Forst (Lausitz)

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Forst

Wappen
Staat: Deutsches Reich
Gau: Mark Brandenburg
Landkreis: Spree-Neiße
Provinz: Brandenburg
Einwohner (2009): 20.971
Bevölkerungsdichte: 190 Ew. p. km²
Fläche: 110 km²
Höhe: 72 m ü. NN
Postleitzahl: 03141–03149
Telefon-Vorwahl: 03562
Kfz-Kennzeichen: SPN (alt: FOR)
Koordinaten: 51° 44′ N, 14° 38′ O
Forst befindet sich entweder unter Fremdherrschaft oder wird durch die BRD oder BRÖ staatsähnlich verwaltet.
Bundesland: Brandenburg
Bürgermeister: Jürgen Goldschmidt (FDP)

Forst (Lausitz) in der Niederlausitz ist die Kreisstadt des Landkreises Spree-Neiße. Forst ist neben Neukirch/Lausitz der einzige Ort mit dem Namenszusatz Lausitz, andere Orte benennen in ihren Namenszusätzen den Teil der Lausitz explizit, beispielsweise Weißwasser/Oberlausitz. 2004 erhielt Forst den Titel „Rosenstadt“.

Geschichte

Heinrich Reichsgraf von Brühl (1700–1763); Reichsgraf von Brühl erwarb 1740 seinen künftigen Hauptsitz, das Schloß Pförten, Zentrum der Standesherrschaften Forst und Pförten in der Niederlausitz. Das Schloß ließ er 1741–1749 nach Entwürfen des Architekten Johann Christoph Knöffels im Stil des Rokoko umbauen. Ab 1749 residierte Brühl mit seinem Hofstaat häufig auf seinem 1740 erworbenen Schloß Pförten in der Niederlausitz und empfing dort den Kurfürsten und andere Gäste. Forst und Pförten blieben bis zur Plünderung durch die Rote Armee im Jahr 1945 und der anschließende Enteignung durch den feindlichen Besatzer im Besitz der Grafen von Brühl.

Südlich des Dorfes Altforst mit der Marienkirche bildete sich wohl um 1150 am Übergang der wichtigen West-Ost-Straße von Halle nach Glogau (Salzstraße) über die Neiße eine Kaufmannssiedlung mit Nikolaikirche, woraus sich seit etwa 1265 die regelmäßig angelegte, im 14. Jahrhundert erstmals als solche bezeichnete Stadt entwickelte, für deren Gedeihen später auch die Nord-Süd-Straße von Guben in die Niederlausitz an Bedeutung erlangte. Der Rat konnte die Niedergerichte erwerben. 1352 bekam Katharina von Ileburg von Friedrich III. von Meißen die Herrschaft Forst im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation verliehen.

Seit 1380 saßen auf der Burg westlich des Mühlgrabens die Biebersteiner als Vasallen des Markgraftums Niederlausitz, zumeist in Verbindung mit der Herrschaft Pförten, die in der Landesverfassung eine bevorzugte Stellung innehatte. Sie blieben dort bis zum Aussterben der Adelsfamilie mit Ferdinand II. 1667. Im Jahre 1428 bestätigten Ulrich, Wenzel und Friedrich von Bieberstein die Stadtrechte. Nach der Reformation im 16. Jahrhundert wurde auch in Forst in der sorbischen Volkssprache gepredigt. Vier der sieben Bürgermeister dieses Jahrhunderts trugen sorbische Namen.

Sächsische Herrschaft

1626 besetzte im Dreißigjährigen Krieg der Feldherr Wallenstein mit seinen Truppen Forst. Mit der Niederlausitz fiel die Stadt 1635 an das Kurfürstentum Sachsen und war von 1656/57 bis 1746 Teil des Herzogtums Sachsen-Weißenfels.

Das seit 1418 privilegierte Tuchmacherhandwerk prägte die Wirtschaft der Stadt, es erhielt seit 1628 Zuzug durch Tuchmacher aus den Niederlanden sowie den schlesischen Orten Lissa, Meseritz und Fraustadt, so daß 1695 die Innung 50 Meister zählte. 1704 nahm Herzogin Luise-Elisabeth von Sachsen-Merseburg ihren Witwensitz in Forst.

Heinrich Reichsgraf von Brühl

1746 erwarb Heinrich Reichsgraf von Brühl die Herrschaft Forst und vereinigte sie wieder mit Pförten. Das Volk war dem Grafen für diese Vereinigung dankbar, auch deshalb erhielt er in Forst die letzte Ruhestätte. 1748 verheerte ein großer Brand die Stadt. Der Wiederaufbau erfolgte nach Plänen von Brühl und Baumeister Knöffel. Nach 1750 richtete der Graf als Besitzer von Forst eine Tuch- und Leinenmanufaktur im Jahnschen Schloß ein.

Im Siebenjährigen Krieg, ausgelöst durch den Deutschen Dualismus zwischen dem Königreich Preußen und dem Erzherzogtum Österreich, riet Heinrich von Brühl gegen Preußen zu agieren. Die zur Reichsarmee gehörende Sächsische Armee wurde jedoch in Sachsen von der Preußischen Armee besiegt, das Kurfürstentum dann durch Friedrich dem Großen besetzt. Sachsen war finanziell ruiniert.

1758 wurde Schloß Pförten niedergebrannt. Um 1858 erfolgte eine Restaurierung. Von 1919 bis 1924 wurde es wieder aufgebaut.

Kurfürst Friedrich August II., seit geraumer Zeit krank, verstarb 1763. Der neue Kurfürst Sachsens, Friedrich Christian, entließ Heinrich von Brühl noch am selben Tag als Premierminister und ließ sein Vermögen teilweise beschlagnahmen. Drei Wochen später verstarb der in Ungnade gefallene Reichsgraf. Die Katholische Hofkirche verweigerte eine Beisetzung. In Dresden war der verstorbene Heinrich von Brühl nicht mehr willkommen. Seine Überreste wurden in die Herrschaft Forst-Pförten überführt. Er wurde am 4. November 1763 unter dem Taufstein der Stadtkirche (Brühlgruft in der St. Nikolai-Kirche) beigesetzt.

Preußische Herrschaft

1815 kam Forst durch den Wiener Frieden an Preußen und wurde dem brandenburgischen Kreis Sorau im Regierungsbezirk Frankfurt/Oder zugeteilt. 1821 errichtete der Kaufmann Jeschke auf dem Schloßgrundstück die erste Spinnfabrik. 1832 erschien die erste Forster Zeitung. 1837 erfolgte die Vereinigung der Stadt- und Amtsgemeinde. Die Herstellung von Buchskin seit 1840 und die Einführung der Dampfmaschine 1844 ließ Forst zu einer der bedeutendsten Textilstädte werden („deutsches Manchester“).

1863 nahm die Gasfabrik ihren Betrieb auf, 1888 eröffnete der städtische Schlachthof und 1903 das Wasserwerk. 1875 wurde das Dorf Altforst eingemeindet. 1880 entstand das Gymnasium und 1891 die Webschule. 1897 wurde Forst Stadtkreis. Im gleichen Jahr suchte ein verheerendes Hochwasser die Stadt heim. Die Einwohnerzahl stieg mit der Industrialisierung von 2.600 im Jahre 1830 auf 32.000 im Jahre 1900. 1872 entstand die Bahnverbindung nach Cottbus und Sorau, 1891 nach Weißwasser und 1904 nach Guben.

1922 wurde die Große Neißebrücke errichtet und 1932 begann man mit der Regulierung des Flusses. 1937 feierte die Stadt das 450-jährige Bestehen der Königskompanie der Forster Schützengilde.

Zweiter Weltkrieg

Am Ende des Zweiten Weltkrieges eroberten in der Zeit vom 16. bis 18. April 1945 sowjetische Truppen Forst. Nach Beendigung der Kämpfe und des bolschewistischen Terrors lagen 85 Prozent der Stadt in Trümmern.

Nachkriegszeit

Die Gebiete rechts der Neiße (Stadtteil Berge) wurden unter polnische Verwaltung gestellt, die Einwohner brutal vertrieben oder ermordet.

Kreisstadt

1952 erhielt Forst den Status einer Kreisstadt (Kreis Forst) des Bezirks Cottbus. 1993 wurde Forst Kreisstadt des Landkreises Spree-Neiße.

Wiederaufbau und Neustrukturierung

In den 1970er und 1980er Jahren wurden zahlreiche neue Gebäude in der Innenstadt errichtet. Mit der Teilwiedervereinigung im Jahre 1989 begann eine Neustrukturierung der kommunalen Infrastruktur. 2002 erfolgte die Eröffnung der „Grenz“-Brücke Forst–„Zasieki“ („Brücke der Europäischen Union“).

Sehenswürdigkeiten

  • historischer Wasserturm
  • Ostdeutscher Rosengarten Forst
  • eine der ältesten Radrennbahnen Deutschlands (17. Juni 1906)

Bekannte, in Forst geborene Personen

  • Friedrich Bader (1908–1997), Oberstleutnant und Ritterkreuzträger des Zweiten Weltkrieges
  • Arved Birnbaum (Lebensrune.png 1962), Schauspieler und Regisseur
  • Charlotte Beradt (1907–1986), Journalistin und Publizistin
  • Georg Bose (1921–2011), Leutnant und Ritterkreuzträger des Zweiten Weltkrieges
  • Werner Heyde (1902–1964), Psychiater
  • Paul Hornick (1898–1964), Politiker (KPD, SED)
  • Marie E.P. König (1899–1988), Archäologin
  • Erich Neumann (1892–1948), nationalsozialistischer Staatssekretär
  • Günter Nooke (Lebensrune.png 1959), Politiker (CDU), MdB und DDR-Oppositioneller
  • Michael Schierack (Lebensrune.png 1966), BRD-Politiker (CDU) und Landtagsabgeordneter in Brandenburg
  • Max Seydewitz (1892–1987), sozialistischer Politiker, Ministerpräsident Sachsens (1947–1952)
  • Georg Thomas (1890–1946), General der Infanterie der Wehrmacht
  • Dietmar Woidke (Lebensrune.png 1961), seit 2004 Minister für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Verbraucherschutz in Brandenburg