Morgenthau-Plan

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Skizze des VS-amerikanischen Finanzministers Henry Morgenthau: Deutschland ein Ackerland, die Industrie an Rhein und Ruhr zerstört, das Gebiet bis zum Nord-Ostseekanal eine internationale Zone, das Land in zwei seperate Staaten geteilt, das Saargebiet bei Frankreich.

Der Morgenthau-Plan war ein vom jüdischen damaligen VS-Finanzminister Henry Morgenthau (1891–1967) entwickelter Plan, wie mit dem besiegten Deutschen Reich nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges verfahren werden sollte.

Inhaltsverzeichnis

Erläuterung

Der Plan, den Morgenthau am 2. September 1944 niederlegte, sah eine Teilung Deutschlands in einen Norddeutschen Staat, einen Süddeutschen Staat und eine Internationale Zone sowie eine komplette Deindustrialisierung und die Umwandlung in ein Agrarland, einhergehend mit einer drastischen Dezimierung der Bevölkerung im Zeitraum von 20 Jahren vor. Morgenthau befürwortete auch eine Sterilisation aller Deutschen unter 40 Jahren.[1] Der Plan enthielt, in der jeweils radikalsten Form, alle Vorschläge und Maßnahmen, die in der Kriegszieldebatte der Alliierten bis dahin schon einmal aufgetaucht waren. Vorrangig war es jedoch ein Massenmordplan an Deutschen; vorgesehen war die Vernichtung von bis zu 40 Prozent des deutschen Volkes. Der Plan wurde nur wegen des Todes des VS-amerikanischen Präsidenten Franklin Roosevelt nicht in die Tat umgesetzt.

Maßnahmen im einzelnen

Der Morgenthau-Plan versammelt alle Vorschläge, die auf alliierter Seite im Rahmen einer sogenannten Nachkriegsordnung für Deutschland ernsthaft diskutiert wurden. Er beinhaltete folgende Punkte:

  • Demilitarisierung Deutschlands
  • Umwandlung des Landes in einen Agrarstaat
  • Demontage der deutschen Industrie
  • Stillegung bzw. Zerstörung der Bergwerke
  • Gebietsannexionen und Aufteilung Deutschlands in einen nord- und einen süddeutschen Staat
  • Internationalisierung von Rheinland und Ruhrgebiet
  • Generalplan zur Umerziehung und psychologischen Beeinflussung der Deutschen

Mit diesen Maßnahmen sollte sichergestellt werden, daß Deutschland für alle Zeiten nachhaltig geschwächt und zukünftig als politische und wirtschaftliche Konkurrenz ausgeschaltet wird.

Völkerrechtswidrige Grenzziehungsvarianten

Auf Basis des Morgenthauplans wurden durch die verschiedenen Fachressorts der britischen und VS-amerikanischen Außenministerien folgende völkerrechtswidrige Grenzziehungsvarianten diskutiert:

Auf Basis des Morgenthauplans diskutierte Grenzziehungsvarianten mit Donauföderation (kleine Lösung)
Auf Basis des Morgenthauplans diskutierte Grenzziehungsvarianten mit Donauföderation (große Lösung)

Insbesondere auf Drängen Stalins wurden diese Pläne jedoch erheblich verändert.

Öffentliche Reaktion

Der Plan, zunächst geheim, sollte ein Gegengewicht zu weiteren Plänen des alliierten Oberkommandos unter Eisenhower bilden. Am 15. September 1944 wurde eine bereits abgeschwächte Version auf der Konferenz von Quebec vom britischen Premierminister Churchill und dem amerikanischen Präsidenten Roosevelt paraphiert. Der britische Außenminister Anthony Eden und der VS-amerikanische Außenminister Cordell Hull protestierten. Auch Churchill war anfänglich gegen den Plan, wurde aber durch Professor Lindemann, einem Volksgenossen Morgenthaus und wie dieser ein fanatischer Deutschenhasser, dazu überredet und war laut Morgenthau letztlich der alleinige Verfasser.[2] Der Historiker David Irving schreibt in seinem Werk über den Morgenthau-Plan dazu folgendes:

„Als Churchill am 15. September in Anwesenheit von Henry Morgenthau und Harry Dexter White mit Roosevelt mittags zusammentraf, standen für ihn eindeutig die finanziellen Probleme Großbritanniens im Vordergrund und nicht die Zukunft Deutschlands. Roosevelt las den Entwurf des Pacht-und Leih-Abkommens für Phase II durch und genehmigte ihn mit einer geringfügigen Änderung. Aber jedesmal, wenn er drauf und dran schien, den Entwurf zu unterzeichnen, unterbrach er sich mit einer neuen Anekdote – er befand sich in einer seiner gesprächigen Phasen, wie Morgenthau es bezeichnete. Churchill konnte sich nicht mehr beherrschen. ‚Was soll ich nun eigentlich tun‘, rief er nervös aus. ‚Männchen machen und betteln wie Falla?‘ (Dokument Nr. 55). Roosevelt genoß jeden Augenblick der erniedrigenden Notlage Churchills – d. h. Großbritanniens. Aber dann unterschrieb er endlich: OK, FDR. Churchill setzte hinzu: WC, 15.9. (Eine Kopie dieses Dokuments befindet sich ebenfalls bei den Forrestal-Papieren; siehe auch das Tagebuch von Leahy vom 19. Oktober 1944.) Eine Last fiel Churchill von der Seele. Rührung übermannte ihn, und Morgenthau sah Tränen in den Augen des alten Mannes. Überschwenglich dankte er Roosevelt nach der Unterzeichnung und sagte, es sei etwas, was sie beide jeder für sein Land täten.“[3]

Durch eine gezielte Indiskretion wurde der Plan am 21. September 1944 in die Öffentlichkeit gespielt. Die öffentliche Reaktion war so negativ und antisemitisch, daß sich Roosevelt, der sich mitten im Wahlkampf befand, öffentlich distanzieren mußte. Ab September 1944 wurde der Plan offiziell nicht mehr erwähnt.

Tatsächliches Vorgehen

Der Plan wurde, da er bereits ab 1944 nicht mehr offiziell erwähnt werden durfte, im Nachkriegsdeutschland nicht in all seinen Einzelheiten umgesetzt. So bestimmte die Truman-Doktrin 1947 die außenpolitische Leitlinie der VS-Außenpolitik im Kalten Krieg. Diese sah es als strategisch wichtig an, vor allem diejenigen sich zum Westen rechnenden Staaten militärisch und wirtschaftlich zu unterstützen, welche an den Ostblock grenzten. So kam es, daß Westdeutschland 1948 in den Marshallplan einbezogen wurde und bis 1952 ca. 1,4 Mrd. VS-Dollar Wirtschaftshilfe von den Vereinigten Staaten von Amerika (VSA) erhielt. Die Alliierten verlangten jedoch von den Deutschen ca. 2,4 Mrd VS-Dollar jährlich allein zur Deckung ihrer Besatzungskosten. Dies entsprach ca. der Hälfte der Kommunalausgaben des Jahres 1948.

Im Oktober 1945 publizierte Morgenthau sein Buch „Deutschland ist unser Problem“. Dort erläuterte er die Ziele seines Planes.

Ab März 1947 warnte Herbert Hoover, daß der Plan nur durch das Töten oder Vertreiben von 25 Million Deutscher umgesetzt werden könne:

„Es existiert die Illusion, daß das nach den Einverleibungen [Anm.: Teile des Deutschen Reiches durch die Siegernationen] übriggebliebene neue Deutschland zu einem landwirtschaftlichen Staat herabgesetzt werden kann. Dies könnte nur dann gelingen, wenn wir 25.000.000 Menschen ausrotten oder aus ihm umsiedeln würden.“[4]

Die amerikanische Politik änderte sich zwar kurz darauf aufgrund des kalten Krieges, doch Demontagen fanden trotzdem noch bis 1951 statt. Die Durchführung des Morgenthau-Planes wurde erst beendet, als der kalte Krieg ausbrach und die Westmächte den Westen Deutschlands als Bollwerk gegen den sich ausbreitenden Kommunismus wieder gebrauchen konnten. Diese Entwicklung war wenige Jahre zuvor bereits von Adolf Hitler vorausgesagt worden.

Zitate zum Plan

Morgenthau war vor und während des Krieges einer der aktivsten Befürworter eines Krieges gegen Deutschland in den VSA.

Zitate aus Morgenthaus Aufzeichnungen:

  • „Wenn wir die Ruhr stillegen, werden die Minen und Zechen Englands auf Jahre florieren.“ (31. August 1944)
  • „Wir würden der Wirtschaft Englands damit einen großen Dienst erweisen.“ (2. September 1944)
  • „Was aus den Deutschen wird, ist mir egal. [...] Ich bin dafür, daß das alles erst einmal vernichtet wird. Dann können wir uns über die Bevölkerung den Kopf zerbrechen.“ (4. September 1944)
  • „Ich würde nicht davor zurückschrecken, unsere Empfehlungen so unbarmherzig zu machen, wie es nötig ist, um unsere Ziele zu erreichen.“ (Ende August 1944)
  • „Diese Burschen [die Deutschen] sind ja so schlau und solche Teufel. Bevor man sich’s versieht, haben sie wieder ein Heer, das marschiert. Ich weiche keinen Zoll zurück. Natürlich ist es ein ungeheures Problem. Sollen die Deutschen es lösen. Warum zum Teufel soll ich mir den Kopf zerbrechen, was mit ihnen passiert. Die Lösung scheint schrecklich, unmenschlich, grausam zu sein.“ (4. September 1944)

Morgenthau erwähnt Roosevelts Bemerkung vom 19. August 1944:

„Wir müssen mit den Deutschen hart sein. Das heißt mit dem deutschen Volk, nicht nur mit den Nazis. Wir müssen sie entweder kastrieren oder so mit ihnen verfahren, daß sie nicht länger Menschen zeugen, die so wie bisher weitermachen.“

Dies entspricht auch der späteren Direktive an die VS-Besatzungstruppen in Deutschland „JCS 1067“ vom April 1945, in der es heißt:

„Deutschland wird nicht besetzt zum Zwecke seiner Befreiung, sondern als ein besiegter Feindstaat.“[5]

Der VS-Völkerrechtler und ehemalige Chef der Beschwerdeabteilung des UN-Hochkommissars für Menschenrechte, Prof. Alfred M. de Zayas, stellt in seinem Buch „Die Anglo-Amerikaner und die Vertreibung der Deutschen“ den Widerspruch dar, der sich daraus ergibt, aus Deutschland ein Agrarland machen zu wollen und ihm gleichzeitig seine wichtigsten Agrargebiete zu nehmen (im Morgenthau-Plan vorgesehene Gebietsabtretungen) und stellt fest, daß Deutschland nur als Industrieland überleben konnte, ansonsten verhungern müßte. Zayas gibt unter Quellennennung des Protokolls Congressional Record, Senate, S. 5039 vom 15. Mai 1946 die Äußerung des amerikanischen Senators Shipstead im Senat wieder, als der Plan schon nicht mehr offiziell erwähnt wurde: „Amerikas ewiges Schanddenkmal, der Morgenthau-Plan für die Vernichtung der deutschsprechenden Menschen.“

Der VS-Amerikaner George N. Crocker beschreibt in seinem Buch „Schrittmacher der Sowjets“ einen ganz anderen Aspekt des Morgenthau-Plans. Er erwähnt die Meldung des FBI an das Weiße Haus vom 8. November 1945 und bestätigend vom 4. Dezember 1945, daß ein Mitarbeiter Morgenthaus, Harry Dexter White, der den Plan ausgearbeitet hatte, als Agent der sowjetischen Regierung überführt wurde. White habe den Plan im Auftrage der Sowjetunion erstellt, weil dieser die Wirtschaft Westeuropas zerstört und Europa so für die Übernahme durch den Kommunismus reif gemacht hätte. Der VS-Außenminister Hull sprach von Morgenthaus Plan als „blinder Rache“, weil sie ganz Europa treffe, denn die Industrien der europäischen Staaten waren auf Lieferungen deutscher Kohle angewiesen. Hull:

„Siebzig Millionen Menschen können nicht innerhalb Deutschlands nur von der Landwirtschaft leben. Sie müßten entweder verhungern oder anderen Völkern zur Last fallen. Außerdem würde dieser Plan unter den Deutschen ewigen Haß entfachen.“[6]

Verarbeitung in der Literatur

In der Literatur wurde das Thema in folgenden alternativweltgeschichtlichen Romanen verarbeitet:

  • Oliver Henkel: Im Jahre Ragnarök
  • Christoph Ransmayr: Morbus Kitahara
  • Thomas Ziegler: Die Stimmen der Nacht

Siehe auch

Literatur

Verweise

Fußnoten

  1. Vgl.: Richard Bassett: Hitlers Meisterspion – Das Rätsel Wilhelm Canaris, Böhlau-Verlag, Wien 2007, S. 182
  2. Lord Moran: Churchill: The Struggle for Survival, 1940–1965, Houghton Mifflin, Boston, 1966, S. 190 f. Zit. n. Ralph Raico: Rethinking Churchill (HTML
  3. David Irving: Der Morgenthau-Plan S. 34/35 (Netzbuch)
  4. „There is the illusion that the New Germany left after the annexations can be reduced to a ‘pastoral state’. It cannot be done unless we exterminate or move 25,000,000 people out of it.“
  5. in: Wolfgang Popp: Wehe den Besiegten! Versuch einer Bilanz der Folgen des Zweiten Weltkrieges für das deutsche Volk, Grabert-Verlag 2001, S. 13
  6. Cordell Hull The Memoirs of Cordell Hull, Macmillan 1948
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