Heilsberg

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Heilsberg

Wappen
Staat: Deutsches Reich
Gau: Ostpreußen
Landkreis: Heilsberg
Provinz: Ostpreußen
Einwohner (1939): 10.630
Koordinaten: 54° 7′ N, 20° 35′ O
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Heilsberg befindet sich seit 1945 unter Fremdherrschaft. Das Gebiet ist von Polen vorübergehend besetzt, die einheimische Bevölkerung wurde vertrieben oder ermordet und deren Eigentum gestohlen.

Heilsberg ist eine deutsche Stadt im Ermland.

Lage

Heilsberg liegt 50 km nördlich von Allenstein an der Mündung der Simser in die Alle.

Geschichte

Heilsberg wurde 1240 vom Deutschen Orden am Zusammenfluß von Simser und Alle gegründet. Heilsberg wurde 1306 Sitz des Fürstbistums Ermland, eines der vier (Ermland, Kulm, Pomesanien, Samland) 1243 im preußischen Ordensstaat eingerichteten Bistümer.

Heilsberg erhielt 1308 von Bischof Eberhard von Meißen die Stadtrechte und blieb 500 Jahre lang im Territorialbesitz des Fürstbistums Ermland. Nach dem Zweiten Thorner Frieden kam 1466 mit dem Fürstbistum (und damit auch Heilsberg) unter polnische Oberhoheit, wo es einer Woiwodschaft geleichgestellt war. Im Winter 1703/04 residierte der schwedische König Karl XII. während seines Feldzugs gegen Polen im Großen Nordischen Krieg im Heilsberger Schloß.

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Seit dem 2. Drittel des 14. Jh. wurden die öffentlichen Gebäude massiv ausgebaut. Von der Stadtbefestigung (1357 vollendet) sind nur noch kleine Reste der Stadtmauer und von den drei Toren nur das äußere Hohe Tor (von zwei mächtigen Rundtürmen flankiert wie beim Krantor in Danzig) erhalten geblieben. Das in der Mitte des Marktplatzes errichtete Rathaus, ein gotischer Backsteinbau, der stark dem Wormditter Rathaus ähnelte, ist 1865 abgebrannt und nicht wieder aufgebaut worden. Der Marktplatz war bis zuletzt auf drei Seiten mit Laubenhäusern umgeben.

Im Süden der Stadt liegt unweit der Alle die Pfarrkirche zu St. Peter und Paul als chorlose, dreischiffige Basilika mit einem mächtigen Turm vor der W-Front in Backsteingotik (gegen 1400 vollendet, aber nach dem Stadtbrande von 1497 zur Hallenkirche umgestaltet). Im Frühjahr 1698 brannte der Turm bei einem Gewitter aus und erhielt dann die sogenannte welsche Haube mit drei sich verjüngenden Laternen; der Choranbau stammt erst von 1891 bis 1893. Der Kirchhof erhielt auf der Stadtseite 1770 einen einfach gegliederten Torbau, der die Totenglocke aufnahm.

Heilsberg kam im Jahre 1772 endgültig zum Königreich Preußen.

In Heilsberg befand sich ein Kloster der Katharinenschwestern.

Südlich des Kirchhofes liegt die sogenannte Röhrenbrücke, auf der die in hölzernen Röhren verlegte Wasserleitung von ungefähr 1350 bis 1904 das Trinkwasser von dem benachbarten Eckertsberg über die Alle in die Stadt leitete. Vor dem Hohen Tor hat die evg. Pfarrkirche ihren Platz gefunden, ein bretterverschalter Fachwerkbau mit zweitürmiger Fassade nach Plänen Karl Friedrich Schinkels 1821–1823 erbaut). 1818 wurde Heilsberg Sitz eines Landkreises; doch wurde das Landratsamt, als Guttstadt schon 1884 eine Eisenbahnverbindung erhielt, dorthin verlegt, kehrte aber 1899 nach Heilsberg zurück, das nun durch die Bahnlinie Zinten – Rothfließ an das Eisenbahnnetz angeschlossen wurde. Nach 1900 kamen noch die Bahnlinien nach Wormditt, nach Bischdorf und nach Bartenstein hinzu, so daß Heilsberg schließlich zu einem nicht unbedeutenden Eisenbahnknotenpunkt wurde.

Vom 10. bis 11. Juni 1807 fand hier die Schlacht bei Heilsberg zwischen französischen Truppen unter Joachim Murat und Soult und den verbündeten russischen und preußischen Heeren unter Levin August von Bennigsen statt. Daran erinnerte das Denkmal auf dem Markt.

Heilsberg war von 1930 bis 1945 Standort einer Mittelwellen-Großsendeanlage. Am 27. Mai 1937 brachen in Heilsberg Unruhen aus, nachdem während der Fronleichnamsprozession einige Mitglieder der katholischen Jugend verhaftet worden waren. Nach 1935 wurde Heilsberg, wie schon einmal früher, eine Garnison.

Im Frühjahr 1945 eroberte die Rote Armee Heilsberg, nachdem die Stadt bei den vorausgegangenen Kämpfen stark zerstört worden war. Der Kreis Heilsberg wurde anschließend mit der Südhälfte Ostpreußens von Polen annektiert.

Religionen

Heilsberg ist eine traditionell katholisch geprägte Stadt. Hier hatten die Fürstbischöfe des Ermlands ihren Sitz und Heilsberg war als Teil des Preußen Königlichen Anteils mit der polnischen Krone verbunden. 1890 zählte man 665 Evangelische, 4.723 Katholiken und 112 Juden in der Stadt. Als die deutsche Bevölkerung im Zuge des Zweiten Weltkrieges aus der Stadt geflüchtet und vertrieben worden war, kamen an ihre Stelle Ansiedler und Vertriebene aus anderen Teilen Polens, die ebenfalls größtenteils katholisch waren. Jedoch wurde durch die Bevölkerungsverschiebung der ohnehin geringe Einfluß des Protestantismus geschwächt: Die bisherige evangelische Kirche wurde von der neuen orthodoxen Gemeinde übernommen.

Die Kirchenglocke St. Theodor (Meister Michael Wittwerck, Danzig 1716) der katholischen Kirche St. Peter und Paul wurde 1941/42 zur Einschmelzung für Kriegszwecke eingezogen, lagerte auf dem Hamburger Glockenfriedhof und wurde nach dem Zweiten Weltkrieg an das Erzbistum in Freiburg im Breisgau zur Aufbewahrung übergeben. Sie befindet sich heute (2008) als Leihgabe im Ostpreußischen Landesmuseum in Lüneburg.

Stadtbild

In einer Schleife der Alle gelegen, galt die Stadt bis 1945 als eine der schönsten in Ostpreußen. Trotz der Kriegszerstörungen sind einige wertvolle Bauten erhalten geblieben bzw. rekonstruiert worden. Die Burg der ermländischen Bischöfe (Hochschloß) gilt als die neben der Marienburg am besten erhaltene Wehranlage der Ordenszeit, sie ist heute Museum. Der größte Verdienst in der Erhaltung der Burganlage kommt Ferdinand von Quast und Karl Hauke zu.

Weitere markante Bauwerke sind die imposante spätgotische Pfarrkirche und das Hohe Tor. Einige historische Straßenzüge, darunter eine Zeile der charakteristischen Laubenhäuser am Marktplatz, haben die Zeiten ebenfalls überdauert. Die erste evangelische Kirche im ehemaligen ermländischen Dominium wurde 1823 nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel erbaut (heute russisch-orthodox).

Bekannte, in Heilsberg geborene Personen

Heilsberg in der Weltliteratur

Die napoleonisch-russische Schlacht von Eylau 1807 ist der Ausgangspunkt der berühmten Erzählung von Honoré de Balzac (1789–1850) „Le Colonel Chabert“ (1832). Der Titelheld wird als Oberst unter Feldmarschall Joachim Murat (1806–1808 Großherzog von Berg-Düsseldorf/Nordrhein-Westfalen) bei Eylau schwer verwundet, aber für tot gehalten, bei Heilsberg in einem Massengrab lebendig beerdigt und für tot erklärt, jedoch durch eine Heilsberger Bauersfrau gerettet.

Literatur

  • Maria Biolik: Hydronymia Europaea, Zuflüsse zur Ostsee zwischen unterer Weichsel und Pregel, Stuttgart 1989
  • Alexander Kurschat: Litauisch-Deutsches Wörterbuch, Vandenhoeck & Ruprecht, 1968
  • Vilius Peteraitis: Mažoji Lietuva ir Tvanksta (Lithuania Minor and Tvanksta), Vilnius 1992
  • Gerhard Salemke: Lagepläne der Wallburganlagen von der ehemaligen Provinz Ostpreußen, Gütersloh, 2005
  • Otto Schlüter: Wald, Sumpf und Siedlungsland in Altpreußen vor der Ordenszeit, Halle 1921