Havighorst, Ludwig

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Oberfeldwebel Ludwig Havighorst

Ludwig Franziskus Havighorst (Lebensrune.png 16. Dezember 1914 in Ostbevern; Todesrune.png 29. Januar 1999 in Haltern am See) war ein deutscher Offizier der Wehrmacht, zuletzt Oberleutnant der Luftwaffe mit 427 Feindflügen[1] im Zweiten Weltkrieg. Havighorst war ursprünglich Infanterist, dann Beobachter bei den Kampffliegern, Flugzeugkommandant (aufgrund seines Ranges) und schließlich im Endkampf um Deutschland Fallschirmjäger, der viermal für das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes vorgeschlagen wurde.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Ludwig Havighorst - Als Kampfflieger und Fallschirmspringer an den Brennpunkten der Front.jpg

Ludwig Havighorst wurde 1914 während des Ersten Weltkrieges in Ostbevern geboren. Sein Vater war Arbeiter, seine Mutter war aus Senden. Beide Elternteile stammten aus Bauernfamilien. Ludwig sollte das siebte Kind der Familie werden, das sollte aber nicht alles sein, es folgten weitere Geschwister, zuletzt Franz Havighorst. Alle sieben Brüder dienten im Krieg, sechs überlebten ihn, nur Anton Havighorst gilt als vermißt bzw. gefallen.

In der Nachkriegszeit war das Überleben noch schwerer als in der Kriegszeit, die jüngsten Kinder wurden zu Verwandte aufs Land geschickt, Ludwig kam zu den Großeltern auf dem Hof, wo er eine glückliche Kindheit verbrachte. Jeden morgen ging Ludwig die vier Kilometer bis zur Schule zu Fuß. Er galt als begabt und aufgeweckt, sollte auch das Gymnasium besuchen, hierzu fehlte jedoch das Geld. Statt dessen absolvierte er erfolgreich eine Lehre als Bäcker, entwickelte aber ein atopisches Ekzem (Neurodermitis disseminata), so daß eine Einstellung als Geselle unmöglich war. Trotz der langen Stunden als Lehrling von vier Uhr morgens bis 16 Uhr tat sich Havighorst als guter Schwimmer und Leichtathlet hervor.

Er bewarb sich bei der Landespolizei, wurde das erste Mal abgelehnt, das zweite Mal angenommen (allerdings fehlte eine Planstelle) und erhielt beim dritten Mal eine Zusage, allerdings flatterte dann der Musterungsbescheid ins Haus, die Wehrpflicht stand an.

Heer (Wehrmacht)

Am 1. Oktober 1935 rückte er in das Infanterie-Regiment Flensburg ein und kam in das I. Bataillon nach Rendsburg. Zwei Wochen später wurde das Regiment zum 15. Oktober 1935 in Infanterie-Regiment 26 umbenannt. Die Ausbildung begann jeden Morgen mit einem Zweikilometerlauf mit Gewehr. Sein Kompaniechef Hauptmann Richard Daniel (später Generalmajor und Eichenlaubträger) erkannte Havighorsts sportliche Begabung sowie Führungsqualitäten und förderte diese. Havighorst wurde zum Kompaniemelder, später Bataillonsmelder und schließlich Regimentsmelder.

Während eines 80-km-Marsches nach Eckenförde mußte Havighorst hin und zurück zu den verschiedenen Stäben laufen, so daß er am Ende 160 km absolviert hatte. Als Eckenförde am Abend des letzten Tages erreicht war, fielen seine Kameraden völlig erschöpft in die Betten der Gastkaserne. Nur Havighorst blieb wach und machte sich daran, seinen Eltern einen Brief zu schreiben. Als Hauptmann Daniel die Stube passierte und dies sah, fragte er nach. Schütze Havighorst erklärte, Daniel erwiderte mit einem „weitermachen“ und war dabei sichtlich beeindruckt. Nicht lange danach ließ Daniel in der Heimatkaserne antreten und fragte ihn, ob er bereit wäre, eine Versetzung zum Infanterie-Lehr-Bataillon an der Infanterie-Schule Döberitz anzunehmen. Hierbei handelte es sich um eine Elite, die aus der Lehr- und Versuchstruppe des Ausbildungsstabes der Infanterie hervorgegangen war. Nur die besten wurden ausgewählt, dem Bataillon beizutreten, aus dem am 1. Oktober 1937 unter Oberst Hans-Valentin Hube das Infanterie-Lehr-Regiment wurde. Nur wenige Soldaten verschiedener Regimenter wurden ausgelesen, in Döberitz sollten sie Spezialtaktiken erlernen, dann zu Stammregiment zurückkehren, wo sie das erlernte an die Angehörigen und an Rekruten weitergeben sollten. Havighorst stimmte sofort zu und versprach sogleich, seinen Kompaniechef stolz zu machen. Havighorst hatte sich inzwischen als Zeitsoldat für 12 Jahre verpflichtet.

Im August 1936, als die Olympischen Spiele in Berlin im vollen Gange waren, kam Havighorst nach Döberitz. Das schnell anwachsende Bataillon mit drei Schützen- und eine schwere MG-Kompanie überstrapazierte die vorhandene Räumlichkeiten. Als die Sommerspiele vorbei waren, wurde das Lehr-Bataillon in das Olympische Dorf im brandenburgischen Elstal verlegt. Es war ein Ausbildungstraum. Die Soldaten fanden statt Massenunterkünfte bequeme Doppelzimmer mit modernen Bädern vor. Sportplätze, Laufbahn, Innen- und Außenschwimmbecken, Saunaanlagen, wunderbar gestaltete Grünflächen, die Paul-von-Hindenburg-gedenkhalle und, im ehemaligen Speisesaal der Athleten, entstand später ein Standortlazarett. Havighorst kam in die 3. Kompanie, die als Spezialgebiete das Fechten und den Nahkampf mit Bajonett ausbildete. Unweit des Olympischen Dorfes war das Jagdgeschwader „Richthofen“ stationiert, aus dem später das Jagdgeschwader 2 wurde. Bei diesem Geschwader diente Ludwigs Bruder Werner Havighorst. Das Geschwader griff gelegentlich das Lehr-Bataillon, so wurde die Fliegerabwehr geübt.

Am 10. Oktober 1936 wurde Havighorst auf Empfehlung seines Zugführers Leutnant Helmut Beck-Broichsitter, der für die Panzerabwehr im Westfeldzug 1940 das Ritterkreuz erhalten sollte. Auch der Führer interessierte sich sehr für diese Lehr-Truppe und kam mehrmals zur Stippvisite vorbei. Beim Internationalen Reit- und Fahrturnier in der Berlin Deutschlandhalle trat an sechs Tagen auch Unteroffizier Havighorst mit Kameraden im Vorprogramm auf (am ersten Tag im Beisein des Führers), die Soldaten der Lehrtruppe marschierten singend ein, führten eine Flugabwehrübung mit Zwillings-MG (zwei MG 34 konnten zur Flugabwehr auch auf den Zwillingssockel Typ 36 aufgesetzt und von einem Schießenden bedient werden) vor, Opfer war ein Flugzeug, daß unter dem Dach der Halle hing. Die Platzpatronen machten mächtig Eindruck, und mit viel Jubelapplaus marschierten die Männer anschließend, mit einem weiteren Soldatenlied, aus der Halle heraus. Des weiteren gehörte Havighorst zu den Männern (Zugstärke) des Lehr-Regiments, die von Feldwebel Gollasch zum Rundfunk eingeladen wurden, wo sie zwischen den deutschlandweit ausgestrahlten Nachrichtensendungen Soldatenlieder sangen.

Im August 1939 hatte Hauptmann Grell, der inzwischen Kompaniechef war, seiner Kompanie mitgeteilt, daß im Falle von Krieg, das Infanterie-Lehr-Regiment nicht eingesetzt werde. Dies führte in den Reihen der Männer zu Unmut. Hermann Göring hatte im selben Monat angewiesen, daß es Infanteristen, die nach einer solchen Nachricht zur Luftwaffe übertreten wollten, ermöglicht werde, wenn das Versetzungsgesuch innerhalb von 24 Stunden erfolgt. Fünf Männer der Kompanie ersuchten darum, darunter Havighorst. Hauptmann Grell versuchte, es ihnen auszureden. Schmackhaft sollte ein Meinungsumschwung eine frühe Beförderung zum Feldwebel machen, aber Havighorst und ein weiterer Unteroffizier blieben bei ihrer Entscheidung. Havighorst bestand seine Fliegerpersonalprüfung, aber der Übertritt sollte auf sich warten lassen.

Zweiter Weltkrieg

Nach Beginn des Polenfeldzuges und der französischen Kriegserklärung an das Deutsche Reich, konnte im Herbst 1939 Hauptmann Grell erreichen, daß seine 3. Nahkampf-Kompanie zumindest am Westwall (der Siegfried-Linie) eingesetzt wurde, um Erfahrung am Feind zu sammeln. Bei einem Unternehmen führte Grell seine Männer hinter die feindlichen Linien. Sie erreichten in Dunkelheit einen Stacheldrahtzaun, durchschnitten diesen, krochen weiter, bis ein französischer Stellungsgraben erreicht wurde. Der Stoßtruppführer befahl Handgranatenwurf, drei landeten 10 Meter vor dem geschützten Graben, die schlafenden Franzosen waren aufgeschreckt, sogleich stürmten die Deutschen heran und übermannten ohne Verluste die überraschten Bewacher. Die Besatzung mit ihrem Leutnant wurde gefangengenommen, dann ging es, nun aber in Feindfeuer, zu den eigenen Linien zurück. Die Männer der Lehrtruppe hatten bewiesen, daß sie bereit sind. An Havighorsts Seite bei diesem Unternehmen war sein Freund Fahnenjunker-Unteroffizier Ulrich Hube, der Sohn von Hans-Valentin Hube. Der „kleine Ulrich“ war nachtblind, aber Havighorst half ihm, so daß diese Mangelerscheinung nicht bekannt wurde. Leutnant Ulrich Hube fiel am 24. Juli 1941 an der Ostfront.

Ende Dezember 1939 war es dann soweit, die Kompanie war inzwischen wieder in der Heimat und Havighorsts Versetzung traf ein. Ihm wurde befohlen, nach dem Weihnachtenurlaub sich am Neujahrstag, dem 1. Januar 1940, bis 18 Uhr an der Großen Kampffliegerschule Lechfeld zu melden. Nun erfolgte die Ausbildung, ab Februar 1940 in Warschau. Seine ersten Fliegererfahrungen machte er mit der Focke-Wulf Fw 58, wobei er beim ersten Mal luftkrank wurde. Später gehörte zur Ausbildung auch die Junkers W 34, die Dornier Do 17, die Junkers Ju 86 und schließlich die He 111. Bei beginn des Westfeldzuges 1940 befanden sich Havighorst und seine Kameraden noch in der Ausbildung, sein altes Lehr-Regiment wurde jedoch eingesetzt. Anfang Juli 1940 war es dann soweit, die Ausbildungsklasse wurde nach Quedlinburg verlegt, um die Ausbildung abzuschließen und ihren Kampfgeschwadern zugeteilt zu werden.

Beobachter

Als Beobachter flog Havighorst ab Juli 1940 an der Seite mehrerer erfolgreicher Flugzeugführer der He 111, so mit Feldwebel Becker (III. Gruppe/Kampfgeschwader 26) beim Angriff auf den Flottenstützpunkt Scapa Flow vom Fliegerhorst Wittmundhafen aus sowie beim Unternehmen „Adlerangriff“, seit dem 30. August 1940 24 Feindflüge mit Unteroffizier Hugo Greeven über England (die Kriegsfabriken in Derby, dann ab 5. September 1940 auch London, Dezember 1940 Birmingham und Manchester), mit Unteroffizier Alfred Dries (Flugkapitän der Lufthansa; 4. März 1941 über London, geborgen auf See und von den Briten auf der Kriegsgräberstätte in Cannock Chase beigesetzt; mit ihm fiel u. a. Staffelkapitän Hauptmann Auerring) der französischen Küste entlang, ab Januar 1941 mit Heinz Gericke über England (wie das Kampfgeschwader 100 Pfadfinderaufgaben, Minenlegen im Hafen von Belfast usw.; als Feldwebel war er ab April 1941 Kommandant der Maschine, wenn auch nur Beobachter), der französischen Küste sowie Rußland, mit Leutnant Heinz Bussemer in Rußland, mit Oberleutnant Plümecke in Rußland und die meisten Feindflüge (251) mit Unteroffizier Ludwig Denz ( 14. Oktober 1943) in der 5. Staffel/KG 27 (ab Dezember 1941) an der Ostfront.

Ostfront

Im Mai 1941 gehörte das Kampfgeschwader 26 „Löwen“ zu den Einheiten, die das Schlachtschiff „Bismarck“ im Heldenkampf gegen die Royal Navy unterstützen sollte. Auch Gericke und Havighorst waren mit von der Partie. Trotz ein Maximal an Treibstoff konnten die Kampfflieger die Seeschlacht nicht erreichen. Am 27. Juli 1941 flog er von Leeuwarden nach Hull und zurück zum letzten Mal an der Westfront, nun ging es in den Osten.

Am 1. Dezember 1941 wurde Havighorst vom Kampfgeschwader 26 zur 5. Staffel/II. Gruppe/Kampfgeschwader 27 unter Hans-Henning Freiherr von Beust versetzt. Sein Flugzeugführer wurde der brillante, wenn auch unerfahrene Unteroffizier Ludwig Denz. Bordfunker wurde Unteroffizier Helmut Wagner, Navigator wurde Oberfeldwebel Wilhelm Waschewski und Bordschütze Obergefreiter Otto Blaß. Mit diesen Männern flog er, nach sechs Monaten Zwangspause, ab dem 10. Juni 1942. Von Millerowo aus absolvierte diese He-111-Besatzung beinahe 150 Feindflüge in den Kessel von Stalingrad und in den Kaukasus. Am 9. Oktober 1942 erfolgte der erste Angriff auf Panzerzüge der Roten Armee bei Stalingrad. Alleine am 14. Oktober 1942 mußten die Männer drei Feindflüge hintereinander antreten, was ermüdend und gefährlich war, aber die ausgebluteten Heerestruppen brauchten jedes bißchen Unterstützung. Am 23. Oktober 1942 erhielten sie einen Spezialauftrag: Luftangriff auf die Ölfelder von Grosny. Am 26. Oktober 1942 erfolgte ein weiterer Spezialauftrag gegen die Ölfelder bei Maikop. Am 8. November 1942 absolvierte Oberfeldwebel Havighorst seinen 200. Feindflug. Bis 28. November 1942 waren drei bis vier Feindflüge für die gesamte 5. Staffel an der Tagesordnung. Am 28. November 1942 wurden alle verfügbare Maschinen in den Kessel geschickt, um die 6. Armee zu versorgen, nur 12 Maschinen schafften es, die anderen vereisten und mußten umkehren. Am 30. November 1942 versuchten sie es erneut, nun trafen alle Maschinen auf dem Flugplatz Pitomnik ein. Ab dem 1. Dezember 1942 ging es dann an die Tschirfront, wo die rumänischen Divisionen einbrachen. Bis 5. Dezember 1942 in schwere Kämpfe verwickelt, ging es am 6. Dezember 1942 ein weiteres Mal in den Kessel, erst am 7. Dezember konnten sie ausfliegen mit vielen Verwundeten und einem General der Heeresgruppe Don. Am 16. Dezember 1942, an Havighorsts 27. Geburtstag, ging es erneut in den Kessel. Die Verwundeten hatten Tränen in den Augen vor Dank. Havighorst bat um die Mitnahme von zwei mehr als erlaubt war, dies führte beinahe zur Katastrophe, denn die Maschine konnte kaum abheben, aber die gesamte Besatzung hatte dem Risiko zugestimmt. Jedes deutsches Leben war wichtig.

Am 20. Dezember 1942 mußte die 5. Staffel Millerowo räumen, am 23. Dezember 1942 erhielten sie den Befehl, ihren alten Flugplatz anzugreifen, wo nun der Russe festsaß. Dabei haben sie es vermieden, die Häuser der Zivilisten zu treffen, mit denen sie in den letzten Monaten zusammen gelebt, gelitten, aber auch gegessen haben. Am Weihnachtsabend, dem 24. Dezember, mußte die Staffel erneut mit dem gesamten Bodenpersonal sich nach Urasow zurückziehen. Jede He 111 hatte material, die Besatzung und sieben weitere Kameraden in der Maschine. Bei der Landung ging alles glatt, aber Havighorsts Kamerad, der mit der Maschine nach ihm landete, kam von der Landebahn ab, die Maschine kippte und ging in Flammen auf, alle Insassen verbrannte. Erst am nächsten Tag konnten die Überreste geborgen werden.

Offizierschule

Am 29. Dezember 1942 sollte sich Oberfeldwebel Havighorst von seinen treuen Kameraden verabschieden, er, der schon einmal für das Ritterkreuz vorgeschlagen wurde, sollte nun Offizier werden und mußte sich bei der Offizieranwärterschule in Fürstenfeldbruck melden. Neuer Beobachter wurde Feldwebel Hans Wolfersberger, Inhaber des Deutschen Kreuzes in Gold. Im Februar 1943 erfuhr er hier vom endgültigen Untergang der 6. Armee im Kessel, wo die Luftwaffe 488 Flugzeuge und über 1000 Mann verloren hatte, weitere 2000 Mann am Boden.

Wieder an der Ostfront

Nach seinem erfolgreichen Abschluß und seiner Beförderung zum Leutnant flog er am 14. Juli 1943, inzwischen wieder mit Denz, seinen 300. Feindflug. Auf dem Flugplatz von Charkow wurde ihm gratuliert, auch von Generalfeldmarschall Albert Kesselring, der zufällig zu besuch war. Am 4. Oktober 1943 erfolgte der 400. Feindflug. Als er landete spielte die Kapelle und Luftwaffenhelferinnen hatten Kaffee und Kuchen vorbereitet. Ab dem 14. Oktober 1943 mußte er schweren Herzens seine Besatzung verlassen, denn Staffelkapitän Hauptmann Bormann wollte Leutnant Havighorst selbst als Beobachter haben. Unteroffizier Toni Herbst kam nun zu Flugzeugführer Denz als Beobachter, nun war Denz wegen des Dienstgrades Kommandant der Maschine. Am selben Tag fand der erste Feindflug mit Bormann statt, es sollte eine Tragödie werden. Unterwegs zum Ziel mit einer Kette (vier He 111), wurden sie von zwei Bf 109 eines Jagdgeschwaders angegriffen, die die Heinkel für Russen hielten. Denz, der hinter Bormann flog, wurde getroffen. Bormann brach Funkstille und schrie, daß deutsche Jäger sie angreifen würden. Die Rotte Bf 109 erkannten ihren Fehler und kurvten weg. Bormann befahl Denz, die Bomben auszuklinken und zurückzufliegen. Der Feindflug war ein Erfolg, die drei He 111 haben ihr Ziel voll getroffen. Als sie aber am Flugplatz zurück waren, sahen sie die Gesichter der Männer. Oberfeldwebel Wilhelm Waschewski rannte auf Havighorst zu und schrie, sie wären alle tot. Sprengmunition einer Bf 109 hatte sich im Heckleitwerk festgesetzt, ohne zu explodieren. Dies geschah aber kurz vor der Landung, Denz konnte gerade noch den Befehl geben, abzuspringen. Der Fallschirm hatte Waschewski gerettet, Toni Herbst konnte ebenfalls aussteigen, der Fallschirm öffnete sich jedoch nicht, alle andere stürzten 1 km nördlich Sachody, 15 km nordostwärts Mogilew mit der brennenden Maschine zu Boden. Feldwebel Ludwig Denz (Lebensrune.png 9. März 1919 in Weiden) hatte 251 Feindflüge. Am 19. Oktober 1943 war die Beisetzung der vier Kameraden in Mogilew angesetzt, als Havighorst in dem schweren LKW, der die Männer dort hinfahren sollte, verunglückte. Die Verletzungen waren schwer, zuerst wurde er 200 km in ein Feldlazarett geflogen, danach in ein Reserve-Lazarett in Prachatitz im Böhmischen Wald. Hier erfuhr er, daß Hauptmann Bormann mit der gesamten Besatzung gefallen war. Später, als klar wurde, daß die Operation erfolgreich war und die einsetzende Querschnittslähmung gebannt, wurde er in das Krankenhaus in Straubing verlegt und Anfang Juli 1944 entlassen. Seine Verlobte Else holte ihn vom heimatlichen Bahnhof ab. Gleichzeitig traf Bruder Werner Havighorst vom Jagdgeschwader „Richthofen“ ein. Eine Stunde später traf Bruder Leutnant Bernhard Havighorst vom Infanterie-Regiment 25, eine weitere Stunde verging, und Bruder Unteroffizier Franz Havighorst von einem Flak-Regiment traf zu Hause ein.

Heirat und weiterer Kriegsdienst

Am 11. Juli 1944 heiratete Havighorst, am 20. Juli 1944 mußte er sich bei der Frontflieger-Sammelstelle Quedlinburg melden. Hier erfuhr er, daß er mit Wirkung vom 1. April 1944 zum Oberleutnant befördert wurde. Es wurde aber auch, nach einer medizinischen Untersuchung, festgestellt, daß er nun fluguntauglich sei. Danach ging es an die Navigationsschule der Luftwaffe in Strausberg, wo er als Ausbilder tätig war.

Mehrere Wochen später wurde er dem Luftwaffen-Bau-Bataillon Liegnitz an der Katzbach unter Oberstleutnant Gundolf Freiherr Schen[c]k zu Schweinsberg zugeteilt, am 23. September 1944 ging es an die Invasionsfront. In Hengelo hielt die Reichsbahn an, und die Männer stiegen aus. Gleichzeitig griff die Royal Air Force an, aber der erfahrene Flieger Havighorst hatte sie gehört und befohlen, Deckung zu suchen. Das Bataillon blieb ohne Verluste und sollte ab Oktober 1944 als Kern des unter Kurt Stephani im Kessel von Falaise aufgeriebenen und neu aufzustellenden Fallschirmjäger-Regiments 9 dienen. Havighorst war zuerst Zugführer (1. Zug) der 4. Kompanie unter Oberleutnant Grau, bei einer Übung jedoch zeigte sich schnell die ursprüngliche Infanterieausbildung, der Regimentskommandeur erkannte bei einer Übung, daß Havighorst der einzige mit Ahnung war. Als er erfuhr, daß er von dem Infanterie-Lehr-Regiment kam und vor allem einen Sprengstoffschein hatte, wurde er Chef der 15. Fallschirmpionierkompanie.

Ritterkreuzvorschlag und Endkampf

Nach seinem 400. Feindflug am 4. Oktober 1943 wurde er ein drittes Mal für das Ritterkreuz vorgeschlagen, das VIII. Fliegerkorps stimmte zu und leitete den Vorschlag weiter. Warum es nicht zur Verleihung kam, ist unbekannt. Nach 427 Feindflügen wurde er bei einem Unfall am 19. Oktober 1943 schwer verletzt und mußte Monate genesen. Am 15. November 1944, nach einem einwöchigen Pionierlehrgang, wurde er zum Chef der 15. Fallschirmpionierkompanie/Fallschirmjäger-Regiment 9/3. Fallschirmjäger-Division ernannt.

„Anfang November 1944 wurde die Kampfgruppe aus dem Verband der 84. Infanterie-Division heraus gelöst und zur Neuaufstellung der 3. Fallschirmjäger-Division nach Holland verlegt. Hierzu wurden der Division Teile des Luftwaffen-Bodenpersonals der Flieger-Regimenter 22, 51 und 53 zugeführt. Bereits in den Tagen zwischen dem 24. und 30. November 1944 wurde die Division nach Düren verlegt. Im Raum Lamersdorf - Luchem - Langerwehe - Jüngersdorf - Merode löste die Division die 12. und 47. Volksgrenadier-Division in ihren Stellungen ab. Die neuen Verteidigungsstellungen des Regiments lagen im rechten Teil des Divisionsgefechtsstreifens zwischen Lamersdorf und Langerwehe. Schon ab dem ersten Tag wurde um diese Stellungen erbittert gekämpft. Zu Beginn lag das Fallschirmjäger-Regiment 9 als Reserve hinter der Division. Am 1. Dezember mußte Lucherberg aufgegeben werden, am 4. Dezember ging Luchem verloren. Am 10. Dezember begann die Offensive der 1. US-Armee auf breiter Front zwischen Altdorf und dem Hürtgenwald. Bei Echtz erzielten die Amerikaner einen tiefen Einbruch in die Stellungen der Division, der nicht mehr geschlossen werden konnte. Am 12. Dezember ging Echtz verloren. Nach Zurücknahme und Stabilisierung der Front wehrte die Division zwischen dem 13. und 15. Dezember 1944 weitere Angriffe in dem verkleinerten Brückenkopf von Hoven über Mariaweiler bis Gürzenich ab. Am 13. Dezember beginnend löste die erneut herangeführte 47. Volksgrenadier-Division die 3. Fallschirmjäger-Division in ihren Stellungen wieder ab. Ohne Pause wurde die Division im Fußmarsch in die Eifel und bezog einen Bereitstellungsraum bei Stadtkyll - Ormont - Hallschlag, um bei der Ardennen-Offensive eingesetzt zu werden. Hierzu wurde die Division dem I. SS-Panzerkorps unterstellt. Bei Beginn der Offensive am 16. Dezember durchstieß die Division die amerikanischen Sicherungen an der belgischen Grenze zwischen Losheimer Graben und Manderfeld und drang rasch in die Stellungen des V. US-Korps ein. Starker Widerstand und Geländeschwierigkeiten ließen den Angriff jedoch nicht so schnell voran kommen, wie erwartet. Das Fallschirmjäger-Regiment 5, im Gefechtsstraifen der Division rechts eingesetzt, ging von Frauenkron über Losheimer Graben auf Neuhaus vor und erreichte am 19. Dezember den Südrand von Bullange. Das Fallschirmjäger-Regiment 9 griff in der Mitte der Division von Hallschlag über Losheim, Lanzerath, Buchholz und Honsfeld auf Möderscheid an und stand am 19. Dezember am Ortsrand von Schoppen. Das links eingesetzte Fallschirmjäger-Regiment 8 drang von Ormont aus in die amerikanischen Stellungen ein und griff weiter über Berterath, Holzheim, Wereth und Heppenbach auf Amblève an, das am 20. Dezember genommen werden konnte. Bis Ende Dezember 1944 erreichte die Division nur mühsam und langsam voran kommend in harten Kämpfen die Straße von Malmedy nach St. Vith im Raum Ligneuville. Nachdem weitere Angriffe nach Westen keinen Erfolg mehr hatten, ging die Division Anfang Januar 1945 in der Linie Faymonville - Amblève - Born zur Verteidigung über. Als starke amerikanische Verbände am 13. Januar 1945 von Malmedy nach Bütgenbach sowie von St. Vith nach Manderfeld vorstießen, mußte die 3. Fallschirmjäger-Division nach Osten ausweichen, um einer Einschließung zu entgehen. Um den Raum beiderseits Schoppen wurde in der Zeit vom 15. bis 22. Januar erbittert gekämpft. Bis Ende Januar 1945 wurde die Division bis zur Grenze beiderseits Losheim zurück gedrängt. Anfang Februar 1945 bezog die Division die Westwall-Stellungen entlang der Grenze und wehrte in der Zeit vom 1. bis 9. Februar 1945 mehrere Panzerangriffe in der Linie Berk - Frauenkron - Hallschlag ab. Nach dem 10. Februar 1945 mußte die Division vor dem starken amerikanischen Druck ausweichen und eine neue Verteidigungsstellung im Raum Stadtkyll - Lissendorf - Birgel beziehen. Diese Linie hielt die Division bis Monatsmitte. In der zweiten Monatshälfte erhielt die Division den Befehl zur Verlegung über Dollendorf, Ahrhütte, Marthel und Münstereifel an den "Westwall" in den Raum Nideggen - Abenden - Blens - Hausen - Heimbach zur Ablösung geschwächter Heereseinheiten. In diesem Raum verteidigte die Division ihre Stellungen bis Ende Februar 1945 und stand ab Anfang März 1945 in schweren Abwehrkämpfen bei Wollersheim - Vlatten - Berg. Am 3. März setzte sich die Division über Bürvenich, Zülpich, Sinzenich und am 4. und 5. März über die Linie Euskirchen - Kuchenheim - Stozuheim verzögernd kämpfend in die Linie Rheinbach - Meckenheim ab. Um Bad Godesberg bildete die Division einen Brückenkopf auf dem linken Rheinufer, konnte aber den überlegenen alliierten Truppen den Zugang zum Rhein nicht verwehren. Zwischen dem 8. und 10. März 1945 gerieten hier große Teile der Division in Gefangenschaft. Restteile der Division, die über Ahrweiler und Königsfeld den Rhein bei Remagen und Neuwied überschritten, bezogen unter dem Kommando von Oberst Becker Mitte März 1945 Verteidigungsstellungen im Siebengebirge und hielten diese bis Ende des Monats in den Linien Aegidienberg - Asbach - Mehren sowie Ölberg - Oberpleis - Uckerath - Wissen. Anfang April 1945 wehrten die Reste der Division mehrere von Süden entlang des Rheins vorgetragene amerikanische Angriffe in der Linie Siegburg - Troisdorf ab. Die Division hatte dabei noch eine Stärke von etwa drei Bataillonen und einigen unterstellten Volkssturmeinheiten. Vom 10. - 14. April 1945 zogen sich die Reste der Division über die Verzögerungslinie Köln / Mülheim - Bensberg über die Linie Leverkusen - Voiswinkel - Bechen bis Burscheid zurück. Hier kapitulierten die Reste der Division am 15. April 1945.“[2]

Am 19. November 1944 ging es Richtung Kriegsfront. Schon Ende November 1944 hatte die Kompanie schwere Verluste im Kampf gegen feindliche Panzervorstöße erlitten. Am 29. November 1944 kamen weitere 24 Gefallene und 32 Verwundete dazu, als die Kompanie von feindlichen Tieffliegern angegriffen wurde. Davor hatte es westlich von Lucherberg erbittere Nahkämpfe gegeben, als deutsche Kräfte, darunter Havighorsts 15. Kompanie, schwere feindliche Vorstöße mit Panzern und Infanterie zurückgeschlagen hatte. Am Nachmittag hatten Havighorst eine Feuerpause vereinbart, um die Gefallenen und Verwundeten zu bergen. Kurz nach Ablauf hatte der Überfall aus der Luft begonnen. Die Überlebenden zogen sich nach Düren zurück, wo die restlichen Männer in kleine Stoßtrupps aufgeteilt wurden.

Am 15. Dezember 1944 wurden die noch lebenden Offizieren des Regiments im Dürener Rathaus zusammengetrommelt. Hier erfuhren sie, daß am nächsten Morgen , an Havighorsts 30. Geburtstag, das Unternehmen „Wacht am Rhein“ beginnen würde. Nun ging es, so Generalfeldmarschall von Rundstedt, um die große Stunde der Männer im Westen, um alles oder nichts. Die Fallschirmjäger stießen auf Hüllscheid vor, und der Feind flüchtete, am Abend hatten die Männer ihr erstes Ziel erreicht: Lanzerath bei Bad Münstereifel im Kreis Euskirchen. Am 17. Dezember 1944 ging der schnelle deutsche Vorstoß weiter, aber der Feind hatte sich organsiert und teilweise eingegraben, der Widerstand der Invasoren wurde großer und ihr Material erschien unerschöpflich. In Honsfeld nahm Havighorst 150 Gefangene, konnte aber auch mehrere Fahrzeuge und ein Treibstoffdepot sichern. Die 15. Kompanie bezog hier Stellung. Ab dem 20. Dezember 1944 wurde Bastogne von der Wehrmacht unter dem Kommando von Heinrich von Lüttwitz angegriffen, um diese zurückzuerobern, da der Ort einen wichtigen Verkehrsknotenpunkt in den belgischen Ardennen darstellte. Bastogne wurde am 22. Dezember eingekesselt, starke Feindkräfte konnten den Kern jedoch halten, bis am 26. Dezember die VS-amerikanische Panzerspitze unter General George S. Patton den Ring durchbrach.

Der Kompaniegefechtsstand befand sich nun in einer Schule in Ondenval, Provinz Lüttich, nach Mitternacht pünktlich zu Silvester begann ein Artillerieüberfall des Feindes. Vier seiner Männer um ihn herum fielen, Havighorst dagegen blieb unverwundet. Am 13. Januar 1945 wurde das ganze Regiment schwer angegriffen. Immer wieder griffen die VS-Amerikaner an. Kleine Gruppen Fallschirmjäger konnten sie im Nahkampf immer wieder zurückwerfen, bis es einfach zu viele waren und einzelne Gefechtsstände überrannt wurden. Dennoch gelang es Havighorst und seinen Männern mit Hilfe von drei Halbkettenfahrzeugen und schwere MGs ein Bauernhof in Ondenval zurückzuerobern und nahmen dabei 20 VS-Amerikaner gefangen. Havighorst und Oberjäger Steckhahn führten diese nach hinten, als feindliche Artillerie einschlug. Vier Geschoße schlugen unweit der Gruppe ein, fünf Amerikaner wurden getötet, die restlichen verwundet, auch Havighorst und Steckhahn. Die Deutschen wurden in ein Lazarett nach Jünkerath transportiert. Havighorst hatte Wundfieber bekommen, konnte aber noch genesen. Nach zwei Wochen wurde er entlassen und kehrte zur Truppe zurück, sein Fahrzeug wurde dabei von einem Schlachtflieger der Royal Air Force mit MGs und Raketen angegriffen, Havighorst blieb jedoch unversehrt.

Seit dem 6. Januar 1945 hatte Generalleutnant Richard Schimpf als Nachfolger von Generalmajor Walther Wadehn erneut die 3. Fallschirmjäger-Division übernommen und Oberst Hoffmann setzte Havighorst als Verbindungsoffizier des Regiments zur Division ein. Als am 31. Januar 1945 Regimentskommandeur Hoffmann in Lanzerath vom Feind eingeschlossen wurde, leitete Havighorst mit seinen Männern die erfolgreiche Befreiung ein. In wenigen Tagen unternahm er 15 Nahkampf- und Stoßtruppunternehmen. Das Fallschirmjäger-Regiment 9 war jedoch nicht mehr zu retten, täglich griffen Artillerie und Kampfflieger an, der Blutzoll war groß, die Kampfstärke nahm stetig ab. Nun übernahm Havighorst wieder die 15. Kompanie, die gerade noch Zugstärke hatte. Er erhielt den Befehl, den Rückzug des Regiments über den Rhein zu sichern. Hofmman beaufsichtigt das Unternehmen und beobachte, wie seine Männer die Brücke am Morgen des 4. März 1945 überquerten. Als Allerletzter, immer noch mit der MP 40 sichernd, überquerte Oberleutnant Havighorst. Um Bad Godesberg bildete die Division einen Brückenkopf auf dem linken Rheinufer, konnte aber den an Material und Männern stark überlegenen alliierten Invasionstruppen den Zugang zum Rhein nicht verwehren.

Auch bei diesen Kämpfen hatte sich der ausgebildete Infanterist Havighorst an der Spitze seiner Männer derart hervorragend bewährt, so daß sein Regimentskommandeur Oberst Hellmut Hoffmann, als er das Regiment schwer erkrankt verließ (das Regiment übernahm Hauptmann Alfred Freiherr von Freyberg-Eisenberg), ihn zum Ritterkreuz (seine vierte Nominierung) vorgeschlagen hatte, eine Bearbeitung des Vorschlages erfolgte kriegsbedingt nicht mehr. Ebenfalls wurde er zur Beförderung als Hauptmann vorgeschlagen, erst in der Heimat nach dem Krieg hatte Havighorst erfahren, daß die Beförderung genehmigt und somit offiziell wurde.

Kriegsgefangenschaft

Am 5. März 1945, nach erbitterten Straßenkämpfen in Froitzheim bei Vettweiß im Kreis Düren, geriet Havighorst verwundet in VS-amerikanischer Kriegsgefangenschaft. Erst am 7. März 1945 kam der Gefangenentransport auf Schienen in Euskirchen an. Hier mußte Havighorst erleben, wie belgische Soldaten Deutsche folterten, so wurde einem alten deutschen Hauptmann, der wegen einer Bauchverwundung kaum laufen konnte, mit dem Gewehrkolben auf dessen Kopf einschlug. Ob der Hauptmann überlebt hat, ist unbekannt, ob das Kriegsverbrechen geahndet wurde, ebenfalls. Nun wurden die Gefangenen in einen weiteren Zug gepfercht, täglich gab es nur eine Tasse Wasser, keine Verpflegung. Am 11. März 1945 erreichten die Deutschen Cherbourg. Havighorst nennt in seinen schriftlichen Erinnerungen seine Bewacher „Hunde, die noch nie Pulver gerochen haben, und sollten sie dies jemals tun, wären sie in einer Schlacht hilflos.“ Die Offiziere wurden in einem getrennten Lager untergebracht, 30-Mann-Zelte wurden von jeweils 60 Offizieren belegt, Mannschaften und Unteroffiziere hatten ein weitaus schlimmeres Los. Die Wachsoldaten haben alles gestohlen, was sie zu greifen bekamen. Havighorst verlor seine Decke, seine Zeltbahn, aber vor allem trotz der Kälte, sein beim Feind so beliebten „Knochensack“ der deutschen Fallschirmtruppe.

Noch durften die Männer ihre Orden und Ehrenzeichen behalten, dies sollte sich am 9. Mai 1945 ändern, als ihnen mitgeteilt wurde, die Wehrmacht hätte kapituliert. Schon am 8. Mai 1945 wurde Hans-Ulrich Rudel nach Cherbourg, wo er Havighorsts Zelt zugeteilt wurde. Rudel war, nach Havighorsts Aufzeichnungen, eine Mann von tadellosem Charakter. Als ein Wachoffizier das Zelt betrat und den deutschen Ggefangenen befahl, jede Uhr, jeder Wertgegenstand, jeder Orden einzusammeln und in eine Zeltbahn als Vorbereitung zur Abholung zu legen, trat Rudel vor seinen Kameraden und sagte, daß der Befehl nicht verweigert werden kann, aber der feind auch keine Freude an der beute haben sollte. Er besorgte sich einen großen Stein und machte sich daran, jeder einzelne Orden, von denen er zu Hause Ersatzstücke versteckt hatte, zu zerstören, auch das Goldene Eichenlaub. Dies warf er dann auf die Zeltbahn. Alle taten es ihm nach, auch Havighorst, dessen Deutsches Kreuz danach nur noch die Größe einer Walnuß hatte. Der einsammelnde Wachoffizier dampfte vor Wut, war aber gegen diese List machtlos.

Mord in Lüttich

Im September 1945 wurden die Gefangenen untersucht, es sollte zum Zwangsarbeitseinsatz in die VSA gehen. Havighorst wurde wegen seiner noch nicht ausgeheilten Verwundungen „arbeitsunfähig“ deklariert, mit 50 weiteren Kameraden aus der Gefangenschaft entlassen und auf offene Güterwaggons nach Deutschland repatriiert. In Lüttich kam es zu einem der vielen Unterbrechungen, der Zug hielt unweit einer Brücke. Der Waggon, auf dem sich Havighorst befand, hielt so an, daß die einstigen Gefangenen, die froh waren, endlich wieder in die Heimat zurückkehren zu können, die Belgier auf der Brücke sehen konnten. Was sie jedoch sahen waren Grimassen, der reine Deutschenhaß.

Ludwig Havighorst, Traueranzeige.png

Urplötzlich ließen die Männer einen mitgebrachten schweren Findling nach unten fallen, die Deutschen konnten nicht ausweichen, der Stein traf einen jungen Kameraden voll, sein Blut spritzte die anderen voll. So nahe der Heimat, um nun ermordet zu werden. Schon setzten die Ungeheuern zu weiteren Wurf an, als die Briten, die für den Schutz des Transports zuständig waren, ihre Maschinengewehre anhoben und auf die Belgier feuerten. Dies hatte ein noch größere Tragödie verhindert.

Nachkriegszeit

Am 12. September 1945 erreichte Havighorst die Heimat, erkrankt und Monate des Hungers hatten aus dem drahtigen 75-kg-Mann nur 44 kg übriggelassen. Nur Tage später wurde er mit Gelbsucht in ein Krankenhaus zwangseingewiesen. Er hat sich in der Nachkriegszeit als Bäckermeister mit eigenem Betrieb eine Existenz aufgebaut.

Franz Kurowski

Der Autor Franz Kurowski schrieb zu seinem 2007 erschienenem Buch „Ludwig Havighorst – Als Kampfflieger und Fallschirmspringer an den Brennpunkten der Front“:

„Dies ist die Geschichte eines deutschen Soldaten, der in zehnjähriger Dienstzeit von 1935 bis 1945 in Frieden und Krieg in der Deutschen Wehrmacht diente und sowohl beim Heer, als auch bei der Luftwaffe und der Fallschirmtruppe im Kriegseinsatz stand. In den Reihen des Infanterielehrregimentes, eines Eliteverbandes der Deutschen Wehrmacht ausgebildet, nimmt er an Stoßtruppeinsätzen an der Westfront teil. Zum Kampfflieger ausgebildet und als Angehöriger des Kampfgeschwaders 27 ‚Boelcke‘ ist er an 54 Feindflügen gegen England beteiligt, erlebt die Angriffe seines Geschwaders auf Moskau, nach Astrachan, in den Kaukasus, an die Wolga, bei der Operation Zitadelle, über Kursk und bringt mit seiner Maschine dringend benötigte Versorgungsgüter ins eingeschlossene Stalingrad. Nach seinem schweren Unfall am 19. Oktober 1943 fluguntauglich, wird Ludwig Havighorst, inzwischen zum Hauptmann[3] befördert, zum Fallschirmjägerregiment 9 versetzt und erlebt als Kompaniechef der 15. Fallschirmpionierkompanie den Fallschirmjägereinsatz im Westen des Reiches, in den Ardennen und im Rheinland. Nach seiner Gefangennahme am 5. März 1945 nach Cherbourg transportiert, wird er, da er arbeitsunfähig ist, im September 1945 vorzeitig aus seiner Kriegsgefangenschaft in seine Heimat nach Haltern entlassen.“

Familie

Else Havighorst, geb. Thole.png

Leutnant Havighorst heiratete am 11. Juli 1944 seine Verlobte Else, geb. Thole, die Tochter von Clemens Johann Thole und der Anna, geb. Hatkämper. Die Kriegstrauung fand in der Sankt Sixtuskirche in Haltern statt. Aus der Ehe sind fünf Kinder entsprossen, die Söhne Ludwig M. und Ralf sind bekannte Rechtsanwälte und seit 1991 Inhaber der Kanzlei „Havighorst & Partner“ (Markt 7 in 45721 Haltern am See).

Auszeichnungen (Auszug)

Fußnoten

  1. Das Flugbuch weist insgesamt 496 Flüge aus.
  2. Fallschirmjäger-Regiment 9, Lexikon der Wehrmacht
  3. Die meisten Quellen geben als letzten Dienstgrad Oberleutnant an, Franz Kurowski jedoch schreibt, daß Havighorst noch in den letzten Kampftagen am Rhein zum Hauptmann befördert wurde, dies erfuhr er jedoch erst nach der Kriegsgefangenschaft in der Nachkriegszeit. Die Familie bestätigt (Stand: 2018), daß er noch zum Hauptmann eingereicht wurde, die Beförderung ist jedoch offiziell nicht gesichert.
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