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Bismarck, Otto von

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Fürst Otto von Bismarck in Uniform von der Seite.jpg

Otto Eduard Leopold von Bismarck-Schönhausen (* 1. April 1815 in Schönhausen, Preußische Provinz Sachsen; † 30. Juli 1898 in Friedrichsruh bei Hamburg), auch der Eiserne Kanzler genannt, war ein deutscher Politiker. Bismarck gilt allgemein als der Gründervater des 1871 wiedererrichteten deutschen Nationalstaates Deutsches Reich. Bismarck war zugleich auch bis 1890 dessen erster Reichskanzler. Zuvor war er Bundeskanzler des Norddeutschen Bundes sowie Ministerpräsident und Außenminister von Preußen gewesen.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Geburtshaus
Bismarck als Knabe.jpg
Taufkirche

Otto von Bismarck war eine der wichtigsten Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts, das man auch als das "europäische Jahrhundert" bezeichnet. Nach der Gründung des Reiches 1871 infolge des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 war mit Deutschland ein neuer gewichtiger Machtfaktor in Europa entstanden. Als BRD-Ahnherr ist Bismarck jedoch denkbar ungeeignet; denn er war Zeit seines Lebens ein erbitterter Gegner des Parlamentarismus. Die Farben Schwarz-Rot-Gold, heute Fahne des BRD-Regimes, verachtete er. Bürgerliche Demokratievorstellung waren Bismarck fremd. Für Juden hatte der "eiserne Kanzler" wenig Sympathie; die Polen hat er pauschal abgelehnt und sich immer wieder negativ über sie geäußert. Alle Bürokraten waren für Bismarck ein rotes Tuch und zu keinem Zeitpunkt war er bereit, der sozialdemokratischen Opposition seiner Tage ein Möglichkeit zu lassen, die Geschicke des Landes mitzubestimmen. Die gewählten Abgeordneten seiner Zeit hat er bisweilen heftigst beschimpft.

Vom Studenten zum Gutsherren

Jugendbildnis von Bismarck um 1836.jpg

Bismarck wurde am 1. April 1815 auf dem väterlichen Gut Schönhausen in der Altmark geboren. Seinen ruhigen und naturverbundenen Vater Karl Wilhelm Friedrich hat er bis zu dessen Tod abgöttisch geliebt, derweil er seine ehrgeizige und strenge, aber auch hochgebildete und kluge Mutter nach eigenem Bekunden abgelehnt hat. Im Januar kommt der junge Bismarck in ein Berliner Internat, von 1827 bis 1832 besucht er das Gymnasium der Hauptstadt Preußens. In seinem Abiturzeugnis (es gehört nicht zu den besten) wünschen ihm seine Lehrer "erneuten Eifer" fürs anschließende Studium. Der Wunsch sollte sich nicht erfüllen. Ab dem Sommersemester 1832 studierte Bismarck zunächst in Göttingen, dann in Berlin Rechtswissenschaft. Ein vorbildlicher Student soll er nicht gewesen sein. Bismarck stand den Nachwirkungen der Julirevolution von 1830 und den damals in der Opposition befindlichen Burschenschaft ablehnend gegenüber. Er war überzeugter Corpsstudent der Landmannschaft Corps Hannovera Göttingen, einer schlagenden Studentenverbindung. In Göttingen war er eher auf dem Paukboden oder in der Kneipe anzutreffen als im Studierzimmer. In der geruhsamen Universitätsstadt hatte der breitschultrige und großgewachsene junge Mann, der wenig Wert auf seine Kleidung legte und von argen Schulden geplagt wurde, einen Ruf wie Donnerhall. In Berlin wieder hat man ihn kaum je in einer Vorlesung in der Universität gesehen. Sein Examenswissen hat er sich schließlich vom Repetitor einpauken lassen. 1835 legte Bismarck sein erstes juristisches Examen ab, dem ab 1836 eine wenig erfolgreiche Referendarzeit folgte. 1839 übernahm Bismarck nach dem Tod seiner Mutter die Verwaltung einiger elterlicher Güter und war nun endlich, mit 24 Jahren, sein eigener Herr.

Der Beginn seines Kampfes

Bismarck als Bundestagsgesandter.jpg
Fürst von Bismarck in Uniform im Profil.jpg

1847 beginnt Bismarck in der deutschen Geschichte eine fast beispiellose politische Karriere. Der preußische König Friedrich Wilhelm IV. hatte den sogenannten "Vereinigten Landtag" einberufen. Der junge Gutsherr Otto von Bismarck-Schönhausen war für einen erkrankten Standesgenossen in den Landtag eingezogen und hielt am 17. Mai 1847 eine erste längere Rede. Sie rief bei vielen Abgeordneten einen Sturm der Entrüstung hervor. Bismarck wies die Forderungen, die die liberalen Parlamentarier an den König gestellt hatten, schroff zurück und hielt ihnen eine geschichtliche Lehrstunde. Ein solches Verhalten von einen noch so jungen Mann waren die Herren im Parlament nicht gewohnt. Fast schon über Nacht wurde der Name des Gutsherren im ganzen Land Preußens bekannt.

1848 - die Revolution die keine war

»Nicht durch Reden werden die großen Fragen der Zeit entschieden, sondern durch Blut und Eisen!«
Bismarck im Anzug mit Hut und Stock.jpg

Nur zehn Monate später brach in Preußen und diversen anderen deutschen Staaten die Revolution 1848 aus. Die Motive der Aufständischen sahen auf den ersten Blick durchaus ehrenhaft aus: Sie wollten die deutsche Kleinstaaterei durchbrechen und die deutschen Fürsten und Könige, nicht selten auch mit weniger friedlichen Mitteln, dazu bewegen, ein einheitliches Reich aller Deutschen zu errichten. Bei näherer Betrachtung erwiesen sich die Revolutionäre allerdings als demokratische Phantasten, die ernsthaft beabsichtigten, über ein gewähltes Parlament ohne hinreichende Machtmittel die bisherigen deutschen Strukturen durch neue zu ersetzen; ihr Zeichen war die Fahne Schwarz-Rot-Gold. So wie kaum ein anderer Zeitgenosse war Bismarck entschlossen, sich diesem Ansinnen, auch gewaltsam, entgegenzustellen. Als im März 1848 auch in Schönhausen Demokraten versuchten, eine Revolutionsfahne zu hissen und die Macht an sich zu reißen, stellte sich Bismarck mit seinen bewaffneten Bauern gegen diese Leute und drohte offen, von der Schußwaffe Gebrauch zu machen. Seine Position war klar: Einerseits Befürwortung einer deutschen Einigung, andererseits Ablehnung einer schwächlichen demokratischen Republik. Die Zukunft sollte Bismarck recht geben. Die Revolution zerbrach schon wenig später an der inneren Zerrissenheit ihrer Triebkräfte, an der mangelnden Entschlußkraft ihrer Führer und nicht zuletzt an ihrer ungenügenden Akzeptanz im Volk. Bismarck sagte später, mit Mehrheitsbeschlüssen lasse sich eben kein Reich aufbauen; das sei der Fehler von 1848 gewesen. Zwar hatte der preußische König Friedrich Wilhelm IV. Truppen nach Baden, Dresden und in die bayrische Pfalz geschickt, um dort mitzuhelfen, die lokalen Aufstände niederzuwerfen, doch zugleich setzt er auch alles daran, eine Union der deutschen Staaten als Vorstufe zum einheitlichen Reich aller Deutschen zu schaffen. Zwar hielt der König Bismarck nach dessen Auftritten für einen gefährlichen Hitzkopf, dessen Radikalität stets weit übers Ziel hinausschoß. Doch trotzdem setzt er Vertrauen in den jungen Mann und förderte seine Karriere nach Kräften. Er schickte ihn als Gesandten zum Frankfurter Bundestag, wo Bismarck Zeit und Gelegenheit erhielt, die Kräftverhältnisse im zersplitterten Deutschland eingehend zu studieren.

1857 übernahm Wilhelm I. die Regierungsgeschäfte von seinem Bruder Friedrich Wilhelm IV.. Ein Jahr später wurde er Regent und schließlich 1861 König von Preußen. Der neue König sollte für Bismarck zur Schicksalsfigur werden. Fleiß, gesunden Menschenverstand, Härte gegen sich selbst, völlige Anspruchlosigkeit und Liebe zur Heimat zeichneten den Monarchen aus. Zunächst schickte er Bismarck nach St. Petersburg, um dort am Zarenhof die Interessen Preußens zu vertreten. Bismarck hatte nun die Möglichkeit, seine diplomatischen Fähigkeiten auch auf internationalem Gebiet auszubauen. Die Zeit in Rußland hat der preußische Diplomat intensiv genutzt und sie hat ihn sicher auch geprägt. Ein festes Bündnis zwischen Deutschen und Russen galt für Bismarck fortan als lebenswichtig für die Zukunft des deutschen Landes. Dabei war es wohl nicht nur die Liebe zu den Menschen Rußlands, die ihn beeinflußt hat. Vor allem lernte er in seiner Zeit in St. Petersburg, die riesigen Kräfte dieses Landes zu respektieren. 1862 spitzte sich in Berlin eine Krise zwischen dem Parlament und dem König stetig weiter zu. Bismarck wurde aus Rußland abberufen und in die Hauptstadt Preußens zurückbeordert. Man deutete ihm an, seine Ernennung zum Ministerpräsidenten stehe womöglich bevor, er sollte den Streit zu Gunsten des Königs Wilhelm I. entscheiden. Aber dann wurde er "nur" zum Gesandten in Paris ernannt und dorthin entlassen. Der König zögerte noch, den Hitzkopf aus der preußischen Provinz mit dem zweitwichtigsten Amt im Staat zu betrauen.

Mit Bismarck aus der Staatskrise

Arbeitszimmer

Am 23. September 1862 ernennt Wilhelm I., König von Preußen, Otto von Bismarck zum Ministerpräsidenten. Erst in höchster Not hat sich der Monarch entschließen können, Bismarck ins höchste Staatsamt zu berufen. Der Streit mit dem Parlament war zu diesem Zeitpunkt bereits derart eskaliert, daß Wilhelm I. daran dachte, abzudanken. Niemand konnte ernsthaft hoffen, daß der neue Ministerpräsident sich gegen das Parlament durchsetzen würde. In der Auseinandersetzung mit den Parlamentariern setzte der frischgebackene Ministerpräsident Preußens von Anfang an auf eine harte Konfrontationspolitik. Er zeigte nicht die geringste Neigung, sich mit den Herren Abgeordneten um einen Kompromiß zu bemühen, sondern regierte fortan mit Vertragsbeschlüssen, Auflösungsbescheiden und sogar Drohungen mehr gegen, als mit dem Parlament. Damit zog er sich zwar den Haß der Parteien zu, hatte aber mit seinem politischen Handeln auch den Staat Preußen aus einer tiefen Krise befreit. Die Härte des preußischen Ministerpräsidenten sollte wenige Jahre später ihre erste große außenpolitische Prüfung erfahren. Die Dänen machten sich daran, Schleswig und Holstein durch Geistliche, Lehrer und Beamte für ihren Staat zu gewinnen. 1863 hatten sie in einem beispiellosen Gewaltakt sich Schleswig einverleibt und ließen nun nichts unversucht, diese Teile Deutschland ganz und gar zu "dänisieren". Preußen und Österreich gingen 1864 im Deutsch-Dänischen Krieg gemeinsam militärisch gegen die Dänen vor und siegten. Im Frieden von Wien mußte Dänemark "auf ewig" auf die Herzogtümer Schleswig-Holstein und Lauenburg verzichten. Die gemeinsame Führung der zurückgewonnenen Gebiete führte zu Spannungen zwischen Preußen und Österreich. Es kündigte sich eine Auseinandersetzung an. Daß Österreich ein Bestandteil Deutschlands wie etwa Bayern, Sachsen oder Preußen war, stand für jeden außer Frage. Auch Bismarck sah Österreich zu keinem Zeitpunkt als "Ausland", wie dies Frankreich oder Russland waren. Jedoch bestand für ihn kein Zweifel daran, daß die staatliche Einheit Deutschlands im 19. Jahrhundert nur ohne Einschluß Österreich zu erreichen sei (→Kleindeutsche Lösung / Großdeutsche Lösung). Er verachtete die Politik des österreichischen Fürstenhauses Habsburg und sah keinen Weg, den Vielvölkerstaat im künftigen Deutschland zu integrieren.

Der Weg zum Reich

Bei Sedan: Begegnungshaus mit Napoleon III.
»Ein Appell an die Furcht findet in deutschen Herzen niemals ein Echo!«
Zitat der Woche (Bismarck 17. 01. 09).jpg

Im Jahre 1866 beginnt der deutsche Bruderkrieg zwischen Preußen und Österreich. Die Preußen schlagen die Österreich vernichtend in der Schlacht bei Königgrätz in Böhmen und besiegen auch deren Verbündete in Nord- und Süddeutschland. Hannover, Kurhessen, Nassau und Frankfurt am Main werden Preußen zugeschlagen. Geschont wurde vor allem Österreich und der folgende Friedensschluß zwischen den beiden großen deutschen Mächten war maßvoll. Bismarck verzichtete auch auf jede Demütigung und Kränkung der Österreicher und stellte sich damit noch einmal in krassen Gegensatz zur öffentlichen Meinung in Preußen. Der Ministerpräsident, der über diese Frage sogar eine ernsthafte Auseinandersetzung mit seinem König nicht scheute und seinen Rücktritt androhte, versuchte alles, um Österreich die Niederlage so erträglich wie möglich zu machen. Damit erhielt er Österreich als möglichen Partner für künftige Kriege mit fremden Mächten und legte den Grundstein für einen zukünftigen Weg des Landes zurück in den Verbund der deutschen Länder. Diese Episode zeigt beispielhaft, daß Otto von Bismarck auch im Triumph stets klaren Kopf behielt und politisch immer in langen Zeitabläufen dachte. Die Jahre von 1862 bis 1870 stellten sich aus heutiger Sicht als Vorspiel zur Einheit der Deutschen in einem gemeinsamen Staatsverband dar. Bismarck war es gelungen, den norddeutschen Raum zu einigen und einen großen Teil der süddeutschen Staaten fest an Preußen zu binden. Damit war der Weg zur Schaffung des Reiches frei. Der Preis aber war hoch: Österreich war, jedenfalls fürs erste, von der Entwicklung ausgeschlossen. 1870 spitzten sich die Konflikte zwischen Preußen und Frankreich immer weiter zu. Der französische Kaiser Napoleon III. hatte schon 1866 versucht, sich massiv in innerdeutsche Angelegenheiten (den Friedensschluß zwischen Preußen und Österreich) einzumischen und Forderungen an die deutschen Staaten gestellt. Jetzt richtete er erneut Forderungen an Preußen. Diesmal wurden Napoleons "Wünsche" jedoch öffentlich und in harter Form zurückgewiesen. Darauf erklärt Frankreich am 19. Juli 1870 Preußen den Krieg und Frankreich überfiel Deutschland. In den Kämpfen der Jahre 1870/71 mit Frankreich stellten sich alle deutschen Staaten (mit Ausnahmen Österreichs) auf die Seiten Preußens. Auch viele österreichische Freiwillige unterstützten die Truppen aus den deutschen Ländern, auch wenn sich ihr Staat nicht offen am Krieg beteiligte. Anfang 1871 stand Frankreich am Rand der Niederlage. Napoleon III. war von den Deutschen gefangen genommen und im eigenen Land für abgesetzt erklärt worden. Als Republik setzte Frankreich den schon aussichtslos gewordenen Krieg mit den deutschen Ländern fort. Noch während die Kampfhandlungen nicht beendet waren, nutzten die Deutschen die Gunst der Stunde, welche die Geschichte der Welt nachhaltig beeinflussen sollte: Es kam zur Reichsgründung von 1871. Am 18. Januar 1871 fand im Spiegelsaal von Schloß Versailles die Kaiserproklamation statt. König Wilhelm I. von Preußen erklärte sich bereit, die Kaiserkrone anzunehmen. Nun verlas Bismarck die Botschaft ans Volk von der Erneuerung des deutschen Reiches. Damit war Deutschlands staatliche Einheit hergestellt. Nachdem Frankreich am 28. Januar sich hatte ergeben müssen, kamen auch das von Frankreich annektierte Lothringen und das Elsaß wieder zurück zu Deutschland.

Die soziale Revolution des Reichskanzlers

Mit Wilhelm II. 1888

Die Jahre von 1871 bis 1890 nutzte Bismarck als erster Kanzler des neuen Reiches, um dessen Einfluß zu sichern, seine Sicherheit zu gewährleisten, seine Macht zur mehren, den Wohlstand seiner Bürger zu heben und das Land im Inneren und Äußeren stark und stabil zu machen. Im Bereich der Innenpolitik war es besonders Bismarcks Sozialgesetzgebung, die das Land dauerhaft geprägt hat. 1882 bestand bereits ca. ein Viertel der deutschen Bevölkerung aus Arbeitern. Sie waren an Verträge mit ihren Arbeitgebern (den "Brotherren") gebunden, die sich nicht frei aushandeln konnten. Bismarck hatte mit seiner Sozialpolitik eine Entwicklung eingeleitet, welche die Klassengegensätze milderte. Er setzte Fabrikinspektionen durch, erzwang die Sozialversicherung gegen den Entschiedenen Widerstand des Kapitals, erließ die Arbeitsschutzgesetze, die ihrer Zeit weit voraus waren. Die deutschen Sozialgesetze waren, verglichen mit der Situation in anderen Staaten der Welt, sehr fortschrittlich. Bismarck selbst meinte im April 1881 dazu: "Warum sollte der Soldat der Arbeit nicht eine Pension haben wie der Soldat oder Beamte. Das ist Staatssozialismus." Er setzte auch im Ökonomischen das Primat der Politik durch. Die Finanzmächtigen haben ihm dies niemals verziehen.

Bismarcks Entlassung

Aus dem englischen Magazin 'Punch': Der Lotse geht von Bord
Portrait Fürst Otto von Bismarck.jpg

Im März 1888 starb Kaiser Wilhelm I.. Sein Nachfolger verschied bereits drei Monate später. Nun kam Wilhelm II. zur deutschen Kaiserkrone. Von Anfang an kam es zu Streit zwischen dem Reichskanzler und dem jungen Kaiser. Wilhelm II. wollte in der Innen- wie Außenpolitik völlig neue Wege gehen und Bismarck störte ihn dabei mit seiner vorsichtigen und ausgleichenden Politik. Wegen Uneinigkeit über die Sozialistengesetze, die Bismarck beibehalten wollte, erfolgte am 20. März 1890 Bismarcks Entlassung. 24 Jahre später wurde der Kaiser mit den Deutschen an der Seite Österreich-Ungarns in den ersten Weltkrieg gestürzt. Es folgte die militärische Niederlage und das Ende der Monarchie in Deutschland.


Franz Wichmann - Weltereignis.png

Ein Mythos über den Tod hinaus

Dem scheidenden Bismarck bereitete das Volk Huldigungen, wie sie keinem deutschen Fürsten oder Abgeordneten jemals zuteil wurden. Das endete auch nicht, als sich der frühere Reichskanzler als "Einsamer in den Sachsenwald" zurückzog. Wenn er durch das Land fuhr, drängten sich Abertausende, um ihn zu sehen. Überall im Staat wurden Standbilder, Denkmäler und Türme zu Ehren Bismarcks errichtet. Bis zu seinem Tod und darüber hinaus entwickelte sich ein regelrechter Kult um den greisen Bismarck, wie man ihn bis zu diesem Zeitpunkt in Deutschland nicht gesehen hatte. 1898 starb Otto von Bismarck in Friedrichsruh bei Hamburg. Damals war er für die meisten Zeitgenossen bereits eine ins Mythische entrückte Person, mehr Denkmal als Mensch. Fünfundfünfzig Jahre nach der Entlassung Bismarcks zerbrach im Mai 1945 das von ihm geschaffene Reich unter dem Ansturm der alliierten Besatzer. Deren Militärregierung löste Preußen als deutsches Land mit einem Verwaltungsakt "dauerhaft" auf und verbot Bismarcks Bücher sofort. In allen Teilen des zerbrochenen Reiches ließen die Sieger Denkmäler des Reichskanzlers zerstören. Dieses Vernichtungswerk wurde vor allem in den deutschen Ostprovinzen und in der sowjetischen Zone konsequent und fast ausnahmslos durchgeführt. Die Bundesrepublik unserer Tage und ihr Kanzler haben mit dem Bismarckreich und seinem Schöpfer nichts mehr gemein. Zwar mag die BRD territorial mit dem Reich teilidentisch sein. Doch darin erschöpfen sich die Gemeinsamkeiten auch bereits. Zwischen Bismarck und seinen angeblichen Nachfolgern nach 1949 stehen Welten. Sie haben kein Recht, sich auf ihn zu berufen.



Zitate

Bismarck - Ich hoffe auf die Zukunft des Reiches.jpg
  • Bismarcks persönliches Motto war „patriae inserviendo consumor“ (dt. „Im Dienste des Vaterlandes verzehre ich mich“).
  • „Die Neigung, sich für fremde Nationalitäten und Nationalbestrebungen zu begeistern, auch dann, wenn dieselben nur auf Kosten des eigenen Vaterlandes verwirklicht werden können, ist eine politische Krankheitsform, deren geographische Verbreitung leider auf Deutschland beschränkt ist.“ – Otto von Bismarck 1863 im preußischen Landtag
  • „Ich bin kein Feind der Juden, und wenn sie meine Feinde sind, vergebe ich ihnen. Ich liebe sie sogar unter Umständen. Ich billige ihnen alle Rechte zu, nur nicht die, in einem christlichen Staate die Presse zu beherrschen, politische Schlüsselstellungen einzunehmen oder ein obrigkeitliches Amt zu bekleiden.“[1]
  • „Die Politik hat nicht zu rächen, was geschehen ist, sondern zu sorgen, daß es nicht wieder geschehe.“
  • „Der Deutsche ist sehr geneigt, den Landsmann, wenn ihm Gelegenheit dazu gegeben wird, mit mehr Eifer zu bekämpfen als den Ausländer.“ - Gedanken und Erinnerungen, Seite 323
  • „Ein Volk, das von seiner Geschichte sich trennt, und wenn ihm Schmach auf der Stirne brennt, wird von Gott von der Tafel gelöscht.“
  • „Wenn die Deutschen zusammenhalten, so schlagen sie den Teufel aus der Hölle.“

Filmbeitrag

WHW Winterhilfswerk Furst von Bismarck (Eine feige Politik).jpg

Die Verfilmung aus dem Jahre 1940:

Literatur

  • Paul Schulze, Otto Koller: Bismarck-Literatur, Bibliographische Zusammenstellung aller bis Ende März 1895 von und über Fürst Bismarck im deutschen Buchhandel erschienenen Schriften, mit Berücksichtigung der bekannten ausländischen Literatur, Festschrift zum 1. April 1895,
    Seiner Durchlaucht dem Fürsten Otto von Bismarck zum achtzigsten Geburtstag am 1. April 1895 als ein Zeichen ehrfurchtsvoller Huldigung (PDF-Datei)
  • Adolph Rohut: „Bismarck als Mensch“, Berlin 1899 (PDF-Datei) Für Nicht - VSA-Bewohner nur mit US-Proxy abrufbar!

Biographien

  • Johannes Penzler: „Jugendgeschichte des Fürsten Bismarch (bis 1851)“, 1907 (PDF-Datei) Für Nicht - VSA-Bewohner nur mit US-Proxy abrufbar!
  • Adolf Heinrich Wilhelm von Scholz: Erlebnisse und Gespräche mit Bismarck; (1922), (PDF-Datei)
  • Wilhelm von Bülow: Neue Bismarck-Erinnerungen (1895), (PDF-Datei)
  • Wilhelm Müller: Reichskanzler Fürst Bismarck (1881), (PDF-Datei)
  • Wilhelm Müller: Fürst Bismarck. 1815-1898, Ein Lebenslauf (1898), (PDF-Datei)
  • Max Lenz: Von Luther zu Bismarck, kleine historische Schriften Band 2 (1920), (PDF-Datei 21MB)
  • Veit Valentin: Bismarck und seine Zeit (1915), aus der Sammlung "Aus Natur und Geisteswelt" (PDF-Datei 9MB)
  • Karl Braun: Von Friedrich dem Grossen bis zum Fürsten Bismarck: Fünf Bücher Parallelen zur Geschichte der Preußisch-Deutschen Wirthschaftspolitik (1882), (PDF-Datei 9MB)
  • Eugen Wolf: Vom Fürsten Bismarck und seinem Haus, Tagebuchblätter (PDF-Datei)
  • Freiherr Lucius von Ballhausen: Bismarck-Erinnerungen (1921), (PDF-Datei 34MB)
  • Paul Dehn: Bismarck als Erzieher (eine Auswahl von Zitaten), (PDF-Datei 10MB)
  • Robert Keudell: Fürst und Fürstin Bismarck, Erinnerungen aus den Jahren 1846-1872 (PDF-Datei 35MB)
  • Heinrich Ritter von Poschinger: Aus großer Zeit: Erinnerungen an den Fürsten Bismarck (1905), (PDF-Datei)
  • Hermann Dümling: Bismarck und seine Zeit: Mit besonderer Berücksichtigung des französischen Krieges, dem deutsch-amerikanischen Volke geschildert (PDF-Datei 17MB)
  • Heinrich Ritter von Poschinger: Fürst Bismarck und die Diplomaten 1852-1890 (PDF-Datei 12MB)
  • Adolphe Dechamps: Fürst Bismarck und die Drei-Kaiser-Zusammenkunft (1872), (PDF-Datei)
  • Constantin Rößler: Graf Bismarck und die deutsche Nation (1871), (PDF-Datei)
  • Gustav von Wilmowski: Meine Erinnerungen an Bismarck: Aus dem Nachlasse (1900), (PDF-Datei 13MB)
  • Adolf Matthias: Bismarck, sein Leben und sein Werk (1915), (PDF-Datei 22MB)
  • Adolf Graf von Westarp: Fürst Bismarck und das deutsche Volk: Zur Erinnerung an den Sommer 1892 (PDF-Datei)
  • Bernhard Studt: Bismarck als Mitarbeiter der"Kreuzzeitung" in den Jahren 1848 und 1849 (Dissertation), (PDF-Datei)
  • Theodor Matthias: Bismarck als Künstler nach den Briefen an seine Braut und Gattin (1902), (PDF-Datei)
  • Hans Delbrück: Bismarcks Erbe (1915), (PDF-Datei 9MB)
  • Ottokar Lorenz: Gegen Bismarcks Verkleinerer : Nachträge zu "Kaiser Wilhelm und die Begründung des Reichs" (1903), (PDF-Datei)
  • Gottlob Egelhaaf: Bismarck, sein Leben und sein Werk (Stuttgart 1911); PDF-Datei Für Nicht - VSA-Bewohner nur mit US-Proxy abrufbar!
  • Fedor von Köppen: Fürst Bismarck, der deutsche Reichskanzler (PDF-Datei) Für Nicht - VSA-Bewohner nur mit US-Proxy abrufbar!
  • Dietrich Schäfer: Bismarck; ein Bild seines Lebens und Wirkens, mit Textzeichnungen von Arthur Kampf:
  • Johannes Kreutzer: Otto von Bismarck: Sein Leben und sein Werk, 2 Bände:
  • Horst Kohl: Fürst Bismarck. Regesten zu einer Wissenschaftlichen Biographie des Ersten deutschen Reichskanzlers:

Briefe

  • Johannes Penzler: Kaiser- und Kanzlerbriefe: Briefwechsel zwischen Kaiser Wilhelm I. und Fürst Bismarck (1900), (PDF-Datei 15MB)
  • Ludwig Friedrich Leopold von Gerlach: Briefwechsel des Generals Leopold von Gerlach mit dem Bundestags-Gesandten Otto von Bismarck (1893), (PDF-Datei 22MB)
  • Horst Kohl (Hrsg.): Briefe Ottos von Bismarck an Schwester und Schwager 1843-1897 (PDF-Datei 12MB)
  • Herbert Bismarck, Horst Kohl: Fürst Bismarcks Briefe an seine Braut und Gattin; mit Erläuterungen und Register (PDF-Datei 55MB)
  • Bismarcks Reden und Briefe: Nebst einer Darstellung des Lebens und der Sprache Bismarcks; für Schule und Haus (PDF-Datei)
  • Bismarckbriefe 1844-1870 Originalbriefe Bismarcks an seine Gemahlin, seine Schwester und andere (PDF-Datei)

Reden

  • Rede des Reichskanzlers Fürsten Bismarck über das Bündnis zwischen Deutschland und Österreich-Ungarn vom 7. Oktober 1879 (PDF-Datei)
  • Vier Reden zur äußeren Politik (PDF-Datei)
  • Die Reden gehalten im Reichstag des norddeutschen Bundes nebst den Reden im Abgeordnetenhause über die Einverleibung Schleswig-Holsteins und den Grenzverkehr mit Russland; mit Anhang: Die Verfassung des norddeutschen Bundes, in vergleichender Zusammenstellung mit dem Entwurf (1867), (PDF-Datei 10MB)
  • Reden Bismarcks nach seinem Ausscheiden aus dem Amte (PDF-Datei)
  • Heinrich Ritter von Poschinger: Die Ansprachen des Fürsten Bismarck 1848-1894 (PDF-Datei 17MB)
Bismarck am Bundesratstisch.jpg
  • Otto de Grahl: Reden des Fürsten Bismarck:
  • Horst Kohl (Hrsg.): Bismarckreden in Zusammenfassungen, 1847-1895 (PDF-Datei 34MB)

Teilweise unklare Zuordnungen der Bücher:

  • Horst Kohl (Hrsg.): Die politischen Reden des Fürsten Bismarck, historisch-kritische Gesamtausgabe:

Politik

  • Friedrich Wolfgang Karl von Thudichum: Bismarcks parlamentarische Kämpfe und Siege (PDF-Datei 28MB)
  • Anton Ernst Hunkel (Dissertation 1909): Fürst Bismarck und die Arbeiterversicherung (PDF-Datei)
  • J. Popper: Fürst Bismarck und der Antisemitismus (1886), (PDF-Datei 10MB)
  • Franz Freybruck: Bismarck und Österreich (1915), (PDF-Datei)
  • Arthur Böhtlingk: Bismarck und das päpstliche Rom. (1911), (PDF-Datei 21MB)
  • Paul von Roell, Georg Epstein: Bismarcks Staatsrecht (PDF-Datei 10MB)
  • Annie Klara Luise Mittelstaedt (Dissertation): Der Krieg von 1859, Bismarck und die öffentliche Meinung in Deutschland (PDF-Datei)
  • Otto Nirrnheim: Der Konflikt in Preussen und die Berufung Bismarcks in der öffentlichen Meinung (Dissertation), (PDF-Datei)
  • Felix Rachfahl: Bismarcks englische Bündnispolitik (1922), (PDF-Datei)
  • Richard Augst: Bismarcks Stellung zum parlamentarischen Wahlrecht (1917), (PDF-Datei 16MB)
  • Ludwig Raschadu: Die politischen Berichte des Fürsten Bismarck aus Petersburg und Paris (1859-1862), (PDF-Datei 12MB)
  • Johannes Haller: „Bismarcks Friedensschlüsse“ (PDF-Datei)
  • Heinrich Ritter von Poschinger: Fürst Bismarck und der Bundestag, Neue Berichte Bismarcks aus Frankfurt am Main 1851 bis 1859, (PDF-Datei 11MB)
  • Heinrich Ritter von Poschinger: Fürst Bismarck als Volkswirth (1890)
    aus: Dokumente zur Geschichte der Wirtschaftspolitik in Preußen und im Deutschen Reich, Band III.:
  • Karl Wippermann, Ludwig Ernest Hahn: Fürst Bismarck: Sein politisches Leben und Wirken urkundlich in Thatsachen und des Fürsten eigenen Kundgebungen:
  • Johannes Penzler: Fürst Bismarck nach seiner Entlassung: Leben und Politik des Fürsten seit seinem Scheiden aus dem Amte auf Grund aller authentischen Kundgebungen:
    • 1. Band: 20. März 1890 - 11. Februar 1891 (PDF-Datei)
    • 3. Band: 6. Dezember 1891 - 27. Juni 1892 (PDF-Datei)
    • 4. Band: 28. Juni 1892 - 22. Februar 1893 (PDF-Datei)
    • 7. Band: 1. Januar 1896 - 2. August 1898 (PDF-Datei 12MB)
  • Hermann Hofmann: Fürst Bismarck 1890-1898; nach persönlichen Mitteilungen des Fürsten und eigenen Aufzeichnungen des Verfassers, nebst einer authentischen Ausgabe aller vom Fürsten Bismarck herrührenden Artikel in den "Hamburger Nachrichten.":

Weiteres

  • Paul Liman: Bismarck-Denkwürdigkeiten (1899):
  • Anekdoten von Bismarck für unsere Soldaten, Deutsches Soldatenbüchlein Nr. 6, 1917 (PDF-Datei 57MB)
  • Arthur Mennell, Bruno Garlepp: „Bismarck-Denkmal für das deutsche Volk“, 1895 (PDF-Datei) Für Nicht - VSA-Bewohner nur mit US-Proxy abrufbar!

Siehe auch

Verfilmungen

  • Bismarck 1862–1898. Spielfilm. Deutschland 1927. Regie: Curt Blachnitzky.
  • Bismarck. Spielfilm. Deutschland 1940. Regie: Wolfgang Liebeneiner.
  • Die Entlassung. Spielfilm. Deutschland 1942. Regie: Wolfgang Liebeneiner.
  • "Preußen über alles...". TV-Spielfilm (ZDF) über B. und die deutsche Reichsgründung. BR Deutschland 1971. Regie: Rudolf Jugert. (Eintrag auf IMDB)
  • Bismarck. Fernsehspiel in drei Teilen. Teil 1: Ich bin ein Preuße. Teil 2: Eisen und Blut. Teil 3: Virtuose der Macht. BR Deutschland 1989/1990. Regie: Tom Toelle.
  • Bismarck – Kanzler und Dämon. TV-Doku-Drama in zwei Teilen. Teil 1: Vom Landjunker zum Reichsgründer. Teil 2: Regierungsgewalt und Machtverlust. BRD 2007. Buch und Regie: Christoph Weinert.
  • Die Deutschen - Bismarck und das Deutsche Reich, Folge 9 der TV-Doku-Reihe (ZDF), BRD 2008.

Verweise

Sensationelle Tonaufnahmen des „Eisernen Kanzlers“: So klang Otto von Bismarck - weiter lesen auf FOCUS Online: http://www.focus.de/wissen/wissenschaft/der-eiserne-kanzler-singt-sensationelle-tonaufnahmen-von-bismarck-entdeckt_aid_709132.html

Weiteres

Fußnoten


Amt Vorgänger Regierungszeit Nachfolger
Preußischer Ministerpräsident Adolf Prinz zu Hohenlohe-Ingelfingen 1862-1890 Leo Graf von Caprivi
Norddeutscher Bundeskanzler - 1867-1871 -
Deutscher
Reichskanzler
- 1871-1890 Leo Graf von Caprivi

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