Fürstenberg (Havel)

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Fürstenberg/Havel

Wappen
Staat: Deutsches Reich
Gau: Mecklenburg
Landkreis: Oberhavel
Provinz: Mecklenburg
Einwohner (31. Dez. 2009): 6.356
Bevölkerungsdichte: 29 Ew. p. km²
Fläche: 212,61 km²
Höhe: 53 m ü. NN
Postleitzahl: 16798
Telefon-Vorwahl: 033093
Kfz-Kennzeichen: OHV
Koordinaten: 53° 11′ N, 13° 9′ O
Fürstenberg/Havel befindet sich entweder unter Fremdherrschaft oder wird durch die BRD oder BRÖ staatsähnlich verwaltet.
Bundesland: Brandenburg
Bürgermeister: Robert Philipp (parteilos)

Fürstenberg/Havel ist eine deutsche Stadt im Norden von Brandenburg.

Lage

Fürstenberg liegt am südlichen Rand der Mecklenburgischen Seenplatte und wird vom Baalensee, Röblinsee und Schwedtsee umschlossen. Die Havel durchfließt die Stadt in vier (früher drei) Läufen. Der südliche Schiffahrtskanal und der „Iserdiek“ genannte nördliche Havellauf begrenzen das Große Werder, eine zentrale Insel, auf der die ursprüngliche Stadtsiedlung entstand.

Geschichte

bis zur Neuzeit

Das Zentrum der heutigen Stadt Fürstenberg war bereits vor rund 3.000 Jahren durch Germanen besiedelt; dies zeigen Keramikscherben, die im Jahre 2008 bei archäologischen Grabungen im Bereich der Burg gefunden wurden.

Fürstenberg selbst wurde erstmals 1287 in Zusammenhang mit einer Stiftung für die Kirche und 1318 als Stadt erwähnt. Die askanischen Markgrafen von Brandenburg nahmen in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts das Fürstenberger Gebiet in Besitz. Sie ließen eine Burg, die 1333 zum ersten Mal erwähnt wurde, als vorgeschobenen Stützpunkt errichten. In deren Schutz entstand eine deutsche Ansiedlung, die 1305 den Namen „Vorstenberge“ und 1318 „Vorstenberch“ erhielt. Die mittelniederdeutsche Form „vörste“/„vürste“ bedeutet nicht nur „Fürst“ im heutigen Sinne, sondern allgemein „Herrscher“, aber auch „vorderste“. Insofern ist der vorgeschobene Stützpunkt die „vorderste Burg“.

Mit dieser günstig am schiffbaren Oberlauf der Havel gelegenen Siedlung schlossen die Markgrafen zum einen die geographische Lücke zwischen ihrer Anfang des 12. Jahrhunderts erworbenen Herrschaft Stargard und Ländereien auf dem Barnim, die sie gleichzeitig mit einer Nord-Süd gerichteten Straße verbanden.

Die Entstehungszeit der Burg mit Grenzschutzfunktion ist bis heute ebenso wenig geklärt wie die Entstehungszeit der Stadt oder die Anlage der Stadtbefestigung. Die Stadtbefestigung umschließt dabei die Siedlung am Fuß der am Nordausgang der Stadt gelegenen Burg und zieht mit einem kreisförmigen Grundriß von etwa 400 Metern Durchmesser entlang einer Nord-Süd gerichteten Hauptstraße; das übliche Gitterschema der Kolonisationsstädte ist dabei nicht streng eingehalten.

Mit dem Land Stargard kam Fürstenberg 1292 in die Hände der Herren von (später: Herzöge zu) Mecklenburg. Durch den Hamburger Vergleich von 1701 wurde Fürstenberg Teil von Mecklenburg-Strelitz.

Im Dreißigjährigen Krieg fanden um Fürstenberg Kämpfe unter Beteiligung schwedischer Truppen statt. Bei 2008 im Umfeld der Burg Fürstenberg vorgenommenen archäologischen Grabungen wurde ein auf das Jahr 1638 datierter, aus Münzen und Schmuck bestehender Goldschatz gefunden. Die Münzen, deren jüngste eine Prägung von 1633 war, stammen aus Pommern, Holland, England, Spanien, Venedig und aus dem arabischen Raum. 1638 stellte dieser Goldschatz den Gegenwert eines Rittergutes dar – auf die heutige Zeit umgerechnet, betrüge sein Wert etwa 600.000 €.

Neuzeit

Im 20. Jahrhundert erlebte Fürstenberg einen industriellen Aufschwung. Aufgrund der landschaftlich reizvollen Lage und in Verbindung mit dem zunehmenden Fremdenverkehr entwickelte sich die Stadt zum Luftkurort.

Im Jahre 1938 wurde im heutigen Ortsteil Ravensbrück ein Konzentrationslager für Frauen, das KL Ravensbrück, errichtet. 1942 kam das KL Uckermark als Mädchen-Internierungslager (Jugendschutzhaftlager) hinzu, später noch ein Männerlager.

In den Jahren 1941/42 wurde in dem Dorf Drögen vor den Toren Fürstenbergs eine Sicherheitspolizeischule erbaut, in der künftige Angehörige von Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD ausgebildet wurden.

1945 wurde Fürstenberg von der Roten Armee eingenommen und gehörte fortan zur SBZ und seit 1949 zur Deutschen Demokratischen Republik. 1950 wurden Fürstenberg und einige umliegende Dörfer im Zuge einer Gebietsbereinigung zugunsten des Landes Brandenburg von Mecklenburg abgetrennt. Seit der Verwaltungsreform von 1952 gehörte die Stadt zum Kreis Gransee im DDR-Bezirk Potsdam. Fürstenberg war Standort der 2. Garde-Panzerarmee der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland. 1958 stationierte die Sowjetunion hier für kurze Zeit zwei Abschußrampen mit sechs nuklearen Mittelstreckenraketen des Typs R-5.

Seit der Neubildung der Länder in der DDR im Jahre 1990 gehört Fürstenberg wieder zum Land Brandenburg und ist seit 1993 Teil des neugebildeten Landkreises Oberhavel. Die nunmehr russischen Militäreinheiten wurden 1994 in ihre Heimat abgezogen. 2003 wurde das Amt Fürstenberg aufgelöst und die acht umliegenden Gemeinden Altthymen, Barsdorf, Blumenow, Bredereiche, Himmelpfort, Steinförde, Tornow und Zootzen wurden nach Fürstenberg eingemeindet.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Auf einer Insel nördlich des Altstadtkerns befindet sich das barocke Schloß Fürstenberg, das zwischen 1741 und 1752 nach Plänen des Baumeisters Christoph Julius Löwe als Witwensitz für eine mecklenburgische Herzogin errichtet wurde. Später diente es unter anderem als Sanatorium, Krankenhaus und Pflegeheim. Künftig soll es ein Hotel beherbergen.

Weitere Sehenswürdigkeiten sind:

  • Ruine des Klosters Himmelpfort mit Dorfkirche und Brauhaus (2010 abgebrannt)[1]
  • Evangelische Stadtkirche am Marktplatz, 1845 von Friedrich Wilhelm Buttel erbaut
  • Wasserburg Fürstenberg, ältestes Bauwerk der Stadt, das ursprünglich an allen Seiten von Wasser umgeben war. Von den alten Gebäuden der Burg sind nur noch der Ostflügel, der Südflügel und teilweise der Westflügel erhalten. Das derzeit leerstehende Gebäude ist baulich in einem schlechten Zustand und nicht zu besichtigen.
  • Brandenburgisches Forstmuseum Fürstenberg, Rathenaustraße 16. Forsthistorische Sammlung. Ständig wechselnde Ausstellungen, Vorträge, Lesungen, Filmvorführungen und Podiumsdiskussionen zu aktuellen Themen der Natur und der Umwelt sowie der Geschichte der Region. Zentrum für kulturelle Aktivitäten. (Träger des Museums: Verein für Forstgeschichte, Regionalgeschichte und Umweltbildung e. V.)
  • Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges mit Figur des Bildhauers Hans Dammann
  • Technisches Denkmal Eisenbahnfähre Fürstenberg, Zehdenicker Straße. Einzige selbstfahrende Eisenbahnflussfähre Deutschlands und Europas im Fährbecken Süd mit Gleisanlage, Lokschuppen und Fähr-Diesellokomotive sowie gegenüber liegendem Fährbecken Nord. Die Fähre ist nicht in Betrieb. Die Besichtigung und das Betreten des Fährgeländes ist jederzeit möglich.

Verkehr

Durch Fürstenberg führt in Nord-Süd-Richtung die Bundesstraße 96. Der Bau einer Ortsumfahrung wird vom Bund zum vordringlichen Bedarf im Bundesverkehrswegeplan gezählt. Bisher hat das Land Brandenburg dafür aber nicht die Planungsmittel freigegeben.

Die Stadt liegt an der Oberen-Havel-Wasserstraße. Als „Tor zur Mecklenburger Seenplatte“ bietet sie vielfältige Ausflugmöglichkeiten auf der Havelwasserstraße, den abzweigenden Nebenwasserstraßen sowie auf den an ihnen liegenden zahlreichen Seen.

Fürstenberg ist Haltebahnhof an der Hauptstrecke BerlinStralsund und Rostock (Preußische Nordbahn). Der Regionalexpress der Linie RE 5 verkehrt hier im Stundentakt ganztägig von und nach Berlin. Die Fahrzeit wurde seit Eröffnung des neuen Hauptbahnhofes der Hauptstadt Berlin 2006 auf etwa eine Stunde verkürzt.

Die 1996 von der Deutschen Bahn AG stillgelegte Nebenbahn nach Templin wird als Fahrraddraisinenstrecke genutzt. Sie war 1996 damit zugleich die erste ihrer Art in Deutschland.

Der Radfernweg Berlin-Kopenhagen durchquert die Stadt auf der Strecke Bredereiche–Himmelpfort–Ravensbrück–Fürstenberg–Steinförde.

Tourismus

In Fürstenberg und seiner seen- und waldreichen Umgebung spielt der Tourismus seit über 100 Jahren eine wichtige Rolle. Seine Entwicklung setzte vor allem durch den Bau der Preußischen Nordbahn Ende des 19. Jahrhunderts ein, wodurch viele Berliner Sommerfrischler den Weg in die Gegend fanden. Aus dieser Zeit stammen einige baulich herausragende Ferienheime im Röblinseeviertel, die heute zum Teil noch als Ruinen stehen oder inzwischen durch neue Besitzer wieder hergerichtet worden sind.

Von erheblicher Bedeutung für den Besucherverkehr ist die „Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück“. In den Gebäuden wurden eine Jugendbegegnungsstätte und eine Jugendherberge eingerichtet.

Das „Brandenburgische Forstmuseum“ in Fürstenberg, Rathenaustraße 16, bietet neben der Dauerausstellung „Waldwege“, laufend wechselnde Ausstellungen zu unterschiedlichen kunst- und kulturgeschichtlichen Themen, Buchlesungen, Waldwanderungen, Filmvorführungen zu unterschiedlichen Fachgebieten sowie heimatkundliche Vorträge an. Außerdem angepasste, thematisierte Veranstaltungen, besonders auch während der Ferien für Schüler. Zum Bildungsangebot des Forstmuseums gehören für interessierte Besucher jeweils dienstags Begehungen im Wald unter forstfachlicher Anleitung.

Bekannte, in Fürstenberg geborene Personen

Fußnoten