Brief von Weizmann an Chamberlain vom 29. August 1939

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Der britische Premierminister Chamberlain (1869–1940) in München, September 1938

Nicht, wie manchmal angegeben, am 2., 3. oder 5. September, sondern bereits am 29. August 1939, also noch vor dem deutschen Einmarsch in Polen, schrieb Chaim Weizmann seinen Brief an Neville Chamberlain. Dieser Brief wird von dem deutschen Historiker Ernst Nolte auch als (zweite) Jüdische Kriegserklärung an Deutschland gewertet. Später wurde Weizmann, von dem die spätere israelische Ministerpräsidentin Golda Meir in ihren Memoiren (S. 197f.) meinte, daß er „zweifellos Führer und erster Sprecher des Weltjudentums“ gewesen sei, erster Präsident des Staates Israel.

Der Brief wurde zusammen mit der Antwort Chamberlains eine Woche darauf in der „Times“ veröffentlicht.

Inhaltsverzeichnis

Wortlaut

„Sehr geehrter Herr Premierminister!
In dieser Stunde der äußersten Krise drängt mich das Bewußtsein, daß die Juden zur Verteidigung der geheiligten Werte einen Beitrag zu leisten haben, Ihnen diesen Brief zu schreiben. Ich möchte auf das ausdrücklichste die Erklärung bekräftigen, die ich und meine Mitarbeiter während der letzten Monate und besonders in der letzten Woche abgegeben haben: daß die Juden bei Großbritannien stehen und an der Seite der Demokratien kämpfen werden. Es ist unser dringender Wunsch, diesen Erklärungen Wirkung zu geben. Wir möchten dies in einer Weise tun, die ganz mit den britischen Aktionsplänen übereinstimmt und uns deshalb, in kleinen wie in großen Dingen, unter die koordinierende Führung der Regierung seiner Majestät stellen. Die Jewish Agency ist bereit, sich an sofortigen Vorbereitungen für die Nutzung jüdischer Arbeitskräfte, technischer Fähigkeiten, Hilfsmittel usw. zu beteiligen. Die Jewish Agency hat in letzter Zeit mit der Mandatsmacht im politischen Bereich Auseinandersetzungen gehabt. Wir würden es gerne sehen, wenn diese Meinungsverschiedenheiten zurücktreten könnten angesichts der derzeitigen größeren und dringenderen Erfordernisse. Wir möchten Sie bitten, diese Erklärung in dem Geiste anzunehmen, in dem sie gemacht wurde. Ich bin, sehr geehrter Herr Premierminister, Ihr ergebener Ch. W.“[1]

Chaim Weizmann konnte in seinem Brief an Chamberlain natürlich nur im Namen der Organisation sprechen, die er vertrat. Die Zionistische Weltorganisation umfaßte im Jahre 1939 über eine Million Juden, jedoch nur wenig mehr als sechs Prozent der gesamten jüdischen Bevölkerung der Welt. Interessanterweise hatte Weizmann jedoch noch kurz zuvor, am 16. August 1939, vor dem 21. Zionistischen Weltkongreß in Genf die Weigerung der Briten, jüdische Flüchtlinge nach Palästina einreisen zu lassen, beklagt.

Zwei Wochen später, am 13. September 1939, veröffentlichte das „Centraalblad voor lsraeliten in Nederland“ folgende Erklärung:

„Die Millionen von Juden, welche leben in Amerika, England, Frankreich, in Nord- und Südafrika, ohne Palästina zu vergessen, sind entschlossen, den Ausrottungskrieg nach Deutschland zu tragen bis zur totalen Vernichtung.“"

Rezeption nach 1945

Im „Spiegel“ hieß es in der Ausgabe Nr. 38/1963:

„Bekanntlich ist keine deutsche Wehrmacht, die schon Anfang Mai 1945 bedingungslos kapitulierte, als Palästina noch britisches Mandatsgebiet war, in das Territorium des heutigen Staats Israel einmarschiert, was sie aufgrund des Kriegszustandes hätte tun können. Wenn nun aber tatsächlich der Präsident des zionistischen Weltkongresses und spätere erste Präsident des Staates Israel, Weizmann, die Juden zum Kampf gegen Deutschland aufgerufen und eine Beistandserklärung des zionistischen Kongresses der britischen Regierung übermittelt hat, wie Herr Professor Hofstätter unter Berufung auf Peter Kleist ausführte, so kommt dies insofern einer Kriegserklärung an das Deutsche Reich nahe – übrigens im August 1939, also vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges.“[2]

Selbst der Richter im Eichmann-Prozeß, Halevy, kam nicht umhin, angesichts der Weizmann-Erklärung mitzuteilen:

„Es gab tatsächlich eine Erklärung von Professor Chaim Weizmann aus dem Jahre 1939, die man als Kriegserklärung des Judentums an Deutschland verstehen konnte.“

Siehe auch

Literatur

Fußnoten

  1. Quelle: Theresienstädter Dokumente, Seite 320
  2. „Der Spiegel“ (Nr. 38/1963, Hofstätter-Gespräch)
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