Blair, Tony

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Anthony „Tony“ Charles Lynton Blair (Lebensrune.png 6. Mai 1953 in Edinburgh, Großbritannien) ist ein britischer Politiker und seit 2015 prominenter „Goj“ in Moshe KantorsEuropäischem Rat für Toleranz und Versöhnung“. Als Regierungschef des Vereinigten Königreichs (1997–2007) und Vorsitzender der Labour-Partei (1994–2007) betrieb er mit größtem Einsatz die Überfremdung und Zivilinvasion Großbritanniens und befahl kriegerische Einsätze innerhalb und außerhalb Europas.

Tony Blair

Inhaltsverzeichnis

Werdegang

Herkunft

Tony Blair vor seinem Haus in London zwei Wochen nach dem „Brexit“-Referendum, 6. Juli 2016

Tony Blair wurde als zweites Kind des Rechtsanwalts Leo Blair und dessen Frau Hazel am 6. Mai 1953 in Edinburgh in Schottland geboren. Er wuchs mit seinen beiden Geschwistern in Glasgow, Adelaide/Australien und der nordenglischen Industriestadt Durham auf. Leo Blair strebte eine Kandidatur für das britische Unterhaus an, erlitt jedoch einen Schlaganfall, als Tony elf Jahre alt war.

Ausbildung

Nach der Chorister School in Durham besuchte Blair von 1966 bis 1971 das exklusive private Fettes College in Edinburgh. Anschließend studierte er bis 1975 Rechtswissenschaften am St. John's College in Oxford. Nach seinem Studienabschluß 1975 wurde er Rechtsassessor und lernte seine spätere Ehefrau, Cherie Booth kennen.

Blair entwickelte Interesse und Sympathien für die Lehren Leo Trotzkis und Karl Marxens sowie für die christlich-sozialreformerischen Ideen des schottischen Philosophen John Macmurray. 1975 wurde Blair Mitglied der damals von Harold Wilson geführten Labour Party.

Wirken

Tony Blair wird in Großbritannien von Linksaußen bis Rechtsaußen (hier die BNP) beschuldigt, Kriegsverbrecher und Kriegstreiber zu sein.[1]

Anwaltstätigkeit und Aufstieg in der Partei

Seine Berufstätigkeit begann Blair in der Anwaltskanzlei von Alexander Irvine, den er später zum Lord Chancellor ernannte. 1976 erwarb er seine Anwaltszulassung und spezialisierte sich in der Folgezeit auf das Arbeits- und Wirtschaftsrecht. Gleichzeitig entwickelte er zahlreiche gute Kontakte zu führenden Labour-Politikern. 1982 scheiterte er bei Unterhaus-Nachwahlen im (konservativen) Wahlkreis Beaconsfield, gewann aber im Juni 1983 ein sicheres Mandat im Bergarbeiterdistrikt Sedgefield (Grafschaft Durham). Im Parlament verfügte die oppositionelle Labour zu dieser Zeit über lediglich 209 Sitze, die Konservativen dagegen über 397. Maßgeblich gefördert durch Neil Kinnock, der im Oktober 1983 Michael Foot als Parteichef abgelöst hatte, gelang Blair innerhalb von nur sieben Monaten ein rasanter Aufstieg in der Partei. Von 1984 bis 1987 fungierte er als Oppositionssprecher für Finanz- und Wirtschaftspolitik und vertrat nach der Wiederwahl von Premierministerin Margaret Thatcher (Juni 1987) seine Fraktion in Handels- und Industriefragen.

Nach dem Debakel bei der Unterhauswahl vom 9. April 1992 (Labour: 34,4 %) übernahm John Smith den Vorsitz der zum vierten Mal in die Opposition verwiesenen Partei.

Parteivorsitz

Als John Smith am 12. Mai 1994 nach einem Herzinfarkt starb, wurde Blair am 21. Juli 1994 mit über 57 % der Stimmen zum Vorsitzenden gewählt. Der spätere Schatzkanzler Gordon Brown, der von einigen favorisiert worden war, hatte zuvor zu Blairs Gunsten zurückgesteckt. Hartnäckig hielten sich später Gerüchte, Blair habe im Gegenzug das Versprechen gegeben, irgendwann als Parteiführer und Premier zu Browns Gunsten zurückzutreten. Die Rivalität zwischen Gordon Brown und Tony Blair war in der Folge immer wieder Gegenstand von Kommentaren und Spekulationen.

In der Folge setzte der medienwirksame Blair bei Labour eine Modernisierung der Themen durch und leitete den Wandel von der traditionell gewerkschaftsnahen Organisation zur offenen Mitgliederpartei ein. Auf dem Parteitag in Blackpool (Oktober 1994) propagierte Blair "New Labour, New Britain" als Zukunftsvision, und im April 1995 stimmte – gegen den erbitterten Widerstand mehrerer Gewerkschaftsverbände und der Parteilinken – ein Sonderparteitag für die Abschaffung des Paragrafen "Clause IV" der Parteiverfassung von 1918, der den Vorrang staatlichen Gemeinschaftseigentums vor Privatbesitz festschrieb. Im Sommer 1995 war der programmatische Wandel nahezu vollendet: Grundsätze wie Vollbeschäftigung und Wohlfahrtsstaat wurden durch ein Bekenntnis zum freien Unternehmertum und die Verpflichtung zur Inflationsbekämpfung und Haushaltsdefizitbegrenzung ersetzt. Nach dem ersten Blair-Jahr als Parteichef verzeichnete Labour über 150.000 Zugänge und feierte bei Kommunalwahlen Erfolge. Anfang April 1997 wurde das Wahlkampfprogramm von Labour mit den Schwerpunkten Ausbildung, Steuersenkung und Dezentralisierung sowie einer Absage an einen "europäischen Superstaat" vorgestellt.

Erste Amtszeit als Regierungschef 1997–2001

Am 1. Mai 1997 erlitten die Konservativen mit dem Verlust von 171 Mandaten ihre schlimmste Niederlage seit 1832, Labour errang mit 44,4 % der Stimmen und 418 (von 659) Sitzen den größten Wahlsieg der Parteigeschichte. Am 3. Mai wurde Blairs Kabinett vereidigt.

Tony Blair wandte sich der Neugestaltung der innenpolitischen Rahmenbedingungen zu und versuchte, eine nationalstaatliche Politik im Zeichen globaler Märkte zu entwickeln. Bemerkenswert waren die Schaffung einer als unabhängig erklärten englischen Zentralbank nach europäischem Muster und die Abschaffung des Sitz- und Stimmrechts für den Erbadel, ferner die Errichtung von Regionalparlamenten in Wales und Schottland im Rahmen der sogenannten "Devolution", d. h. Stärkung der Regionen und Großkommunen zu Lasten der Zentralregierung. In der Außenpolitik pflegte Blair die traditionell guten Beziehungen zu den VSA (u. a. Teilnahme britischer Streitkräfte am amerikanischen Militärschlag gegen Ziele im Irak im Dezember 1998) und bemühte sich, nach der Rückgabe Hongkongs an die Volksrepublik China in den sino-britischen Beziehungen ein neues Kapitel aufzuschlagen. Den Themen Europäische Union und Euro räumte Blair eine größere Priorität als die Vorgängerregierung ein. Nach dem NATO-Bombardement auf die Bundesrepublik Jugoslawien (März bis Mai 1999) forderte Blair als Konsequenz aus dem Kosovokonflikt den Ausbau einer gemeinsamen europäischen Sicherheitspolitik. In der britischen Presse zeigte man sich überrascht, daß der einstige (Falkland-)Kriegsgegner Blair im NATO-Bündnis nun als "Falke" agierte und über den Luftwaffeneinsatz hinaus Bodentruppen in den Kosovo schicken wollte. Er überzeugte VS-Präsident Clinton, notfalls auch Bodentruppen im Kosovo einzusetzen. Im gleichen Jahr verlieh man ihm den Internationalen Karlspreis der Stadt Aachen.

Am 8. Juni 1999 stellten Blair und der OMF-Regierungschef Gerhard Schröder (SPD) in London im sog. "Blair-Schröder-Papier" ihre Überlegungen zu einer Modernisierung der sozialdemokratischen Politik in Europa vor.

Ab Sommer 1999 wurden Personalquerelen im Kabinett sichtbar, eine Parteispendenaffäre um den Formel-1-Chef Bernie Ecclestone trat zutage. Im Oktober 1999 kam es zu einer Umbildung des Kabinetts, Blair rehabilitierte seinen Vertrauten, den im Dezember 1998 wegen einer Finanzaffäre zurückgetretenen jüdischen Handels- und Industrieminister Peter Mandelson und ernannte ihn zum Nordirlandminister.

Zweite Amtszeit 2001–2005

Bei den Unterhauswahlen am 7. Juni 2001 gewann Labour erneut mit großem Vorsprung und sicherte sich mit 40,7 % der Stimmen 413 (-6) Sitze. Blair nahm in seinem neuen Kabinett einige Umbildungen vor. Für Überraschung sorgte v. a. die Ernennung des bisherigen jüdischen Innenministers Jack Straw als Nachfolger von Robin F. Cook zum Außenminister. Schwerpunkte in der neuen Legislaturperiode sollten in der Verbesserung des lange Zeit chronisch unterfinanzierten Gesundheitswesens, des staatlichen Erziehungssystems und der öffentlichen Dienste wie Transport und Polizei liegen. Die von Blair in diesem Zusammenhang vertretenen Privatisierungspläne (u. a. bei Krankenhäusern, Schulen, U-Bahn) riefen bei den Gewerkschaften und bei der Parteilinken heftige Proteste hervor. Anfang 2002 kam es deshalb zu einer großen Streikwelle. Wiederholt sprach sich Blair für eine stärkere europäische Integration seines Landes aus und kündigte ein Referendum über den Beitritt zur Europäischen Währungsunion an. Im Juni 2003 gab Schatzkanzler Brown allerdings bekannt, daß Großbritannien vorerst der Währungsunion nicht beitreten werde.

Im Herbst 2004 entschied Blair einen innerparteilichen Machtkampf mit dem Schatzkanzler Gordon Brown für sich, indem er im Rahmen einer kleinen Kabinettsumbildung den früheren Gesundheitsminister Alan Milbum als Chefstrategen der Regierung im Ministerrang in sein Kabinett holte und ihm die Verantwortung für die Labour-Wahlkampfstrategie übertrug, die bisher Brown verwaltet hatte.

Ab dem 6. Februar 2005 war Blair der bisher am längsten regierende Labour-Premierminister.

Unterstützung George W. Bushs und Irakkrieg

Tony Blair und George W. Bush am 12. November 2004

Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in den VSA schloß sich Blair, der auch zum neuen VS-Präsidenten George W. Bush ein besonders enges Verhältnis pflegte, sofort kompromißlos der VS-Parole eines weltweiten Kampfes gegen den Terrorismus an. Seine Appelle für Interventionismus und eine mit Hilfe der VSA durchzusetzende Neuordnung der Welt und sein Versuch, dabei eine bedeutende Rolle Großbritanniens in der Weltpolitik zu etablieren, stießen vielerorts auf Befremden, da er auch durch seine Diplomatie zur Irak-Krise 2003 zur Spaltung der europäischen Länder über die Irak-Frage beitrug.

Von Beginn an unterstützte Blair auch Bushs Pläne für einen möglichen Angriff auf den Irak, nachdem dieser immer wieder die Zusammenarbeit mit VN-Waffeninspektoren boykottiert hatte. Blairs Begründungen fokussierten auf die Behauptung, der Irak besitze Massenvernichtungswaffen und habe VN-Resolutionen verletzt. Ein möglicher Krieg war international wie auch im eigenen Land heftig umstritten und führte zum Rücktritt mehrerer Minister. Großbritannien nahm mit 46.000 Soldaten, einem Drittel der gesamten Stärke der Armee, am Irakkrieg von 2003 teil. Am 20. März 2003 begann der Angriff der Alliierten ohne VN-Mandat, nachdem am Vortag das britische Unterhaus mehrheitlich Blairs Vorgehen gebilligt hatte. Der Fall der Hauptstadt Bagdad am 9. April wurde als Zeichen des Zusammenbruchs des Regimes von Saddam Hussein gedeutet, und Anfang Mai 2003 konstatierte VS-Präsident Bush ein Ende der Kampfhandlungen.

Der britische Truppeneinsatz war von zahlreichen Pannen gekennzeichnet. So waren die Invasionstruppen nur unzureichend bewaffnet, Munition fehlte, Schutzanzüge gegen ABC-Waffen waren nur für einen kleinen Teil der Truppe vorhanden, obwohl doch gerade die – nicht vorhandenen – irakischen Massenvernichtungswaffen offiziell für den Krieg herhalten mußten.

Nach dem Sturz Saddam Husseins wurden die Truppen vorrangig im Süden des Irak stationiert. Als sich die Existenz von Massenvernichtungswaffen nach Kriegsbeginn und Besetzung des Iraks nicht bestätigte, geriet Blair innenpolitisch unter Druck. Ihm wurde vorgeworfen, die vorliegenden Indizien einer irakischen Bedrohung massiv übertrieben zu haben. Im November 2007, nach dem Ende seiner Amtszeit, erklärte Blair im Rahmen einer BBC-Dokumentation, daß er den Krieg ausdrücklich gewollt und sich gegenüber VS-Präsident Bush auch niemals um eine diplomatische Lösung im Irak bemüht habe.[2] In den gut sechs Jahren des Irak-Einsatzes wurden 179 britische Soldaten getötet.

Eine Überprüfungskommission stellte fest, Tony Blair habe das Parlament belogen und die Öffentlichkeit getäuscht: “Die Geheimdienste kommen zu dem Schluß, daß der Irak chemische und biologische Waffen besitzt und weiter herstellt und daß er deren Einsatz plant. Innerhalb von 45 Minuten können diese Waffen eingesetzt werden, zum Beispiel gegen Schiiten”, hatte Blair am 24. August 2002 vor dem Unterhaus ausgeführt.

Vorbehaltlos unterstützte Blair auch im Okt./Nov. 2001 die Kriegsakte in Afghanistan, die angeblich dem als Drahtzieher der VS-Anschläge geltenden saudischen Islamisten Osama bin Laden und dessen Netzwerk Al Qaeda (Al Kaida) Unterschlupf boten. Der Militärschlag unter VS-Führung sollte schließlich zum Sturz der Taliban führen.

Mitte Oktober 2003 billigte der UN-Sicherheitsrat einstimmig eine neue, mehrfach überarbeitete Irak-Resolution, die einer multinationalen Truppe unter VS-Kommando das Mandat für einen Einsatz erteilte. Der Irak kam nach dem Ende der Kampfhandlungen nicht zur Ruhe. Wegen der mageren Ergebnisse der Reformpolitik von New Labour und des militärischen Engagements im Irak büßten Blair und seine Partei in Großbritannien an Popularität ein.

Innenpolitisch ging Blair nach dem Wahlsieg zunächst die Erfüllung seiner Versprechen bezüglich der öffentlichen Dienstleistungen an. Seine Regierung erhöhte die Steuern, um die Ausgaben für Bildung und Gesundheitswesen zu erhöhen.

Nach dem Tod des Waffenexperten und Beraters der britischen Regierung David Kelly am 17. Juli 2003 wurden die Rücktrittsforderungen aus den eigenen Reihen und von der Opposition immer lauter. Kelly hatte gegenüber einem BBC-Reporter angedeutet, daß ein Irak-Dossier des Geheimdienstes und Regierungsberichte zu den irakischen Waffenprogrammen aufgebauscht gewesen seien. Ende August 2003 mußte der Verfasser der umstrittenen Regierungsberichte, Blairs Kommunikationschef Alastair Campbell, zurücktreten. Blair, der an der Richtigkeit der Informationen noch bis September 2004 öffentlich festhielt und deshalb öffentlich als "B-liar" (Lügner) verhöhnt wurde, sah sich Spekulationen über einen möglichen Rücktritt ausgesetzt. Am 29. Januar 2004 veröffentlichte der mit der Untersuchung der näheren Umstände des Todes betraute Lordrichter Brian Hutton den Schlussbericht seiner Arbeit (Hutton-Bericht). Dort wurde auch die Frage erörtert, ob Tony Blair die Order zur Preisgabe des Namens des Biowaffenexperten gab. Tony Blair und die Öffentlichkeit interpretieren den Abschlußbericht als völlige Entlastung.

Ein Tiefpunkt in der Vertrauenswürdigkeit bei den Wählern war im Mai 2004 erreicht, als Berichte über Mißhandlungen von Gefangenen durch britische Soldaten die von Blair stets bemühte humanitäre Rechtfertigung für die Beseitigung von Saddam Hussein mit militärischer Gewalt desavouierten. Anfang Mai 2004 entschuldigte sich Blair beim irakischen Volk für alle Vergehen der britischen Truppen. Im Juli 2004 kam die von Lord Butler geführte Untersuchungskommission zu dem Ergebnis, daß die britischen Geheimdienste mit ihren Berichten über irakische Massenvernichtungswaffen zum Teil unzuverlässige Informationen geliefert hätten, die Regierung Blair aber vom Vorwurf bewußter Irreführung entlastet werden müsse.

Nach einem Treffen mit Blair sprach sich der irakische Präsident Jalal Talabani im Oktober 2005 gegen einen voreiligen Rückzug der Koalitionstruppen aus dem Irak aus, der eine Katastrophe bedeuten könne und einen Sieg der Terroristen darstellen würde. Das britische Truppenkontingent in Afghanistan wurde auf Beschluß des britischen Kabinetts (Januar 2006) von bisher 850 auf bis zu 5.700 Soldaten erhöht.

Bei zweitägigen Gesprächen Blairs mit VS-Präsident Bush Ende Mai 2006 in Washington standen die Lage im Irak – im Januar war der 100. britische Soldat seit Beginn des bewaffneten Konflikts ums Leben gekommen – und der Atomstreit mit dem Iran im Mittelpunkt. In öffentlichen Stellungnahmen räumten beide Fehler ein. Beide betonten jedoch, daß sie grundsätzlich den gewaltsamen Sturz Saddam Husseins weiterhin richtig fänden, und forderten eindringlich zum Durchhalten im Irak auf. Allerdings kündigte Blair im Februar 2007 den Abzug von 1.600 britischen Soldaten aus dem Süd-Irak an. Zu einer schweren internationalen Krise kam es zu Anfang 2007, nachdem der Iran 15 britische Soldaten gefangengenommen hatte. Im April kündigte Präsident Mahmud Ahmadinedschad jedoch als "Geschenk an das britische Volk" deren Begnadigung und Freilassung an.

Im Februar 2006 billigte das Parlament die Einführung biometrischer Identitätskarten ab dem Jahr 2008 und den Aufbau einer nationalen Einwohnerdatenbank.

Der Friedensprozeß in Nordirland

Einen wichtigen Platz auf Blairs Agenda hatte von Beginn seiner Amtszeit an der immer wieder stockende Friedensprozeß in Nordirland eingenommen. National wie international begrüßt wurde das am 10. April 1998 unterzeichnete sogenannte „Karfreitagsabkommen“, das Blair und Sinn-Féin-Chef Gerry Adams am 13. Oktober 1997 auf den Weg gebracht hatten. Allerdings vermochte dieses zunächst keine dauerhafte Lösung des Konflikts zu bewirken.

Von einer „neuen politischen Ära“ sprachen Beobachter, als am 2. Dezember 1999 eine nordirische Regionalregierung (Executive Committee) nach 27 Jahren britischer Direktverwaltung die Amtsgewalt übernahm. Vorausgegangen war der am Vortag vom britischen Unterhaus verabschiedete „Devolution Act“, der Nordirland weitgehende Teilautonomie zugestand.

Hauptstreitpunkt blieb in Nordirland die Entwaffnung der IRA als Vorbedingung für eine Zusammenarbeit der nordirischen Protestanten mit der IRA-nahen Partei Sinn Féin. Bei den Wahlen in Nordirland am 26. November 2003 setzte sich auf katholischer Seite erwartungsgemäß Sinn Féin durch. Bei den Protestanten gewann die Partei des Priesters Ian Paisley die Mehrheit.

Der Mord an Denis Donaldson, einem ehemaligen hohen Funktionär von Sinn Féin, der über 20 Jahre lang für den britischen Geheimdienst gearbeitet hatte, belastete die Gespräche zwischen Blair und Ahern im nordirischen Armagh am 6. April 2006, bei denen es um die Rettung des „Karfreitagsabkommens“ von 1998 ging. Beide Seiten einigten sich dabei darauf, daß bis Ende November wieder eine weitgehend autonome Regionalregierung die Geschicke Nordirlands bestimmen sollte. Wenn die zerstrittenen nordirischen Parteien sich bis zum Ende des Ultimatums nicht einigen könnten, würden London und Dublin in die Bresche springen. Ziel einer dreitägigen Konferenz im schottischen St. Andrews im Oktober 2006 unter Leitung von Blair und Ahern war es, die Selbstverwaltung der Provinz wieder herzustellen. Zuvor hatte eine unabhängige Überwachungskommission bestätigt, daß die IRA ihre paramilitärischen Aktivitäten vollständig eingestellt habe. Im Gegenzug wurde im Beisein von Königin Elizabeth II. das Königliche Irische Regiment aufgelöst. Im November verlängerte Blair die Frist für die Konfliktparteien zur Bildung einer Regierung für Nordirland bis Ende März 2007, nachdem sich zuvor die Democratic Unionist Party (DUP) von Ian Paisley und Sinn Féin von Gerry Adams zwar angenähert, aber nicht endgültig geeinigt hatten.

Am 30. Januar 2007 kündigten Tony Blair und Ahern Neuwahlen zum nordirischen Regionalparlament für den 7. März an. Sie zogen damit die Konsequenzen aus der Entscheidung der Sinn-Féin-Partei, die Legitimität der nordirischen Polizei und Justiz anzuerkennen. Am 8. Mai 2007 schließlich konnte im Parlament von Stormont in Belfast die neue Regionalregierung Nordirlands vereidigt werden. Erster Minister wurde Ian Paisley von der protestantischen DUP, Stellvertreter Martin McGuiness von der proirischen Sinn Féin.

Dritte Amtszeit ab 2005 und Rücktritt

Wahlkampfplakate zur Wahl 2005

Nach einem vergleichsweise kurzen Wahlkampf mit in erster Linie wirtschaftspolitischen Erfolgsthemen erzielten die „Doppelspitze Blair-Brown“ und die Labour-Partei bei der Unterhauswahl vom 5. Mai 2005 – trotz deutlicher Verluste auf nur noch 36 % der Stimmen – wieder die Mehrheit der Sitze, und Blair wurde zum dritten Mal in Folge mit der Regierungsbildung beauftragt. Im Vorfeld der EU-Ratspräsidentschaft (1.7.-31.12.2005) sorgte Blair für Aufsehen, als er nach den negativen EU-Verfassungsentscheiden in Frankreich und den Niederlanden die geplante Volksabstimmung in Großbritannien auf unbestimmte Zeit verschob und trotz der EU-Finanzkrise auf dem Brüsseler Gipfel (17./18.6.2005) auf den britischen Sonderrechten beharrte.

Am 17. Dezember 2005 einigten sich die Staats- und Regierungschefs der damals 25 EU-Mitgliedsstaaten in Brüssel auf ein Budget für die Jahre 2007 bis 2013. Der Kompromiß sah u. a. vor, daß der sogenannten Briten-Rabatt bis 2013 schrittweise gesenkt werden und sich über die ganze Finanzierungsperiode um 10,5 Milliarden Euro verringern sollte.

Im März 2006 geriet die Labour-Partei mit der „Cash for honours“-Affäre um den jüdischen Baron Levy in die Schlagzeilen, weil mehrere Geldgeber im Gegenzug für die Gewährung eines Wahlkampfdarlehens auf die Vorschlagsliste für Lordtitel und Sitze im Oberhaus gesetzt worden waren. Im Zusammenhang mit den Ermittlungen wurde auch Blair – als erster Premierminister in der britischen Geschichte – von Scotland Yard verhört.

Auf eine Schlappe seiner Labour-Partei bei Kommunalwahlen vom 4. Mai 2006 reagierte der Premierminister mit einer großen Kabinettsumbildung. Unter anderem wurde Außenminister Jack Straw von der bisherigen Umweltministerin Margaret Beckett abgelöst.

Im Juli 2006 war die Zustimmungsrate für den von der Opposition als „lame duck“ verhöhnten Blair in Umfragen auf ihren tiefsten Stand (26 %) gefallen, und Gefolgsleute von Schatzkanzler Brown heizten durch Rücktritte und öffentliche Rücktrittsforderungen an Blair das innerparteiliche Klima zunehmend an. Am 7. September erklärte der Premier, er werde auf dem Labour-Parteitag 2007 nicht mehr als Partei- und Regierungschef antreten. In seiner letzten Rede als Parteivorsitzender und Premierminister am 26. September lobte Tony Blair seinen Finanzminister Gordon Brown, ohne ihn eindeutig als Kandidaten für seine Nachfolge zu benennen. Er betonte auch die Bedeutung der Allianz Großbritanniens mit den VSA sowie mit der Europäischen Union. Leitmotiv seines letzten Regierungsprogramms war die Sicherheit; als wichtige Punkte wurden Maßnahmen gegen Terrorismus und Klimawandel genannt. Zuvor hatte die britische Regierung eine vom früheren Chefökonomen der Weltbank, Nicholas Stern, erarbeitete wirtschaftliche Risikoanalyse zum weltweiten Klimaschutz vorgestellt, wonach die Gefahr eines verheerenden Einbruchs der Weltwirtschaft als Folge klimatischer Veränderungen extrem hoch sei. Blair kündigte an, Großbritannien werde sich an die Spitze der Bewegung für den Klimaschutz stellen. Hierzu befürwortete er auch einen Ausbau der Atomenergie. Seine Regierung verabschiedete innenpolitisch ein Gesetz zur Einführung der Lebenspartnerschaft für homosexuelle Paare, das Mitte Dezember 2005 in Kraft trat. (→ Homosexualisierung)

Das britische Unterhaus beschloß am 14. März 2007 die 20 Milliarden Pfund teure Anschaffung neuer mit Atomwaffen bestückter U-Boote. Bei Regionalwahlen am 3. Mai büßte die Labour-Partei ihre Vormacht in Schottland und Wales ein und mußte in England deutliche Verluste einstecken. Eine Woche später kündigte Blair seinen Rücktritt als Premierminister und Labour-Parteivorsitzender zum 27. Juni an. Das Exekutivkomitee der Partei bestimmte am 17. Mai Schatzkanzler Gordon Brown offiziell zum Nachfolger Blairs. Ein Sonderparteitag bestätigte am 24. Juni diesen Vorschlag.

Nachdem Blair in seiner letzten außenpolitischen Amtshandlung beim EU-Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs in Brüssel durchgesetzt hatte, daß die Grundrechte-Charta für Großbritannien rechtlich nicht verbindlich sei, übergab er die Regierungsgeschäfte am 27. Juni an seinen Nachfolger. In Erinnerung blieben das Nordirland-Abkommen und die zutage getretene Abhängigkeit vom VS-Präsidenten ("Bushs Pudel") sowie Blairs aktive Rolle im Irakkrieg.

Ereignisse nach der Amtszeit als Premierminister

Nahost-Vermittler

Am 26. Juni 2007 hatte sich das Nahost-Quartett aus UNO, EU, USA (Israel) und Rußland auf Vorschlag von VS-Präsident Bush darauf geeinigt, Blair zum Sonderbeauftragten zur Vermittlung im Nahost-Konflikt zu ernennen. Obwohl Blair als Premierminister bereits bei früheren Vermittlungsaktionen, z. B. im September 2006, tätig geworden war und mehrfach in Staaten des Nahen Ostens gereist war, war diese Entscheidung umstritten. Insbesondere wurde ihm vorgeworfen, er habe im Krieg zwischen Israel und der libanesischen Hisbollah im Sommer 2006 Forderungen nach einem Waffenstillstand zu lange blockiert. Am 23. Juli nahm Zionist Blair erste Gespräche in seinem neuen Amt auf und besuchte in einer ersten Runde Jordanien, Israel und Palästina. Außerdem kündigte er an, Iran und Syrien in die Lösung des Nahost-Problems mit einbeziehen zu wollen.

Beauftragter für jüdische Lobbyinteressen

Im Juni 2015 übernahm Blair nach ergebnislosem Ende seiner Nahostreisen und -unterredungen der vorangegangenen Jahre den Vorsitz einer NWO-Organisation Moshe Kantors, die sich der totalitär zu erzwingenden Anpassung des Verhaltens und Redens von Europäern an die Anforderungen jüdischer Lobbygruppen widmet. (→ „Europäischer Rat für Toleranz und Versöhnung“)

Weitere Ereignisse

Ende Oktober 2007 wurde bekannt, daß Blair vom Verlag Random House neun Millionen Fed-Dollar Vorschuß für seine Memoiren erhalten sollte, die er selbst schreiben wolle.[3]

Die zum jüdischen Murdoch-Konzern gehörende Boulevardzeitung „The Sun“ hatte Blair in mehreren Wahlkämpfen unterstützt. Bei der Wahl 2010 empfahl Rupert Murdoch die Konservativen von David Cameron.[4]

Tony Blair verdiente mit seinen vielfältigen Beschäftigungen nach seiner Amtszeit zeitweilig 24,8 Millionen Euro jährlich.[5]

Im Januar 2008 wurde bekannt, daß Blair eine Teilzeitstelle bei der amerikanischen Investmentbank JPMorgan und dem Schweizer Versicherer Zurich angenommen hat.[6]

Der ehemalige britische Premierminister Tony Blair wird Berater der Investmentbank J. P. Morgan. Außerdem soll er den Chef des Schweizer Versicherungskonzerns Zurich Financial Services, James Schiro, in Fragen der internationalen politischen Entwicklung und des Klimaschutzes beraten. Blair kündigt an, daneben auch noch einige weitere Aufgaben in der Privatwirtschaft übernehmen zu wollen.

29. Januar 2010: Ex-Premierminister vor Untersuchungskommission zum Irakkrieg

Blair stellt sich in London einer sechsstündigen Befragung durch die sogenannte Chilcot-Kommission, welche Äußerungen zum Irakkrieg sammelt. Dabei rechtfertigt er den Krieg aus damaliger und heutiger Sicht und weist den Vorwurf zurück, er habe bereits im Frühjahr 2002 zusammen mit VS-Präsident George W. Bush beschlossen, Saddam Hussein mit Gewalt zu stürzen.

Auszeichnungen und Ehrungen (Auszug)

  • Ehrenvorstandsmitglied des Lincoln's Inn (1994)
  • Privy Councillor (1994)
  • Ehrendoktorwürde der Northumbria-Universität (1995)
  • Karlspreis der Stadt Aachen (1999)
  • Ellis Island Medal of Honor for International Leadership (2003)
  • 17. Februar 2009: Tony Blair und HIV/AIDS-Forscher Robert Gallo erhalten neben anderen den mit je einer Million Fed-Dollar dotierten Dan-David-Preis der gleichnamigen Stiftung aus Tel Aviv, Israel.

Familie

Tony Blair ist seit 1980 mit der Rechtsanwältin, Katholikin und Feministin Cherie Booth verheiratet. Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor:

  • Euan Anthony (Lebensrune.png 1984)
  • Nicholas John (Lebensrune.png 1985)
  • Kathryn Hazel (Lebensrune.png 1988)
  • Leo George (Lebensrune.png 2000)

Blair war bis zum 21. Dezember 2007 Anglikaner, seither ist er römisch-katholisch, die Kinder sind römisch-katholisch getauft. Blairs Konversion war seit Jahren im Gespräch gewesen. Während seiner Amtszeit wollte er ihn jedoch offenbar nicht vollziehen, da der Premierminister der Königin, welche die Staatskirche nominell anführt, die anglikanischen Bischöfe zur Ernennung vorschlägt. In Großbritannien gab es zuvor seit mehr als 400 Jahren keinen katholischen Regierungschef.[7]

Verfilmungen

  • 2003: Doppelspitze (Dokudrama)
  • 2003: Die Simpsons (Zeichentrick)
  • 2006: Die Queen (Drama)
  • 2007: The Trial of Tony Blair (Satire)
  • 2010: Der Ghostwriter - The Ghost Writer (Drama). Der Autor der Romanvorlage (Ghost), Robert Harris, war mit dem ehemaligen Premierminister Tony Blair um 1997 befreundet. 2007 rechnete er jedoch mit ihm ab und obwohl die Charaktere im Film Adam Lang und Richard Rycart heißen, sind die Bezüge zu Blair und seinem ehemaligen und 2005 plötzlich verstorbenen Außenminister Robin Cook unverkennbar. Der Film spielt auf die Verstrickungen des britischen Premierministers zur CIA an sowie auf dessen politisches Handeln zugunsten der Interessen der USA und damit Israels.[8][9][10]

Zitat

über Blair

Verweise

Fußnoten

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