der Germanischen Freiwilligen-Leitstelle. Die Partei „Der Reichsbund“ in Finnland unter Professor für Augenheilkunde Mauno Vannas (1891–1964) mit 30 Professoren stand der „Germanischen Leitstelle“ nahe. Die „Germanischen Leithefte“ hatten alleine in Norwegen eine Auflage von 15.000 Exemplaren. Den Aufbau einer Germanischen Leitstelle in Reval kam kriegsbedingt nicht mehr zustande.

Die Leitstelle betrieb eine SS-Schule gepaart mit einem Ausbildungslager sowohl in Sennheim (Elsaß) als auch in Avegoor (Niederlande). In Sennheim wurden die „Estland-Schweden“, aber auch die „Sennheimski“ geschult, die germanisch eingestellten Männer der Hlinka-Garde. Ebenfalls eine Ski-Kompanie für die Eismeerfront. In Avegoor fanden laufend Lehrgänge statt, die auch SD-Männer einschlossen. Die Schule Schoton (Flandern) wirkte wie Avegoor und Kongsvinger. Ebenso erfolgte eine „Germanische Führerschulung“ in Hildesheim und Tölz. Es gab SS-Stätten in Hoeveltegaard (Dänemark) und Burg Kongsvinger (Norwegen; vierwöchige Lehrgänge à 60 Mann), aber auch das von Franz Riedweg gegründete „Panoramaheim“ in Stuttgart als Anlaufstelle für die Freiwilligen aus der Schweiz. Beispiel Hoeveltegaard: 15. Oktober 1942 wurde in dem Erholungs- und Kurheim, 1942 von der Leitstelle gekauft, auch die dänische SS-Schule angefangen mit Hauptsturmführer Dirck Bonnek als Chef und SS-Untersturmführer Søren Kam als Schulleiter. Ab Januar 1943 wurde es zum Wohnsitz für das Schalburg-Korps („Schule Hoveltegaard = Kriegsfreiwilligensammelstelle der Waffen-SS. Clausen hält dort Kurse für seine SA-Männer ab zur Aufstellung eines Schalburg-Korps. Der 1. Kurs geleitet von Hauptsturmführer Bonnek“). Ab 1944 Lazarett und 1945 Flüchtlingslager.

Freiwilligen Verbände

Im Unterschied zur Regimentsbezeichnung „Germania“ handelte es sich bei der Germanischen SS (auch Germanische-SS) um freiwillige Verbände der Allgemeinen SS aus Nordgermanien, den Niederlanden und Flandern. Zuweilen werden auch die Freiwilligen aus Finnland und Estland der Germanischen SS zugerechnet, dies ist jedoch militärhistorisch strittig.

Militärische Ausbildung der germanischen Offiziere

„1. Die militärische Ausbildung sämtlicher für die Übernahme in die Waffen-SS in Betracht kommenden germanischen Offiziere erfolgt im Rahmen eines Lehrganges für germanische Offiziere an der SS-Junkerschule Tölz.
2. Kein germanischer Offizier darf mit seinem in der früheren Wehrmacht innegehabten Dienstgrad in die Waffen-SS oder Legion übernommen werden oder in Angleichung an seinen früheren Dienstgrad befördert oder eingestuft werden, bevor er nicht an dem Offiziers-Lehrgang teilgenommen und dort den Nachweis für den in Frage kommenden Dienstgrad geführt hat.
3. Die Teilnahme ist abhängig von dem Ergebnis einer Prüfung durch einen Eignungsprüfer des SS-Hauptamtes über die rassische Eignung des Bewerbers.
4. Die Übernahme und Beförderung erfolgt durch eine besondere Prüfungskommission, die den Bewerber bei Abschluß des Lehrganges auf seine Leistung und weltanschauliche Haltung zu überprüfen und beurteilen hat.
5. Die Prüfungskommission setzt sich zusammen aus:
  • dem Kommandeur der Schule,
  • einem Führer des SS-Führungshauptamtes, Amtsgruppe B, Amt XI,
  • einem Führer der Amtsgruppe D ‚Germanische Leitstelle’.
6. Die Auslese wird nach folgenden Gesichtspunkten durchgeführt:
  • Eignung für die Übernahme als Führer der Waffen-SS,
  • Eignung für die Übernahme als Führer in den Legionen der Waffen-SS
  • Nichteignung
Die zu 6a genannten germanischen Offiziere haben ihren Wunsch, in die Waffen-SS übernommen zu werden, durch Ausfüllung eines A.- und V.-Scheines zum Ausdruck zu bringen.
7. Auf Grund des Ergebnisses der Prüfung erfolgt die Übernahme in die Waffen-SS bzw. Legion der Waffen-SS mit dem Dienstgrad, der dem früheren Dienstgrad in der außerdeutschen Wehrmacht entspricht, sofern die Prüfungskommission nicht einen anderen Dienstgrad für angemessen hält.
8. Während des Lehrganges tragen die Teilnehmer in und außerhalb des Dienstes, auch soweit sie der Waffen-SS oder Legion nicht angehören, die von der Waffen-SS gestellte Uniform mit dem Dienstgradabzeichen eines SS-Unterscharführers. Diese Regelung bedeutet keine Beförderung zum SS-Unterscharführer, sondern lediglich eine Beleihung mit dem Dienstgrad für die Dauer des Lehrganges und hat auf die Besoldung, die nach besonderem Befehl erfolgt, keinen Einfluß.“[3]

Sonderfall Schweden

Die mindestens 400 bis 500 Männer und Frauen (Wehrmachtshelferinnenkorps) Schwedens, die sowohl bei Wehrmacht als auch SS dienten gehörten zu den germanischen Freiwilligen, da aber ihre Zahl nicht groß genug war (ihre Regierung hatte, im Gegegensatz zu anderen Ländern, ihnen den Dienst für Deutschland verboten, duldeten aber dies inoffiziell), bildeten sie keine eigene Legion, keinen eigenen Verband. Bei der Waffen-SS dienten Schweden bei den Divisionen „Wiking“, „Nordland“, aber auch „Leibstandarte“, z. T. verteidigten sie Seite an Seite mit „Charlemagne“ und anderen den Führerbunker während der Schlacht um Berlin.[4]

Sonderfall Schweiz

Dr. Riedweg war es nicht gelungen, die Germanische SS Schweiz und dann 1944 den Schweizer Sportbund (SS) zu etablieren, da die Schweizer Regierung alles unternahm, um die Neutralität aufrechtzuerhalten. Viele Deutschschweizer erhofften sich einen Anschluß an das Deutsche Reich ähnlich dem Beitritt Österreichs, aber die politischen Pläne waren nicht ausgereift und nach dem Fall Achse, als der Waffenbruder Italien nun zum Feind wurde, ließ jedweden Druck auf die Instanzen der Schweiz seitens der Reichsregierung als zu gewagt, da man nicht eine weitere mögliche Front etablieren wollte.

Personen

Architekt der „Germanischen SS“ als soldatisch-politische Elite eines neuen Europas unter deutscher Führung war Dr. Franz Riedweg. Chef des SS-Hauptamtes, dem die Leitstelle der Germanischen SS unterstand, war Gottlob Berger. Lehrgänge für germanische Offiziere fanden u. a. an der SS-Junkerschule Bad Tölz statt.

Nachkriegs-Repressalien

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden viele Angehörige der Germanischen SS (wie auch andere ausländische Freiwillige der Wehrmacht und der Waffen-SS) von ihren jeweiligen Heimatländern als „Landesverräter“ vor Gericht gestellt, obwohl ihre Mitgliedschaft, bis aufwendige Ausnahmen, völkerrechtlich konform war. Schauprozesse wurden in mehreren europäischen Ländern wie den Niederlanden, Norwegen und Dänemark durchgeführt.

Germanische Verbände (Auswahl)

SS

Waffen-SS

Hohe Ordensträger germanischer Freiwilliger (Auswahl)

Norwegen

Dänemark

Schweden

Niederlande

Estland

Finnland

Dienstgrade (Vergleich)

Äquivalenter SS Rang Niederlande/Belgien Norwegen Dänemark
SS-Obergruppenführer SS-Oppergroepsleider
SS-Gruppenführer SS-Groepsleider Stabsleder
SS-Brigadeführer SS-Brigadeleider SS-brigadefører
SS-Oberführer SS-Opperleider SS-nestbrigadefører
SS-Standartenführer SS-Standaardleider ‡ SS-standartfører Oberst
SS-Obersturmbannführer SS-Opperstormbanleider SS-neststandartfører Oberstløjtnant
SS-Sturmbannführer SS-Stormbanleider SS-stormbannfører Major
SS-Hauptsturmführer SS-Hoofdstormleider SS-høvedsmann Kaptajn
SS-Obersturmführer SS-Opperstormleider SS-stormfører Overløjtnant
SS-Untersturmführer SS-Onderstormleider SS-neststormfører Løjtnant
SS-Sturmscharführer Fændrik
SS-Hauptscharführer SS-Hoofdschaarleider SS-troppfører Stabsvagtmester
SS-Oberscharführer SS-Opperschaarleider SS-nesttroppfører Obervagtmester
SS-Scharführer SS-Schaarleider SS-lagfører Vagtmester
SS-Unterscharführer SS-Onderschaarleider SS-nestlagfører Obertropsfører
SS-Rottenführer SS-Rottenleider SS-rodefører
SS-Sturmmann SS-Stormman SS-stormmann Tropsfører
SS-Mann SS-Man SS-mann Schalburgmand
SS-Anwärter SS-Maat

Siehe auch

Literatur

  • Hugh Page Taylor: Die Germanische SS 1940–1945 – Aufstellung, Bekleidung, Abzeichen, Ausrüstung, Ausstattung, Podzun-Pallas (1994), ISBN 978-3790905182

Fußnoten

  1. Die Kampfgruppe „Gille“ mit 5000 Mann, davon 2000 Verwundete, Überlebende der vorhergehenden Kesselschlacht von Tscherkassy, wurde durch zehn sowjetische Divisionen in der Stadt eingeschlossen. Unter den Eingeschlossenen waren auch 500 Angehörige der Deutschen Reichsbahn, auch weil Kowel seit Ende 1941 zu einem stark frequentierten Knoten für Fronturlauberzüge aus dem Südosten ausgebaut wurde. Während der 21 Tage des Kessels konnten die Eingeschlossenen nur aus der Luft versorgt werden. Ein Entsatzangriff der 131. Infanterie-Division, der 4. und 5. Panzer-Division und der 5. SS-Panzer-Division „Wiking“ schuf am 4. April 1944 eine Verbindung zu den deutschen Linien. Binnen zweier Tage konnten alle Truppen und Panzer aus dem Kessel befreit werden. Das Kampfgeschwader 55 flog vom 31. März bis 7. April 1944 Einsätze mit 221 Feindflügen und 274.650 kg Nachschub in den Kessel. Oft waren waghalsige Anflüge im Tiefflug gefordert worden, um die Versorgungs-Bomben in den Festen Platz Kowels abwerfen zu können. Auch die starke Flak-Abwehr der Russen bereitete dem KG 55 schwere Probleme bei den Anflügen. Auch die blauen Eisenbahner verteidigen Kowel: Das waren die Männer in blauer Uniform der Reichsbahn, die vor der Einschließung Kowels noch nie eine Waffe in den Händen hielten. Bataillonskommandeur Franz Hack wurde für seine verwegene Führung während der Kesselschlacht am 14. Mai 1944 mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet.
  2. Leitstelle der Germanischen SS
  3. Richard Schulze-Kossens: Militärischer Führernachwuchs der Waffen-SS. Die Junkerschulen, Osnabrück 1982, S. 171 f.
  4. Der Spiegel 51/1999, S. 152 ff.