Anklam

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Anklam

Wappen
Staat: Deutsches Reich
Gau: Pommern
Landkreis: Ostvorpommern
Provinz: Pommern
Einwohner (2009): 13.537
Bevölkerungsdichte: 239 Ew. p. km²
Fläche: 56,57 km²
Höhe: 5 m ü. NN
Postleitzahl: 17389
Telefon-Vorwahl: 03971
Kfz-Kennzeichen: OVP (alt: ANK)
Koordinaten: 53° 51′ N, 13° 41′ O
Anklam befindet sich entweder unter Fremdherrschaft oder wird durch die BRD oder BRÖ staatsähnlich verwaltet.
Bundesland: Mecklenburg-Vorpommern
Bürgermeister: Michael Galander (Initiativen für Anklam (IfA)

Die Hansestadt Anklam ist eine deutsche Stadt in Pommern am Fluß Peene, etwa sieben Kilometer vor dessen Mündung in den zur Ostsee fließenden Peenestrom, einen der drei Oderhaff-Ausflüsse. Östlich von Anklam befindet sich eine (von zwei) Straßenbrücken über den Peenestrom auf die Insel Usedom.

Geschichte

Ältere Zeit

Der Ort entwickelte sich im 12. Jahrhundert im Land Groswin aus einem Marktflecken bei dem sich flämische und andere deutsche Siedler niederließen. Die Anklamer Marienkirche und der sie umgebende Siedlungsbereich waren bereits Anfang des 13. Jahrhunderts vorhanden, wie durch archäologische Ausgrabungen nachgewiesen werden konnte. Anklam wurde 1243 erstmals als oppidum und 1264 erstmals als Stadt (civitas) erwähnt.

Die Bezeichnung eines Zeugen in der Urkunde von 1243 als Schultheiß (scultetus) aus Anklam läßt vermuten, daß hier zu dieser Zeit Magdeburger Recht galt. Auch die Ersterwähnung des heutigen Ortsteils Stretense fällt ins Jahr 1243. Im Jahr 1283 trat die Stadt Anklam der Hanse bei und erhielt daraufhin 1292 das Lübische Stadtrecht. Der frühe Beitritt Anklams zur Hanse und der Reichtum der Stadt zur damaligen Zeit ist mit dem umfangreichen Heringshandel in der Stadt zu erklären. Die Fischer hatten seit 1338 ein dänisches Privileg, vor Schonen und später vor Bornholm ungehindert zu fischen. Eine Bruderschaft vertrat ihre Interessen (Bornholmer Burse). Im zeitlichen Umfeld der Pest wurden um 1350 alle Juden der Stadt vor der Stadt verbrannt. Sie blieben für Jahrhunderte aus der Stadt verbannt. 1377 brannte die Stadt bis auf die Marienkirche und einige Häuser in deren Umgebung völlig ab. Die Stadt wurde innerhalb weniger Jahre wieder aufgebaut. 1387 versuchten die Handwerker im „Fischer-Aufstand“ vergeblich dem Magistrat eine Mitsprache abzutrotzen. Der Bürgermeister und sämtliche Ratsherren wurden erschlagen. Den Anlass hatte ein Streit über die Größe von Messgefäßen beim Fischhandel gegeben. Als die Hanse im Jahr 1427 gegen die Dänen in den Krieg zog, weigerte sich die Stadt zum zweiten Mal daran teilzunehmen. Dafür wurde sie zwar zeitweise aus der Hanse ausgeschlossen, doch wurde die Beziehung zu Dänemark nachhaltig so gut, daß im Jahr 1713 der Einspruch des dänischen Königs Anklam davor bewahrte, von den Russen niedergebrannt zu werden. 1535 zog die lutherische Reformation in die Stadt ein. Ein Drittel der Bevölkerung starb 1565 an der Pest. 1580 begannen die Anklamer Bürger mit dem Bau eines Fernwasserversorgungssystems. 16. bis 18. Jahrhundert

16. bis 18. Jahrhundert

Das Steintor ist das Wahrzeichen von Anklam

Während des Dreißigjährigen Krieges fielen im Jahr 1627 kaiserliche Truppen mordend, plündernd und brandschatzend in Anklam ein, 1.600 Einwohner kamen ums Leben. Drei Jahre später besetzten schwedische Truppen Anklam. Kaiserliche Truppen vertrieben diese 1637, trugen aber die Pest in die Stadt, die wiederum über 1.400 Einwohner verlor. Durch den Westfälischen Frieden im Jahre 1648 wurde Anklam schwedische Grenz- und Garnisonsstadt. Zwei Jahre später erfolgte der Wiederaufbau der Nikolaikirche. Die Schweden lieferten das Kupfer für das Dach, im Gegenzug zahlte die Stadt 73.000 Taler für die Versorgung der schwedischen Truppen.

Während des Zweiten Nordischen Krieges im Jahr 1657 fielen die Polen in Anklam ein und brachten neuen Tod und Zerstörung. Im Schwedisch-Brandenburgischen Krieg belagerten von 1676 bis 1679 die Brandenburger unter Kurfürst Friedrich Wilhelm Anklam und eroberten die Stadt. Sie mußten sie aber nach dem Friedensschluß wieder räumen.

Schon 1711 wurde Anklam erneut während des Großen Nordischen Krieges durch eine Allianz aus Sachsen, Russen, Dänen, Polen und Preußen erobert; die schwedischen Schutztruppen mußten sich zurückziehen. 1713 wurde Anklam durch die Russen geplündert. Nach dem Friedensschluß 1720 wurde die Stadt geteilt. Der in Neu-Vorpommern gelegene Teil nördlich der Peene verblieb in schwedischer Hand, und der größere südliche Teil in Alt-Vorpommern kam zu Preußen.

19. Jahrhundert

Nach der preußischen Niederlage bei Jena und Auerstedt marschierten 1806 die Franzosen in Anklam ein und besetzten die Stadt bis 1809. In dieser Zeit gab sich Anklam eine neue Städteverfassung. Nach dem Wiener Kongreß 1815 wurde das zuvor schwedisch verbliebene Neu-Vorpommern preußisch, und damit wurde auch die gesamte Stadt preußisch. 1812 begann eine jüdische Zuwanderung und 1841 wurde eine Synagoge für die über 200 Juden der Stadt eröffnet. 1839 nahmen Dampfer den Verkehr auf der Peene auf, 1863 erhielt Anklam einen Bahnanschluß an der Eisenbahnlinie Angermünde–Pasewalk–Anklam–Stralsund als Zweigbahn der Berlin-Stettiner Eisenbahn. 1848 waren in Anklam 14 Handelsschiffe beheimatet. Im Revolutionsjahr 1848 brach die Cholera aus, 1866 starben bei einer neuen Epidemie vierhundert Einwohner. 1876 wurde ein neues Rathaus in der Peenestraße errichtet. Die Zuckerfabrik Anklam wurde 1883 als Aktiengesellschaft gegründet. 1905 wurde die zentrale Wasserversorgung fertiggestellt und 1921 die Stadt elektrifiziert. Die neue Peenebrücke wurde im Jahr 1927 eingeweiht.

Zweiter Weltkrieg

Als bedeutender Wirtschaftsfaktor wurde 1936 vor dem Zweiten Weltkrieg in Anklam eine Garnison und ein Flugplatz angelegt. Ein Jahr später eröffneten die ARADO-Flugzeugwerke. Die Einwohnerzahl stieg auf über 20.000.

Ein VS-amerikanischer Terrorangriff zerstörte 1943 Anklam. Am 29. April 1945 besetzte die Rote Armee Anklam. Vom historisch vielfältigen Bauensemble mit Giebelhäusern der Backsteingotik und des Barock sowie Fachwerkbauten blieb beinahe nichts erhalten.

DDR

1950 wurde in Anklam ein neues Rathaus am Markt eröffnet. Nach Auflösung der Länder in der DDR 1952 wurde Anklam Kreisstadt des gleichnamigen Kreises Anklam im Bezirk Neubrandenburg. Ab 1970 entstanden in der Innenstadt 1.091 neue Wohnungen in der Plattenbauweise. Ab Mitte der 1960er Jahre wurde der Stadtteil Südstadt mit 1.640 Wohnungen für rund 5.000 Einwohner und der Stadtteil Stadtwald mit 702 Wohnungen gebaut. Zum 725-jährigen Stadtjubiläum 1989 zählte Anklam etwa 21.300 Einwohner.

BRD

Nach dem Ende der DDR kam Anklam mit dem nach Ende des Zweiten Weltkrieges dem deutschen Staatsgebiet verbliebenen Teil Vorpommerns zum neugebildeten Bundesland Mecklenburg-Vorpommern. Ab 1991 wurde das historische Stadtzentrum mit dem Markt und ab 1993 die Plattenbau-Wohnsiedlung Südstadt mit Hilfe der Städtebauförderung gründlich saniert. Im Jahr 1994 wurde Anklam Kreisstadt des Landkreises Ostvorpommern.

Aufgrund von geringen wirtschaftlichen Zukunftsaussichten und der anhaltenden hohen Arbeitslosigkeit kam es ab 1990 zu massiven Abwanderungen der Bevölkerung in wirtschaftlich aussichtsreichere Regionen. Eine besonders hohe Abwanderung ist vor allem bei den jungen, gut ausgebildeten Leuten zu beobachten. Am 1. Januar 2010 wurde die vormals eigenständige Gemeinde Pelsin mit dem Ortsteil Stretense in die Stadt Anklam eingemeindet. Im Zuge der aktuellen Vorschläge zur Kreisreform Mecklenburg-Vorpommern 2011 soll Anklam Kreissitz des neu zu bildenden Landkreis Südvorpommern werden. Die Stadt wurde hier trotz ihrer weit geringeren Einwohnerzahl der Hansestadt Greifswald aufgrund ihrer zentraleren Lage in Südvorpommern vorgezogen. Anklam liegt an der schiffbaren Peene. Es besitzt einen Bahnhof an der Bahnstrecke Berlin–Stralsund. Die Bundesstraßen 109, 110, 197 und 199 verlaufen sternförmig auf die Stadt zu. Westlich von Anklam befindet sich in 25 km Entfernung die Autobahnabfahrt Anklam der A 20. Südlich der Stadt liegt der Flugplatz Anklam. Der Binnenhafen Anklam wickelt den Güterverkehr über die Peene ab. 2003 wurden 85.000 Tonnen umgeschlagen. Seither hat der Handel in Richtung Stettin zugenommen.

Einwohnerentwicklung

Jahr Einwohner
1875 11.781
1890 30.689[1]
1939 19.682
1950 20.160

Kultur und Sehenswürdigkeiten

  • Die Marienkirche, eine dreischiffige Hallenkirche der Backsteingotik mit Südwest-Turm stammt aus dem 13. Jahrhundert. Sie wurde 1296 erstmals urkundlich erwähnt. Das Langhaus hat sechs Joche. Die Fensterwände wurden 1850 erneuert.
  • Die Nikolaikirche, eine dreischiffige Hallenkirche der Backsteingotik mit West-Turm stammt aus dem 14. Jahrhundert. Die Kirche ist 1945 ausgebrannt und seitdem Ruine. 1995 erhielt sie ein Notdach und wird seitdem grundlegend saniert. Der Wiederaufbau zur touristischen Nutzung wurde im Jahre 2007 beschlossen. Gegenwärtig finden bereits Konzerte, Ausstellungen und Vorträge statt.

Reste der alten Stadtbebauung mit einigen spätgotischen Bürgerhäusern:

    • Gotisches Giebelhaus von 1451 in der Frauenstraße 12
    • Großes Speicherhaus
  • Das 32 Meter hohe Steintor entstand um 1450 und ist das letzte erhaltene Stadttor. Es wurde nach aufwendiger Rekonstruktion 1989 als Stadt- und regionalgeschichtliches Museum übergeben. Die ständige Ausstellung widmet sich dem Kulturraum Peenetal und der durch den Fluß geprägten hanseatischen Stadtgeschichte. Die oberste Etage bietet außerdem einen Ausblick über die Stadt und die Peeneniederung.
  • Die Katholische Pfarrkirche Salvator, 1901 erbaut nach Entwürfen von Engelbert Seibertz wurde innen von 2005 bis 2006 vollständig saniert.
  • Das Otto-Lilienthal-Museum, dem berühmtesten Sohn der Stadt gewidmet, gehört zu den national bedeutenden kulturellen Gedächtnisorten und wurde mit nationalen und internationalen Auszeichnungen geehrt.
  • Das Denkmal für Otto Lilienthal wurde vom Warener Bildhauer Walther Preik entworfenen (eine Säule aus glasfaserverstärktem Polyesterharz mit einer Höhe von 16 m) und am 8. Juni 1982 am Anklamer Markt aufgestellt. Es bekam am 5. Dezember 2007 einen neuen Standort am Pferdemarkt.
  • Hoher Stein, Landwehrturm (1412) im Süden Anklams
  • Pulverturm (1450) mit Teilen der ehemaligen Stadtmauer
  • Garnisonskirche (1738)
  • Holländerwindmühle auf dem Peenedamm (1728), auch Wesselsche Mühle oder Schwedenmühle genannt. Es handelt sich um den seltenen Typ eines so genannten Dachholländers, bei dem die Holländerwindmühle auf ein Wohnhaus aufgesetzt ist.
  • Die 110-kV-Leitung Anklam-Bansin ist eine Stromleitung über die Peene, die durch die ungewöhnliche Konstruktion ihrer Masten (Seilverspannung) bemerkenswert ist.
  • Eisenbahnbrücke über die Peene, ein funktionstüchtiges technisches Denkmal das dem Eisenbahnverkehr Stralsund-Berlin dient
  • Kreuzkirche (1953)
  • Herrenhaus im Ortsteil Stretense

Bekannte, in Anklam geborene Personen

Fußnoten