Marseille, Hans-Joachim

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Hauptmann Marseille, der „Stern von Afrika“

Hans-Joachim „Jochen“ Walter Rudolf Siegfried Marseille, genannt Stern von Afrika, (Lebensrune.png 13. Dezember 1919 in Berlin-Charlottenburg; Todesrune.png 30. September 1942 südl. Sidi-Abd-el-Rahman, Ägypten) war ein deutscher Offizier der Wehrmacht, zuletzt Hauptmann der Luftwaffe, Jagdflieger und Brillantenträger im Zweiten Weltkrieg. Das Flieger-As errang 158 bestätigte Luftsiege bei 388 Feindflügen und war der erfolgreichste Jagdflieger auf dem afrikanischen Kriegsschauplatz.

Leben

Bild und Unterschrift des „Adlers der Wüste“

Familie

Hans-Joachim „Jochen“ Marseille wurde am 13. Dezember 1919 in Berlin-Charlottenburg geboren. Er war Sohn des Fliegerveteranen und späteren Heeresgeneral des Siegfried Georg Martin Marseille (gefallen 1944) und dessen Gattin Charlotte Marie Johanna Pauline Gertrud, geb. Riemer. Als Säugling bekam er die Spanische Grippe, aber er überlebte. Die Eltern ließen sich scheiden, als Hans-Joachim und seine jüngere Schwester Ingeborg „Inge“ noch Kinder waren. Die Beziehung zum leiblichen Vater wurde als „angespannt“ beschrieben, die zur Mutter als äußerst innig. Seine Mutter Charlotte heiratete ein zweites Mal, diesmal den Polizeioffizier Carl Reuter, benutzte aber stets den Doppelnamen „Reuter-Marseille“. Hans-Joachim benutze als Grundschüler eine Zeitlang den Nachnamen des Steifvaters „Reuter“ (auf Drängen der Mutter), kehrte aber auf dem Gymnasium, sobald er selbst entscheiden konnte, zu „Marseille“ zurück. Nach dem Krieg stand Charlotte alleine da, alle hatte sie verloren. Sie wurde bis zu ihrem Tode von der Kameradschaft der ehemaligen Angehörigen des Jagdgeschwaders 27 unterstützt (insbesondere durch Eduard Neumann), auch finanziell (stets anonym zu Jochens Geburtstag am 13. Dezember). Es gelang ihr auch mit Hilfe der Kameraden des „Wüstengeschwaders“ und des italienischen Verteidigungsministers Giulio Andreotti, der ihr am 30. November 1962 1.500 DM verlieh, ein einziges Mal vor ihrem Ableben nach Afrika zu fliegen und am Grab ihres geliebten Sohnes zu stehen. Als Frau Reuter-Marseille verstarb, kamen Flieger aus dem In- und Ausland angereist, um der Mutter des „Stern von Afrikas“ die letzte Ehre zu erweisen.

Ausbildung

Hans-Joachim Marseille (1919-1942)

Marseille galt auf dem Gymnasium als sehr intelligent, aber faul – eine Unart, die er sich auf der 12. Volkshochschule in Berlin angeeignet hat. Der Schuldirektor Prof. Dr. Poetzold nahm ihm zu Brust, und kaum ein halbes Jahr später, änderte sich das Verhalten Marseilles. Er gehörte zu den kleineren und schwächeren Schülern, wurde aber gefördert und bewies sich als sportlich und talentiert, ebenso zeigte er eine Leidenschaft für Musik. Sein Abitur gehörte zu den besten der Abschlußklasse. Vom März bis August 1938 absolvierte er seinen Reichsarbeitsdienst.

Marseille begeisterte sich bereits in seiner Jugend für Flugzeuge. So wunderte es niemanden, daß er im Jahre 1938 freiwillig in die Luftwaffe eintrat. Seine Infanterieausbildung erfolgte ab dem Oktober 1938 in Quedlinburg. Am 7. November 1938, nachdem sein Antrag auf Flugzeugführerausbildung stattgegeben wurde, erhielt er den Dienstgrad „Flieger“. Am 13. März 1939 wurde er dann Fahnenjunker, am 1. Mai 1939 Fahnenjunker-Gefreiter, am 1. Juli 1939 Fahnenjunker-Unteroffizier und schließlich am 1. November 1939, als er sich zur Jagdfliegerschule 5 in Schwechat zur Ausbildung meldete, wurde er Fähnrich.

Obwohl der junge Mann bereits während seiner Ausbildung als Flugschüler in Wien-Schwechat erstaunliche fliegerische Fähigkeiten bewies, war er nicht zum Soldaten geboren. Wenig an Disziplin und Respekt gegenüber Vorgesetzten interessiert, wurde er wiederholt wegen verbotenen Kunstfluges und diverser Verstöße verwarnt. So als sich Marseille mit einigen Flugzeugführern einmal auf einem Übungsflug nahe Braunschweig befand und plötzlich einen unangenehmen Drang verspürte. Da landete der freche Fähnrich einfach auf einer nahen Schnellstraße, erleichterte sich hinter einem Baum und flog dann weiter. Die andere Seite seiner Ausbildungszeit waren phänomenale Kunstflugmanöver – so kappte Marseille einmal im Tiefstflug ein an einem nur ein Meter hohen Stock befestigtes Taschentuch mit der Tragfläche seiner Messerschmitt.

Kriegseinsatz

Im August 1940 wurde Oberfähnrich Marseille nach einer gründlichen Friedensausbildung ins Lehrgeschwader 2 an die Kanalfront versetzt, wo er seine ersten Feindflüge absolvierte. Im Oktober wechselte er in die 4. Staffel des Jagdgeschwaders 52, die zu dieser Zeit unter dem späteren Schwerterträger Johannes Steinhoff am Ärmelkanal lag. Während des Unternehmens „Adlerangriff“ flog Marseille als Katschmarek (Rottenflieger) und meldete am 24. August 1940 seinen ersten Luftsieg. Als er Frankreich verließ, war er für 7 Abschüsse bereits mit beiden Klassen des Eisernen Kreuzes geehrt worden.[1] Zu diesem Zeitpunkt hatte der hitzige Flieger im Jagdgeschwader aber auch bereits einen strengen Verweis und insgesamt acht Tage Arrest erhalten.

Anfang Februar 1941 wurde Marseille in die 3. Staffel der I. Gruppe des Jagdgeschwaders 27 (3./I./JG 27) versetzt und mit ihr nach Nordafrika verlegt.[2] Bereits während seines ersten Feindfluges über Libyen konnte der voller Selbstvertrauen strotzende Flieger eine britische Hawker Hurricane abschießen. In den folgenden Wochen erzielte Marseille wiederholt Luftsiege, wobei er sich jedoch den Unmut seines Staffelführers Oberleutnant Homuth zuzog. Grund dafür war neben unmilitärischem Verhalten auch seine ungestüme Angriffsart. Sobald Marseille einen Gegner entdeckte – und aufgrund seiner guten Augen war er stets der erste – verließ er den Verbandsflug und schoß ihn, meist beim ersten Angriff, ab. Obwohl dies keinesfalls den Gruppen-Regeln einer guten Staffel entsprach, erkannte Marseilles Gruppenkommandeur Hauptmann Neumann das unglaubliche Talent des hitzigen Flugzeugführers. Im Mai 1941 wurde Marseille zum Leutnant befördert, nachdem er 13 Luftsiege errungen hatte.

50. Luftsieg während des Afrikafeldzuges

Kurz darauf nach schweren Triebwerkstreffern zur Notlandung im Niemandsland gezwungen, erreichte der junge Flieger nach einem längeren Fußmarsch unbeschadet wieder die Stellungen der eigenen Infanterie.

In den nächsten Monaten wirkte Marseille immer besser mit seinen Staffelkameraden zusammen. Obwohl noch immer brennend ehrgeizig, stand er den militärischen Grundregeln nicht mehr so feindlich gegenüber. In den unzähligen Geleitschutz- und Jagdeinsätzen dieser Zeit entwickelte der nun zum Rottenführer ernannte Marseille eine unglaubliche Trefferpräzision, die ihm immer wieder wahre Wunderabschüsse ermöglichte. Sein Rottenflieger und Freund Rainer Pöttgen berichtete, daß er Treffer aus unglaublichen Entfernungen und Winkeln zustande brachte. Außerdem war es außerordentlich schwer, seinen tollkühnen Flugmanövern zu folgen.

Im Februar 1942 war Marseille bei 50 Luftsiegen (46. Luftsiege bei Einreichung zum Ritterkreuz) angelangt, wofür er als erfolgreichster Flugzeugführer des Geschwaders das Ritterkreuz gemeinsam mit Otto Schulz erhielt (die Ritterkreuzverleihungszeremonie nahm Generalfeldmarschall Albert Kesselring vor) und zum Oberleutnant befördert wurde. Als Homuth im Mai die Gruppe übernahm, trat Marseille dessen Nachfolge als Kapitän der 3. Staffel an. Aufgrund seiner großartigen Erfolge war er nicht nur bei höchsten Stellen des Deutschen Afrika-Korps, sondern bereits auch in Deutschland bekannt und äußerst beliebt. Ähnlich wie in unserer Zeit ein Filmstar, erhielt er täglich Briefe von weiblichen Bewunderern, sein Bild wurde fast jeden Tag in einer Zeitung abgedruckt. Unter den großen Persönlichkeiten, die Marseilles Staffel besuchten, befanden sich u. a. Generalfeldmarschall Albert Kesselring, Erwin Rommel und Jagdfliegergeneral Adolf Galland.

Von März bis August 1942 war Marseille in Hochform. In täglich bis zu vier Einsätzen über der libyschen Wüste erzielte er praktisch in jedem Luftkampf zwischen zwei und fünf Luftsiege. Doch diese Erfolge waren innerhalb der Staffel ebenso „normal“ wie sein unglaublich niedriger Munitionsverbrauch – meistens verbrauchte der Oberleutnant pro Abschuß nur 15 bis 20 Schuß seiner Kanonen. Marseille konnte seine Bf 109 F so perfekt handhaben, daß er es sich angeblich sogar erlauben konnte, die genaue Stelle der Treffer zu bestimmen. Meistens lagen die Einschüsse im Motorblock oder in der Pilotenkanzel des Gegners.

Zwischen Marseille und seinem Bodenpersonal herrschte eine absolut lockere und kameradschaftliche Stimmung. Als der erfolgreiche Jagdflieger seinen Mechanikern als Gegenleistung für die stets perfekt gewartete Bf 109 für jeden Abschuß spaßeshalber 50 Lire anbot, entgegneten diese: „Na, lieber nicht – dabei werden Herr Oberleutnant ja ein armer Mann.

Oberleutnant Joachim Marseille 1942 mit seiner stolzen Mutter

Gegner

Dieser Mann, der täglich ihre besten Flugzeugführer bezwang, wurde dem englischen Oberkommando in Afrika allmählich zum Begriff. In einem abgefangenen Funkspruch wurde den britischen Staffelkapitänen sogar befohlen, den jungen Deutschen entweder nur in Gruppen oder gar nicht anzugreifen. Unter jenen Elitefliegern, die gezielt auf Marseille angesetzt wurden, befand sich auch das Flieger-As Clive „Killer“ Caldwell, ein australischer Kittyhawk-Pilot, der bereits über ein Dutzend Deutsche abgeschossen hatte. Unter diesen hatte sich auch der erste Eichenlaubträger des JG 27 befunden, Hauptmann Erbo von Kageneck (67 Siege). Später sollte ihm auch Marseilles Freund und erfolgreicher Staffelkamerad Oberleutnant Hans-Arnold Stahlschmidt (59) und der Spanienveteran Wolfgang Lippert (29) zum Opfer fallen. Doch Caldwell traf nie auf Marseille, wurde später vom Schwerterträger Oberleutnant Schröer bezwungen, konnte jedoch in den Kampfeinsatz zurückkehren. Im Juni 1942 schoß Oberleutnant Marseille einmal sechs Gegner innerhalb von nur elf Minuten ab, im selben Monat wurde ihm als zweiten Flugzeugführer des JG 27 nach 75 Luftsiegen das 97. Eichenlaub zum Ritterkreuz verliehen.

Oberfeldwebel Steinbatz errang an der Ostfront seinen 95., Oberleutnant Marseille in Nordafrika seinen 78. bis 81. Luftsieg.“Wehrmachtbericht vom 12. Juni 1942
Die „Gelbe 14“ des Jagdgeschwaders 27 als StuKa-Schutz im Luftkampf über Nordafrika

In den Tagen nach der Verleihung flog Marseille mehrere Abfangeinsätze gegen britische und südafrikanische Staffeln, wobei er wiederholt bis zu sechs Gegner in kürzester Zeit abschießen konnte. Und so meldete das JG 27 am 17. Juni 1942 bereits seinen 100. Luftsieg – Marseille war der erste, der diese magische Marke gegen Westalliierte Flugzeugführer erreichte.

Die Verleihung der nun fälligen Schwerter fand in Berlin statt – und zwar lediglich 116 Tage nach dem Ritterkreuz. Der junge Oberleutnant war der erst 12. Träger dieser hohen Auszeichnung und davon der bereits 10. Jagdflieger der Luftwaffe.

Eine von Staffelkapitän Marseille 1942 geflogene Messerschmitt Bf 109 F-4/Trop (W.Nr. 8673) der 3./I./JG 27 – in Afrika war seine Kennung Gelbe 14.

Marseille war endgültig zum deutschen Nationalhelden geworden, wobei seine Berühmtheit schon fast legendäre Ausmaße annahm. Auf dem Rückweg von Berlin nach Nordafrika meldete er sich bei Benito Mussolini, der ihm für die erfolgreiche Unterstützung der italienischen Luftwaffe die seltene Tapferkeitsmedaille in Gold verlieh – sogar der Wüstenfuchs Erwin Rommel mußte sich mit der Silberfassung dieses Ordens begnügen. Nach der Rückkehr zu seiner Staffel mußte Marseille feststellen, daß die Luftwaffe in Afrika endgültig in die Defensive gedrängt worden war.

Zahlenmäßig sechsfach unterlegen, hatten die eigenen Geschwader in dieser Zeit schwere Verluste zu verkraften. Trotz der taktischen Unterlegenheit konnte Marseille bereits am ersten Einsatztag 10 Gegner abschießen – doch diese großartige Leistung war immer noch nicht der Gipfel seines Könnens. Am 1. September 1942 gelang ihm in drei getrennten Einsätzen der bestätigte Abschuß von 17 britischen Jagdmaschinen und damit ein Gesamtergebnis von 121 Siegen. Obgleich diese Leistung durch Hauptmann Emil Lang (EL, 173 Siege) an der Ostfront übertroffen wurde (18 an einem Tag), ist Marseilles Leistung aufgrund der besser ausgebildeten Gegner weit höher einzustufen.

Als die Staffel nach dieser fulminanten Leistung auf dem Feldflugplatz landete, waren alle von dem Gesehenen wie elektrisiert. Ludwig Franzisket, ein befreundeter Staffelkapitän und selbst Ritterkreuzträger, zeigte sich von Marseilles Angriffen überwältigt und sagte zu seinem Gruppenkommandeur:

„Ich vergaß vor Staunen zu schießen, als ich Marseille im feindlichen Pulk beobachtete!“ Am 2. September 1942 unterlagen Marseille fünf weitere Gegner.

Für das Erreichen von insgesamt 126 Luftsiegen erhielt Marseille nun als vierter Offizier der Wehrmacht die Brillanten zum Ritterkreuz mit Eichenlaub und Schwertern verliehen. Zwischen seiner Ankunft in Afrika und der Verleihung der höchsten Tapferkeitsmedaille waren nur 19 Monate vergangen. Doch noch war der September nicht vorbei – so konnte Oberleutnant Marseille am 3. sechs, am 5. und 6. je vier und am 15. sieben Luftsiege erzielen. Am 24. September 1942 wurde er im Alter von erst 22 Jahren zum bisher jüngsten Hauptmann der Luftwaffe befördert, kurz zuvor zum bereits fünften Mal im Wehrmachtbericht genannt.[3]

Verlobung

Marseille galt zuweilen als „Schwerenöter“, da ihm viele Liebschaften zugerechnet wurden. Darunter sollen sich eine ungarische Gräfin, die Sängerin Nilla Pizzi, die Schauspielerin Zarah Leander und die Filmemacherin Leni Riefenstahl befunden haben. Johannes Steinhoff, der ihn vom JG 52 zum JG 27 bzw. zur Fliegerschule Döberitz versetzte, bemerkte nach dem Krieg, daß Marseille nur deshalb ein so glänzender Jagdflieger wurde, weil in Nordafrika keine Frauen zur Verfügung standen. Dennoch verliebte sich Marseille 1941 Hals über Kopf in eine junge, blonde Lehrerin aus Berlin, Hannelies (Hanne-Lies) Küpper. Die Verlobung wurde im Februar 1942 bekanntgegeben. Sie begleitet ihn auch im August 1942 nach Rom, wo er von Mussolini empfangen wurde und dann weiter nach Nordafrika. Die für Weihnachten geplante Hochzeit in Deutschland – Marseille hatte schon Urlaub eingereicht – fand tragischerweise nicht statt.

Fliegertod

Hans-Joachim Marseille und seine Verlobte Hannelies(e) Küpper
Marseille mit seinem Offiziersburschen „Mathias“ (Mathew P. Letuku)

Am 26. September 1942 bezwang der Staffelkapitän Marseille mit 7 britischen Spitfire-Jägern seinen 152. bis 158. Kontrahenten. Der Luftkampf mit seinem letzten Gegner hatte sich ungewöhnlich lange, nämlich 15 unendliche Minuten, hingezogen. Nach Berichten seiner Kameraden und Freunde begann zu dieser Zeit der Dauereinsatz in Marseilles Wesen Wirkung zu zeigen. Er war oft übermüdet und abgekämpft – es wäre Zeit für eine Frontpause gewesen. Als ihm Generalfeldmarschall Rommel persönlich eine solche Ende September anbot, lehnte Marseille jedoch ab – er wollte seine Staffel nicht alleine lassen. Während der ersten Schlacht von El Alamein vom 1. Juli bis 31. Juli 1942 flog das JG 27 rollende Jagd- und Abfangeinsätze im Dauereinsatz über Ägypten.

Am 30. September führte Marseille seine komplette Staffel, um „Tommys“ zu suchen. Der hochdekorierte Hauptmann flog in diesem Einsatz erstmals die neue G-Version der Messerschmitt Bf 109. Während des Rückfluges von dem kampflosen Einsatz meldete ein Flugzeugführer plötzlich eine dünne Rauchfahne aus Marseilles Maschine. Nach kurzer Zeit fing der Motor an zu bocken, die Messerschmitt verlor an Höhe. Von seiner Staffel über Funk geleitet, manövrierte Marseille seine immer stärker qualmende Maschine bis über eigenes Gebiet. „Habe Motorschaden, ich steige aus!“ rief er über Bordfunk und drehte die Maschine auf den Rücken. Seine Kameraden konnten beobachten, wie er das Kabinendach aufschob und sich aus der Maschine fallen ließ. Doch die Freude über den guten Ausgang der Aktion währte nur eine Sekunde: Marseille prallte mit dem Kopf gegen das Leitwerk und wurde bewußtlos. So hatte er keine Möglichkeit mehr, die Reißleine seines Fallschirmes zu ziehen.[4]

Die von Hans-Joachim Marseille erzielten 158 bestätigen Luftsiege über britische Flieger wurden bis Kriegsende auch nicht annähernd wieder erreicht (Schwerterträger Oskar Heinz Heinrich Bär hatte 124). Der junge, sympathische Jagdflieger starb nach 388 Feindflügen. Sein Freund und Kamerad Ludwig Franzisket (gemeinsam mit Stabsarzt Dr. Winkelmann) hat die Leiche Marseilles, nachdem Oberstabsarzt Dr. Bick mit seiner ersten Untersuchung fertig war, aus der Wüste zurück in das Lager der Staffel gebracht.

Ruhestätte

Brillantenträger Hans-Joachim „Jochen“ Walter Rudolf Siegfried Marseille.jpg

Hans-Joachim Marseille fand seine letzte Ruhestätte auf dem Kriegerfriedhof in Derna, einer Hafenstadt im Nordosten Libyens. Zu seiner feierlichen Beisetzung am 1. Oktober 1942 kamen hunderte deutscher und italienischer Soldaten angereist, um dem „Stern von Afrika“ die letzte Ehre zu erweisen. Generalfeldmarschall Albert Kesselring hielt die vorletzte Trauerrede im Namen eines dankbaren Vaterlandes, nach ihm sprach Geschwaderkommodore Eduard Neumann. Mathias, der Bursche und Freund Marseilles, legte eine Kette mit 158 Muscheln (je eine Muschel für jeden Luftsieg) auf den Sarg. 10 Italiener einer Pioniereinheit errichteten zusammen mit einigen deutschen Kameraden eine Stein- bzw. Gedenkpyramide über seiner Absturzstelle, auf deren Bronzetafel (die nach dem Zerfall der Pyramide nach Tobruk in das Afrika-Ehrenmal gebracht wurde) stand:

„Hier ruht unbesiegt Hauptmann Hans-Joachim Marseille“.

Umbettung und Gedenken in der BRD

Nach dem Krieg wurde Marseille nach Tobruk ins dortige Ehrenmal des Afrikakorps überführt und beigesetzt. Die Luftwaffe der neu gegründeten Bundeswehr ehrte den herausragenden Flieger und Scharfschützen mit der „Marseille-Kaserne“ in Uetersen nahe Hamburg.[5]

Beim 16. Bundestreffen des „Verbandes Deutsches Afrika-Korps“ (VDAK) in Stuttgart am 1. und 2. September 1984 wurde Mathias (Mathew P. Letuku), der treue Waffengefährte Hans-Joachim Marseilles, von der Bundesregierung als Ehrengast eingeladen, wo er seine Kameraden des Jagdgeschwaders 27 wieder treffen konnte.

Am 22. Oktober 1989 erbauten Marseilles alte Staffelkameraden auf der ursprünglichen Absturzstelle unweit von El Alamein in Ägypten eine neue Pyramide (ca. 5 m mal 5 m Grundfläche) mit der ursprünglichen, nun jedoch mehrsprachigen (Arabisch, Deutsch und Italienisch) Inschrift (diesmal jedoch „starb“ statt „ruht“): „Hier starb unbesiegt Hauptmann Hans-Joachim Marseille am 30. September 1942“. Diese Pyramide ist unter den Koordinaten ♁30° 53′ 27″ N, 28° 41′ 43″ O zu finden. Bei der Einweihung war auch der treue Mathew „Mathias“ Letuku erneut dabei.

Auszeichnungen (Auszug)

Bildergalerie (Fliegertod und Beisetzung)

Filmberichte aus dem Kriegsalltag

Verleihung des Eichenlaubes zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes durch den Führer
Hans-Joachim Marseille – Geschichte eines deutschen Jagdfliegers
Beeindruckende Bilder und Filmausschnitte von Hans-Joachim Marseille mit seinem Lieblingslied „Rumba Azul“ von Nilla Pizzi untermalt, hier allerdings in der Version der Lecuona Cuban Boys mit dem italienischen Tenor Alberto Rabagliati

Siehe auch

Literatur

  • Günter Fraschka: Mit Schwertern und Brillanten, Limes-Verlag, 7. Auflage, 1977, ISBN 3809021229
  • Toliver / Constable: Das waren die deutschen Jagdflieger-Asse 1939–1945, Motorbuch, Stuttgart, ISBN 978-3879431939

Verweise

Fußnoten

  1. Schon 1940 am Kanal erzielte er sieben erste Luftsiege.
  2. Seine eigentliche große Zeit als Jagdflieger begann im April 1941 in Nordafrika.
  3. Im Juni 1942 wurde er der jüngste Hauptmann der deutschen Wehrmacht. Er flog im Jagdgeschwader 27 unter Kommodore Eduard Neumann und vollbrachte auf 382 Feindflügen insgesamt 158 Abschüsse, davon allein 17 an einem einzigen Tag, dem 1. September 1942. Der als „Stern von Afrika“ in die Kriegsgeschichte eingegangene erfolgreichste Jagdflieger im Kampf gegen westliche Feinde erhielt am 6. Juni 1942 das Eichenlaub, am 18. Juni 1942 die Schwerter und am 4. September 1942 die Brillanten, die damals höchste deutsche Tapferkeitsauszeichnung. Außerdem wurde er als einer von nur zwei deutschen Soldaten mit dem höchsten italienischen Orden, der Medaglia d'Oro, geehrt.
  4. Als er am 30. September 1942 aus seiner wegen Motorschadens brennenden Maschine abspringen mußte, öffnete sich sein Fallschirm nicht. Er stürzte in den Tod.
  5. 1975 wurde die Kaserne der Bundesluftwaffe in Uetersen nach ihm benannt.
  6. 6,0 6,1 Veit Scherzer: Die Ritterkreuzträger 1939–1945, Scherzers Militaer-Verlag, Ranis, Jena 2007, S. 528, ISBN 978-3-938845-17-2
  7. Jörg Nimmergut: Deutsche Orden und Ehrenzeichen bis 1945. Band 4. Württemberg II – Deutsches Reich. Zentralstelle für wissenschaftliche Ordenskunde, München 2001, ISBN 3-00-001396-2, S. 2441
  8. siehe Datenbank auf der Seite des italienischen Staatspräsidenten