Gobineau, Arthur de

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Arthur de Gobineau

Joseph Arthur de Gobineau (Lebensrune.png 14. Juli 1816 in Ville-d'Avray, bei Paris; Todesrune.png 13. Oktober 1882 in Turin) war ein französischer Diplomat und Schriftsteller, der den Begriff der arischen Rasse prägte.

Leben

Der Vater war Hauptmann der königlichen Garde, die Mutter Kreolin. Nach Schulbildung und Studium in Frankreich und der Schweiz trat der fließend Deutsch sprechende Gobineau 1849 in das französische Diplomatische Korps ein. 1855 wurde er mit einer Gesandtschaft nach Persien (Iran) geschickt. Viermal war er Botschafter Frankreichs. Er war erster Sekretär der Botschaft Bern, Gesandter per interim (zwischenzeitlich) am Hof Hannover, 1854 erster Sekretär der Botschaft bei der Frankfurter Vollversammlung, Gesandtschaftssekretär in Persien, Gesandter in Griechenland (1864–1868), Botschafter in Brasilien und Norwegen/Schweden (1872–1877).

Werk

Gobineau schrieb den 4bändigen „Versuch über die Ungleichheit der Menschenrassen“ (Essai sur l’inégalité des races humaines, 1853–1855), im Alter von 35 bis 42 Jahren. In dem Werk thematisiert er den vormals nur in sprachwissenschaftlicher Hinsicht verwendeten Begriff Arier erstmals in rassenkundlichem Zusammenhang und postulierte die Überlegenheit der arischen Rasse und darin der Germanen. Er ging von einer vollkommenen „Urrasse“, nämlich der „nordischen“, „arischen“ oder „germanischen Rasse“ aus. Das Werk wurde von Karl Ludwig Schemann, einem Mitglied des Bayreuther Kreises um Cosima Wagner, ins Deutsche übersetzt (Band I 1897).

Gobineaus Rassismus ist ein fatalistischer. Die Rassen weiß, gelb und schwarz vermischen sich unaufhaltsam. Eine Aufartung ist nicht in Sicht. Zum einen schrieb Charles Darwin zur Höherentwicklung erst 1859 die „Entstehung der Arten“, zum anderen schien der bürgerliche Gobineau (seine Titel de und Graf sind nicht nachweisbar) mit den antielitären Seiten der Französischen Revolution unzufrieden zu sein. Anfang des 18. Jahrhunderts kam im französischen Adel das Thema der zwei Rassen auf. Nach Augustin Thierry war der Dritte Stand die Zuflucht der Besiegten nach der Eroberung Frankreichs durch die im Adel aufgegangenen Germanen.[1]

Der geringe Verkauf der deutschen Übersetzung von 1897 bis 1901 steht im Zusammenhang mit der zeitgleichen Konkurrenz durch Chamberlains „Grundlagen des XIX. Jahrhunderts“. Houston Stewart Chamberlain (1855–1927), Schwiegersohn Richard Wagners, setzte sich bei der Auflagenhöhe ohne Probleme gegen Gobineau durch (300.000 vs. 4.000 bis 1935). Im Gegensatz zu Gobineau betrachtete Chamberlain weder den Juden als freundlich gesinnt noch sah er eine Rassenmischung vor dem Hintergrund einer ihm bekannten möglichen darwinistischen Hochzüchtung wie auch das Christentum derartig negativ oder das Germanentum wie bei Gobineau in England ausgeprägter als in Deutschland. Auch in seinem belletristischen Werk, wie z. B. den zwei weiteren Titeln des rassischen Blocks „L’Histoire d‘Ottar Jarl, pirate norvégien, conquérant du pays de Bray en Normandie“ und „Les Pléiades“ war Gobineau wenig erfolgreich. Die Bände I und II vom Essai, in 500 Exemplaren im Eigenverlag erschienen, wurden bis 1854 nur hundertmal verkauft. „Les Pléiades“ 1874 bis 1899 gerade zu 500 und die „Nouvelles asiatiques“ 1876 bis 1884 zu 400 Exemplaren. Auch hier thematisierte er seine aristokratischen Ansichten und seine Abneigung gegen die demokratische Massenkultur.

Wirkung

Richard Wagner (1813–1883) lernte den „Essai“ (1853/55) Gobineaus erst kennen, nachdem er dessen Drama „La Renaissance“ (1877) und die „Asiatischen Novellen“ (1876) gelesen hatte. Sechs Jahre vor Gobineaus Tod kam es zur ersten Begegnung zwischen beiden. 1881 ließ sich Gobineau an Wagners Seite den „Ring der Nibelungen“ (1848–1874) in Bayreuth vorführen. Wagner stellte ihm den 1852 in Köln geborenen Göttinger Bibliothekar Karl Ludwig Schemann vor, der dann dessen Werk als geistiger Erbe fortführte. Er gründete 1894 die „Gobineau-Gesellschaft“, die ihm die Veröffentlichung der von ihm durchgeführten Übersetzung des „Essais“ ermöglichte. Zusammen mit dem Arzt Ludwig Woltmann (1871–1907) gründete er im Jahre 1902 die „Politisch-Anthropologische Revue“.

Gobineaus rassentheoretischen Werke hatten in Deutschland Einfluß auf die völkische Bewegung. In den USA predigte Madison Grant mit seiner Schrift „The Passing of the Great Race“ die Überlegenheit der nordischen Rassen, die er durch Vermischung gefährdet sah. Der Gobineau-Übersetzer Karl Ludwig Schemann, der Publizist Ludwig Woltmann, der Anthropologe Otto Ammon sowie Houston Stewart Chamberlain gehörten in Deutschland zu Vertretern ähnlicher Thesen. In Frankreich wurden seine Thesen durch den Exilanten Moses Hess und Marquis Georges Vacher de Lapouge aufgenommen und vervollkommnet.

Mit seiner pessimistischen Aussicht war Gobineau kein Vordenker für die führenden Köpfe des Dritten Reiches. Hinzu kam seine Sicht der Juden als ein geschicktes und freies Volk. Im Vergleich zu den Anti-Oswald-Spengler-Schriften von Arthur Zweininger (1933) und von Johann von Leers (1934) gab es dergleichen zu Gobineau nicht, aber staatsgetragene Zustimmung ist auch nicht zu finden. Von einer in angeblich 5.000er Auflage gedruckten einbändigen Ausgabe von 1935 mit ausgelassenen deutschkritischen Äußerungen abgesehen (Deutsche seien keine höhere Rasse und nicht oder nicht mehr genug germanischen Wesens im Gegensatz zum Engländer), zu der nicht mal Karl Ludwig Schemann ein Vorwort schrieb, und Auswahlheften gab es keine große Propagierung seiner Ideen.

Schriften

Biographien und Untersuchungen

  • Alain de Benoist: Aus rechter Sicht. Eine kritische Anthologie zeitgenössischer Ideen. Zwei Bände. Aus dem Französischen übertragen von Patrick de Trevillert, Grabert-Verlag, Tübingen 1983, ISBN 3-87847-065-7 [484 S.]; 1984, ISBN 3-87847-074-6 [501 S.]; darin: Bd. 2, S.105–112

Fußnoten

  1. Éric Eugène: Wagner und Gobineau – Gibt es einen Rassismus Wagners? 2006. S. 31